Epilepsie im Mutterleib erkennen: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle aufgrund von Funktionsstörungen im Gehirn gekennzeichnet ist. In den letzten Jahren haben Fortschritte in der medizinischen Forschung neue Möglichkeiten eröffnet, Epilepsie bereits im Mutterleib zu erkennen und zu behandeln. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsie im Mutterleib und gibt werdenden Eltern wichtige Informationen an die Hand.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie umfasst eine Vielzahl chronischer Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die auf einer Überaktivität der Nervenzellen im Gehirn beruhen. Diese Überaktivität kann anfallsartige Funktionsstörungen auslösen, die von kaum merklichen geistigen Abwesenheiten bis hin zu schweren Krampfanfällen mit Bewusstseinsverlust reichen. Epileptische Anfälle sind in der Regel sehr kurz und dauern meist nicht länger als zwei Minuten. Ein Anfall, der länger als fünf Minuten andauert, wird als Status epilepticus bezeichnet.

Ursachen von Epilepsie im Mutterleib

Die Ursachen von Epilepsie im Mutterleib sind vielfältig und oft komplex. In vielen Fällen sind Stoffwechselstörungen verantwortlich für die Krankheit. Störungen der Hirnreifung während der Schwangerschaft oder Geburtskomplikationen können ebenfalls eine Epilepsie auslösen. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. In vielen Fällen ist allerdings keine konkrete Ursache erkennbar.

Eine der häufigsten Formen ist die sogenannte Vitamin-B6-Epilepsie. Hierbei handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die durch einen Mangel an Vitamin B6 verursacht wird. Dieser Mangel kann zu epileptischen Anfällen führen.

Symptome von Epilepsie im Mutterleib

Die Symptome von Epilepsie im Mutterleib können vielfältig sein und sind oft schwer zu erkennen. Einige Mütter berichten von veränderten Kindsbewegungen. Die Ungeborenen verkrampfen und strampeln wiederholend "wie ein Metronom oder ein Uhrwerk". Plötzlich bricht die Bewegung ab und die Kinder sind wieder vollkommen ruhig. Dies kann ein klassisches Anzeichen für eine epileptische Erkrankung sein.

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Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome nicht immer auf Epilepsie hindeuten müssen. Es ist daher ratsam, bei Verdacht einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten.

Diagnose von Epilepsie im Mutterleib

Die Diagnose von Epilepsie im Mutterleib ist oft schwierig, da die Symptome unspezifisch sein können. Eine wichtige Rolle spielt die Anamnese der Mutter. Gibt es in der Familie bereits Fälle von Epilepsie oder anderen neurologischen Erkrankungen? Hat die Mutter während der Schwangerschaft bestimmte Medikamente eingenommen oder Infektionen gehabt?

Eine weitere wichtige Untersuchung ist das EEG (Elektroenzephalogramm). Hierbei werden die Hirnströme des Kindes gemessen. Bei Epilepsie zeigen sich typische Veränderungen im EEG.

In einigen Fällen kann auch eine MRT (Magnetresonanztomographie) des Gehirns des Kindes durchgeführt werden. Hierbei können strukturelle Veränderungen im Gehirn erkannt werden, die möglicherweise für die Epilepsie verantwortlich sind.

Behandlung von Epilepsie im Mutterleib

Die Behandlung von Epilepsie im Mutterleib zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Entwicklung des Kindes bestmöglich zu fördern. Eine wichtige Rolle spielt die Behandlung der Mutter. Bei bestimmten Formen von Epilepsie, wie der Vitamin-B6-Epilepsie, kann die Mutter mit einem Vitamin-Präparat behandelt werden. Dieses gelangt dann über die Plazenta direkt zum Kind.

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In einigen Fällen kann auch eine direkte Behandlung des Kindes im Mutterleib notwendig sein. Hierbei werden Medikamente über die Plazenta verabreicht.

Es ist wichtig, dass die Behandlung von Epilepsie im Mutterleib von einem erfahrenen Team aus Neurologen, Gynäkologen und Kinderärzten durchgeführt wird.

Medikamentöse Behandlung von Epilepsie während der Schwangerschaft

Die medikamentöse Behandlung von Epilepsie während der Schwangerschaft erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen den Risiken für die Mutter und das Kind. Ein epileptischer Anfall stellt für die Schwangere und das Baby ein hohes Risiko dar. Daher ist es sehr wichtig, dass die Epilepsie vor und während der Schwangerschaft gut mit antiepileptischen Medikamenten eingestellt ist.

Die modernen, während der Schwangerschaft zugelassenen Antiepileptika weisen ein sehr geringes, wenn überhaupt vorhandenes Risiko für Fehlbildungen beim Baby auf. Durch die Schwangerschaft bedingte Veränderungen des Stoffwechsels senken häufig den Blutspiegel der Antiepileptika, sodass die behandelnde Gynäkologin oder der Gynäkologe in den ersten drei Monaten regelmäßige Blutkontrollen und gegebenenfalls eine Erhöhung der Dosis anordnen muss.

Spezielle Epilepsieformen im Neugeborenenalter

Neugeborenenanfälle sind der häufigste neurologische Notfall in der Neugeborenenperiode. Im Gegensatz zu Anfällen im Kindes- und Erwachsenenalter handelt es sich bei Neugeborenen in den allermeisten Fällen um akut symptomatische Anfälle bei Hirninsult. Obwohl viele Ursachen zu Anfällen bei Neugeborenen führen können, sind nur wenige Ätiologien für den Großteil der Fälle verantwortlich. Bei Reifgeborenen ist die hypoxisch-ischämische Enzephalopathie am häufigsten. Bei Frühgeborenen stellen Blutungen und Infektionen die häufigsten Ursachen dar.

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Es gibt verschiedene spezifische Epilepsieformen, die im Neugeborenenalter auftreten können, wie z.B. die familiäre neonatale Epilepsie, die frühe myoklonische Enzephalopathie und das Ohtahara-Syndrom. Diese Syndrome weisen unterschiedliche klinische und elektrographische Merkmale auf und erfordern eine spezifische Diagnostik und Therapie.

Das West-Syndrom (BNS-Epilepsie)

Das West-Syndrom, auch Blick-Nick-Salaam-Epilepsie (BNS-Epilepsie) genannt, ist eine seltene Form der kindlichen Epilepsie, die sich in der Regel innerhalb des ersten Lebensjahres zeigt. Die epileptischen Anfälle werden Blitz-Nick-Salaam-Anfälle genannt, weil sie typischerweise mit einem blitzartigen Zucken, einer Kopfbeugung und dem Verschränken der Arme vor der Brust einhergehen.

Erkrankte Kinder zeigen häufig eine komplexe Entwicklungsstörung. Die Prognose ist abhängig von der Ursache der Krankheit. Eine frühzeitige Behandlung verbessert vermutlich die Prognose.

Verhalten bei einem epileptischen Anfall

Wenn man Zeuge eines epileptischen Anfalls bei einer anderen Person wird, ist es sehr wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben. Vor allem sollte man überlegen, wie man die Person vor Verletzungen schützt. Alles andere hängt von der Stärke und der Art der Anfälle ab. Bei einem großen generalisierten Anfall verkrampft der ganze Körper und die Person verliert das Bewusstsein. In diesen Fällen sollte man den Notruf 112 wählen, für Sicherheit sorgen, den Kopf des Betroffenen abpolstern und enge Kleidung am Hals lockern.

Kinderwunsch bei Epilepsie

Wenn Männer und Frauen mit Epilepsie Kinder bekommen möchten, stellen sich viele Fragen. Die gute Nachricht: Bei rechtzeitiger Beratung und engmaschiger ärztlicher Begleitung verlaufen die meisten Schwangerschaften von Frauen mit Epilepsie komplikationslos und die Kinder werden gesund geboren!

Wichtig beim Thema Kinderwunsch ist die proaktive Beratung, d.h. alles Notwendige sollte schon vor Eintritt der Schwangerschaft besprochen werden, damit die Eltern angstfrei den Kinderwunsch umsetzen können. Wenn die Diagnostik erfolgt ist, können schon vor Beginn der Schwangerschaft die Medikamente optimiert werden. Dazu gehört u.a. die rechtzeitige Folsäure-Prophylaxe und eine Anpassung der Epilepsie-Medikation zu Beginn der Schwangerschaft.

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