Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Hunden. Dieser Ratgeber soll Hundehaltern helfen, die Krankheit besser zu verstehen und zu erfahren, wie sie ihre betroffenen Hunde bestmöglich unterstützen können.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung des Gehirns, von der etwa einer von 111 Hunden betroffen ist. Sie äußert sich in unregelmäßigen und abnormalen Impulsen von Nervenzellen, die zu epileptiformen Krampfanfällen führen.
Formen der Epilepsie
Man unterscheidet hauptsächlich zwei Hauptformen:
- Primäre (idiopathische) Epilepsie: Hierbei ist die Ursache unklar, und es liegen keine feststellbaren Läsionen im Gehirn vor. Eine genetische Komponente wird bei einigen Rassen vermutet.
- Sekundäre (erworbene) Epilepsie: Diese Form wird durch strukturelle Veränderungen im Gehirn verursacht, die im MRT sichtbar sind.
- Reaktive Epilepsie (metabolisch): Anders als die primäre und sekundäre Epilepsie, entsteht die reaktive Epilepsie durch organische Erkrankungen, die epileptiforme Anfälle auslösen.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen für epileptische Anfälle beim Hund können vielfältig sein. Es wird generell zwischen der primären (idiopathischen) und sekundären Epilepsie unterschieden.
Primäre Epilepsie:
Nach aktuellen medizinischen Erkenntnissen tritt die primäre Epilepsie bei Hunden häufiger auf als die sekundäre Variante. Bei dieser Form der Epilepsie wird vermutet, dass es sich um eine Erbkrankheit handelt, die auf einen genetischen Defekt zurückführbar ist.
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Sekundäre Epilepsie:
Die sekundäre Epilepsie kann bei Hunden jeden Alters auftreten und verschiedene Auslöser haben. Dazu gehören unter anderem:
- Hirnschwellung durch Traumata (z. B. Kopfverletzungen)
- Hirntumore
- Gestörte Leber- oder Nierenfunktion
- Stoffwechselstörungen
- Infektionen/Entzündungen
Symptome eines epileptischen Anfalls
Epileptische Anfälle können unterschiedlich stark sein und sich in verschiedenen Symptomen äußern. Die Symptome können je nach Form des Anfalls variieren. Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen fokalen und generalisierten Anfällen. Bei einem generalisierten Anfall ist der gesamte Körper betroffen, bei einem fokalen Anfall einzelne Körperareale.
Phasen eines epileptischen Anfalls
Ein epileptiformer Anfall wird typischerweise in vier Phasen unterteilt:
- Prodromalphase: Verändertes Verhalten wie Unruhe oder das Suchen von Nähe.
- Aura: Stereotypes Verhalten, das den Anfall ankündigt, wie Speicheln, Schmatzen, Lecken oder zielloses Umherlaufen.
- Iktale Phase: Der eigentliche Anfall mit Bewusstseinsverlust oder -trübung, Muskelkontraktionen, Kot- und Urinabsatz.
- Postiktale Phase: Desorientierung, vorübergehende Blindheit oder andere sensorische Einschränkungen.
Symptome eines fokalen Anfalls
In der Regel handelt es sich hierbei um einen milden Anfall, der sich auf bestimmte Körperareale beschränkt und daher einigen Hundehalter*innen überhaupt nicht auffällt oder von ihnen mit einer Verhaltensstörung verwechselt werden kann. Mögliche Symptome eines fokalen Anfalls sind unter anderem:
- Muskelzucken am Mundwinkel, an den Ohren, an den Lefzen oder der Haut
- Vermehrtes Schlecken
- Schnappen nach imaginären Fliegen
- Kaubewegungen (Leerkauen)
- Im Kreis rennen
- Bellen ohne einen bestimmten Anlass
- Schwanzbeißen oder Raserei
Symptome eines generalisierten Anfalls
Ein generalisierter Anfall verläuft in den meisten Fällen in drei Phasen. Dabei kann Phase 1 mit folgenden Symptomen einhergehen:
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- Verhaltensänderungen wie unruhiges Umherlaufen, übermäßiges Jaulen und Bellen oder besondere Anhänglichkeit
- Angstverhalten oder Rückzug (Hund versteckt sich)
- Vermehrtes Lippenlecken
- Unkontrollierter Harndrang oder Speichelfluss
Nach einigen Minuten oder Stunden kommt es zu Phase 2, dem eigentlichen Krampfanfall beim Hund. Typische Symptome sind:
- Versteifung der Muskulatur
- Unkontrollierte Bewegungen und krampfhaft zuckende Muskulatur
- Zusammenbrechen und Bewusstlosigkeit
- Zuckende oder paddelnde Beinbewegungen
- Starker Speichelfluss
- Schnelle bis heftige Atmung
- Bellen oder Winseln
Anschließend folgt Phase 3, in der Dein Hund für einige Minuten oder sogar Tage folgende Verhaltensänderungen zeigen kann:
- Orientierungslosigkeit und Benommenheit
- Taumelnder Gang, Probleme mit dem Gleichgewicht
- Starker Hunger und Durst
- Sehstörungen
- Unwillkürliche Blasen- und/oder Darm-Aktivität
Ein epileptischer Anfall kann bei Deinem Hund nur wenige Sekunden, aber auch mehrere Minuten oder sogar Stunden andauern. Besondere Lebensgefahr besteht beim so genannten Status epilepticus. Dabei dauert die Bewusstlosigkeit länger als 10 Minuten an, oder die epileptischen Anfälle wiederholen sich so schnell, dass Dein Hund nicht mehr zu Bewusstsein kommt. Ein Status epilepticus ist ein medizinischer Notfall - in diesem Fall solltest Du schnellstmöglich zum Tierarzt oder in die Tierklinik!
Diagnose von Epilepsie
Die richtige Diagnose ist entscheidend für die Eingrenzung und Behandlung der Epilepsie. Der Tierarzt wird in der Regel nach dem Ausschlussverfahren vorgehen, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Diagnostische Schritte
- Klinische Vorgeschichte und allgemeine Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und neurologische Untersuchung zur Lokalisation der Läsion.
- Blutuntersuchungen: Überprüfung der Organfunktionen und Ausschluss metabolischer Ursachen.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Fall können weitere Tests wie Hirnwasseruntersuchung, Röntgen, Ultraschall, MRT oder CT durchgeführt werden.
- Dokumentation der Anfälle: Genaue Aufzeichnungen der Anfälle (Videos und Tagebücher) sind sehr hilfreich.
- Gentest: Durch einen speziellen Gentest lässt sich meistens zuverlässig feststellen, ob Dein Hund von primärer Epilepsie betroffen ist.
Unterstützung des Tierarztes bei der Diagnose
Indem Du Deinen Hund genau beobachtest und besondere Details oder Auffälligkeiten dokumentierst, lieferst Du dem Tierarzt erste wichtige Hinweise, ob bei Deinem Liebling womöglich eine Epilepsie vorliegt. Folgende Punkte sind dabei besonders interessant:
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- Könnte Dein Hund giftige Substanzen aufgenommen haben?
- Hat Dein Hund vor einem epileptischen Anfall Medikamente bekommen?
- Besteht bei seinen Eltern oder Geschwistern bereits eine epileptische Erkrankung?
- Wie viele Anfälle hatte Dein Hund bisher und wie lange dauerten diese an?
- Wie hat sich Dein Hund vor und nach einem Krampfanfall verhalten?
Was tun während eines Anfalls?
Ein epileptischer Anfall kann für Hundehalter beängstigend sein. Hier sind einige wichtige Maßnahmen, die Sie ergreifen können:
- Ruhe bewahren: Panik vermeiden und ruhig bleiben.
- Sicherheit gewährleisten: Gegenstände entfernen, an denen sich der Hund verletzen könnte.
- Sinnesreize reduzieren: Umgebung verdunkeln und beruhigen.
- Anfall dokumentieren: Dauer und Verlauf des Anfalls notieren oder filmen.
- Nicht festhalten: Versuchen Sie NICHT, den Kopf des Hundes festzuhalten oder seine Zunge herauszuholen.
- Tierarzt kontaktieren: Bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, mehreren Anfällen an einem Tag, zunehmender Anfallshäufigkeit oder schwerwiegenden Verhaltensänderungen nach dem Anfall.
Therapie von Epilepsie
Die Therapie von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfallshäufigkeit und -stärke zu reduzieren.
Medikamentöse Behandlung
- Antikonvulsive Medikamente: Auswahl der passenden Medikamente je nach Ursache, Anfallsstärke, -häufigkeit und Vorerkrankungen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Überwachung des Medikamentenspiegels und Anpassung der Dosis bei Bedarf.
Weitere Therapieansätze
- Fütterung: Überprüfung und Optimierung der Ernährung.
- Nahrungsergänzungen: Einsatz von MCT-Ölen nach Rücksprache mit dem Tierarzt.
- Neurodiätetische Konsultation: Individuelle Ernährungsberatung für Hunde mit Epilepsie.
Ganzheitliche Behandlung
Aus ganzheitlicher Sicht gehen epileptische Anfälle beim Hund oft mit Störungen im Magen-Darm-System einher.
Eine Fütterung, die den Magen-Darm-Trakt unterstützt, kann daher im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts eine sinnvolle Maßnahme sein. Ziel ist es, das körperliche Gleichgewicht zu fördern und den Organismus bestmöglich zu begleiten.
Fütterungsempfehlungen
- Bei Krampfanfällen, die durch Störungen des Magens ausgelöst werden, wird ein extrudiertes Schonkostfutter INTESTO empfohlen. Die leicht verdauliche Rezeptur belastet den Magen-Darm-Trakt nicht unnötig.
- Im Anschluss kann auf ein hypoallergenes Kaltpressfutter COSMO umgestellt werden, das auf eine ausgewogene Zusammensetzung natürlicher Rohstoffe setzt.
Die Umstellung sollte schrittweise erfolgen - mit einem allmählich wachsenden Anteil von COSMO, während INTESTO nach und nach reduziert wird.
Vitalstoffe
Die folgenden Vitalstoffe haben sich in der Praxis bewährt, um das Wohlbefinden und die physiologische Funktion der beteiligten Körpersysteme zu begleiten:
- Magenkur: Kombiniert Massu Dyn mit basischen Kräutern und kaltgepresstem Traubenkernöl. Diese Kombination wird eingesetzt, um die tägliche Futterration sinnvoll zu ergänzen - insbesondere bei empfindlichem Magen oder erhöhtem Energiebedarf im Muskelstoffwechsel.
- Darm Dyn Fluid: Enthält hochwertiges Moor und pflanzliche Inhaltsstoffe. Wird unterstützend gefüttert bei erhöhter Gasbildung oder wenn der Magen-Darm-Trakt besonders schonend begleitet werden soll.
- Faszien Fit: Liefert Aminosäuren, Vitamine und Spurenelemente zur Ergänzung der täglichen Ration - besonders geeignet bei Hunden mit erhöhtem Bedarf im Bereich des Bindegewebes und der Faszien.
- Vitamin B12: Zur ernährungsphysiologischen Versorgung mit Vitamin B12 - ein Mikronährstoff, der für Zellteilung, Nervenfunktionen und den Homocystein-Stoffwechsel eine Rolle spielt.
- Lachs-Hanf-Öl und Gelenk Öl: Hochwertige Öle als Quelle von mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Diese werden regelmäßig zur Ergänzung bei Hunden eingesetzt, deren täglicher Bedarf an Omega-3-Fettsäuren erhöht ist.
Leben mit einem epileptischen Hund
Ein Hund mit Epilepsie erfordert viel Fürsorge und Aufmerksamkeit. Mit der richtigen Therapie und Unterstützung können betroffene Hunde jedoch ein erfülltes Leben führen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßigkeit: Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Fütterungs- und Spaziergangszeiten kann helfen, Anfälle zu vermeiden.
- Stress reduzieren: Stressige Situationen möglichst vermeiden.
- Medikamentengabe: Konsequente Einhaltung des Therapieplans.
- Anfallstagebuch: Führen Sie ein Tagebuch, um Anfälle zu dokumentieren und Muster zu erkennen.
- Liebe und Geduld: Geben Sie Ihrem Hund viel Liebe und Unterstützung.
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