Epilepsie, eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist, wirft bei Betroffenen, Forschern und Behandelnden Fragen nach Ursachen, Bedeutung und Sinn auf. Die plötzliche Manifestation, der Ausdruckscharakter und die auslösenden Situationen der Anfälle machen die Erkrankung besonders rätselhaft. Dieser Artikel beleuchtet die Reaktionen von Mitmenschen, psychosomatische Aspekte und den Umgang mit Epilepsie im Alltag.
Psychosomatische Dimensionen der Epilepsie
Die Frage, ob es eine psychosomatische Dimension von Epilepsien gibt, beeinflusst die Behandlungspraxis, die Gesprächsgestaltung und die Patienten selbst. Werden Anfälle als stochastische, sinnlose Ereignisse betrachtet, liegt der Fokus auf elektroenzephalographischen und magnetresonanztomographischen Auffälligkeiten sowie biochemischen und weiteren biologischen Aspekten. Biografische, psychodynamische und interaktionelle Phänomene werden dann als akzidentiell und nicht beachtenswert angesehen.
Definition von Psychosomatik
Es gibt keine einheitliche Definition von Psychosomatik. Eine gängige Auffassung sieht sie als eine ärztliche Perspektive, die biologische, psychologische und soziale Einflussfaktoren auf die Entstehung, Auslösung und den Verlauf von körperlichen Erkrankungen und funktionellen Körpersyndromen untersucht und behandelt. Eine andere Auffassung betont die Überwindung des cartesianischen Dualismus durch eine Zusammenschau psychischer und somatischer Lebensaspekte, wie in Viktor von Weizsäckers Lehre vom Gestaltkreis dargestellt.
Psychosomatik in der Epilepsie
Epilepsien sind keine psychogenen Krankheiten, aber psychische und soziale Faktoren können ihren Verlauf beeinflussen. Anfälle mit objektiven und subjektiven Symptomen können als Musterbeispiele eines Gestaltkreises aufgefasst werden. Sie sind durch eine reziproke Verborgenheit charakterisiert: Der Betroffene weiß nicht, was an ihm zu sehen ist, und der Beobachter weiß nicht, was der Betroffene erlebt. Oft fehlt das Bewusstsein für dieses Grundverhältnis, und die Beteiligten nehmen nur ihre Hälfte wahr.
Die von Weizsäcker beschriebene "reziproke Verborgenheit" ist besonders prägend für die Epileptologie, da Selbst- und Fremdwahrnehmung so inkongruent sind. Wie diese Erfahrungsebenen zusammenzubringen sind, wird in der Epileptologie selten thematisiert.
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Psychodynamische Aspekte
Bei einer psychodynamischen Vorgehensweise liegt der Fokus auf inneren Konflikten, Abwehrmechanismen und strukturellen Merkmalen. Eine ausreichend empirisch fundierte Systematik spezifischer Psychodynamiken bei epileptischen und dissoziativen Erkrankungen fehlt bisher. Janz schlug in den 60er-Jahren, basierend auf Rorschach-Tests, eine Unterscheidung zwischen dem "Aufwachtyp" und dem "Schlaftyp" vor.
Auch ohne eine solche Systematik können psychodynamische Herangehensweisen den Wahrnehmungs- und Denkraum im Behandlungsalltag erweitern.
Abwehrmechanismen
Bedeutsame Faktoren sind die Abwehr-Modi, also Weisen, in denen das Subjekt schwer integrierbare Erlebnisweisen ausblendet. In jedem lebendigen System treten Störungen auf, die das Funktionieren beeinträchtigen können. Empfindungen von Wertlosigkeit können durch Grandiosität abgewehrt werden, Schuldgefühle durch Projektion und Verachtung durch Rationalisierung. Eine weitere Form der Abwehr ist die Verneinung.
Projektive Identifikation
Ein Patient schildert seine Anfälle stichwortartig und stockend. Dies kann als eine Form der projektiven Identifikation verstanden werden, bei der der Patient die ihm selbst entziehende Wahrnehmung seiner Anfälle (unbewusst) zu einem Erleben seines Gegenübers (Zuhörers) werden lässt. Der Zuhörer erlebt etwas von der Unzugänglichkeit der Symptomatik für den Patienten selbst.
Diese Wahrnehmung kann angesprochen werden, um den Gesprächsverlauf zu verändern.
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Identifikation mit dem Aggressor und Wendung gegen das Selbst
In einem anderen Fall berichtet ein Patient mit tiefer Niedergeschlagenheit nahezu unbeteiligt über früher Durchgemachtes. Es scheint, dass er sich die ihm widerfahrenen Beschädigungen seines Selbstgefühls zu eigen gemacht hat (Identifikation mit dem Aggressor) und seine Aggression gegen sich selbst richtet (Wendung gegen das Selbst). Dies kann angesprochen werden, indem man anregt zu überlegen, ob das Verletzende nicht auch den schädigend gewesenen Personen aus der Vergangenheit anzulasten wäre.
Konflikthafte Bestimmtheiten
In der "operationalisierten psychodynamischen Diagnostik" werden 7 Grundtypen von Konflikten erfasst. Statt die Vielgestaltigkeit konflikthafter innerer Konstellationen diesen Typen zuzuordnen, kann versucht werden, den aus den spontanen Angaben ersichtlichen konflikthaften Bestimmtheiten eine je eigene Artikulation zu geben. Ist ein bedeutsamer innerer Konflikt deutlich geworden, kann dieser zum rechten Zeitpunkt angesprochen werden.
Fallbeispiel
Ein Patient berichtet: "Als ich mit 11 im Radsportverein den schweren Unfall gehabt hatte und dann nach ein paar Nächten im Schlaf epileptische Anfälle bekam, war ich plötzlich für meinen Trainer ein Nichts und bald auch für meinen Vater. Und dann fing es an, dass ich jeden Tag oft zig so Abwesenheiten hatte, also nicht richtig anwesend, sondern der Kopf ruckte, und ich konnte auch alles mitkriegen, aber nicht sprechen, und nicht denken, und nicht meinen Körper bewegen, war fast wie gelähmt. Glaube, v. a. trat und tritt sowas auf, wenn ich Ungerechtigkeiten empfand, wie z. B."
Die Anfälle scheinen hier einen zentralen Konflikt zwischen ebenso unaushaltbar wütenden wie auch ohnmächtigen Affekten auszudrücken und durch "Selbstlähmung" im Anfall zu bändigen.
Struktur
Mit dem Terminus der Struktur werden die eine Person kennzeichnenden, beständigen Aspekte von Identität, ihres Integrationsgrads, d. h. des Maßes an emotionaler und intentionaler Beständigkeit, an Selbststeuerungs- und Reflexionsfähigkeit, an Abgrenzungsfähigkeit, an intentionaler Ausrichtungsfähigkeit und empathischer Abstimmungsfähigkeit auf Andere bezeichnet. Der bekannteste Extremfall labiler Struktur ist die Borderline-Störung.
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Die Erfassung einer Ich-Struktur-Störung muss nicht entmutigen, sondern kann helfen, sie in die Behandlungsbeziehung einzubeziehen. Die auffällige Tendenz zur Aufwertung der eigenen Person bei Entwertung Anderer kann thematisiert werden.
Fallbeispiel: Frau B.
Frau B., 36 Jahre alt, berentet, ehemals Versicherungsangestellte, verheiratet, 1 Sohn, stellte sich mit der Anfrage nach einer Psychotherapie vor, nachdem ihr nach einem Intensivmonitoring mit Oberflächenelektroden bei linksseitiger Hippocampussklerose und vergrößerter Amygdala eine Operation vorgeschlagen worden war, welche die Patientin aber nicht wünschte.
Sie berichtete von Ängsten, Kribbeln im Arm und dem Gefühl, dass das Böse und das Gute in ihr miteinander diskutieren. Sie erwähnte, dass die Anfälle nach der Geburt ihres Sohnes begonnen hätten, aber die Angstgefühle schon in ihrer Kindheit in einer Pflegefamilie vorhanden waren. Sie hatte auch Drogenmissbrauch betrieben, um ihre Ängste zu bewältigen.
Einige Monate später berichtete sie, dass die Anfälle weniger stark seien, auch weil ihr keine Schuldgefühle gemacht würden. Sie habe aber noch Ängste, als ob ihr Gehirn ihr sagen wolle, dass sie die Anfälle nicht vergessen dürfe.
Psychosomatisch-epileptologische Behandlung
Psychosomatisch-epileptologisch behandeln bedeutet, sich auf vielfältige Koinzidenzen auszurichten, insbesondere auf traumatisch gewesene und auf epileptische Erlebnisanteile. Der Substanzmissbrauch der Patientin kann als ihr Versuch verstanden werden, ihre chronische Angst zu bewältigen, die sowohl aus früher Traumatisierung als auch aus ihren Angstauren erwachsen war.
In der Behandlung sind Erläuterungen zur Bedeutung der verschiedenen neurologischen Störungsanteile, der psychiatrischen Symptome als auch die psychotherapeutische Bearbeitung der traumatischen und der Ich-strukturellen und konflikthaften Problematik erforderlich. Es ging darum, die Entstehung der Angst der Patientin einerseits aus ihrer Lebensgeschichte heraus zu verstehen zu versuchen, und andererseits aber auch, deutlich zu machen, dass diese Angst ein unmittelbares Symptom ihrer Epilepsie ist, also Teil ihrer Aura. Ferner darum, die Strenge und die Scham sich selbst gegenüber abzumildern durch Reflexion des bei ihr vorherrschenden Abwehrmechanismus der Wendung gegen das Selbst.
Innerhalb der ersten 3 Jahre der Gespräche war eine Abmilderung der Anfälle nach Schwere, Frequenz und postiktaler Psychotizität zu verzeichnen, nach 3 Jahren wurde die Patientin ganz anfallsfrei, bis dann, nach weiteren 4 Jahren, doch wieder ein mildes Rezidiv auftrat, welches aber keine größere Irritation nach sich zog. Der Sohn der Patientin, der, da er in beständiger Angst vor den postiktalen Psychosen seiner Mutter gelebt und zu Behandlungsbeginn eine permanente Begleitperson im Schulunterricht benötigt hatte, bedurfte dieser nach ca. 3 Jahren nicht mehr.
Psychosomatische Epileptologie kann somit als jene Art, Epileptologie zu betreiben, bezeichnet werden, welche deren neurologischen Kern um professionelle psychotherapeutische Sichtweisen ergänzt, hieraus auf jeden Einzelfall bezogen zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten gewinnt und so wissenschaftlich die Entwicklung eines umfassenden biopsychosozialen Krankheitsverständnisses ermöglicht. Im Sinne der Gestaltkreistheorie ist festzustellen, dass eine psychotherapeutische Wahrnehmungseinstellung hilft, die wechselseitige Selbstverborgenheit von Patient und Arzt, die sich in der Epileptologie in besonderer Weise herzustellen pflegt, zu überwinden.
Reaktionen und Verhalten von Mitmenschen
Ein Krampfanfall in der Öffentlichkeit kann viele Mitmenschen überfordern. Es ist wichtig, dass Epilepsie-Kranke durch Unfälle und die Berichterstattung darüber nicht unter Generalverdacht geraten. Der Großteil der Betroffenen geht verantwortungsvoll mit dem Risiko um und ist sogar übervorsichtig.
Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen
Das Leben mit Epilepsie ist ein Leben mit der Angst vor dem nächsten Anfall. Die Einschränkung der Freiheit durch die Möglichkeit, jederzeit die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren, belastet viele Betroffene seelisch. Schmerzen haben sie während der Anfälle nicht, das Problem sind vor allem Verletzungen durch Stürze.
Stigmatisierung
"Geistig behindert", "verrückt", "fallsüchtig" - solche Stigmata sind noch heute verbreitet. Eltern oder Lehrer verbieten epilepsiekranken Kindern zum Teil, am Sportunterricht teilzunehmen. Jugendliche dürfen nicht in die Disco, aus Sorge, dass das Stroboskop-Licht einen Anfall auslöst. Dabei reagieren nur etwa fünf Prozent aller krampfanfälligen Menschen auf Flackerlicht.
Verdrängung
Es kommt vor, dass Betroffene ihre Erkrankung verleugnen. Bis zu einem gewissen Grad ermutigen Ärzte Patienten sogar dazu, nicht ständig an das zu denken, was alles passieren kann. Nur so haben sie die Chance auf ein einigermaßen angstfreies Leben. Mit dem Thema, zeitweise oder langfristig nicht Autofahren zu dürfen, wird aber jeder Epilepsie-Patient während der Syndrom-Diagnose konfrontiert. Gesetzlich ist genau geregelt, unter welchen Umständen Epilepsie-Kranke Auto fahren dürfen.
Ursachen und Diagnose
Unfallopfer, die nach einer leichten Kopfverletzung direkt Anfälle haben, oder Kinder mit Fieberkrämpfen werden häufig völlig gesund und zeigen nie wieder epileptische Anfälle. Werden während der Elektro-Enzephalographie (EEG) typische Potenziale gemessen oder wird durch bildgebende Verfahren eine dauerhafte Hirnschädigung sichtbar, etwa nach einem Schlaganfall, dann ist das Risiko schon deutlich größer.
Dunkelziffer
Es gibt eine gewisse Dunkelziffer, da Retter bei Unfällen oft nicht an einen Anfall als Ursache denken. Auch der Fahrer selbst weiß hinterher häufig nicht, was passiert ist. Der Einfluss von Drogen oder Alkohol kann eine Rolle spielen.
Auswirkungen auf das soziale Leben
Epilepsie kann zu Freizeit Einschränkungen, Diskriminierung und weitreichenden Folgen für das Miteinander in der Familie führen. Kinder mit Epilepsie werden möglicherweise als unbeholfen und unselbstständig wahrgenommen oder (unbewusst) abgelehnt. Dies kann dazu führen, dass das Kind nicht ausreichend medizinisch versorgt wird. Psychologische Betreuung kann begleitend zur medizinischen Versorgung des Kindes wertvolle Hilfe leisten.
Sport und Epilepsie
Sport hat viele Vorteile, aber die Teilnahme kann erschwert sein, wenn die Sportart ein gewisses Verletzungsrisiko mit sich bringt oder der Betroffene nicht sicher frei von Anfällen ist. Belastung kann Anfälle auslösen.
Aufklärung und Unterstützung
Mehr Aufklärung an Schulen ist notwendig. Bei Kindern sind oft genetische Ursachen der Grund für Epilepsien. Die Diagnose "Epilepsie" klingt für Kinder und ihre Eltern oft wie ein Unheil. Doch die Krankheit ist sehr gut behandelbar, der Großteil der Kinder kann ein "normales" Leben führen und bleibt anfallfrei. Viele Betroffene haben dennoch mit Schwierigkeiten zu kämpfen - und die haben vor allem mit der Reaktion der Mitmenschen zu tun.
Im Kindesalter sind genetische Ursachen häufiger der Grund für Epilepsie als im Erwachsenenalter. Typisch sind im Kindes- und Jugendlichenalter "Absencen". Bei Kleinkindern gilt ein Fieberkrampf als epileptischer Anfall. Von einer Epilepsie sprechen Ärzte jedoch erst dann, wenn ein Anfall zweimal unprovoziert auftritt.
Entgegen der landläufigen Meinung sterben bei Anfällen keine Hirnzellen ab (außer bei Anfällen, die länger als 30 Minuten dauern). Zwei Drittel aller Kinder mit Epilepsie sind normal intelligent. Dennoch haben Kinder mit Epilepsie häufiger Leistungsstörungen und Probleme, sich zu konzentrieren.
Eltern informieren die Schule oft nicht über die Epilepsie ihres Kindes, wenn es anfallsfrei lebt. Schwierig wird das bei Klassenfahrten oder im Schwimmunterricht. Menschen mit Epilepsien sollten nur in Begleitung schwimmen. Und das Kind sollte regelmäßig Schlaf bekommen und essen. Eltern sollten sich mit dem Arzt und mit geschulten Sozialarbeitern an Epilepsiezentren beraten.
Vonseiten der Schule und der Lehrer besteht vor allem die Angst, dass etwas passieren könnte und dass sie sich falsch verhalten. Hier hilft Aufklärung. Bayern bietet zu dem Thema Fortbildungen für Lehrer an und ist damit Vorbild. Auch für betroffene Kinder und ihre Eltern gibt es ein Schulungsprogramm, um die Epilepsie besser zu verstehen und damit umzugehen: FAMOSES. Gerade für Jugendliche ist es nicht einfach, die Epilepsie anzunehmen. Auch hier helfen Gespräche und psychische Unterstützung. Jugendliche mit Epilepsie können bis auf wenige Ausnahmen jeden Beruf erlernen. Wenn sie ein Jahr anfallsfrei sind, können sie ihren Führerschein machen. Und sie können auch ausgehen. Manchmal verschwinden Epilepsien für immer, bei Absencen und Rolando-Syndrom ist dies so. Wenn ein Kind zwei Jahre anfallsfrei bleibt, ist es üblich, die Medikamente abzusetzen. Anfälle bleiben dann oft aus, die Epilepsie ist verschwunden.
Unterstützung im Studium
Studierende mit Epilepsie können im Studium Beeinträchtigungen erfahren. Medikamente können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten haben. Vorlesungen streamen, ein Wörterbuch bei Klausuren und ein Einzelraum können helfen.
Es ist wichtig, über die Beeinträchtigung im Studium zu sprechen und sich Unterstützung zu suchen.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Je nachdem, welche Gehirnregionen betroffen sind, sieht jeder epileptische Anfall anders aus. Je nach Ausmaß können Anfälle viel Verunsicherung auslösen - bei den Betroffenen aber auch den Mitmenschen. Es kann jedoch dabei auch zu Muskelzucken in bestimmten Bereichen kommen, zum Bespiel in einer Gesichtshälfte oder in einer Hand. Betroffene können unter einer veränderten Sinneswahrnehmung und auch Schwindelgefühl leiden.
Kleinere Anfälle
Solch kleinere Anfällen sind in der Regel nicht gefährlich - Betroffene können danach jedoch verwirrt und benommen sein. Hier ist es wichtig, Hilfe anzubieten und ihnen beizustehen, um das Gefühl von Sicherheit wieder aufzubauen.
Anfälle mit Bewusstseinsbeeinträchtigung
Es gibt auch Anfallsformen, bei denen das Bewusstsein beeinträchtigt ist - es reicht von schwacher Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Betroffene wirken mitunter verwirrt und orientierungslos. Meist fällt ein solcher Krampfanfall durch auffälliges Verhalten auf - durch Muskelzuckungen, automatisch ablaufende Bewegungsabläufe wie Kau- und Essbewegungen (Schmatzen, Kauen), mechanisches Öffnen und Schließen der Hände und Scharren der Füße. Auch können die Personen plötzlich die Muskelspannung verlieren und infolgedessen stürzen.
Hier ist es wichtig, die Betroffenen vor einer Gefahrensituation zu schützen. Verhindern Sie zum Beispiel, dass die betroffene Person auf die Straße läuft. Bleiben Sie ruhig, reagieren sie nicht zu hektisch und versuchen Sie, die Person nicht zu grob anzufassen. Das könnte zu unerwarteten Reaktionen führen. Vermitteln Sie Sicherheit und Halt. Es hilft schon, wenn Sie einfach da sind und den Anfall mit durchstehen. Auch nach dem Anfall ist Unterstützung und Nähe hilfreich für die Betroffenen.
Größere Anfälle mit Krämpfen und Zuckungen
Bei größeren Anfällen kann der gesamte Körper verkrampfen. Die betroffenen Personen stürzen dabei häufig, beißen sich auf die Zunge oder verlieren die Kontrolle über die Blase. Nach einem größerem Anfall sind die Betroffenen meist verwirrt. Das ist eine Phase, in der sie sich nicht gut orientieren können.
Wenn eine Person auf dem Boden liegt, sich zuckend und unkoordiniert bewegt und nicht ansprechbar ist, können Sie diese einfachen Dinge tun, um Erste Hilfe zu leisten:
- Am wichtigsten ist es, Ruhe zu bewahren.
- Den Kopf schützen, zum Beispiel mit einem Kleidungsstück unter dem Kopf, damit die Person sich nicht selbst verletzt.
- Für eine sichere Umgebung sorgen - alle Gegenstände aus dem unmittelbaren Umfeld entfernen.
- Den Menschen nicht festhalten. Damit steigt nur das Risiko, das die krampfende Person sich oder die Helfenden verletzt.
- Nichts in den Mund stecken.
- Bei der Person mit dem epileptischen Anfall bleiben - erstmal nicht weggehen, um Hilfe zu holen.
- Auf die Uhr schauen: Die meisten Anfälle dauern ein bis zwei Minuten und hören von allein auf. Hält der Anfall länger an oder wenn die Person wiederholt krampft: 112 anrufen.
- Auch nach dem Anfall bei der Person bleiben. Es kann sein, dass sie desorientiert ist. Falls die Person direkt nach dem Anfall einschläft: in die stabile Seitenlage bringen.
- Dem Betroffenen nach Möglichkeit mit einer Decke oder ähnlichem zudecken, um ihn vor neugierigen Blicken zu schützen.
Bei allen Anfallsformen ist es hilfreich, als Außenstehender Informationen zu sammeln und zu sortieren: Ist eine Epilepsie bekannt? Dann ist oft keine akute Klinikbehandlung notwendig und der Betroffene weiß selbst Bescheid, wie mit dem erneuten Krampfanfall umzugehen ist. Wenn keine Epilespie bekannt und oder wenn keine Information verfügbar ist, trotzdem die 112 anrufen. Als Laie kann man nicht einschätzen, was als nächstes zu tun ist.
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