Epilepsie im Bett: Ursachen, Formen und Behandlung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der viele Menschen betroffen sind. Glücklicherweise gibt es heutzutage moderne Diagnose- und Behandlungsmethoden, die es ermöglichen, die Krankheit sicher zu diagnostizieren und gut zu behandeln.

Was ist Epilepsie?

Epilepsien sind chronische neurologische Erkrankungen, die sich durch epileptische Anfälle äußern. Etwa zehn Prozent der Menschen haben einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall, wobei etwa 5 % davon tatsächlich an Epilepsie erkranken. Diese Anfälle würden ohne Behandlung immer wieder auftreten.

Es gibt zwei Häufigkeitsgipfel bei der Entstehung von Epilepsien: im Kleinkindesalter und im höheren Alter ab 60 Jahren. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Anfall gleichbedeutend mit Epilepsie ist. Beispielsweise können Studenten, die die Nacht durchlernen oder durchfeiern, aufgrund von Schlafentzug einen Anfall erleiden.

Ein epileptischer Anfall an sich ist meist ungefährlich, aber die Umstände können entscheidend sein. Ein Anfall während des Schwimmens kann tödlich enden, da die Lunge sich mit Wasser füllen und Ertrinken drohen kann.

Epilepsie ist nicht heilbar, aber mit Medikamenten behandelbar. Etwa zwei Drittel der Menschen mit Epilepsie werden durch Medikamente anfallsfrei, während ein Drittel schwerer zu behandeln ist.

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Ursachen von Epilepsie

Bei epileptischen Anfällen kommt es zu einer Entladung von Gehirnzellen. Das Gehirn besteht aus etwa 80 Milliarden Gehirnzellen, die miteinander in Kontakt stehen. Ein Kurzschluss in diesen Zellen kann einen Anfall auslösen. Grundsätzlich können alle Areale des Gehirns epileptische Anfälle auslösen. Da im Gehirn Prozesse wie Riechen, Schmecken, Hören und Sehen ablaufen, können sich diese Zellverbände elektrisch entladen und zu einem Anfall führen. Beispielsweise können Geruchs-, Geschmacks- oder Halluzinationen Anzeichen eines Anfalls sein.

Es gibt fokale (herdförmige) epileptische Anfälle, die von einer bestimmten Region im Gehirn ausgehen. Epilepsie ist an sich nicht vererbbar, aber die Neigung zu epileptischen Anfällen kann vererbt werden. Dies wird als genetische Epilepsie bezeichnet. So wie wir unseren Vorfahren ähnlich sehen können, können wir Krankheiten von ihnen übernehmen. Es gibt genetische Erkrankungen, die Epilepsie zur Folge haben können oder mit epileptischen Anfällen vergesellschaftet sind, wie z.B. das Landau-Kleffner-Syndrom oder die Trisomie 21.

Bei Erwachsenen und Kindern können Verletzungen des Gehirns epileptische Anfälle verursachen, beispielsweise Schlaganfälle, Tumore, Schädel-Hirn-Traumata oder stärkere Gehirnerschütterungen. Diese Veränderungen können Narben hinterlassen, die Instabilität in den Gehirnzellverbänden verursachen.

Es gibt auch Faktoren, die epileptische Anfälle begünstigen können. Dazu gehört eine Störung des regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Wenn dieser gestört ist, sind die Gehirnzellen instabiler und können sich leichter entladen. Schlafmangel, Alkoholkonsum und fehlender Schlaf können den Schlafrhythmus stören und das Gehirn dämpfen.

Formen von Anfällen und ihre Erkennung

Es gibt Anfälle, die sich ankündigen, und solche, die plötzlich auftreten. Fokale Anfälle aus dem Schläfenlappen können sich mit einer Aura ankündigen, einer Art Vorgefühl oder Sensation, die schwer zu beschreiben ist. Häufig treten epigastrische Auren oder aufsteigende Übelkeit auf. Diese Ankündigungen werden bereits als bewusst erlebte Anfälle bezeichnet.

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Es gibt unterschiedliche Formen von Auren: Geruchsstörungen (olfaktorische Aura), Geschmacksstörungen (gustatorische Aura) oder ein Zucken mit der Hand (motorische Anfälle). Wenn diese Ankündigungen auftreten, verlieren Betroffene oft das Bewusstsein und wissen danach nichts mehr. Die Umgebung kann dann beobachten, wie der Körper zuckt oder krampft - dies wird als großer Anfall oder Grand-mal-Anfall bezeichnet.

Was beobachtet werden kann, ist das Verkrampfen der Arme (tonischer Anfall) oder das Zucken der Arme (klonischer Anfall). Während eines Anfalls fühlt man meist nicht viel, aber man kann sich verletzen. Wenn jemand im Schlaf einen Anfall hat, kann es passieren, dass die betreffende Person beim Aufwachen Muskelkater hat oder sich durch Ausschlagen verletzt hat.

Vorgefühle werden oft bagatellisiert. Bei der juvenilen myoklonischen Epilepsie, die im Jugendalter auftritt, kommt es oft zu Zuckungen, vor allem in den Morgenstunden, wenn junge Menschen am Abend länger aus waren.

Fokale und generalisierte Epilepsie lassen sich in der Untersuchung gut unterscheiden, aber weniger gut im klinischen Bereich. Wenn Patienten keine Ankündigungen vor Anfällen haben oder sich nach einem großen Anfall nicht mehr an das Gefühl davor erinnern, bleibt ihnen keine Erinnerung an den Anfall - nur die Tatsache, dass sie bewusstlos geworden sind.

Verhalten bei einem Anfall

Nach einem großen Anfall mit tonisch-klonischen Krämpfen schläft man zunächst und hat kein Bewusstsein. Menschen, die einen solchen Anfall gehabt haben, können sich an nichts erinnern. Der Anfall kommt plötzlich, und wenn die Betroffenen wieder zu sich kommen, wissen sie nicht, was passiert ist.

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Umstehende möchten oft helfen, aber weniger ist mehr. Früher wurde gelehrt, bei einem großen Anfall einen Keil zwischen die Zähne zu geben, aber das wird heute nicht mehr gemacht, da es den Biss in die Zunge nicht verhindert und man sich als Helfer selbst verletzen kann. Stattdessen sollte man den Patienten in eine stabile Seitenlage bringen und Gegenstände aus dem Weg räumen, um die Umgebung zu schützen.

Wenn man sich beim epileptischen Anfall selbst nicht verletzt, kommt es auch nicht zu Symptomen. Wenn Anfälle jedoch aufgrund schlechter Behandlung oder unregelmäßiger Medikamenteneinnahme immer wieder auftreten, kann es langfristig zu Gedächtnisstörungen kommen. Während des Anfalls selbst kann man sich zusätzlich verletzen, was langfristige Folgen haben kann. Häufig passieren Rippen- oder Wirbelkörperbrüche, die dann unter Umständen auch zu Lähmungserscheinungen führen können.

Wenn sich die betreffende Person an ein Gefühl vor dem Anfall erinnern kann, ist es hilfreich, dies schriftlich festzuhalten. Wenn beispielsweise vor dem Anfall Übelkeit, ein komischer Geschmack, Geruch oder ein Geräusch bemerkt wurde, sollte das notiert werden, um später den Ursprung des Anfalls leichter finden zu können.

Diagnose und Behandlung

Ein erster epileptischer Anfall sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Ein Arzt, Neurologe oder Kinderarzt bzw. Neuropädiater sollte aufgesucht werden, um eine Abklärung durchzuführen. Das Zentrale ist dabei das EEG (Elektroenzephalographie). Je früher das EEG durchgeführt werden kann, desto aussagekräftiger ist es.

Leider werden oft Symptome von Patienten und deren Angehörigen nicht gleich erkannt. Wenn jedoch Sensationen wie ein Kribbeln am Arm, eine plötzliche Geruchs- oder Geschmacksstörung oder aufsteigende Übelkeit auftreten, ist das abklärungsbedürftig.

Wenn bei Erwachsenen der Verdacht auf Epilepsie besteht, ist immer ein Facharzt für Neurologie aufzusuchen. Im Kindesalter sind Kinderärzte dafür zuständig - am besten ist es, einen Neuropädiater bzw. Neuro-Kinderarzt aufzusuchen, welcher sich noch besser damit auskennt.

Natürlich ist es nicht immer leicht, eine Epilepsie zu diagnostizieren. Bei einer Synkope bzw. einem Kreislaufkollaps mit Myoklonien kann man auch zucken - Beteiligte beschreiben diesen Kollaps dann oft als Bewusstseinsverlust mit Zuckungen. Da ist die Gefahr dann groß, das mit Epilepsie zu verwechseln, obwohl es damit nichts zu tun hat. Weiters gibt es eine Gruppe von psychogenen bzw.

Beim ersten Besuch eines Facharztes wird neben der Anamnese (Suchen nach der Ursache des Anfalls) eine klinische Untersuchung gemacht. Neurologen oder Neuropädiater untersuchen die Reflexe im Körper, ob irgendwelche Ausfälle erkennbar sind, und führen dann die erste wichtige Untersuchung, das EEG, durch. Beim EEG werden Elektroden an den Kopf angebracht, mit denen man die Hirnströme messen kann - im besten Fall sollte das früh gemacht werden (bis zu zwanzig Stunden nach dem Anfall). Dadurch könnte man schon eine epileptogene Bereitschaft erkennen.

Nach dem EEG wird eine bildgebende Untersuchung des Gehirns gemacht - da ist die Diagnostik der Wahl die Kernspintomographie, das MRT. Nach einem ersten Anfall ist es sinnvoll, eine stationäre Abklärung an einer Kinderklinik oder an einer Neurologie zu machen, um alles durch EEG und MRT abklären lassen zu können. Zudem können Laboruntersuchungen durchgeführt werden, ob Blutunterzucker besteht oder die Blutsalze zu gering sind - auch das kann Anfälle auslösen. Neben den Laboruntersuchungen sind das EEG und die Kernspintomographie die wesentlichen Untersuchungen - das lässt sich in einem stationären Setting leichter abklären.

Das Elektroenzephalogramm bzw. EEG ist eine der wichtigsten Untersuchungen, um Anfälle abklären zu können. Dem Patienten werden Elektroden an den Kopf geklebt oder mittels Hauben auf den Kopf gesetzt, wodurch die Spannungen einzelner Gehirnzellen untereinander gemessen werden. Wenn hier die Spannung abfällt oder sich erhöht, hat man ein sogenanntes epilepsietypisches Potential - das ist ein klarer Hinweis für Epilepsie.

Wenn die Diagnose einer Epilepsie gleich zu Beginn gestellt werden kann, wird auch gleich mit einer antiepileptischen Medikation begonnen. Für die meisten Formen der Epilepsie handelt es sich dabei um eine dauerhafte Therapie; es gibt sehr wenige Epilepsien des Kindes- und Jugendalters, welche im Erwachsenenalter nicht mehr auftreten. Bei den meisten Epilepsien beginnt man jedoch mit einer Medikation, um die Anfälle zu behandeln und zu stabilisieren.

Wenn man bei einem epileptischen Anfall anwesend ist, kann man leider nicht viel machen. Man möchte natürlich helfen - das ist jedoch schwierig. Das Wichtigste ist es, den Betroffenen in eine stabile Seitenlage zu bringen und alles wegzuräumen, wodurch man sich verletzen könnte.

Frauen mit Epilepsie müssen bei der Schwangerschaft ein paar Dinge berücksichtigen. Antiepileptische Medikamente können Fehlbildungen verursachen - das trifft jedoch nicht auf alle zu. Da muss man sich gut beraten lassen, welche Medikamente während einer Schwangerschaft ideal sind. Wichtig ist dabei, die bestehenden Medikamente nicht abzusetzen, sobald man von einer Schwangerschaft erfährt.

Es gibt viele Auslöser, welche die Neigung zu epileptischen Anfällen verstärken. Ein Auslöser kann Schlafentzug oder ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus sein; außerdem übermäßiger Alkoholkonsum, wobei da nicht der Alkohol an sich Auslöser ist, sondern der Abfall vom Alkoholspiegel.

Therapieansätze bei Epilepsie

Die Ziele der Behandlung von Epilepsie sind die Kontrolle von Anfällen, die Minimierung von Nebenwirkungen und die Ermöglichung der Teilnahme am sozialen Leben. In der Akutbehandlung geht es darum, den epileptischen Anfall so schnell wie möglich zu beenden und die Sicherheit der Patient:innen zu gewährleisten. Dazu setzen Fachkräfte Notfallmedikamente aus der Gruppe der Benzodiazepine ein, die oral (zum Schlucken), intravenös (in eine Vene) oder bukkal (in den Mundraum) verabreicht werden. Diese Medikamente dämpfen die übermäßige elektrische Aktivität im Gehirn.

Anfallssupprimierende Medikamente, auch bekannt als Antiepileptika oder Antikonvulsiva, sind die Grundpfeiler der Epilepsiebehandlung. Sie reduzieren die Häufigkeit und Schwere der Anfälle, indem sie die neuronale Aktivität im Gehirn stabilisieren. In Deutschland stehen etwa 20 verschiedene anfallssupprimierende Medikamente zur Verfügung. Bei der Auswahl berücksichtigen Fachärzt:innen die Art der Epilepsie, Alter und Geschlecht der betroffenen Person und ob Begleiterkrankungen vorliegen. Um die bestmögliche Anfallskontrolle bei minimalen Nebenwirkungen zu erreichen, wird die Therapie ambulant überwacht und bei Bedarf angepasst. Etwa zwei Drittel der Epilepsiepatient:innen werden mit Hilfe der medikamentösen Therapie (Monotherapie oder Kombinationstherapie verschiedener Präparate) anfallsfrei.

Für Patient:innen, deren Epilepsie medikamentös nicht gut kontrolliert werden kann, gibt es in Deutschland spezialisierte Epilepsiezentren. Diese prüfen, ob gegebenenfalls ein epilepsiechirurgischer Eingriff möglich ist.

Neben der medikamentösen Behandlung ist es notwendig, dass Patient:innen und ihre Angehörigen über Verhaltensregeln bei Epilepsie informiert werden. Experten klären in Schulungen und Beratungen über geeignete Maßnahmen im Alltag auf. Wichtig ist, die auslösenden Faktoren für Anfälle zu kennen und zu wissen, wie diese vermieden werden können. Dazu gehören etwa Schlafmangel und Stress. Zudem informieren Fachkräfte über nötige Einschränkungen in der Lebensführung. So sollten Menschen mit Epilepsie bestimmte Tätigkeiten unterlassen, etwa auf Gerüsten zu arbeiten oder in offenen Gewässern zu schwimmen. Ein Fahrzeug dürfen die Betroffenen nur unter bestimmten Voraussetzungen führen, die in entsprechenden Begutachtungsleitlinien festgeschrieben sind.

Mit der Kombination aus medikamentöser Therapie und einer umfassenden Aufklärung wird das Fundament für eine effektive Epilepsiebehandlung gebildet.

Für die Familienplanung gilt: Die Epilepsie ist keine typische Erbkrankheit. Bei Kinderwunsch sollten Sie allerdings auf die Einnahme bestimmter anfallssupprimierender Medikamente verzichten (zum Beispiel Valproat und Topiramat), da sie das Missbildungsrisiko des Kindes erhöhen können.

Rolando-Epilepsie und Schlaf

Eine bei Kindern häufige Form der Epilepsie ist die Rolando-Epilepsie, bei der die Anfälle vornehmlich im Schlaf auftreten. Durch im Schlaf vorgespielte kurze Laute können die für die Epilepsie charakteristischen, in der Hirnaktivität messbaren Ausschläge teilweise unterdrückt werden.

Die Rolando-Epilepsie tritt bei Kindern meist zwischen dem fünften und achten Lebensjahr erstmals auf und verschwindet um den Beginn der Pubertät. „Die Anfälle bei dieser Form der Epilepsie sind meist kurz, es kann zu Zuckungen im Bereich des Gesichtes und vorübergehenden Sprechstörungen im Rahmen der Anfälle kommen“, erklärt eine Ärztin der Kinderklinik. Auch treten die Anfälle oft nur in sehr großen zeitlichen Abständen auf. Daher entscheiden sich viele Eltern und Kinder gegen die Einnahme von Tabletten. „Problematisch ist jedoch, dass die Epilepsie die normale Hirnaktivität im Schlaf in einer wichtigen Entwicklungsphase der Kinder stören kann.“ Lern- und Sprachschwierigkeiten, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen würden mit der Rolando-Epilepsie in Verbindung gebracht.

In einer Studie zeichnete ein Forschungsteam die elektrische Hirnaktivität von sieben an Rolando-Epilepsie erkrankten Kindern sowie sieben jeweils altersgleichen gesunden Kontrollpersonen während des Schlafs nichtinvasiv in Elektroenzephalogrammen (EEG) auf. „Wir können mit unserer Arbeit frühere Erkenntnisse bestätigen, dass es bei den kleinen Patienten im Schlaf Unterschiede in der Hirnaktivität gegenüber gesunden Kindern gibt“, sagt ein beteiligter Wissenschaftler. „Dies betrifft insbesondere die sogenannten Schlafspindeln, ein Aktivitätsmuster, das wichtig für die Verarbeitung von Gedächtnis im Schlaf ist.“

Epilepsie und Schlaf: Eine komplexe Beziehung

Zwischen Schlaf und Epilepsie bestehen komplexe Beziehungen. Epileptische Anfälle im Schlaf sind seit Jahrhunderten bekannt, wobei sowohl Schlaf als auch Schlafmangel das Auftreten von Anfällen beeinflussen können. Als Schlafepilepsie wird die Untergruppe der Epilepsien bezeichnet, bei der Anfälle ausschließlich oder überwiegend im Schlaf auftreten. Dabei können sich sowohl fokale als auch generalisierte Epilepsiesyndrome als Schlafepilepsie manifestieren. Bei vermeintlichen genetischen (idiopathischen) generalisierten Epilepsien ist aber Vorsicht bzw.

Es gibt eine Reihe von Epilepsiesyndromen mit bevorzugtem Auftreten von Anfällen im Schlaf. In der Kindheit sind dies insbesondere die selbstlimitierte Epilepsie mit zentrotemporalen Spikes (engl.: „self-limited epilepsy with centro-temporal spikes“ [Akronym: SeLECTS]; frühere Bezeichnungen u. a. benigne Epilepsie [des Kindesalters] mit Rolando-Sharp-Wave-Fokus; benigne Epilepsie [des Kindesalters] mit zentrotemporalen Spikes/Spitzen [BECTS], Rolando-Epilepsie) oder die epileptische Enzephalopathie mit Spike-Wave-Aktivierung im Schlaf (EE-SWAS; frühere Bezeichnungen u. a. kontinuierliche Spike-Wave-Aktivität im Schlaf mit langsamen Wellen [CSWS-Syndrom] oder elektrischer Status epilepticus im Schlaf [ESES]).

Schlafbezogene hypermotorische Epilepsie (SHE)

Hypermotorische oder hyperkinetische Anfälle werden zumeist in epileptogenen Frontallappenregionen generiert. Fokale Frontallappenepilepsien sind eine ätiologisch heterogene Gruppe von Epilepsien mit vom Frontallappen ausgehenden Anfällen. Deren gemeinsame Merkmale bestehen in einem „explosiven“ Beginn und plötzlichen Ende häufiger, kurzer und oft in Clustern auftretender Anfälle mit minimaler postiktaler Verwirrung. Die Anfälle sind durch eine fokale klonische motorische Aktivität mit meist rascher Generalisierung in Form komplexer, bizarrer motorischer Automatismen inklusive eines asymmetrischen tonisches Verharrens charakterisiert, dabei sind Status epileptici aller Art möglich.

Die schlafbezogene hypermotorische Epilepsie (SHE) ist ein wahrscheinlich schon Mitte des 19. Jahrhunderts beschriebenes, in den 1980er-Jahren dann von dem italienischen Neurologen Elio Lugaresi zunächst als wahrscheinlich nichtepileptische hypnogene bzw. paroxysmale nokturnale Dystonie bezeichnete Krankheit bzw. Gruppe von Krankheiten. Im Jahr 1994 erfolgte eine detaillierte Charakterisierung als familiär auftretendes und vorwiegend autosomal-dominant erbliches Epilepsiesyndrom mit im Kindesalter einsetzenden und im Erwachsenenalter persistierenden Clustern schlafgebundener Anfälle, die häufiger als Nachtangst, Albträume, paroxysmale nächtliche Dystonie oder psychogene Störung fehldiagnostiziert werden. Im Jahr 2016 wurden sie von dem italienischen Neurologen Paolo Tinuper als nächtliche Frontallappenepilepsie beschrieben.

Noch 2024 wurde von den klinischen Neurophysiologen Neel Fotedar und Hans Otto Lüders die Auffassung vertreten, dass die Beweislage nicht ausreichend sei, um schlafbezogene paroxysmale motorische Episoden als homogenes fokales Epilepsiesyndrom einzuordnen, sondern es könne sich auch um eine Form von Bewegungsstörung oder Parasomnie handeln. Demgegenüber wird inzwischen überwiegend davon ausgegangen, dass es sich um eine schlafbezogene hypermotorische Epilepsie handelt, bei der die Diagnose in Abhängigkeit von den Befunden mit unterschiedlicher Sicherheit gestellt werden kann.

Gemeinsame klinische Charakteristika der genetischen schlafgebundenen hypermotorischen (hyperkinetischen) Epilepsien sind Cluster von im Schlaf auftretenden, abrupt einsetzenden und typischerweise kurz dauernden (< 2 min) Anfällen bei erhaltenem Bewusstsein mit stereotypen hypermotorischen (hyperkinetischen) oder asymmetrischen dystonischen/tonischen Bewegungen. Einige Patienten haben nur hypermotorische (hyperkinetische) Anfälle, andere auch fokale motorische Anfälle mit tonischer/dystonischer Semiologie, weshalb sowohl die Bezeichnungen hypermotorisch als auch hyperkinetisch möglich sind.

Therapie und Verlauf: Die medikamentöse Therapie mit anfallssuppressiven Medikamenten erfolgte früher meist mit Carbamazepin oder Oxcarbazepin, inzwischen oft mit Levetiracetam oder Perampanel mit insgesamt variablem Erfolg. Bei der ENFL1 mit der pathogenen Variante p.Ser284Leu wurde ein besseres Ansprechen auf Zonisamid beschrieben. Häufig sind Anfallsfrequenz und -schwere im mittleren bis höheren Lebensalter rückläufig. Darüber hinaus wurde kasuistisch über günstige Effekte von Fenofibrat und der Vagusnervstimulation berichtet, ebenso wie für das Rauchen bzw. Nikotin.

Plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie (SUDEP)

Welche Faktoren bringen Epilepsie-Patienten in besonders große Gefahr, plötzlich und unerwartet zu versterben? Plötzlich und unerwartet sterben - dafür tragen Patienten mit Epilepsie ein besonders hohes Risiko. Bezeichnet wird solch ein Ereignis als SUDEP (sudden unexpected death in epilepsy).

Anhand von Registerdaten wurden 255 Fälle eines sicheren oder wahrscheinlichen SUDEP mit rund 1150 lebenden Epilepsiepatienten verglichen. Dabei wurde herausgefunden, dass v.a. generalisierte tonisch-klonische Krämpfe im Jahr vor dem Tod das SUDEP-Risiko massiv steigerten. Insgesamt lag die Gefahr fast 27-mal höher, bei mindestens vier solcher Anfälle sogar 32-mal. In Gefahr schwebten auch Kranke, die allein lebten und allein schliefen. Bei ihnen kam ein SUDEP etwa fünfmal so oft vor wie bei Patienten mit (Bett-)Partner. Ganz extrem wurde die Situation, wenn man die Risikofaktoren kombinierte. Die Experten errechneten eine 67-fach erhöhte Gefahr für einen plötzlichen Tod bei Patienten mit generalisiertem tonisch-klonischem Anfall in den zurückliegenden zwölf Monaten, die sich das Schlafzimmer nicht mit einer anderen Person teilten.

Eine Möglichkeit zur Risikominimierung könnte eine verbesserte antiepileptische Therapie darstellen, die generalisierte Anfälle gar nicht erst auftreten lässt. Eine andere Option bieten möglicherweise Monitoring-Systeme, die Alarm schlagen, wenn bei einem Alleinschlafenden ein Anfall auftritt.

Tagesmüdigkeit und nächtliche Anfälle

Epilepsien bei Schlafapnoe sind medikamentös schwer kontrollierbar, und nokturnale Epilepsien kommen als Differenzialdiagnose schlafassoziierter Bewegungsstörungen infrage. Tagesmüdigkeit und kognitive Beeinträchtigungen am Tag mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen können primär auf eine Epilepsie hindeuten, die bisher noch gar nicht diagnostiziert wurde, weil sie sich durch nokturnale Anfälle manifestiert. Deshalb sollte insbesondere bei jüngeren Menschen explizit eine Epilepsiediagnostik mit Bildgebung und EEG erfolgen.

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