Epilepsie, Herzrhythmusstörungen und körperliche Anstrengung: Eine Risikoanalyse

Epilepsie ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der etwa jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens betroffen ist. Dank moderner Untersuchungsmethoden und medikamentöser Behandlungen kann diese Krankheit heutzutage sicher diagnostiziert und gut behandelt werden. Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen und zeichnet sich durch epileptische Anfälle aus, die unterschiedlich sein können. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Anfall gleichbedeutend mit der Diagnose Epilepsie ist. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung erleiden einmal in ihrem Leben einen Anfall, der beispielsweise durch Schlafentzug oder übermäßigen Alkoholkonsum ausgelöst werden kann.

Was ist ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine Entladung von Gehirnzellen. Das Gehirn besteht aus etwa 80 Milliarden Gehirnzellen, die miteinander in Kontakt stehen und unter Spannung stehen. Wenn es zu einem Kurzschluss in diesen Gehirnzellen kommt, kann ein epileptischer Anfall ausgelöst werden. Grundsätzlich können alle Areale des Gehirns epileptische Anfälle auslösen. Im Gehirn laufen verschiedene Prozesse ab, wie Riechen, Schmecken, Hören oder Sehen. Wenn sich diese Zellverbände elektrisch entladen, spricht man von einem epileptischen Anfall. Beispielsweise kann eine Geruchsmissempfindung, eine Halluzination oder eine Geschmacksmissempfindung ein epileptischer Anfall sein.

Ursachen und Auslöser von Epilepsie

Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. Fokale (herdförmige) epileptische Anfälle sind die häufigsten. Diese Anfälle gehen von einer bestimmten Region im Gehirn aus. Epilepsie ist an sich nicht vererbbar, aber die Neigung zu epileptischen Anfällen kann vererbt werden. Man spricht hier von genetischen Epilepsien. Es gibt auch genetische Erkrankungen, die Epilepsie zur Folge haben können oder mit epileptischen Anfällen vergesellschaftet sind, wie das Landau-Kleffner-Syndrom oder die Trisomie 21.

Bei Erwachsenen und Kindern können Verletzungen des Gehirns epileptische Anfälle verursachen. Dies können Schlaganfälle, Tumore, Schädel-Hirn-Traumata oder stärkere Gehirnerschütterungen sein. Diese Veränderungen im Gehirn können Narben hinterlassen, die eine Instabilität in den Gehirnzellverbänden entstehen lassen.

Es gibt auch Faktoren, die epileptische Anfälle begünstigen können. Dazu gehören eine Störung des regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, der für das Leben zentral ist. Wenn dieser gestört ist, sind die Gehirnzellen instabiler und können sich leichter entladen. Auch Alkohol hat eine dämpfende Wirkung auf das Gehirn und kann Anfälle auslösen.

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Symptome und Anfallsformen

Epileptische Anfälle können sich unterschiedlich äußern. Einige Anfälle kündigen sich an, während andere aus heiterem Himmel auftreten. Fokale Anfälle aus dem Schläfenlappen können sich mit einer sogenannten Aura ankündigen. Die Aura ist eine Art Vorgefühl bzw. eine Sensation, die sich schwer beschreiben lässt. Häufig sind epigastrische Auren bzw. eine aufsteigende Übelkeit. Es können auch Geruchsstörungen (olfaktorische Aura) oder Geschmacksstörungen (gustatorische Aura) auftreten. Ein Anfall könnte aber auch durch ein ledigliches Zucken mit der Hand bewusst erlebt werden (motorische Anfälle).

Nach diesen Ankündigungen verliert man als Betroffener im Anschluss das Bewusstsein und weiß danach oft gar nichts mehr. Die Umgebung kann dann beobachten, wie der Körper zuckt oder krampft - hier wird dann vom großen Anfall bzw. Grand-mal-Anfall gesprochen. Außenstehende sind oft so entsetzt über das Anfallsgeschehen, dass sie wenig darüber berichten können. Es kann beobachtet werden, wie sich die Arme verkrampfen (tonischer Anfall) oder zucken (klonischer Anfall).

Während eines Anfalls fühlt man nicht sehr viel. Es gibt ganz selten Anfälle, die mit einer Schmerzsymptomatik einhergehen. Meistens merkt man während des Anfalls jedoch gar nichts. Man kann sich aber während des Anfalls verletzen. Wenn jemand im Schlaf einen Anfall hat, kann es passieren, dass die betreffende Person beim Aufwachen Muskelkater hat oder sich durch Ausschlagen verletzt hat.

Es gibt verschiedene Formen von Epilepsie, die sich in ihren Symptomen und Ursachen unterscheiden:

  • Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle betreffen beide Gehirnhälften gleichzeitig. Beispiele hierfür sind Absencen (kurze Bewusstseinsaussetzer) und tonisch-klonische Anfälle (Grand-mal-Anfälle).
  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle beginnen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Die Symptome hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Fokale Anfälle können sich auf eine Körperregion beschränken oder sich auf den ganzen Körper ausbreiten.

Was tun bei einem ersten Anfall?

Der erste epileptische Anfall ist für Betroffene und Augenzeugen oft ein einschneidendes Erlebnis. Eine typische Schilderung eines Augenzeugen wäre: „Herr Mustermann hat plötzlich einen starren Blick bekommen, die Augen nach oben verdreht, alle Muskeln des Körpers durchgestreckt und ist umgefallen. Am Boden liegend hat er dann an Armen und Beinen rhythmisch gekrampft, heftig geatmet und Schaum vor den Mund bekommen. Die Krämpfe haben etwa 2 Minuten gedauert. Auf Ansprache oder Rütteln zeigte Herr Mustermann danach keine Reaktionen. Nach 5-10 Minuten kam er wieder zu sich, reagierte aber nicht der Situation entsprechend. Allmählich kam er wieder zur Orientierung. Er war sehr müde und abgeschlagen. Am Folgetag hatte er Muskelkater und ein seitlicher Zungenbiss tat weh. Auch Prellmarken und Hautabschürfungen traten auf.“ Bei der Schilderung handelt es sich um einen generalisierten tonisch-klonischen Anfall, einen sogenannten Grand-mal-Anfall. Dieses ist der eindruckvollste Anfallstyp. Längst nicht alle epileptischen Anfälle verlaufen aber so.

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Eine andere Schilderung wäre: “Mein Kind befindet sich im 2. Schuljahr. Mehrmals am Tag schaut es starr in die Luft und bewegt die Augenlider. In dieser Zeit ist es nicht ansprechbar. Nach wenigen Sekunden ist alles wieder normal und es setzt die angefangenen Tätigkeiten fort.“ Bei dieser Schilderung handelt es sich um Absencen. Absencen sind ebenfalls generalisierte Anfälle im Gehirn. Außer Lid- und Augenwinkelzuckungen oder gelegentlich kleineren Zuckungen in den Fingerspitzen ist äußerlich jedoch nichts zu beobachten. Die Anfälle werden von den Kindern meistens nicht registriert und von ihren Eltern häufig zunächst als Konzentrationsstörungen abgetan.

Eine dritte Schilderung eines Anfallsereignisses lautete so: “Meine Frau stand neben mir, als sie plötzlich sagte, dass ihr schwarz vor den Augen werde. Sie sackte in sich zusammen und lag 5 Sekunden ohnmächtig am Boden ohne sich zu bewegen. Auf Ansprache reagierte sie plötzlich sofort, wusste sofort wo sie war, stand auf und alles war wieder wie vorher.“ Bei dieser Schilderung eines Anfallsereignisses handelt es sich am ehesten um eine Ohnmacht oder Synkope. Diese ist kreislaufbedingt und keine Erkrankung des Gehirns, somit auch keine Epilepsie.

Die obigen drei Schilderungen von Anfallsereignissen zeigen, dass es schwierig sein kann, ein Anfallsereignis auch tatsächlich als epileptischen Anfall einzuordnen. Die erforderlichen Untersuchungen und die Behandlung sind jedoch sehr unterschiedlich. Es ist von daher dringend erforderlich, einen Facharzt, einen Neurologen aufzusuchen. Da Betroffene häufig bewusstseinsgestört sind und nichts über den Verlauf ihres Anfalles sagen können, ist es notwendig, einen Augenzeugen zur Untersuchung mitzubringen, falls es diesen gibt. Es wird dann zunächst die Frage geklärt, ob ein epileptischer Anfall aufgetreten ist und ob eine Epilepsie vorliegt.

Anfallsanamnese

Die Entscheidung darüber, ob eine Epilepsie vorliegt oder nicht, stützt sich ganz überwiegend auf die Beschreibung des Anfallsereignisses. Zusätzlich sind apparative Untersuchungen notwendig wie z. B. ein EEG oder eine Kernspintomographie (MRT) des Kopfes. Diese Untersuchungen können die Diagnose Epilepsie unterstützen, eine Epilepsie aber nicht beweisen. Die Beschreibung des Anfalls durch den Patienten und einen Augenzeugen sollte also möglichst genau sein. Am besten ist es, den Anfall vom Beginn bis zu seinem Ende gedanklich, aus der Erinnerung heraus, zu rekonstruieren. Dabei sind aber auch die Zeiträume vor dem Anfall und danach wichtig.

Im Einzelnen kann wie folgt vorgegangen werden:

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  • Anfallsvorgefühle (Prodromi): Hierbei sind Gefühle gemeint, die der Patient vor dem Anfall erlebt hat, wie z. B. Spannungszustände oder eine Depressivität.
  • Aura: Die Aura entspricht dem Beginn des Anfalls im Gehirn. Der Patient merkt dabei verschiedene Dinge wie z. B. Blitze oder Bilder sehen, Worte oder Töne hören, einen komischen Geruch oder Geschmack wahrnehmen, ein Kribbelgefühl am Körper, das sich ausbreitet auf andere Körperregionen, einen gewissen Gedanken fassen müssen, ein Glücksgefühl oder ein depressives Gefühl, eine plötzliche Angst ohne erkennbaren Anlass, das Gefühl, alles schon einmal gesehen oder gehört zu haben (deja vu oder deja entendu Aura), eine aufsteigende Übelkeit vom Magen her (epigastrische Aura).
  • Bewusstseinsverlust: Das Bewusstsein ist häufig eingeschränkt oder ganz ausgeschaltet. Als Außenstehender kann man dies überprüfen, indem man den Patienten anspricht und auffordert, gewisse Dinge zu tun. Er reagiert dann nicht oder nicht angemessen.
  • Automatismen: Es handelt sich um wiederholte Bewegungen im Gesicht oder an Armen oder Beinen. Diese können durchaus bekannt sein wie z. B. Lippenlecken, Kauen, Zupfen an der Kleidung, Radfahren mit den Füßen, sind der Situation jedoch nicht angemessen.
  • Verkrampfungen: Es können starre Verkrampfungen (tonische Anfälle) von zuckenden Verkrampfungen (klonische Anfälle) unterschieden werden, zum Teil geht eine tonische in eine klonische Phase des Anfalls über. Betroffen sein können einzelne Körperregionen oder der ganze Körper.
  • Nach dem Anfall: Sind Patienten oft umdämmert, d. h. nicht vollständig orientiert und erinnerungsschwach sowie müde. Es können vorübergehende Lähmungen einseitig oder beidseitig auftreten. Erst allmählich wird das Bewusstsein wieder klar. Auch Sprachstörungen kommen nach dem Anfall vor.
  • Zungenbiss, Einnässen und Verletzungen: Ein seitlicher Zungenbiss tritt bei einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall häufig auf. Liegt er vor, spricht dies mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein epileptischer Anfall abgelaufen ist. Einnässen und Einkoten können vorkommen, da bei allgemeiner Muskelanspannung auch die Bauchpresse (wie beim Stuhlgang) auftritt und die Blasen- und Mastdarmkontrolle nicht gegeben ist. Diese beiden Phänomene sind jedoch nicht so eindeutig auf eine Epilepsie hinweisend. Sie kommen auch z.B. bei Synkopen (Ohnmachten) oder psychisch bedingten Anfällen vor. Verletzungen betreffen nicht nur Platz- und Schürfwunden am ganzen Körper. Es kann auch zu Knochenbrüchen kommen, Gelenke können auskugeln. Dies geschieht durch Sturz zu Beginn eines Anfalls, durch die schlagenden Bewegungen meistens auf dem Boden, aber auch durch Dinge, die der Patient während der Phase der Umdämmerung tut wie z. B. auf die Straße laufen ohne den Verkehr wahrzunehmen oder sich an einer heißen Herdplatte zu verbrennen.
  • Dauer und Auslöser: Die Dauer des Anfalls ist wichtig. Man rechnet vom Beginn der Aura bis zum Ende der motorischen (Bewegungs)-störungen. Bei bestimmten Anfallstypen können Auslöser erkannt werden. Es gibt eine Photoempfindlichkeit auf Blitzlichte und in seltenen Fällen auch sog. Reflexepilepsien wie z. B. eine Lese-Epilepsie beim Lesen. Wenn Anfälle immer in den gleichen Situationen auftreten und sich regelmäßig provozieren lassen, spricht man von einer Reflex-Epilepsie.

Die obigen Schilderungen sind sehr wichtig und werden als Anfallsanamnese bezeichnet. Einzelheiten eines Anfalls lassen sich beim ersten Anfall nicht immer klären, da der Beobachter nicht geschult ist, auf die einzelnen Phänomene zu achten. Je häufiger Anfälle auftreten, um so eher ist jedoch eine genaue Beschreibung des Anfallstyps möglich.

Unabhängig von der Anfallsbeschreibung ist die übrige Krankheitsvorgeschichte wichtig. Am bedeutsamsten sind hierunter:

  • Wie waren die Schwangerschaft und Geburt?
  • Gab es Entwicklungsstörungen in der frühen Kindheit, gab es Kopf- oder Gehirnverletzungen oder Erkrankungen, die das Gehirn betreffen?
  • Gab es in der Kindheit kleinere oder andere Anfallstypen wie z. B. Fieberkrämpfe?
  • Lagen in der unmittelbaren Vorgeschichte andere Erkrankungen vor wie z. B. eine Infektion oder ein Tumor in einer anderen Körperregion?
  • Werden Medikamente oder Alkohol regelmäßig konsumiert?
  • Sind in der Familie weitere Patienten mit Epilepsie bekannt?
  • Handelt es sich wirklich um den ersten Anfall oder gab es schon zuvor Anfälle? Vielleicht auch kleinere Anfälle eines anderen Typs?

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Nach der Erhebung der Vorgeschichte ist eine körperliche neurologische und auch psychiatrische Untersuchung notwendig. Hierbei werden die Hirnnerven, die Körperkraft, die Körperempfindungen, die Reflexe an Armen und Beinen, die Koordination und intellektuelle Leistungen wie z. B. die Sprache oder das Gedächtnis überprüft. Es ist auch notwendig, auf mögliche psychiatrische Störungen wie z. B. Depressionen, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen einzugehen.

Die wichtigsten Untersuchungen, die dann durchgeführt werden sollten, sind das EEG und eine Kernspintomographie des Kopfes.

  • EEG: Das EEG misst die hirnelektrische Aktivität. Bei Epilepsie-Patienten können in der Ableitung epilepsietypische Potentiale gefunden werden. Es handelt sich dabei um steile und spitze Potentiale, die evtl. von einer langsamen Welle gefolgt sind (Spitze-Wellekomplex oder Spike-wave-Komplex). Sie sind auf eine Epilepsie hinweisend, beweisen aber nicht, dass der Patient auch wirklich an einer Epilepsie leidet. So können z. B. epilepsietypische Potentiale auch in EEGs von Geschwisterkindern von Anfallspatienten nachgewiesen werden, ohne dass diese jemals einen epileptischen Anfall erlitten haben. Mit dem EEG können auch allgemeine Veränderungen der elektrischen Gehirnaktivität wie Verlangsamungen oder herdförmige Störungen erkannt werden. In aller Regel wird zunächst ein Oberflächen-EEG über 20-30 Minuten mit Hyperventilation (verstärktes Atmen) durchgeführt. Erst wenn hierbei keine schlüssige Aussage zu treffen ist, kann ein 24-Stunden-EEG oder Schlafentzugs-EEG durchgeführt werden.
  • Kernspintomographie des Kopfes (MRT oder MRI): Sie ist ungefährlich und nicht belastend. Sie kann von daher beliebig wiederholt werden. Mit ihr erkennt man Veränderungen der Gehirnstruktur, wie z. B. Vernarbungen, Missbildungen, Entzündungen, Tumore, Schlaganfälle. Diese Veränderungen, auch Läsionen genannt, können im Zusammenhang mit der Epilepsie stehen, müssen dies aber nicht. Selbst wenn das Kernspintomogramm vollständig normal ist, kann eine Epilepsie vorliegen. Mit der Kernspintomographie können auch die zum Gehirn führenden Gefäße dargestellt werden (Kernspin-Angiographie). Falls eine Kernspintomographie des Kopfes nicht möglich ist, sollte zumindest eine Computertomographie durchgeführt werden. Auch hierbei handelt es sich um Schichtaufnahmen des Gehirns, die Veränderungen der Gehirnstruktur aufzeigen. Sie ist, was die Epilepsie angeht, jedoch nicht so genau wie die Kernspintomographie. Außerdem werden Röntgenstrahlen angewendet, so dass eine Strahlenbelastung entsteht.

Insbesondere wenn es sich um den ersten Anfall handelt, sollten Laboruntersuchungen des Blutes und in einzelnen Fällen auch des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt werden. Hierbei wird vor allem nach Entzündungszeichen gesucht.

Weitere Untersuchungen wie z. B. Untersuchungen des Hirnstoffwechsels mit dem SPECT oder PET sind beim ersten Anfall nur in sehr seltenen Fällen notwendig. Zudem sollte eine zumindest orientierende neuropsychologische Untersuchung mit geeignetem Testverfahren stattfinden um Beeinträchtigungen der Hirnleistungsfähigkeit durch die Epilepsie erkennen zu können. Wiederholt man die Untersuchung nach einer Einstellung auf Antiepileptika, so kann man über mögliche Auswirkungen der Medikation auf die Gehirnleistungsfähigkeit erkennen.

Provozierter Anfall

Bei einem provozierten Anfall sollten die Provokationsbedingungen wie z. B. deutlichem Schlafentzug, gewisse Medikamente, übermäßiger Alkoholkonsum oder Drogenkonsum genau benannt werden. Letztere können evtl. im Blut nachgewiesen werden. Die Provokationsfaktoren sollten genau dokumentiert werden. Bei einem provozierten Anfall sind sowohl die körperliche Untersuchung als auch das EEG und auch die Kernspintomographie des Kopfes normal.

Anfallsartige Störungen, die mit Epilepsie verwechselt werden

Am häufigsten wird eine Ohnmacht (Synkope) mit Epilepsie verwechselt. Hierbei handelt es sich um eine momentane Minderdurchblutung des Gehirns, die zu einem Bewusstseinsverlust und zu einem Zusammensacken führt. Der Patient selber erlebt hierbei meist ein mulmiges Gefühl, ein schwarz werden vor den Augen und erwacht meist nach wenigen Sekunden wieder. Nach dem Erwachen ist er rasch wieder vollständig orientiert. Im Rahmen dieser Ohnmachten können vereinzelte Zuckungen auf beiden Seiten auftreten. Man spricht dann von konvulsiver Synkope. Die konvulsive Synkope ist kein epileptischer Anfall. Die Minderdurchblutung des Gehirns wird durch einen Blutdruckabfall verursacht. Häufig handelt es sich um momentane Fehlfunktionen des Herzens wie z. B. Herzrhythmusstörungen. Insofern sollte hier unbedingt eine Abklärung durch einen Herzspezialisten erfolgen.

Der Schlaganfall kann insbesondere dann, wenn er nur sehr kurz verläuft und sich vollständig zurückbildet, zur Verwechslung mit einem epileptischen Anfall führen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Schlaganfall auch eine der häufigsten Epilepsieursachen ist. Nach einem Schlaganfall treten bei etwa jedem 6. Patienten vereinzelt oder dauerhaft epileptische Anfälle auf. Auch hier ist eine genaue Beschreibung des Ereignisses wichtig, um die richtige Diagnose stellen zu können.

Auch bei der Migräne kommt es zu Auren. Diese können bestehen aus Flimmern vor den Augen oder dunklen Flecken. Mitunter führt die Migräneaura auch zu Sprachstörungen oder Halbseitenlähmungen für die Dauer weniger Minuten. Auf die Migräneaura folgen jedoch häufig schwere Kopfschmerzen. Komplizierend kommt hinzu, dass manchen Patienten sowohl unter Migräne als auch unter Epilepsie leiden.

Bei manchen Schlafstörungen kommt es zusätzlich zu plötzlichen Anfällen mit Verlust der Körperspannung und Hinfallen, sog. kataplektischen Anfällen. Beim kataplektischen Anfall wird jedoch niemals das Bewusstsein verloren. Auch ist an der Schlafstörung mit häufigem Einschlafen auch tagsüber und zerrüttetem Nachtschlaf erkennbar, dass es sich nicht um eine Epilepsie, sondern um eine Schlafstörung (Narkolepsie-/Katapleksie-Syndrom ) handelt.

Wiederholungsgefahr

Unabhängig von der Ursache der Anfälle kann gesagt werden, dass wer einen Anfall hatte, eine Wahrscheinlichkeit von 30% hat, innerhalb der nächsten 2 Jahre einen weiteren Anfall zu erleiden. Innerhalb der nächsten 10 Jahre sind es 40-50% der Patienten, die einen weiteren Anfall erleiden. Sind bereits 2 Anfälle aufgetreten, so ist die Wahrscheinlichkeit einen dritten Anfall zu erleiden, deutlich höher. Sie liegt bei etwa 50% innerhalb der nächsten 2 Jahre und ca. 70% innerhalb der nächsten 10 Jahre.

Behandlungsmöglichkeiten

Prinzipiell gibt es die Möglichkeit, durch eine veränderte Lebensführung Anfälle zu vermeiden. Es ist ratsam, für ausreichend Nachtschlaf zu sorgen und Stress zu vermeiden.

Epilepsie und Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen können eine Rolle bei der Entstehung von Synkopen spielen, die wiederum mit epileptischen Anfällen verwechselt werden können. In einigen Fällen können Herzrhythmusstörungen auch epileptische Anfälle auslösen oder verstärken. Es ist daher wichtig, bei der Diagnose und Behandlung von Epilepsie auch das Herz-Kreislauf-System zu berücksichtigen.

Kardiale Synkopenursachen (nach Seidl et al.

  • Herzrhythmusstörungen
  • strukturellen Herzerkrankungen als kardiale Synkopenursachen.

Epilepsie und körperliche Anstrengung

Körperliche Anstrengung kann bei manchen Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen. Dies kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein, wie z.B.

  • Schlafentzug: Körperliche Anstrengung kann zu Schlafentzug führen, der ein bekannter Auslöser für epileptische Anfälle ist.
  • Stress: Körperliche Anstrengung kann Stress verursachen, der ebenfalls Anfälle auslösen kann.
  • Dehydration: Körperliche Anstrengung kann zu Dehydration führen, die die Gehirnfunktion beeinträchtigen und Anfälle begünstigen kann.
  • Veränderungen des Blutzuckerspiegels: Körperliche Anstrengung kann zu Veränderungen des Blutzuckerspiegels führen, die Anfälle auslösen können.

Es ist wichtig, dass Menschen mit Epilepsie, die Sport treiben möchten, dies mit ihrem Arzt besprechen. Der Arzt kann Empfehlungen geben, wie das Risiko von Anfällen während des Sports minimiert werden kann. Dazu gehören:

  • Ausreichend Schlaf: Vor und nach dem Sport sollte ausreichend geschlafen werden.
  • Stress vermeiden: Stress sollte vermieden werden. Entspannungstechniken können hilfreich sein.
  • Ausreichend trinken: Vor, während und nach dem Sport sollte ausreichend getrunken werden, um Dehydration zu vermeiden.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßige Mahlzeiten helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
  • Medikamente: Die Medikamente sollten regelmäßig und wie verordnet eingenommen werden.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Wenn jemand einen epileptischen Anfall hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die folgenden Schritte zu unternehmen:

  • Person schützen: Die Person sollte vor Verletzungen geschützt werden, indem z.B. gefährliche Gegenstände aus dem Weg geräumt werden.
  • Nicht festhalten: Die Person sollte nicht festgehalten werden, da dies zu Verletzungen führen kann.
  • Keinen Gegenstand in den Mund: Es sollte kein Gegenstand in den Mund gesteckt werden, da dies die Atmung behindern kann.
  • Auf die Seite legen: Wenn möglich, sollte die Person auf die Seite gelegt werden, um zu verhindern, dass sie an Erbrochenem erstickt.
  • Notruf: Wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert oder die Person sich verletzt hat, sollte ein Notruf abgesetzt werden.

Menschen, die einen großen bzw. tonisch-klonischen Anfall gehabt haben, können sich an gar nichts erinnern. Der Anfall kommt in diesem Fall aus heiterem Himmel und wenn die Betroffenen wieder zu sich kommen, wissen sie nicht, was passiert ist. Menschen, die diesen Anfall beobachten glauben oft, sie müssen helfen - aber umso weniger man tut, desto besser ist es. Früher wurde in der Krankenpflegeausbildung gelehrt, bei einem großen Anfall einen Keil zwischen die Zähne zu geben - das wird heute nicht mehr gemacht, da dadurch der Biss in die Zunge nicht verhindert wird und man sich als Helfer selbst verletzen kann. Man kann jedoch darauf achten, den Patienten in eine stabile Seitenlage bringen zu können und Gläser oder andere Gegenstände aus dem Weg zu räumen, um die Umgebung zu schützen.

Leben mit Epilepsie

Epilepsie kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, die Erkrankung zu behandeln und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:

  • Medikamente: Antiepileptika können helfen, Anfälle zu kontrollieren.
  • Chirurgie: In einigen Fällen kann eine Operation helfen, die Anfälle zu reduzieren oder zu beseitigen.
  • Ernährung: Eine spezielle Ernährung, wie z.B. die ketogene Diät, kann bei manchen Menschen mit Epilepsie helfen, Anfälle zu kontrollieren.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den psychischen Belastungen der Epilepsie umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Unterstützung zu finden.

Rehabilitation bei Epilepsie

Eine medizinische Reha unterstützt Betroffene gemäß ihren Möglichkeiten, ihr eigenes Leben zu gestalten. Die Anmeldung erfolgt nach Erstellung eines Antrags bei dem zuständigen Leistungsträger. Am Aufnahmetag erfolgen die Anamneseerhebung sowie eine komplette körperliche und neurologische Untersuchung durch den behandelnden Arzt. Ein besonderer Punkt bezieht sich auf die genaue Epilepsie-Anamnese, um ein gutes Profil des Rehabilitanden zu bekommen und die Therapie individuell anpassen zu können. Anschließend werden gemeinsam mit dem Rehabilitanden die Therapieziele gesetzt. Neben der Wiederherstellung von noch bestehenden organischen Defiziten wird besonders auf die krankheitsspezifischen Ziele geachtet.

Besondere Ziele sind die Krankheitsverarbeitung und der Umgang mit den psychosozialen Folgen nach einem epileptischen Anfall sowie die Wiedereingliederung des Rehabilitanden im Arbeitsleben und in der Gesellschaft. Während des Aufenthaltes stehen für die Behandlung der Reha-Teilnehmer mehrere Berufsgruppen zur Verfügung: Fachärzte, geschultes Pflegepersonal, Physio- und Ergotherapeuten, Neuropsychologen, Logopäden, Sporttherapeuten, Sozialberater und Ernährungsberater. Während des Reha-Aufenthaltes bekommen die Patienten ein umfangreiches interdisziplinäres Programm, inklusive Physio- und Ergotherapie, sportliche Betätigung, Freizeitbeschäftigung, kognitives Training sowie psychologische Beratung. In dieser Zeit werden auch Beratungen durch unsere Sozialarbeiter angeboten. Verschiedene krankheitsspezifische Schulungen finden ebenso statt. Auch Im Rahmen der ärztlichen Visiten werden verschiedene krankheitsbedingte Probleme (Stigmatisierung, Medikamenten Compliance, gesunder Lebensstil, usw.) gezielt thematisiert.

Ziel einer Rehabilitation ist es vor allem, die Betroffenen bei ihrer Krankheitsbewältigung und der Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls zu unterstützen. Damit werden die Erkrankten dazu befähigt, das eigene berufliche Potenzial und persönliche Grenzen objektiv einzuschätzen, um so ihr berufliches sowie soziales Leben optimal zu gestalten.

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