Eine intramuskuläre Injektion (i.m.) ist eine gängige Methode zur Verabreichung von Medikamenten, bei der das Arzneimittel direkt in einen Skelettmuskel gespritzt wird. Obwohl diese Art der Injektion im Allgemeinen sicher ist, können in einigen Fällen Komplikationen auftreten, darunter auch Taubheitsgefühle im Bereich der Injektionsstelle. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Taubheitsgefühle nach einer intramuskulären Injektion ins Gesäß, die Behandlungsmöglichkeiten und präventive Maßnahmen.
Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle nach einer intramuskulären Injektion ins Gesäß
Es gibt verschiedene Gründe, warum nach einer intramuskulären Injektion ins Gesäß Taubheitsgefühle auftreten können:
Direkte Nervenverletzung
Bei der Injektion kann es in seltenen Fällen zu einer direkten Verletzung eines Nervs kommen. Durch die Muskulatur verlaufen Nerven, und bei der Injektion können kleine Nerven verletzt werden, was sich dann wieder legt. Nur in den seltensten Fällen und bei falscher Injektion nach falschem Ausmessen (man muss den Injektionsort nach einer bestimmten Methode ausmessen) kann der Ischiasnerv getroffen werden und das würde dann zur andauernden Lähmung führen. Der Anstich eines Nerves wird festgestellt durch einen sehr stark aufstrahlenden Schmerz beim Einstich bzw. eines starken Schmerzes während der Injektion.
Piriformis-Syndrom
Das Piriformis-Syndrom ist eine weitere mögliche Ursache für Taubheitsgefühle im Gesäßbereich nach einer Injektion. Der Piriformis-Muskel ist ein kleines, flaches Muskelband, das unter dem großen Gesäßmuskel liegt. Er verläuft vom Kreuzbein am unteren Ende der Wirbelsäule quer über den Po bis zur Außenseite des Oberschenkelknochens. Zieht sich der Piriformis-Muskel zusammen, führt das zu einer Außenrotation des Hüftgelenks, er ist außerdem an vielen Bewegungen der Beine beteiligt. Zwischen dem Beckenknochen und dem Piriformis-Muskel verläuft der Ischiasnerv. Wird er durch eine Anspannung oder Verkrampfung des Piriformis gequetscht, löst das den stechenden Schmerz in der Pobacke aus, der manchmal bis zum unteren Rücken sowie in Oberschenkel und Knie ausstrahlt. Auch Kribbel- oder Taubheitsgefühle kommen vor. Manchmal sind beide Seiten betroffen, oft auch nur eine. Und: Frauen leiden bis zu sechsmal häufiger als Männer unter den Beschwerden, die oft zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftreten.
In den meisten Fällen verhärtet oder verkrampft sich der Muskel aber entweder durch eine Überbelastung beim Sport wie langes Laufen oder ein ungewohnt intensives Krafttraining. Das kann auch bei versierten Sportlern passieren. Besonders passionierte Rennrad- oder Skifahrer kennen die Problematik: Ihr Piriformis-Muskel ist dann durch exzessive Kräftigung so stark angewachsen, dass er den Ischiasnerv bedrängt. Doch auch Menschen, die viel im Büro, im Auto oder im LKW auf einer zu harten Stuhlfläche sitzen, - und dabei womöglich noch ein Portemonnaie in der hinteren Hosentasche tragen - können unter dem Piriformis-Syndrom leiden. Eine weitere Ursache sind Unfälle oder Stürze. In allen Fällen kommt es zu einer Reizung oder Verletzung des Piriformis, der sich dann verhärtet und den Ischiasnerv einengt.
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Hämatombildung
Die Injektion kann zur Hämatombildung nach versehentlichem An- bzw. Durchstechen eines Gefäßes führen (meist bei unterlassenem Aspirationsversuch bzw. ungenügender Kenntnis der Anatomie).
Lokale Reizung oder Entzündung
Die Injektion selbst kann eine lokale Reizung oder Entzündung des Gewebes verursachen, was zu vorübergehenden Taubheitsgefühlen führen kann.
Embolia cutis medicamentosa (Nicolau-Syndrom)
Zuletzt ist eine Embolia cutis medicamentosa (Nicolau-Syndrom) Arterienverschluss und Blockade des venösen Abflusses in der Subkutis zu nennen. Diese wird durch einen Medikamentenübertritt nach i.m. Fehlinjektion (in ein arterielles Blutgefäß) und Arzneimittelreiz ausgelöst.
Vitamin-B12-Mangel
Typische Anzeichen sind Kribbeln, Taubheitsgefühle, Gangunsicherheit oder Muskelschwäche. Mit Vitamin-B12-Gaben lassen sich die Beschwerden meist stoppen und oft sogar vollständig rückbilden - wenn dieser Vitaminmangel früh genug erkannt wird. Die Schädigung des Rückenmarks wird durch einen Mangel an Vitamin B12 verursacht. Dieser führt zu einer Zerstörung der Nervenschutzschicht (Myelin) mit Vernarbung. Dadurch geht die Leitfähigkeit der betroffenen Rückenmarksstränge verloren.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen sind Taubheitsgefühle nach einer intramuskulären Injektion vorübergehend und verschwinden innerhalb weniger Tage. Es gibt jedoch bestimmte Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:
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- Starke oder anhaltende Schmerzen: Wenn die Schmerzen an der Injektionsstelle stark sind oder länger als ein paar Tage anhalten.
- Zunehmende Taubheit oder Kribbeln: Wenn sich die Taubheit oder das Kribbeln verschlimmert oder sich auf andere Bereiche ausbreitet.
- Muskelschwäche: Wenn Muskelschwäche im Bein oder Fuß auftritt.
- Anzeichen einer Infektion: Wenn Anzeichen einer Infektion wie Rötung, Schwellung, Wärme oder Eiter auftreten.
- Harn- oder Stuhlinkontinenz: Wenn Harn- oder Stuhlinkontinenz auftritt.
- Gesäß-/Beinschmerzen, die nach einem Sturz oder Unfall auftreten
Behandlung von Taubheitsgefühlen nach einer intramuskulären Injektion ins Gesäß
Die Behandlung von Taubheitsgefühlen nach einer intramuskulären Injektion hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab:
- Piriformis-Syndrom: Die Behandlung umfasst in der Regel Physiotherapie, Dehnübungen, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente. In einigen Fällen können auch Injektionen von Kortikosteroiden oder Botulinumtoxin in den Piriformis-Muskel erforderlich sein.
- Hämatom: Kleine Hämatome bilden sich in der Regel von selbst zurück. Bei größeren Hämatomen kann ein Arzt eine Drainage in Erwägung ziehen.
- Lokale Reizung oder Entzündung: Kühlende Umschläge und entzündungshemmende Medikamente können helfen, die Beschwerden zu lindern.
- Nervenverletzung: In den meisten Fällen heilen Nervenverletzungen von selbst aus. In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu reparieren.
- Vitamin-B12-Mangel: Vitamin B12 muss meist per Spritze gegeben werden. Die Injektion muss anfangs täglich und später, nach Auffüllung der körpereigenen Vitamin-B12-Speicher, monatlich erfolgen.
Was kann man selbst tun?
Neben der ärztlichen Behandlung gibt es auch einige Maßnahmen, die man selbst ergreifen kann, um die Beschwerden zu lindern:
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme- oder Kälteanwendungen können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren. Was Ihnen persönlich guttut, müssen Sie einfach ausprobieren.
- Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen können helfen, den Piriformis-Muskel zu entspannen und den Druck auf den Ischiasnerv zu verringern.
- Ergonomische Sitzauflage: Bei langem Sitzen kann eine weichere, ergonomische Sitzauflage helfen, Verspannungen vorzubeugen.
- Regelmäßiges Aufstehen und Bewegung: Vermeiden Sie lange Sitzphasen und unterbrechen Sie diese durch kurze Bewegungssequenzen. Sogar im Sitzen kann man Bewegungs- und Dehnübungen einbauen.
- Schlafposition: Falls Ihnen das Piriformis-Syndrom beim Schlafen auf der Seite mit stark angewinkelten Beinen Schmerzen bereitet, sollten Sie eine andere Schlafposition ausprobieren oder zumindest die Körperseite beim Liegen öfter wechseln.
Dehnübungen gegen das Piriformis-Syndrom
Die DAK-Sportwissenschaftlerin empfiehlt zwei Übungen, die gut in den Alltag integriert werden können.
Im Liegen
Legen Sie sich rücklings auf den Boden. Die Beine sind gestreckt, die Arme ruhen neben dem Körper. Winkeln Sie ein Bein an, greifen mit beiden Händen an das Knie des angewinkelten Beines und ziehen Ihr Knie langsam in Richtung Ihres Bauches, bis Sie einen leicht Dehnungsschmerz fühlen. Das andere Bein bleibt ausgestreckt auf dem Boden liegen, auch Ihre Lendenwirbelsäule bleibt am Boden. Halten Sie diese Position 20- 30 Sekunden und atmen dabei tief ein und aus. Dann lösen Sie die Übungen langsam wieder auf. Im Anschluss machen Sie die Übung mit der anderen Seite.
Variation: Beim zweiten Durchgang ziehen Sie das Knie nicht gerade in Richtung des Bauchs, sondern diagonal in Richtung der gegenüberliegenden Schulter zum Bauch. Hier muss die gegenüberliegende Hand etwas mehr ziehen als die auf der Seite des herangezogenen Beines. Alles andere bleibt gleich.
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Im Sitzen - Tipp fürs Büro
Setzten Sie sich aufrecht hin, beide Füße stehen sicher am Boden. Legen Sie Ihren Fuß mit dem Knöchel bzw. Fußgelenk auf das Knie des anderen Beins. Es entsteht eine Außenrotation des Beines. Beugen Sie sich nun mit gestrecktem Oberkörper langsam nach vorne bis Sie einen leichten Dehnungsschmerz fühlen. Halten Sie diese Position für 20-30 Sekunden und atmen dabei tief ein und aus.
Prävention von Taubheitsgefühlen nach intramuskulären Injektionen ins Gesäß
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko von Taubheitsgefühlen nach intramuskulären Injektionen ins Gesäß zu minimieren:
- Korrekte Injektionstechnik: Es ist wichtig, dass die Injektion von einer qualifizierten Fachkraft durchgeführt wird, die die richtige Injektionstechnik beherrscht.
- Geeignete Injektionsstelle: Die Injektion sollte an einer geeigneten Stelle im Gesäßmuskel erfolgen, um Nervenverletzungen zu vermeiden. Die korrekte Lokalisierung der Injektionsstellen muss durch die Hochstetter Methode erfolgen.
- Aspiration: Vor der Injektion sollte aspiriert werden, um sicherzustellen, dass kein Blutgefäß getroffen wurde.
- Entspannung: Der Patient sollte während der Injektion entspannt sein, um Muskelverspannungen zu vermeiden.
Prävention des Piriformis-Syndroms
DAK-Sportwissenschaftlerin: Tipps zur Prävention des Piriformis-Syndroms
- Vermeiden Sie lange Sitzphasen oder unterbrechen Sie diese durch kurze Bewegungssequenzen.
- Sogar im Sitzen kann man Bewegungs- und Dehnübungen einbauen.
- Bei unvermeidbaren längeren Sitzphasen achten Sie auf Ihre Haltung und wechseln häufiger Ihre Sitzposition.
- Bauen Sie neue oder ungewohnte Belastungen langsam auf.
- Steigern Sie Ihr Training nicht abrupt, sondern langsam und sukzessiv.
- Vergessen Sie nicht, sich vor dem Training aufzuwärmen und die beanspruchte Muskulatur danach zu dehnen.
Alternative Injektionsstelle: Oberschenkel
Die intramuskuläre Injektion in den Oberschenkel ist ein absoluter Standardeingriff in der Medizin. Meistens landet die Nadel dabei im seitlichen Oberschenkelmuskel, dem Musculus vastus lateralis. Die Entscheidung, wo man die Spritze ansetzt, ist enorm wichtig für die Sicherheit und Wirksamkeit der Injektion. Der M. vastus lateralis gehört zur Quadrizepsmuskulatur und bietet uns genau das, was wir brauchen: eine große, dichte Muskelmasse, die Medikamente ideal aufnehmen kann. Anders als am Gesäß laufen hier keine großen, oberflächlichen Nervenbahnen wie der Ischiasnerv oder wichtige Blutgefäße entlang. Das senkt das Risiko für schmerzhafte Nervenverletzungen oder eine versehentliche Injektion direkt in ein Gefäß ganz erheblich. Gerade in der Pädiatrie ist der Oberschenkel unangefochten die Nummer eins. Bei Babys und Kleinkindern ist der Gesäßmuskel noch kaum entwickelt und besteht hauptsächlich aus Fettgewebe - eine korrekte intramuskuläre Injektion ist hier quasi Glückssache. Und der Deltamuskel an der Schulter? Der M. vastus lateralis hingegen ist schon von Geburt an ordentlich ausgeprägt. Er bietet damit die sicherste und zuverlässigste Stelle für alle notwendigen Impfungen oder Medikamente. Genau aus diesem Grund empfehlen Impfpläne, wie die der STIKO, diesen Ort für fast alle Standardimpfungen im Säuglings- und Kleinkindalter.
Durchführung einer intramuskulären Injektion in den Oberschenkel
Eine professionelle und sichere intramuskuläre Injektion in den Oberschenkel beginnt nicht erst mit der Nadel in der Hand. Die entscheidenden Weichen für den Erfolg stellst du schon lange vorher - mit einer sorgfältigen und routinierten Vorbereitung.
Vorbereitung
Der erste Griff geht immer zum Material. Das bedeutet mehr als nur Spritze, Kanüle und Desinfektionsmittel zusammenzusuchen. Denk auch an sterile Tupfer, ein Pflaster für danach und einen durchstichsicheren Abwurfbehälter, der griffbereit steht. Nichts ist unprofessioneller als Hektik, weil mitten im Prozess etwas fehlt. Eine der wichtigsten Entscheidungen, die du triffst, ist die Wahl der richtigen Kanüle. Nimmst du eine zu kurze Nadel, landest du womöglich nur im Fettgewebe, gerade bei adipöseren Patienten. Eine zu lange Nadel hingegen verursacht unnötige Schmerzen und kann im schlimmsten Fall bis auf den Knochen treffen. Gleichzeitig brauchst du für ölige, dickflüssige Lösungen eine Kanüle mit größerem Durchmesser (also einer kleineren Gauge-Zahl), sonst wird die Injektion zur echten Kraftprobe. Auswahl der Kanüle für die Injektion in den M. Praxistipp: Gewöhn dir an, immer zwei verschiedene Kanülengrößen griffbereit zu haben. Ein kurzer Blick und ein Abtasten des Oberschenkels verraten dir oft mehr als jede Tabelle. Sobald das Material parat liegt, kommt der entscheidende Moment: das präzise Auffinden des Injektionspunktes am Musculus vastus lateralis. Stell dir den Oberschenkel gedanklich in drei gleich große Abschnitte unterteilt vor. Trochanter major: Das ist der prominente Knochenvorsprung an der Außenseite der Hüfte. Lateraler Femurkondylus: Jetzt wanderst du mit der anderen Hand zum Knie und ertastest den äußeren Knochenvorsprung. Der Bereich, der nun zwischen deinen beiden Händen an der Außenseite des Oberschenkels liegt, ist dein sicheres „Landegebiet“. Wähl einen Punkt ziemlich genau in der Mitte dieser Zone.
Durchführung
Okay, die Vorbereitung steht, und du hast den Injektionsort am Oberschenkel sauber lokalisiert. Jetzt kommt der Moment, auf den es ankommt: die eigentliche Injektion. Eine ruhige, souveräne Hand ist hier nicht nur ein Zeichen von Professionalität. Ganz wichtig ist zuerst die Lagerung. Dein Patient sollte für die intramuskuläre Injektion in den Oberschenkel entspannt liegen oder sitzen. Der entscheidende Punkt ist, dass der M. vastus lateralis locker ist. Nachdem du die Haut desinfiziert und die Einwirkzeit (meist 30 Sekunden) abgewartet hast, kann es losgehen. Nimm deine nicht-dominante Hand und spanne die Haut an der Injektionsstelle sanft. Jetzt führst du die Nadel zügig, aber kontrolliert im 90-Grad-Winkel komplett in den Muskel ein. Sobald die Kanüle sitzt, fixierst du die Spritze und beginnst, das Medikament langsam zu spritzen. Ein gutes Tempo sind etwa 1 ml pro 10 Sekunden. Das schont das Gewebe, verteilt den Druck im Muskel besser und beugt Schmerzen vor. Vielleicht hast du in der Ausbildung noch gelernt, vor der Injektion zu aspirieren. Also kurz den Stempel zurückziehen, um zu checken, ob man ein Blutgefäß getroffen hat. Aktuelle Leitlinien, wie die der Ständigen Impfkommission (STIKO), empfehlen für Impfungen in den M. vastus lateralis keine Aspiration mehr. Natürlich gibt es Ausnahmen. Bei bestimmten Medikamenten oder in speziellen Situationen kann eine Aspiration weiterhin gefordert sein. Um zu verhindern, dass Medikament nach dem Herausziehen der Nadel zurück in den Stichkanal läuft und das Unterhautfettgewebe reizt, ist die Z-Track-Methode Gold wert. Injizieren: Halte die Haut in dieser Position und spritze ganz normal. Dadurch, dass die Hautschichten wieder in ihre ursprüngliche Position zurückschnellen, wird der Stichkanal versetzt verschlossen - wie ein Reißverschluss. Das Medikament bleibt sicher im Muskel. Eine simple, aber extrem wirkungsvolle Technik. Nachdem die Nadel raus ist, drückst du kurz mit einem sterilen Tupfer auf die Einstichstelle. Ein Massieren ist meist nicht nötig und bei einigen Medikamenten sogar kontraindiziert.
Kommunikation und Schmerzmanagement
Eine intramuskuläre Injektion in den Oberschenkel ist nie nur ein rein technischer Vorgang - sie ist immer auch eine sensible, persönliche Interaktion. Mit dem richtigen Fingerspitzengefühl kannst du diese Erfahrung für deine Patienten deutlich angenehmer gestalten. Das schafft nicht nur Erleichterung im Moment, sondern baut auch nachhaltiges Vertrauen auf. Der absolute Schlüssel dazu liegt in guter Kommunikation. Erkläre in einfachen, ruhigen Worten, was du tust und warum. Ein kurzer Satz wie „Sie spüren jetzt einen kleinen Piks, das geht ganz schnell vorbei“ kann nachweislich Ängste nehmen. Gerade bei Kindern oder sehr nervösen Erwachsenen sind Ablenkungsmanöver Gold wert. Über die reine Kommunikation hinaus gibt es eine ganze Reihe bewährter Techniken, um den Schmerz beim Einstich und bei der Medikamentengabe zu minimieren. Medikament anwärmen: Kalte Flüssigkeiten können im Muskel unangenehm brennen. Wenn es das Präparat zulässt, wärme die Ampulle einfach kurz in deinen Händen an. Muskulatur entspannen: Eine angespannte Muskulatur tut weh. Ein oft unterschätzter Profi-Trick: Klopfe oder vibriere sanft für ein paar Sekunden auf die Hautpartie direkt neben der geplanten Einstichstelle, bevor du desinfizierst. Diese leichte Stimulation der Nervenenden kann das Schmerzsignal des Einstichs regelrecht überlagern.
Nachsorge
Die Arbeit ist nicht vorbei, wenn die Nadel aus dem Muskel gezogen ist. Ganz im Gegenteil: Die Phase direkt nach der intramuskulären Injektion in den Oberschenkel ist genauso entscheidend für den Erfolg und das Wohlbefinden deines Patienten. Sobald die Nadel entfernt ist, drückst du die Einstichstelle kurz mit einem sterilen Tupfer ab. Ein sanfter Druck reicht völlig aus. Kräftiges Reiben oder Massieren solltest du unbedingt vermeiden - das kann zu unnötigen Gewebeschäden führen oder das Medikament im Gewebe unkontrolliert verteilen. Ein Punkt, der im Eifer des Gefechts manchmal zu kurz kommt, aber absolute Priorität hat: die sofortige und korrekte Entsorgung der Kanüle. Die benutzte Kanüle gehört sofort in einen durchstichsicheren Abwurfbehälter. Wichtig ist hierbei: kein Recapping! Das Wiederaufsetzen der Kappe ist eine der häufigsten Ursachen für Verletzungen.
Auch wenn die Injektion in den M. vastus lateralis als sehr sicher gilt, können in seltenen Fällen unerwünschte Reaktionen auftreten. Kleine Hämatome: Ein kleiner blauer Fleck entsteht, wenn du ein winziges Blutgefäß getroffen hast. Leichte Schmerzen oder eine kleine Verhärtung: Das ist eine normale Reaktion des Muskels auf die injizierte Flüssigkeit. Absolute Wachsamkeit ist gefragt, wenn die Symptome über dieses normale Maß hinausgehen. In so einem Fall muss sich sofort ein Arzt die Stelle ansehen. Auch anhaltende Missempfindungen wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl sind ein klares Warnsignal. Sie könnten auf eine Nervenreizung hindeuten, auch wenn das bei einer korrekten Technik am Oberschenkel extrem selten ist.
Warum der Oberschenkel bei Kindern bevorzugt wird
Im hektischen Klinikalltag und in der Ausbildung tauchen immer wieder dieselben Unsicherheiten auf. Warum ist der M. Bei Babys und Kleinkindern ist der Gesäßmuskel noch kaum entwickelt und besteht hauptsächlich aus Fett. Eine Spritze würde dort also gar nicht im Muskel ankommen. Viel wichtiger: Der Ischiasnerv verläuft bei den Kleinsten noch sehr oberflächlich. Eine Injektion in den Po birgt also ein enormes Risiko, diesen wichtigen Nerv zu verletzen. Der M. vastus lateralis am Oberschenkel hingegen ist von Geburt an ein kräftiger, gut durchbluteter Muskel. Er hat genug Masse und - ganz entscheidend - in diesem Bereich verlaufen keine großen Nervenbahnen oder Blutgefäße. Das macht ihn zur sichersten und effektivsten Stelle für diese Altersgruppe.
Aspiration: Ja oder Nein?
Hier lautet die klare Antwort: In den meisten Fällen wird nicht mehr aspiriert. Früher gehörte das kurze Zurückziehen des Stempels, um zu prüfen, ob man ein Blutgefäß getroffen hat, zum Standard. Die aktuellen Leitlinien, zum Beispiel von der STIKO für Schutzimpfungen, raten bei Injektionen in den M. vastus lateralis und den Deltamuskel sogar explizit von einer Aspiration ab. Warum? Weil in diesen Muskeln praktisch keine großen Gefäße verlaufen, die man treffen könnte. Eine Ausnahme gibt es aber: Bei bestimmten Medikamenten oder speziellen klinischen Situationen kann eine Aspiration trotzdem noch gefordert sein.
Maximale Injektionsmenge
Jeder Muskel hat seine Grenzen. Erwachsene: Das empfohlene Maximum für eine einzelne i. Kinder: Hier hängt es stark vom Alter und der Muskelmasse ab. Wenn du doch mal eine größere Dosis verabreichen musst, ist die Lösung simpel: teile sie auf. Entweder du spritzt an zwei verschiedenen Stellen oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten.