Epilepsie bei Mini Chihuahuas: Ursachen, Symptome und Behandlung

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Hunden und kann auch Mini Chihuahuas betreffen. Das Anfallsmanagement bei Hunden ist ein zentrales Thema in der Kleintierneurologie und betrifft viele Tierhalter*innen. Es ist wichtig, die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankung zu kennen, um dem betroffenen Tier ein sicheres, möglichst normales und angstfreies Leben zu ermöglichen.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist das wiederholte Auftreten von unterschiedlich ausgeprägten Krampfanfällen. Hirnzellen erzeugen elektrische Signale, leiten sie weiter und empfangen ihrerseits Signale von anderen Zellen. Diese Signale werden verarbeitet und weitergeleitet. Signale, die zu stark sind, werden abgeschwächt. Bei einem Anfall handelt es sich um ein starkes elektrisches Signal von kurzer Dauer, das sich aufgrund des Umstandes, dass es nicht ausreichend abgeschwächt wird, im Gehirn ausbreiten kann. Hierdurch entstehen die Symptome, mit denen sich ein Anfall äußert. Die Ursache für die Störung in der Hirnaktivität kann eine Veränderung im Gehirn selbst sein. Sie kann aber auch in einer Störung außerhalb des Gehirns liegen, beispielsweise einer Stoffwechselerkrankung (z. B. Nierenfunktionsstörung oder Leberversagen). Bei Epilepsie treten die Anfälle wiederholt und mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf.

Ursachen von Epilepsie bei Mini Chihuahuas

Ein wichtiger Bestandteil im Anfallsmanagement bei Hunden ist die Unterscheidung zwischen einzelnen Anfällen und einer tatsächlichen Epilepsie. Nicht jeder Krampfanfall deutet auf Epilepsie hin. Ein einzelner Anfall bedeutet noch keine Epilepsie, sondern wird zunächst als isolierter Anfall bezeichnet. Es gibt viele mögliche Auslöser für einen Krampfanfall, die nichts mit einer chronischen neurologischen Erkrankung zu tun haben müssen. Mögliche einmalige Ursachen können sein:

  • Vergiftungen (z. B. mit Xylit, Schokolade, Schneckenkorn)
  • Stoffwechselstörungen (z. B. Unterzuckerung, Leberversagen)
  • Infektionen oder Fieberkrämpfe
  • Traumatische Ereignisse (z. B. Kopfverletzung)
  • Tumore oder Entzündungen im Gehirn

Erst wenn:

  • mehr als ein Anfall auftritt,
  • innerhalb von 24 Stunden mehrere Anfälle auftreten (Cluster),
  • oder ein Anfall länger als 5 Minuten dauert (Status epilepticus),

wird das Thema Epilepsie relevant.

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Die Diagnose „idiopathische Epilepsie“ - also Epilepsie ohne erkennbare Ursache - ist eine Ausschlussdiagnose und beeinflusst die Strategie für das Anfallsmanagement bei Hunden erheblich. Die Diagnose „idiopathische bzw. genetische Epilepsie“ ist eine Ausschluss-Diagnose. Das bedeutet, dass es kein diagnostisches Kriterium gibt, das geeignet wäre, eine Epilepsie zweifelsfrei zu beweisen. Also müssen im Gegenzug alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen werden.

Man unterscheidet zwischen drei Hauptformen der Epilepsie:

  1. Idiopathische (primäre) Epilepsie: Hierbei handelt es sich um eine genetisch bedingte Form, bei der keine erkennbare Ursache gefunden werden kann. Sie tritt häufiger bei bestimmten Rassen auf, darunter auch kleine Rassen.
  2. Strukturelle (sekundäre) Epilepsie: Diese Form wird durch eine erkennbare Schädigung des Gehirns verursacht, wie z. B. Tumore, Entzündungen, Verletzungen oder angeborene Fehlbildungen.
  3. Reaktive Epilepsie: Diese Form entsteht als Reaktion auf Stoffwechselstörungen oder Vergiftungen, die das Gehirn beeinträchtigen.

Bei Mini Chihuahuas kann die idiopathische Epilepsie eine Rolle spielen, da kleine Rassen generell anfälliger für diese Form sind. Es ist jedoch wichtig, andere mögliche Ursachen auszuschließen, bevor eine Diagnose gestellt wird.

Symptome von Epilepsie bei Mini Chihuahuas

Die Symptome von Epilepsie können vielfältig sein und variieren je nach Art und Schweregrad des Anfalls. Es gibt zwei Haupttypen von Anfällen:

  1. Generalisierte Anfälle: Hier breitet sich ein elektrischer Impuls durch das gesamte Gehirn aus und es entsteht das Krankheitsbild, das man früher auch als „Grand Mal” bezeichnete. Bei einem solchen Anfall stürzt der „Grand Mal”-Patient zu Boden, wenn er nicht bereits auf der Seite liegt, und es kommt zur Bewusstlosigkeit. Anfänglich versteift sich der Patient und nachfolgend treten Krämpfe mit Laufbewegungen auf. Hierbei kann es zu unkontrolliertem Urin- und Kotabsatz kommen, einige Tiere haben Schaum vor dem Maul oder verlieren Speichel. Hin und wieder kann es zu Lautäußerungen wie Jaulen oder Schreien kommen, die jedoch nicht von Schmerzen herrühren.
  2. Fokale Anfälle: Das Wort fokal bezieht sich darauf, dass der Anfall nicht vollständig generalisiert auftritt. Er hat sich also von einem Teil des Gehirns nicht auf das gesamte Gehirn ausgedehnt. Bei den fokalen Krampfanfällen nimmt man auf bestimmte Körperteile begrenzte Veränderungen am Tier wahr. Beispielsweise wird nur eine Pfote hochgezogen. Diese Form gliedert sich in zwei Unterformen: die einfach fokalen Krampfanfälle, bei der der Patient bei Bewusstsein bleibt (z. B. nur Krampf in einer Pfote + Verziehen der Lippen) und die komplex fokalen Krampfanfälle, bei der Bewusstseinstörungen auftreten.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Zuckungen
  • Speicheln
  • Bewusstseinsverlust
  • Verhaltensänderungen vor oder nach dem Anfall (z. B. Unruhe, Angst, Desorientierung)

Es ist wichtig, die Anfälle genau zu beobachten und ein Anfallstagebuch zu führen, um dem Tierarzt wichtige Informationen für die Diagnose und Behandlung zu liefern. Datum und Uhrzeit des Anfalls, Dauer des Anfalls, Beschreibung: Was genau ist passiert? (Zucken, Bewusstlosigkeit, Kot-/Urinabsatz?), Verhalten vor/nach dem Anfall (Ängstlich, orientierungslos, überdreht?), Mögliche Auslöser: Stress, Futterumstellung, Läufigkeit etc.➡️ Ein Anfallstagebuch ist unverzichtbar für die Einschätzung, ob Medikamente wirken - es hilft deinem Tierarzt, die Behandlung anzupassen.

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Diagnose von Epilepsie bei Mini Chihuahuas

Die Diagnose von Epilepsie basiert auf einer gründlichen Anamnese, einer neurologischen Untersuchung und dem Ausschluss anderer möglicher Ursachen.

Wir beginnnen mit dem, was wir Signalement nennen, sehen uns also das Alter, die Rasse und das Geschlecht des Tieres an. Bereits hier können ja Verdachtsmomente entstehen: Gehört zum Beispiel der Hund zu einer der besonders von Epilepsie betroffenen Rassen? Passt das Alter? Wir erinnnern uns: Die allermeisten Hunde mit genetischer Epilepsie haben ihren ersten Anfall bereits mit 1 - 5 Jahren. Danach nehmen wir die Anamnese (Vorgeschichte) auf. Dazu gehört natürlich ganz entscheidend auch die Familiengeschichte (Eltern oder Geschwister mit Krampfleiden?). Gab es in der Vergangenheit Schädel-/Hirnverletzungen oder -erkrankungen? Wann trat der erste Anfall auf und unter welchen Umständen? Gab es einen feststellbaren Auslöser? Wie lang war der Anfall und welche Erscheinungen wurden dabei registriert? Gibt es eventuell Videoaufnahmen? Bestehen chronische Erkrankungen? Nimmt das Tier Dauermedikamente? Und so weiter und so fort. Wir fahren fort mit einer gründlichen Allgemeinen und Eingehenden Untersuchung, um uns ein Bild vom insgesamten Gesundheitszustand des Patienten zu machen und und um keine nicht-neurologischen Probleme zu übersehen. Daran schließt sich eine Neurologische Untersuchung an, die bei einem Patienten mit idiopathischer Epilepsie zwischen zwei Anfällen normalerweise keine besonderen Befunde ergeben sollte. Weiter geht es mit der Labordiagnostik: Eine umfassende Blutuntersuchung inklusive der bei Anfallsleiden sehr wichtigen Schilddrüsenwerte ist absolut unverzichtbar. Bei toxikologischen Verdachtsmomenten kann eine Harnuntersuchung weiter helfen. Ob man sich dann noch durch Röntgen und/oder Sonographie der Brust- und Bauchorgane weitere Aufschlüsse erhoffen kann, wird im Einzelfall der Untersucher festlegen müssen. Bezüglich des Gehirns führen diese Untersuchungsmethoden meist nicht weiter.

Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören:

  • Blutuntersuchungen: Um Stoffwechselstörungen oder Vergiftungen auszuschließen. Ein erneutes großes Blutbild, klinisch-chemisches Profil und Urinuntersuchung wurden durchgeführt, um metabolische Ursachen für die erhöhte Anfallshäufigkeit auszuschließen. Die alkalische Phosphatase (ALP) war leicht erhöht, ansonsten zeigten sich keine signifikanten Veränderungen bei roten und weißen Blutkörperchen, Thrombozyten, Elektrolyten oder Leber- und Nierenwerten.
  • MRT oder CT: Um strukturelle Veränderungen im Gehirn zu erkennen.
  • Liquoruntersuchung: Um Entzündungen oder Infektionen des Gehirns auszuschließen.

Behandlung von Epilepsie bei Mini Chihuahuas

Epilepsie ist in der Regel nicht heilbar, aber mit der richtigen Medikation gut kontrollierbar. Ziel der Therapie ist nicht immer Anfallsfreiheit, sondern:

  • Anfälle seltener und schwächer zu machen
  • Die Zeit zwischen den Anfällen zu verlängern
  • Die Nebenwirkungen der Medikamente zu minimieren
  • Die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern

Es gibt jedoch individuelle Ausnahmen: Einige Hunde mit sehr mildem Verlauf (z. B. ein kurzer Anfall alle 9-12 Monate) benötigen nicht unbedingt Medikamente, sondern werden engmaschig beobachtet. Wenn jedoch einer oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen, ist eine medikamentöse Therapie sehr empfehlenswert:

  • Mehr als 2 Anfälle in 6 Monaten
  • Clusteranfälle (mehrere Krampfanfälle innerhalb kurzer Zeit)
  • Status epilepticus (ein Anfall >5 Minuten oder mehrere ohne Erholung dazwischen)
  • Schwere oder verlängerte postiktale Phase
  • Zunehmende Häufigkeit oder Intensität der Anfälle

Medikamentöse Therapie:

Die medikamentöse Therapie ist ein zentraler Bestandteil des Anfallsmanagements, aber jedes Medikament hat seine Besonderheiten, Vor- und Nachteile. Die Wahl des Medikaments hängt im Anfallsmanagement bei Hunden von vielen Faktoren ab: u. a. Bereits bestehenden organischen Erkrankungen (z. B. Verhalten des Hundes (z. B. Die Behandlungsoptionen bei Epilepsie beim Hund sind vielfältig - und kein Medikament ist für alle gleichermaßen geeignet. Bei der Auswahl eines Medikaments sollten Begleiterkrankungen, bestehende Medikation sowie die Umstände des Besitzers berücksichtigt werden (z. B. Für Patienten, die sich schwer handhaben lassen, sollten Medikamente mit möglichst geringer Überwachungsnotwendigkeit bevorzugt werden - z. B. Folgende Punkte helfen bei der Überwachung:

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  • Regelmäßige Blutkontrollen: Je nach Medikament (z. B. Phenobarbital, Kaliumbromid) sollten alle 6-12 Monate Blutspiegel bestimmt und Leber-/Nierenwerte überprüft werden.

Zu den gängigen Medikamenten gehören:

  • Phenobarbital: Eines der ältesten und am häufigsten verwendeten Antiepileptika.
  • Kaliumbromid: Wird oft in Kombination mit Phenobarbital eingesetzt.
  • Levetiracetam: Eine gute Erstwahl aufgrund des geringen Nebenwirkungsrisikos und der fehlenden Notwendigkeit zur Medikamentenspiegelüberwachung. Levetiracetam war aufgrund des geringen Nebenwirkungsrisikos und der fehlenden Notwendigkeit zur Medikamentenspiegelüberwachung eine gute Erstwahl - besonders bei Bully, der in der Klinik schwer zu handhaben war.
  • Zonisamid: Kann als Zusatzmedikation eingesetzt werden. Eine Woche nach Beginn der Zonisamid-Therapie wurden die Leberwerte überprüft. Es zeigten sich keine signifikanten Veränderungen, daher wurde die Behandlung fortgesetzt.

Es ist wichtig, die Medikamente genau nach Anweisung des Tierarztes zu verabreichen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchzuführen, um die Wirksamkeit der Therapie zu überwachen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Weitere unterstützende Maßnahmen:

Neben der medikamentösen Therapie können auch folgende Maßnahmen helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern:

  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Anfallsauslöser. Ein strukturierter Tagesablauf und feste Rituale helfen dem Hund, sich sicher zu fühlen. Bei starker Angst kann z. B. Gabapentin oder Trazodon zur Beruhigung vor bestimmten Ereignissen eingesetzt werden.
  • Ernährung: Futter mit mittelkettigen Triglyzeriden (MCT) kann die Anfallskontrolle unterstützen. Plötzliche Futterumstellungen vermeiden - bei Kaliumbromid ist der Chloridgehalt im Futter besonders wichtig. Achte auf regelmäßige Fütterungszeiten (z. B. nicht nüchtern lassen). Studien zeigen, dass spezielle Diäten mit mittelkettigen Triglyzeriden (MCT) Anfälle positiv beeinflussen können.
  • Verhaltensbeobachtung: Manche Hunde entwickeln durch die Epilepsie (oder durch Medikamente) neue Verhaltensprobleme z. B. Aggression, Futtergier, Ängstlichkeit. Diese sollten nicht ignoriert werden - sie beeinflussen die Lebensqualität stark. Verhaltenstraining, Medikamente zur Angstreduktion und ggf.

Was tun während eines Anfalls?

Ein Anfall ist ein beängstigendes Erlebnis - aber Ruhe bewahren ist das Wichtigste. Hier ist dein Notfallfahrplan:

Während des Anfalls:

  • Sichere deinen Hund: Entferne gefährliche Gegenstände in der Umgebung
  • Dunkle, ruhige Umgebung hilft (z. B. Licht aus, leise sprechen)
  • Nicht am Maul anfassen! Eine entscheidende!

Tierhalter sollten wissen, wie sie bei einem Anfall reagieren, was gefährlich ist (z. B.

Leben mit einem Mini Chihuahua mit Epilepsie

Das Leben mit einem Hund, der an Epilepsie leidet, erfordert Geduld, Engagement und eine enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt. Mit der richtigen Behandlung und einem angepassten Lebensstil können viele Hunde jedoch ein erfülltes und glückliches Leben führen.

Die Rolle des Signalements

Das Signalement ist ein fester Bestandteil der klinischen Beschreibung eines Tieres. Tierart (z. B. Rasse (z. B. Alter (z. B. Fellfarbe & besondere Kennzeichen (optional, z. B. Das Signalement liefert sofort wichtige medizinische Hinweise auf mögliche Erkrankungen, ohne dass bereits Symptome genannt wurden. Das hat einen guten Grund: Das Signalement kontextualisiert den gesamten Fall. Das Signalement ist der medizinische Steckbrief eines Tieres und enthält alle grundlegenden Daten, die für die richtige Einordnung einer Erkrankung oder eines Falles wichtig sind. Manchmal sieht es unscheinbar aus - aber ohne Signalement fehlt der rote Faden in der tiermedizinischen Bewertung.

Anfallsmanagement bei Hunden

Anfallsmanagement umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, epileptische Anfälle bei Hunden (oder anderen Tieren) zu erkennen, zu behandeln, ihre Häufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität des betroffenen Tieres zu erhalten oder zu verbessern. Wiederholte Anfälle können das Gehirn belasten und langfristige Schäden verursachen. Auch Stress, Angst, Verletzungsrisiken oder Veränderungen im Verhalten (z. B. Ein gutes Anfallsmanagement ist ein maßgeschneiderter Fahrplan, der medizinisches Wissen, Erfahrung und Mitgefühl vereint. Es geht nicht nur darum, Anfälle zu unterdrücken - sondern darum, dem Tier ein sicheres, möglichst normales und angstfreies Leben zu ermöglichen.

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