Erhöhung der Dosis von Epilepsie-Medikamenten: Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine der häufigsten schweren neurologischen Erkrankungen. Die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika (ASM) ist ein Eckpfeiler der Behandlung, wobei etwa zwei von drei Patienten anfallsfrei werden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Erhöhung der Dosis von Epilepsie-Medikamenten, einschließlich der damit verbundenen Aspekte, Risiken und Vorteile.

Einführung in die Epilepsiebehandlung

Epilepsie-Medikamente können Anfällen vorbeugen, indem sie die übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn hemmen. Obwohl sie die Ursachen der Epilepsie nicht heilen, können sie das Risiko von Anfällen erheblich senken. Die Entscheidung für eine medikamentöse Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Wahrscheinlichkeit weiterer Anfälle, die Art der Epilepsie, die Auswirkungen der Anfälle auf die Lebensqualität und die potenziellen Nebenwirkungen der Medikamente.

Wann ist eine Dosiserhöhung in Betracht zu ziehen?

In der Regel beginnt die Behandlung mit einem einzelnen Wirkstoff in einer niedrigen Dosierung. Wenn dies nicht ausreicht, um die Anfälle zu kontrollieren, wird meist zunächst die Dosis gesteigert. Hilft auch das nicht ausreichend oder treten dabei starke Nebenwirkungen auf, wird ein anderer Wirkstoff eingesetzt. Häufig müssen mehrere Medikamente ausprobiert werden, um ein wirksames zu finden. Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, Anfälle zu verhindern. Ist dies nicht möglich, wird versucht, zumindest ihre Zahl zu verringern.

Die Notwendigkeit einer Dosiserhöhung kann sich aus verschiedenen Gründen ergeben:

  • Unzureichende Anfallskontrolle: Wenn die Anfälle trotz der aktuellen Medikation weiterhin auftreten, kann eine Dosiserhöhung erforderlich sein, um eine bessere Anfallskontrolle zu erreichen.
  • Veränderungen im Körpergewicht oder Stoffwechsel: Bei Kindern kann es erforderlich sein, die Dosis anzupassen, wenn sie wachsen und sich ihr Körpergewicht verändert. Auch bei Erwachsenen können sich im Laufe der Zeit Veränderungen im Stoffwechsel ergeben, die eine Dosisanpassung erforderlich machen.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Einige Medikamente können die Wirkung von Antiepileptika beeinflussen, was eine Dosiserhöhung erforderlich machen kann, um die gewünschte Anfallskontrolle aufrechtzuerhalten.

Risiken und Nebenwirkungen einer Dosiserhöhung

Eine Dosiserhöhung von Epilepsie-Medikamenten kann mit verschiedenen Risiken und Nebenwirkungen verbunden sein:

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  • Nebenwirkungen: Höhere Dosen von Antiepileptika können das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Müdigkeit, Schwindel, verlangsamtes Denken, Übelkeit und Hautausschlag. In seltenen Fällen können schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten.
  • Verschlechterung der Epilepsie: In seltenen Fällen können sich die Anfälle verschlechtern oder häufiger auftreten, insbesondere im ersten Monat nach Beginn der Behandlung oder bei einer Dosissteigerung. Bei einer sehr seltenen Form einer früh einsetzenden Epilepsie (einer Epilepsie verbunden mit Mutationen im Gen SCN8A) kann es vorkommen, dass die Anfälle während der Behandlung bestehen bleiben oder schlimmer werden.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Eine Dosiserhöhung kann das Risiko von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten erhöhen, die der Patient einnimmt.

Es ist wichtig, alle potenziellen Risiken und Nebenwirkungen mit dem Arzt zu besprechen, bevor eine Dosiserhöhung in Betracht gezogen wird.

Nutzen einer Dosiserhöhung

Trotz der potenziellen Risiken kann eine Dosiserhöhung von Epilepsie-Medikamenten auch erhebliche Vorteile bringen:

  • Verbesserte Anfallskontrolle: Eine Dosiserhöhung kann dazu beitragen, die Anfallskontrolle zu verbessern und die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren.
  • Verbesserte Lebensqualität: Eine bessere Anfallskontrolle kann die Lebensqualität erheblich verbessern, indem sie es den Patienten ermöglicht, aktiver am Leben teilzunehmen und ihre Unabhängigkeit zu bewahren.
  • Reduziertes Verletzungsrisiko: Durch die Reduzierung der Anfallshäufigkeit kann eine Dosiserhöhung das Risiko von Verletzungen während eines Anfalls verringern.

Faktoren, die bei der Entscheidung über eine Dosiserhöhung zu berücksichtigen sind

Bei der Entscheidung, ob eine Dosiserhöhung von Epilepsie-Medikamenten angebracht ist, sollten verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:

  • Anfallshäufigkeit und -schwere: Wie häufig treten die Anfälle auf und wie schwer sind sie?
  • Auswirkungen der Anfälle auf die Lebensqualität: Wie stark beeinträchtigen die Anfälle die Lebensqualität des Patienten?
  • Nebenwirkungen der aktuellen Medikation: Welche Nebenwirkungen treten bei der aktuellen Medikation auf?
  • Potenzielle Risiken und Vorteile einer Dosiserhöhung: Welche Risiken und Vorteile sind mit einer Dosiserhöhung verbunden?
  • Art der Epilepsie und zugrunde liegende Ursachen: Welche Art von Epilepsie liegt vor und gibt es zugrunde liegende Ursachen, die behandelt werden müssen?
  • Individuelle Bedürfnisse und Vorlieben des Patienten: Welche individuellen Bedürfnisse und Vorlieben hat der Patient in Bezug auf seine Behandlung?

Der Prozess der Dosiserhöhung

Die Erhöhung der Dosis von Epilepsie-Medikamenten sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Der Arzt wird die Dosis schrittweise erhöhen und den Patienten sorgfältig auf Nebenwirkungen überwachen. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen und alle auftretenden Nebenwirkungen zu melden.

Alternative Behandlungsoptionen

Wenn eine Dosiserhöhung nicht wirksam ist oder inakzeptable Nebenwirkungen verursacht, können alternative Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden:

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  • Wechsel des Medikaments: Es gibt über 20 verschiedene Wirkstoffe zur Behandlung von Epilepsie. Wenn ein Medikament nicht wirksam ist oder inakzeptable Nebenwirkungen verursacht, kann ein Wechsel zu einem anderen Medikament in Betracht gezogen werden.
  • Kombinationstherapie: In einigen Fällen kann eine Kombination von zwei oder mehr Medikamenten erforderlich sein, um die Anfälle zu kontrollieren.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Für einige Patienten können nicht-medikamentöse Therapien wie eine spezielle Diät, eine Schrittmachertherapie oder eine Operation eine Option sein.

Spezifische Antiepileptika und Dosiserhöhung

Levetiracetam

Levetiracetam ist ein häufig verschriebenes Antiepileptikum. Vor der Einnahme von Levetiracetam-ratiopharm® sollte ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden, insbesondere bei Nierenbeschwerden, Verlangsamung des Wachstums oder ungewöhnlicher Pubertät bei Kindern, Depressionen, Suizidgedanken, unregelmäßigem Herzschlag oder Störungen des Salzhaushaltes. Ungewöhnliche Gedanken, Reizbarkeit oder aggressivere Reaktionen als gewöhnlich sollten ebenfalls dem Arzt gemeldet werden. Levetiracetam-ratiopharm® darf nicht zur alleinigen Behandlung (Monotherapie) bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren angewendet werden. Es kann die Fähigkeit zum Führen eines Fahrzeugs oder zum Bedienen von Werkzeugen oder Maschinen beeinträchtigen, besonders zu Behandlungsbeginn oder nach einer Dosissteigerung.

Primidon

Die antiepileptische Therapie mit Primidon ist grundsätzlich eine Langzeittherapie. Das Absetzen muss in schrittweiser Dosisreduktion über ein bis zwei Jahre erfolgen. Die Einnahme von Primidon über einen längeren Zeitraum kann zur Gewöhnung oder Abhängigkeit führen. Primidon und sein Metabolit Phenobarbital sind potente Induktoren hepatischer Enzyme, was zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen kann. Bei chronischer Applikation von Primidon kann der Metabolismus von Valproinsäure stimuliert und die Konzentration dieses Antikonvulsivums erniedrigt werden. Patient*innen müssen darüber aufgeklärt werden, dass für die Dauer des Absetzens und für 3 Monate nach der letzten Einnahme des zuvor in Monotherapie eingenommenen ASM keine Fahreignung für Kraftfahrzeuge besteht.

Ethosuximid

Ethosuximid ist ein antikonvulsiver Wirkstoff, der zur Behandlung verschiedener Epilepsieformen indiziert ist. Die Behandlung beginnt mit einer niedrigen Dosis von 500 mg täglich. Die Dosis wird, je nach Verträglichkeit, alle 5-7 Tage in Schritten von maximal 250 mg erhöht, bis mit einer Dosis von 1000-1500 mg täglich eine Kontrolle der Anfälle erreicht wird. In Einzelfällen kann eine Dosis von 2000 mg, verteilt auf mehrere Einzeldosen, erforderlich sein.

Valproinsäure

Valproinsäure wird zur Behandlung von generalisierten Anfällen in Form von Absencen, myoklonischen Anfällen und tonisch-klonischen Anfällen sowie fokalen und sekundär-generalisierten Anfällen eingesetzt. Die Initialdosis beträgt 5-10 mg/kg KG, die alle 4-7 Tage um etwa 5 mg/kg KG erhöht wird. Die mittlere Tagesdosis beträgt bei Erwachsenen 20 mg/kg KG, bei Jugendlichen 25 mg/kg KG und bei Kindern 30 mg/kg KG. Bei gleichzeitiger Einnahme mit Topiramat erhöht sich das Risiko Valproat-assoziierter Nebenwirkungen, insbesondere Enzephalopathie und/oder erhöhter Ammoniakspiegel.

Absetzen von Antiepileptika

Wenn ein Patient über mehrere Jahre anfallsfrei ist, kann das Absetzen der Medikamente unter Umständen in Betracht gezogen werden. Dies sollte jedoch immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen und unter sorgfältiger Überwachung, da das Risiko eines Rückfalls besteht. Faktoren, die für ein erfolgreiches Absetzen sprechen, sind eine lange Anfallsfreiheit, eine niedrige Dosierung und keine erhöhte Anfallsneigung im EEG.

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Wichtigkeit der Therapietreue

Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten ist entscheidend für den Erfolg der Epilepsiebehandlung. Unregelmäßige Einnahme kann zu Durchbruchsanfällen führen. Es gibt verschiedene Strategien, um die Therapietreue zu verbessern, wie z. B. die Einnahme der Medikamente zu festen Zeiten, die Verwendung von Tablettenboxen oder Erinnerungsfunktionen auf dem Handy.

Epilepsie und Schwangerschaft

Frauen mit Epilepsie, die schwanger werden möchten, sollten sich rechtzeitig ärztlich beraten lassen. Es kann sein, dass die Behandlung während der Schwangerschaft angepasst werden muss, um das Risiko für das ungeborene Kind zu minimieren. Die Einnahme von Folsäurepräparaten wird empfohlen, um das Risiko für Missbildungen zu senken.

Epilepsie im höheren Alter

Ältere Menschen sind oft anfälliger für Nebenwirkungen von Medikamenten. Daher ist es besonders wichtig, am besten nur ein Epilepsie-Medikament in möglichst niedriger Dosis einzunehmen. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

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