Lamotrigin-Dosierung bei Tieren zur Behandlung von Epilepsie

Lamotrigin ist ein Medikament, das sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die unkontrollierte Weiterleitung elektrischer Signale im Gehirn verringert und so das Gleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Impulsen normalisiert. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, Dosierung und wichtige Aspekte der Lamotrigin-Therapie bei Tieren, insbesondere im Hinblick auf Epilepsie.

Anwendungsgebiete von Lamotrigin

Lamotrigin wird bei Tieren zur Behandlung verschiedener Formen von Epilepsie eingesetzt:

  • Fokale Epilepsie: Anfälle, die auf einen bestimmten Körperteil oder eine Funktion begrenzt sind.
  • Fokale, sekundär generalisierte Epilepsie: Anfälle, die zunächst lokal auftreten und sich dann auf den ganzen Körper ausweiten.
  • Generalisierte Epilepsie: Anfälle, die den ganzen Körper betreffen.
  • Lennox-Gastaut-Syndrom: Eine spezielle Form der Epilepsie, die vor allem im Kindesalter auftritt.
  • Absence-Epilepsie: Eine spezielle Form der Epilepsie, die durch kurze Bewusstseinsaussetzer gekennzeichnet ist.

Wirkweise von Lamotrigin

Lamotrigin blockiert spannungsabhängige Natriumkanäle und stabilisiert präsynaptische Membranen. Dadurch wird die Freisetzung von exzitatorischen Neurotransmittern, insbesondere Glutamat, verhindert. Dies führt zu einer Normalisierung des gestörten Gleichgewichts zwischen inhibitorischen und exzitatorischen Impulsen im Gehirn, was die Grundlage für die antiepileptische Wirkung darstellt.

Dosierung von Lamotrigin

Die Dosierung von Lamotrigin ist abhängig von verschiedenen Faktoren, darunter:

  • Art und Schwere der Epilepsie
  • Alter und Gewicht des Tieres
  • Gleichzeitige Einnahme anderer Medikamente
  • Nieren- und Leberfunktion

Die Therapie mit Lamotrigin wird einschleichend begonnen, um Überempfindlichkeitsreaktionen zu vermeiden. Die Dosis wird schrittweise erhöht, bis die optimale Anfallskontrolle erreicht ist.

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Dosierungsempfehlungen für Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren mit Epilepsie:

  • Monotherapie:
    • Woche 1+2: 25 mg/Tag (1-mal täglich)
    • Woche 3+4: 50 mg/Tag (1-mal täglich)
    • Erhaltungsdosis: 100-200 mg/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
  • Kombinationstherapie:
    • Mit nicht Valproinsäure-haltigen, enzyminduzierenden Arzneimitteln (z. B. Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Rifampicin):
      • Woche 1+2: 50 mg 1-mal täglich
      • Woche 3+4: 100 mg/Tag (in 2 Einzeldosen)
      • Erhaltungsdosis: 200-400 mg/Tag (aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
    • Mit nicht Valproinsäure-haltigen Arzneimitteln, welche die Pharmakokinetik von Lamotrigin nicht beeinflussen:
      • Woche 1+2: 25 mg/Tag (1-mal täglich)
      • Woche 3+4: 50 mg/Tag (1-mal täglich)
      • Erhaltungsdosis: 100-200 mg/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
    • Mit Valproinsäure-haltigen Arzneimitteln:
      • Woche 1+2: 25 mg jeden zweiten Tag
      • Woche 3+4: 25 mg 1-mal täglich
      • Erhaltungsdosis: 100-200 mg/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)

Dosierungsempfehlungen für Kinder von 2-12 Jahren mit Epilepsie:

  • Monotherapie typischer Absencen:
    • Woche 1+2: 0,3 mg/kg/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
    • Woche 3+4: 0,6 mg/kg/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
    • Erhaltungsdosis: 1-10 mg/kg/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
  • Kombinationstherapie:
    • Mit nicht Valproinsäure-haltigen, enzyminduzierenden Arzneimitteln (z. B. Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Rifampicin):
      • Woche 1+2: 0,6 mg/kg KG/Tag (aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
      • Woche 3+4: 1,2 mg/kg KG/Tag (in 2 Einzeldosen)
      • Erhaltungsdosis: 5-15 mg/kg KG/Tag (aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
    • Mit nicht Valproinsäure-haltigen Arzneimitteln, welche die Pharmakokinetik von Lamotrigin nicht beeinflussen:
      • Woche 1+2: 0,3 mg/kg KG/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
      • Woche 3+4: 0,6 mg/kg KG/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen)
      • Erhaltungsdosis: 1-10 mg/kg KG/Tag (1-mal täglich oder aufgeteilt in 2 Einzeldosen morgens und abends)
    • Mit Valproinsäure-haltigen Arzneimitteln:
      • Woche 1+2: 0,15 mg/kg KG/Tag (1-mal täglich)
      • Woche 3+4: 0,3 mg/kg KG/Tag (1-mal täglich)
      • Erhaltungsdosis: 1-5 mg/kg KG/Tag (1-mal täglich oder in 2 Einzeldosen)

Hinweis: Lamotrigin wird für Kinder unter 2 Jahren nicht empfohlen, da nur begrenzte Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit in dieser Altersgruppe vorliegen.

Art der Anwendung

Lamotrigin-Tabletten sollten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen, idealerweise jedoch immer zur gleichen Tageszeit.

Dauer der Anwendung

Die Dauer der Anwendung von Lamotrigin wird vom behandelnden Arzt festgelegt und richtet sich nach der Art und Schwere der Erkrankung. In der Regel ist eineLangzeittherapie notwendig, um die Anfallskontrolle aufrechtzuerhalten.

Überdosierung

Bei einer Überdosierung von Lamotrigin können Symptome wie Koordinationsstörungen, Bewusstseinsstörungen, Nystagmus, Ataxie und Krampfanfälle auftreten. In schweren Fällen kann es zu Herzrhythmusstörungen und Koma kommen. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden.

Einnahme vergessen

Wurde die Einnahme einer Dosis Lamotrigin vergessen, sollte die Einnahme zum nächsten planmäßigen Zeitpunkt mit der üblichen Dosis fortgesetzt werden. Es sollte keine doppelte Dosis eingenommen werden, um die vergessene Dosis auszugleichen.

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Gegenanzeigen

Lamotrigin darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Allergie oder Hautausschlag auf andere Antiepileptika in der Vorgeschichte
  • Mittelschwere oder schwere Leberfunktionsstörung
  • Klinisch bedeutsame strukturelle oder funktionelle Herzerkrankungen
  • Träger des HLA-B*1502-Allels asiatischer Herkunft

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Vor der Einnahme von Lamotrigin sollten folgende Punkte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden:

  • Nierenprobleme
  • Leberprobleme
  • Hautausschlag nach Einnahme von Lamotrigin oder anderen Medikamenten gegen Epilepsie oder bipolare Störung
  • Meningitis nach Einnahme von Lamotrigin
  • Einnahme anderer Medikamente, die Lamotrigin enthalten
  • Vorliegen eines Brugada-Syndroms

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Lamotrigin kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Besonders wichtig ist dieBeachtung von Wechselwirkungen mit:

  • Valproinsäure: Vermindert die Metabolisierung von Lamotrigin.
  • Enzyminduzierenden Antiepileptika (z. B. Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon): Verstärken den Abbau von Lamotrigin.
  • Oxcarbazepin und Carbamazepin: Können zentralnervöse Störungen wie Schwindel, Ataxie, Diplopie, Verschwommensehen und Übelkeit verursachen.
  • Ethinylestradiol/Levonorgestrel-Kombinationen (orale Kontrazeptiva): Erhöhen die Clearance und senken den Serumspiegel von Lamotrigin.
  • Rifampicin: Erhöht die Clearance und verkürzt die Halbwertszeit von Lamotrigin.
  • Lopinavir/Ritonavir und Atazanavir/Ritonavir: Senken die Plasmakonzentration von Lamotrigin.

Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann auch Lamotrigin Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Hautausschlag
  • Aggressivität oder Reizbarkeit
  • Schläfrigkeit oder Benommenheit
  • Schwindelgefühl
  • Schütteln oder Zittern (Tremor)
  • Schlafstörungen (Insomnie)
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Durchfall
  • Mundtrockenheit
  • Müdigkeit
  • Schmerzen in Rücken, Gelenken oder anderswo

In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie lebensbedrohlichen Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse), aseptischer Meningitis oder Hämophagozytischer Lymphohistiozytose (HLH) kommen. Bei Auftreten von Anzeichen einer solchen Reaktion sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

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Lamotrigin in Schwangerschaft und Stillzeit

Lamotrigin gilt in der Schwangerschaft als das Antiepileptikum der Wahl, da es im Vergleich zu anderen Antiepileptika ein geringeres Risiko für Fehlbildungen aufweist. Dennoch sollte die Anwendung von Lamotrigin in der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Lamotrigin geht in die Muttermilch über. Der potenzielle Nutzen des Stillens sollte gegen das potenzielle Risiko von Nebenwirkungen beim Säugling abgewogen werden.

Alternativen zu Lamotrigin

Für Hunde sind auch andere Medikamente zur Behandlung von Epilepsie zugelassen: Pexion, Phenobarbital und Kaliumbromid. Wenn keiner der drei für Hunde zugelassenen Wirkstoffe in Maximaldosierung den gewünschten Erfolg bringt, kann Ihr Tierarzt Medikamente aus der Humanmedizin „umwidmen“ und versuchen, damit den gewünschten Therapieerfolg herbeizuführen.

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