Lamotrigin bei Epilepsie: Konzentration, Vergessen und wichtige Aspekte

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Die Behandlung zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Lamotrigin ist ein Antiepileptikum, das häufig in der Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Lamotrigin, insbesondere im Zusammenhang mit Gedächtnisproblemen und Vergesslichkeit, und bietet Informationen für Betroffene und ihre Angehörigen.

Einführung

Epilepsie betrifft etwa 1 % der Weltbevölkerung. In Deutschland sind schätzungsweise 800.000 Menschen betroffen. Die Erkrankung äußert sich durch plötzliche Funktionsstörungen des Gehirns, die zu Anfällen führen können. Diese Anfälle können verschiedene Ursachen haben, darunter genetische Faktoren, Hirnverletzungen oder Stoffwechselstörungen.

Was ist Lamotrigin und wie wirkt es?

Lamotrigin ist ein Antiepileptikum der zweiten Generation, das zur Behandlung von Epilepsie und bipolaren Störungen eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die Freisetzung von erregenden Neurotransmittern im Gehirn reduziert und die Erregbarkeit der Nervenzellen dämpft.

Anwendungsgebiete von Lamotrigin

  • Epilepsie: Lamotrigin wird zur Behandlung verschiedener Anfallsarten eingesetzt, darunter Grand-Mal-Anfälle, fokale und psychomotorische Anfälle. Es kann als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Antiepileptika verwendet werden.
  • Bipolare Störungen: Lamotrigin wird zur Langzeitprophylaxe von depressiven Phasen bei bipolaren Störungen eingesetzt.
  • Off-Label-Anwendungen: In einigen Fällen wird Lamotrigin zur Linderung von Symptomen bei Parkinson, Chorea Huntington und Migräne eingesetzt.

Wirkmechanismus von Lamotrigin

Lamotrigin fördert die Inaktivierung spannungsabhängiger Natrium- und Calciumkanäle in den Nervenzellen. Dadurch wird die Erregbarkeit der Nervenzellen reduziert und die Freisetzung der erregenden Neurotransmitter Aspartat und Glutamat gehemmt. Dieser Mechanismus unterbricht die Erregungskaskade, die zu epileptischen Anfällen führen kann.

Pharmakokinetik von Lamotrigin

Lamotrigin wird im Darm schnell und vollständig resorbiert. Die Bioverfügbarkeit beträgt etwa 98 %. Die maximale Plasmakonzentration wird nach 1,4 bis 4,8 Stunden erreicht. Die Halbwertszeit variiert zwischen 15 und 60 Stunden, abhängig von der Einnahme anderer Medikamente. Die Elimination erfolgt hauptsächlich über Biotransformation in der Leber und Ausscheidung über den Urin.

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Dosierung von Lamotrigin

Die Dosierung von Lamotrigin wird individuell an den Patienten angepasst und langsam gesteigert. Die verfügbaren Dosierungen sind 5 mg, 25 mg, 50 mg, 100 mg und 200 mg.

  • Monotherapie bei Epilepsie: Erwachsene beginnen in den ersten beiden Wochen mit 25 mg täglich. Die Dosis wird schrittweise auf eine Erhaltungsdosis von 100 bis 200 mg pro Tag erhöht. In Einzelfällen können höhere Dosen erforderlich sein.
  • Zusatztherapie bei Epilepsie: Die Dosierung hängt von der Kombination mit anderen Antiepileptika ab.
  • Bipolare Störungen: Erwachsene beginnen mit 25 mg täglich und steigern die Dosis schrittweise auf eine Zieldosis von 200 mg pro Tag.

Nebenwirkungen von Lamotrigin

Wie alle Medikamente kann auch Lamotrigin Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Hautausschläge
  • Sehstörungen
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Reizbarkeit und Aggressivität
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Rücken- und Gelenkschmerzen

Eine schwerwiegende, aber seltene Nebenwirkung ist das DRESS-Syndrom (Drug Rash with Eosinophilia and Systemics Symptoms). Dieses Syndrom äußert sich durch Fieber, starke Gelenkschmerzen, Hautausschläge und Funktionsstörungen von Nieren und Leber. Es ist wichtig, bei Auftreten dieser Symptome sofort einen Arzt aufzusuchen.

Häufigkeit von Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Kopfschmerzen, Hautausschlag
  • Häufig: Aggressivität, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Schwindel, Tremor, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Mundtrockenheit, Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Schmerzen, Rückenschmerzen
  • Gelegentlich: Ataxie, Doppeltsehen, verschwommenes Sehen
  • Selten: Nystagmus, aseptische Meningitis, Konjunktivitis, Stevens-Johnson-Syndrom
  • Sehr selten: Blutbildveränderungen, Überempfindlichkeitssyndrom, Verwirrtheit, Halluzinationen, Tics, Standunsicherheit, Bewegungsstörungen, Verschlimmerung der Parkinson-Krankheit, Leberversagen, toxisch epidermale Nekrolyse, Lupus-ähnliche Reaktionen
  • Unbekannte Häufigkeit: Lymphadenopathie, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS)

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Lamotrigin kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Eine Dosisanpassung kann erforderlich sein bei gleichzeitiger Einnahme von:

  • Kontrazeptiva mit Ethinylestradiol oder Levonorgestrel: Diese können die Clearance von Lamotrigin erhöhen.
  • Valproat: Dieses kann die Halbwertszeit von Lamotrigin erhöhen.
  • Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon, Rifampicin, Lopinavir/Ritonavir, Ethinylestradiol/Levonorgestrel-Kombinationen, Atazanavir/Ritonavir: Diese können den Abbau von Lamotrigin beschleunigen.
  • Carbamazepin: Hier kann es zum Auftreten von zentralnervösen Störungen kommen.
  • Oxcarbazepin: Dieses kann die Lamotrigin-Spiegel senken.
  • Topiramat: Dieses kann die Topiramatkonzentration erhöhen.
  • Olanzapin: Hier kann es zu einer Reduktion der AUC und Cmax von Lamotrigin kommen.

Kontraindikationen

Lamotrigin darf nicht eingenommen werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile des Präparates.

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Lamotrigin, Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit

Viele Epilepsiepatienten berichten über Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit. Diese können verschiedene Ursachen haben:

  • Die Epilepsie selbst: Anfälle können die Gedächtnisfunktion beeinträchtigen.
  • Antiepileptika: Einige Antiepileptika, einschließlich Lamotrigin, können als Nebenwirkung Gedächtnisprobleme verursachen.
  • Psychische Belastung: Die Diagnose Epilepsie und die damit verbundenen Einschränkungen können zu Stress, Angst und Depressionen führen, die sich negativ auf das Gedächtnis auswirken können.

Erfahrungen von Betroffenen

Sascha, ein 30-jähriger Epilepsiepatient, berichtet von starker Vergesslichkeit und Schwierigkeiten, sich an alltägliche Dinge zu erinnern. Diese Probleme belasten ihn und führen zu Stress in seiner Beziehung. Er fühlt sich von seinem Arzt nicht ausreichend unterstützt und wünscht sich mehr Aufklärung und Unterstützung.

Ein anderer Betroffener berichtet, dass sich seine Gedächtnisprobleme unter der Einnahme von Carbamazepin in Kombination mit Lamotrigin verstärkten. Nach einer Umstellung auf Lamotrigin in Kombination mit Keppra verbesserten sich seine Gedächtnisleistungen deutlich.

Eine weitere Patientin, eine ehemalige Augenoptikerin, musste ihren Beruf aufgrund von Gedächtnisproblemen aufgeben. Sie ist auf die Unterstützung ihres Mannes angewiesen, um ihren Alltag zu organisieren.

Was tun bei Gedächtnisproblemen unter Lamotrigin?

  • Offenes Gespräch mit dem Arzt: Es ist wichtig, Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit offen mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.
  • Überprüfung der Medikation: Der Arzt kann die Medikation überprüfen und gegebenenfalls anpassen, um die Gedächtnisfunktion zu verbessern.
  • Zweite Meinung einholen: Es kann sinnvoll sein, eine zweite Meinung von einem Neurologen mit Schwerpunkt Epileptologie einzuholen.
  • Gedächtnistraining: Gedächtnistraining und kognitive Übungen können helfen, die Gedächtnisfunktion zu verbessern.
  • Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann hilfreich sein.
  • Alltagsstrategien entwickeln: Es gibt verschiedene Strategien, die im Alltag helfen können, mit Gedächtnisproblemen umzugehen, z.B. das Führen eines Tagebuchs, das Verwenden von Erinnerungsstützen oder das Einrichten von Routinen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Einnahme von Lamotrigin während der Schwangerschaft kann das Risiko von Fehlbildungen erhöhen. Es ist wichtig, vor einer Schwangerschaft oder während der Schwangerschaft mit dem Arzt über die Risiken und Vorteile einer Lamotrigin-Therapie zu sprechen.

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Stillen während der Einnahme von Lamotrigin ist grundsätzlich möglich, sollte aber mit dem Arzt besprochen werden. Studien haben gezeigt, dass die Konzentration von Lamotrigin in der Muttermilch relativ gering ist. Dennoch sollte das Kind auf mögliche Nebenwirkungen wie Abgeschlagenheit, Hautausschlag oder schlechte Gewichtszunahme überwacht werden.

Epilepsie im Alltag: Beruf, Führerschein und Reisen

Beruf

Junge Menschen mit Epilepsie sollten sich frühzeitig mit der Berufswahl beschäftigen. Es ist wichtig, die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu berücksichtigen und sich über mögliche Risiken im gewünschten Ausbildungsberuf zu informieren. Schulabgänger, die nicht anfallsfrei sind, sollten eine spezielle Berufsberatung in Anspruch nehmen.

Im Berufsleben gelten für schwerbehinderte oder gleichgestellte Arbeitnehmer besondere Schutzbestimmungen. Bei einer Kündigung ist das Integrationsamt einzubeziehen. Es besteht die Möglichkeit, Leistungen der begleitenden Hilfe im Arbeitsleben zu beantragen.

Führerschein

Die Regelungen zum Führerschein bei Epilepsie sind komplex und können sich ändern. Es ist wichtig, sich bei einer Epilepsieberatungsstelle oder einem Facharzt über die aktuellen Bestimmungen zu informieren.

Reisen

Vor Flugreisen sollten Epilepsiepatienten einige Punkte beachten:

  • Mitnahme der Medikamente: Es sollte ausreichend Antiepileptika im Handgepäck mitgeführt werden. Eine ärztliche Bescheinigung über die Medikamenteneinnahme ist empfehlenswert.
  • Zusatzmedikation: Bei Bedarf kann eine einmalige Einnahme eines beruhigenden Medikaments vor dem Flug mit dem Arzt besprochen werden.
  • Zeitverschiebung: Bei Flügen mit längeren Zeitverschiebungen sollte die Medikamenteneinnahme gegebenenfalls an die neue Ortszeit angepasst werden.
  • Regeln der Fluggesellschaften: Es ist ratsam, sich rechtzeitig über die Anforderungen der jeweiligen Fluggesellschaft für den Transport von Passagieren mit Epilepsie zu informieren.

Alkohol und Sport

  • Alkohol: Gelegentlicher Konsum von Alkohol in geringen Mengen erhöht in der Regel nicht die Anfallsfrequenz. Dennoch sollten Patienten, die nach Alkoholkonsum Anfälle erlitten haben, sowie Patienten mit einer Suchterkrankung Alkohol meiden.
  • Sport: Sport fördert die Gesundheit. Bei Anfallsfreiheit von mehr als 2 Jahren können fast alle Sportarten ohne Risiko ausgeübt werden. Bei nicht anfallsfreien Patienten ist bei bestimmten Sportarten eine Beaufsichtigung notwendig.

Was tun bei einem Anfall in der Anwesenheit anderer?

Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren und nicht davonzulaufen. Der Betroffene sollte gegebenenfalls aus einem Gefahrenbereich entfernt werden. Beengende Kleidungsstücke am Hals sollten gelöst und der Kopf gepolstert werden. Krampferscheinungen sollten nicht unterdrückt werden. Nach dem Anfall sollte der Patient in stabile Seitenlage gebracht werden.

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