Was tun, wenn man die Medikamente gegen Epilepsie vergessen hat?

Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche Funktionsstörungen des Gehirns, die durch abnormale elektrische Entladungen von Nervenzellen verursacht werden. Dank moderner Untersuchungs- und Behandlungsmethoden können Menschen mit Epilepsie heute ein Leben mit hoher Lebensqualität führen. Die Behandlung der Epilepsie erfolgt meist mit Hilfe von Medikamenten, sogenannten Antikonvulsiva. Diese Medikamente stabilisieren die elektrische Aktivität der Nervenzellen im Gehirn und verhindern so die Entstehung von Anfällen. Damit die Medikamente richtig wirken, müssen sie regelmäßig eingenommen werden. Doch was tun, wenn man die Medikamente einmal vergessen hat?

Die Bedeutung der regelmäßigen Einnahme von Antiepileptika

Die regelmäßige Einnahme von Antiepileptika ist entscheidend für die Anfallskontrolle. Wenn die Medikamente unregelmäßig eingenommen werden, sinkt der Schutz, den sie bieten, und das Risiko für Anfälle steigt. Je häufiger die Medikamenteneinnahme vergessen wird, desto stärker steigt das Risiko, einen Anfall zu erleiden. Mit dem Anfallsrisiko steigt auch die Gefahr für (schwere) Verletzungen während eines Anfalls.

Noch wichtiger als der gleichmäßige Abstand zwischen den Einnahmen ist es, die Einnahmen nicht zu vergessen. Gewöhnen Sie sich am besten eine Routine an und nehmen Sie die Medikamente zum Beispiel jeweils vor dem Frühstück und dem Abendessen ein. So stellen Sie sicher, dass Sie keine Einnahme vergessen und die Medikamente regelrecht wirken.

Was tun, wenn man eine Dosis vergessen hat?

Es kann jedem passieren, dass er seine Medikamente einmal vergisst. Wichtig ist, in diesem Fall richtig zu reagieren:

  • Nicht in Panik geraten: Vergessen kommt vor, und Sie sind nicht allein mit diesem Problem.
  • Überprüfen Sie, wann Sie die Einnahme vergessen haben: Wenn Sie mittags merken, dass Sie die Morgendosis vergessen haben, können Sie diese sicherlich nachträglich nehmen und die Abenddosis etwas später nehmen. Wenn Sie es erst abends bei der Einnahme der Dosis bemerken, dass Sie die morgendliche vergessen haben, lassen Sie die morgendliche Dosis weg und nehmen Sie ganz normal die Abenddosis ein. Setzen Sie dann die Medikamente wieder in regelmäßigen Abständen ein.
  • Beachten Sie die Anweisungen Ihres Arztes oder Apothekers: Generell sollten Sie im Beipackzettel unter der Rubrik „Wie ist das Medikament einzunehmen?“ nachschauen. Einige Medikamente erfordern spezielle Maßnahmen, wenn eine Dosis vergessen wurde.
  • Seien Sie besonders achtsam: Weil die vergessene Dosis die Wirkstoffspiegel in Ihrem Blut senken könnte, sollten Sie nun besonders achtsam sein. Achten Sie auf mögliche Anzeichen eines Anfalls und vermeiden Sie potenziell gefährliche Situationen wie Autofahren.

Generell können Sie im Beipackzettel unter der Rubrik „Wie ist das Medikament einzunehmen?“ nachschauen.

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Tipps, um die Medikamenteneinnahme nicht zu vergessen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die regelmäßige Einnahme von Antiepileptika in den Alltag zu integrieren und das Vergessen zu vermeiden:

  • Feste Einnahmezeiten: Nehmen Sie die Medikamente immer zu festen Uhrzeiten ein, zum Beispiel morgens und abends beim Zähneputzen oder beim Frühstück bzw. Abendessen.
  • Verknüpfung mit täglichen Routinen: Verbinden Sie die Einnahme mit einer festen Aktivität, die Sie sowieso täglich machen.
  • Pillenbox: Verwenden Sie eine Pillenbox mit Fächern für jeden Tag der Woche, um den Überblick zu behalten.
  • Erinnerungen: Stellen Sie sich Erinnerungen im Handy oder verwenden Sie einen elektronischen Wecker.
  • Notizzettel: Platzieren Sie Notizzettel an auffälligen Stellen, um sich an die Einnahme zu erinnern.
  • Notfallpackung: Halten Sie immer eine kleine Notfallpackung an Orten bereit, wo Sie oft sind - zum Beispiel in Ihrer Handtasche oder im Auto.
  • Besprechen Sie das Problem mit Ihrem Arzt: Wenn Sie bemerken, dass Sie häufig vergessen, Ihre Antiepileptika einzunehmen, sollten Sie das unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Es gibt möglicherweise alternative Medikamente oder Dosierungen, die besser zu Ihrem Lebensstil passen.

Was tun bei einem Anfall nach vergessener Medikamenteneinnahme?

Wenn es trotz vergessener Medikamenteneinnahme zu einem Anfall kommt, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die folgenden Schritte zu beachten:

  1. Ruhe bewahren: Nicht davonrennen.
  2. Gefahrenbereich verlassen: Den Betroffenen gegebenenfalls aus einem Gefahrenbereich entfernen.
  3. Kleidung lockern: Beengende Kleidungsstücke am Hals lösen.
  4. Kopf polstern:
  5. Krampferscheinungen nicht unterdrücken: Den Betroffenen nicht aufrichten, verkrampfte Hände nicht öffnen oder festhalten, Kiefer nicht gewaltsam öffnen, keine Gegenstände zwischen die Zähne schieben.
  6. Keine Unterbrechungsversuche: Nicht schütteln, klopfen oder anschreien.
  7. Stabile Seitenlage: Patient nach dem Anfall in stabile Seitenlage bringen, damit eventuell Speichel abfließen kann.
  8. Hilfe anbieten: Nach dem Anfall bzw. Wiedererlangen des normalen Bewusstseins Hilfe und Begleitung anbieten.
  9. Dauer des Anfalls registrieren: Zumeist sind Anfälle nach ein bis zwei Minuten vorbei.

In Notfällen müssen die Medikamente meist von einer Ärztin/einem Arzt gespritzt werden, damit sie schnell und sicher wirken.

Weitere wichtige Aspekte der Epilepsiebehandlung

Neben der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten gibt es weitere wichtige Aspekte der Epilepsiebehandlung:

  • Regelmäßige Arztbesuche: Suchen Sie regelmäßig Ihren behandelnden Arzt auf, um den Therapieerfolg zu überwachen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.
  • Anfallskalender: Führen Sie einen Anfallskalender, um die Häufigkeit und Art Ihrer Anfälle zu dokumentieren. Dies kann Ihrem Arzt helfen, die Behandlung besser zu steuern.
  • Vermeidung von Auslösern: Identifizieren und vermeiden Sie mögliche Auslöser für Anfälle, wie zum Beispiel Schlafmangel, Alkoholgenuss, Stress oder Flackerlicht.
  • Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung.
  • Notfallausweis: Tragen Sie einen Notfallausweis bei sich, der Informationen über Ihre Erkrankung und Medikation enthält.
  • Berufliche Beratung: Junge Menschen mit Epilepsie sollten sich frühzeitig mit der Berufswahl beschäftigen und sich gegebenenfalls von einem Sozialarbeiter in einer Epilepsieberatungsstelle oder in einem spezialisierten Epilepsiezentrum beraten lassen.

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