Epilepsie bei kleinen Hunderassen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die bei Hunden, insbesondere bei kleinen Rassen, auftreten kann. Ein epileptischer Anfall kann für jeden Hundebesitzer eine beängstigende Erfahrung sein. Dieser Artikel soll die wichtigsten Fakten über Epilepsie bei Hunden, insbesondere bei kleinen Rassen, beleuchten und Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Behandlung bieten.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist durch das wiederholte Auftreten von Krampfanfällen unterschiedlicher Ausprägung gekennzeichnet. Ein epileptischer Anfall ist eine kurze Störung der Gehirnfunktion, die sich durch abnormales Verhalten äußert. Es handelt sich um eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Kleintieren, von der schätzungsweise 0,6 % bis 2,6 % der Hunde betroffen sind, die in einer Tierklinik vorgestellt werden.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen für Epilepsie bei Hunden sind vielfältig. Generell wird zwischen reaktiven Anfällen und "echter" Epilepsie unterschieden.

Reaktive Anfälle

Reaktive Anfälle entstehen, wenn ein gesundes Gehirn auf Stoffwechselstörungen im Körper reagiert. Diese Störungen können durch äußere Einflüsse wie Vergiftungen oder durch körpereigene Veränderungen des Stoffwechsels, wie Leber- oder Nierenerkrankungen, verursacht werden. Auch Unterzuckerung oder Elektrolytverschiebungen können reaktive epileptische Anfälle auslösen.

"Echte" Epilepsie

Bei der "echten" Epilepsie wird zwischen struktureller und idiopathischer Epilepsie unterschieden.

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  • Strukturelle Epilepsie: Hierbei werden die Anfälle durch Erkrankungen des Nervensystems ausgelöst. Mögliche Ursachen sind Gehirntumore, Schädeltraumata, Hirnblutungen oder Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute.
  • Idiopathische Epilepsie: Dies ist die häufigste Form der Epilepsie bei Hunden. Sie bedeutet, dass keine Ursache für die Anfälle gefunden werden kann. Genetische Faktoren spielen hierbei eine große Rolle, und bei einigen Rassen wurde eine genetische Veranlagung nachgewiesen oder vermutet. Betroffen sind sowohl Rassehunde als auch Mischlinge. Bei bestimmten Rassen (u. a. Golden und Labrador Retriever, Beagle, Border Collie, Australian Shepherd, Pudel, Berner Sennenhund, Schäferhund, Dackel) und damit auch bei Kreuzungen dieser Rassen tritt die Krankheit häufiger auf. Inzwischen wurde bei einigen Rassen nachgewiesen, dass Epilepsie erblich ist. Die ersten Anfälle treten meist im Alter von einem halben bis fünf Jahren auf.

Symptome von Epilepsie

Epileptische Anfälle können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und werden je nach Dauer und Vorkommen von Symptomen in unterschiedliche Formen unterteilt. Die Symptome können in drei Phasen unterteilt werden:

  1. Prodromalphase (Aura): In der einleitenden Phase zeigt das Tier ein verändertes Verhalten. Es ist unruhig, anhänglich und hat einen merkwürdigen Blick. Das Tier will nach draußen (teils auch umgekehrt), kurz: es verhält sich anders als normal. Diese Phase kann Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Anfall auftreten.
  2. Iktus (Anfall): Der eigentliche Anfall beginnt meist mit dem Umfallen des Tieres. Anschließend tritt eine Art Versteifung durch lang anhaltende Krämpfe von Pfoten und Körper auf, der eine Entspannung mit kurz anhaltenden Krämpfen folgt. Der Hund kann während des Anfalls das Bewusstsein verlieren. Die gesamte Dauer des Iktus beträgt meist nur wenige Minuten. Während des Iktus kann das Tier Urin und Stuhl verlieren und heftig speicheln.
  3. Postiktale Phase: Im Zeitraum nach dem Anfall sind die Hunde desorientiert, können nur schlecht sehen und sich nur mit Mühe bewegen. Einige Hunde sind während dieser Phase extrem unruhig und laufen rastlos im Haus hin und her. Auch übermäßiger Hunger oder Durst können vorkommen. Bei idiopathischer Epilepsie erscheint der Zustand des Hundes zwischen zwei Anfällen normal zu sein.

Es gibt auch fokale Anfälle, bei denen nur ein bestimmter Teil des Großhirns betroffen ist. Die Vierbeiner sind hier in der Regel bei Bewusstsein. Häufig treten fokale Zuckungen im Gesicht oder an den Gliedmaßen auf oder äußern sich durch ruckartige Kopfbewegungen. Vermehrtes Speicheln oder Leerkauen können auch ein Anzeichen für einen kleinen epileptischen Anfall sein. Diese Art der Anfälle sind oft schwerer zu erkennen. Ein fokaler Anfall kann sich auch zu einem generalisierten Anfall entwickeln.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose der Epilepsie beim Hund erfolgt quasi nach dem Ausschlussverfahren. Der Tierarzt schließt also zunächst hauptsächlich andere Differentialdiagnosen aus. Zuallererst sammelt der Tierarzt durch eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) wichtige Hinweise über das Krankheitsgeschehen. Details wie eine vorherige Medikamentenverabreichung, die Aufnahme von giftigen Substanzen oder eine familiäre Disposition beschleunigen die Diagnosestellung.

Wenn Sie Ihren Hund nach einem Anfall in die Tierarztpraxis bringen, werden Sie zunächst eine Menge Fragen beantworten müssen: Wie hat sich das Tier vor dem Anfall verhalten? War der Hund während des Anfalls bei Bewusstsein? Wie lange hat der Anfall gedauert? Könnte eine Vergiftung vorliegen? In der Praxis werden dann verschiedene Tests durchgeführt: Mit Blut- und Urinproben werden beispielsweise bestimmte Organfunktionen überprüft. CT- oder MRT-Aufnahmen können mögliche Anomalien im Gehirn aufzeigen. Gegebenenfalls werden dadurch andere Erkrankungen des Gehirns ausgeschlossen oder zugrundeliegende Ursachen für eine strukturelle Epilepsie gefunden.

Behandlung von Epilepsie

Im Falle einer strukturellen Epilepsie mit bekannter Ursache kann prinzipiell eine Heilung erreicht werden - je nachdem, welche Erkrankung oder welche Umstände die Epilepsie beim Hund hierbei auslösen. Bei einer idiopathischen Epilepsie ist das leider anders: Die Erkrankung kann nicht geheilt werden. Ob aber eine Behandlung notwendig ist, hängt von der Häufigkeit und der Schwere der Anfälle ab: Wenn der Hund mehr als einmal im Monat krampft und/oder starke Anfälle hat, sollte eine Therapie begonnen werden.

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Die Anzahl und die Schwere der Anfälle lässt sich durch antiepileptische Medikamente verringern. Solche Medikamente müssen oft täglich und für das restliche Leben des Hundes gegeben werden. Das Ziel ist, einen konstanten Wirkstoffspiegel beim Hund zu erreichen - mit modernen Präparaten ist das schon nach zwei bis drei Tagen möglich. Trotzdem kann es einige Wochen dauern, bis die Anfälle unter Kontrolle sind. Nach einigen anfallsfreien Monaten kann eventuell die Dosis reduziert werden. Auf keinen Fall sollte ein Medikament aber abrupt abgesetzt werden!

Hunde, die vermehrt epileptische Anfälle haben, sollten dringend behandelt werden. Ohne Therapie können die Anfälle sonst immer häufiger werden und das Risiko für einen Status epilepticus steigt. Der Status epilepticus ist ein lebensbedrohlicher epileptischer Anfall mit anhaltenden Krämpfen. Dieser Zustand kann bis zu einer halben Stunde andauern.

Medikamentöse Therapie

Wenn bei Ihrem Liebling Epilepsie diagnostiziert wird, ist das natürlich erst mal ein großer Schock. Wenn es sich um eine idiopathische Epilepsie handelt, bedarf dies in den allermeisten Fällen eine lebenslange Therapie mit sogenannten Antiepileptika, die Sie Ihrer Fellnase als Tablette verabreichen.

Es gibt mittlerweile eine Reihe an Medikamenten, die gut wirksam sind, wie beispielsweise Phenobarbital oder Levetiracetam. Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt wird für Ihren Vierbeiner die richtige Behandlung wählen. Oft dauert es einige Zeit, bis sich der richtige Wirkstoffspiegel einstellt und Sie werden mit mehreren Folge- und Blutuntersuchungen rechnen müssen.

Auch trotz gut eingestellter Behandlung wird nur bei circa ⅓ der Hunde eine komplette Anfallsfreiheit erreicht und in etwa ⅓ der betroffenen Hunde spricht schlecht auf Antiepileptika an.

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Was tun während eines Anfalls?

So erschreckend der Anblick Ihres krampfenden Lieblings ist, leider können Sie in dem Moment nicht viel für ihn tun. Sollte Ihr Hund deutliche Anzeichen eines bevorstehenden Anfalls zeigen, können Sie ihn in eine Umgebung mit möglichst geringem Verletzungsrisiko bringen und ggf. für Ruhe im Raum sorgen. Bitte versuchen Sie nicht, die Zunge Ihres Hundes aus dem Maul zu ziehen. In dieser Situation hat Ihre Fellnase keine Kontrolle über seine Kiefermuskulatur und es besteht große Gefahr, gebissen zu werden.

Dokumentieren Sie den Anfall möglichst genau. Ein Video oder eine genaue Beschreibung enthält für den Tierarzt oft wertvolle Informationen. Vor allem die Dauer des Anfalls sollten Sie notieren. Wenn es sich nicht um einen Status epilepticus handelt, versuchen Sie bitte nicht, während des Anfalls schnell mit Ihrem Liebling zum Tierarzt zu fahren.

Ernährung

Studiendaten zeigen, dass bestimmte Fettsäuren antiepileptische Eigenschaften bei Hunden haben.

Leben mit Epilepsie

Ein Vierbeiner mit Epilepsie stellt auf jeden Fall eine große Herausforderung dar, aber wenn die Fellnasen gut mit Medikamenten eingestellt sind, können sie trotzdem eine normale Lebenserwartung haben. Ihr Liebling wird vielleicht nicht komplett anfallsfrei sein, aber Sie können mit Medikamenten die Anzahl der Anfälle reduzieren und die Lebensqualität von Ihrem Vierbeiner und auch von Ihnen verbessern. Es ist sehr hilfreich, wenn Sie ein Anfallstagebuch führen und genau dokumentieren, wann und wie oft Anfälle auftreten und wie lange diese dauern. Das kann Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt helfen, die Therapie und Medikamente anzupassen.

Wichtig sind weiter die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Die Diagnose Epilepsie bedeutet nicht das Ende. Dem Tierarzt stehen verschiedene Therapien zur Verfügung und ein Hund kann, wenn er gut auf seine Medikamente eingestellt ist, sehr gut damit leben.

Vorbeugung

Wie Sie bereits gelernt haben, wurde bei manchen Rassen eine genetische Veranlagung bestätigt oder wird vermutet. Wenn Ihr Liebling aus einer Zucht kommt, sollten Sie also unbedingt auf die Seriosität der Züchter:innen achten und genau nach möglichen Krankheiten der Elterntiere und deren Vorfahren fragen. Epilepsie kann aber auch bei allen anderen Rassen und Mischlingen auftreten. Die Rassen mit genetischer Veranlagung zu meiden gibt Ihnen also keine Garantie, dass Ihr Liebling nicht an Epilepsie erkranken könnte. Spezielle vorbeugende Maßnahmen gibt es nicht.

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