Epilepsie: Vorurteile und Stigma in der Gesellschaft

Einführung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die von Anfällen gekennzeichnet ist, die durch abnormale elektrische Aktivität im Gehirn verursacht werden. Trotz medizinischer Fortschritte und eines besseren Verständnisses der Krankheit sind Menschen mit Epilepsie immer noch mit erheblichen Vorurteilen und Stigmata konfrontiert. Diese Vorurteile können sich auf verschiedene Aspekte ihres Lebens auswirken, darunter Beziehungen, Bildung, Beschäftigung und allgemeines Wohlbefinden. Dieser Artikel befasst sich mit der Natur dieser Vorurteile, ihren Ursachen und Folgen und untersucht Strategien zur Bekämpfung von Stigmatisierung und zur Förderung von Inklusion für Menschen mit Epilepsie.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Ein Anfall ist ein plötzlicher Ausbruch unkontrollierter elektrischer Aktivität im Gehirn, der zu Veränderungen im Bewusstsein, Verhalten oder in Bewegungen führen kann. Es gibt viele verschiedene Arten von Anfällen, und ihre Symptome können von Person zu Person variieren.

Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig. Sie reichen von genetischen Faktoren über Hirnverletzungen bis hin zu Infektionen. In vielen Fällen bleibt die Ursache jedoch unbekannt. Die Diagnose von Epilepsie umfasst in der Regel eine neurologische Untersuchung, eine Elektroenzephalographie (EEG) zur Messung der Gehirnaktivität und bildgebende Verfahren wie MRT, um strukturelle Anomalien im Gehirn auszuschließen.

Häufige Vorurteile gegenüber Epilepsie

Trotz der Tatsache, dass Epilepsie eine relativ häufige Erkrankung ist, halten sich hartnäckig falsche Vorstellungen und Vorurteile. Zu den häufigsten Vorurteilen gehören:

  • Epilepsie als Geisteskrankheit: Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Epilepsie eine Form von Geisteskrankheit ist. Dies ist jedoch nicht der Fall. Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine Störung der Gehirnfunktion verursacht wird.
  • Epilepsie als ansteckende Krankheit: Ein weiteres weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Epilepsie ansteckend ist. Dies ist natürlich nicht der Fall. Epilepsie ist nicht übertragbar.
  • Menschen mit Epilepsie sind gefährlich: Einige Menschen haben Angst vor Menschen mit Epilepsie, weil sie befürchten, dass diese während eines Anfalls gewalttätig werden könnten. In den meisten Fällen sind Anfälle jedoch nicht mit aggressivem Verhalten verbunden.
  • Menschen mit Epilepsie sind nicht in der Lage, ein normales Leben zu führen: Viele Menschen glauben, dass Epilepsie ein schwerwiegendes Hindernis für ein erfülltes Leben darstellt. Mit der richtigen Behandlung können jedoch die meisten Menschen mit Epilepsie ein normales, produktives Leben führen.

Die Auswirkungen von Stigmatisierung

Die Stigmatisierung von Epilepsie kann tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben. Zu den möglichen Folgen gehören:

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  • Soziale Isolation: Vorurteile und Diskriminierung können dazu führen, dass sich Menschen mit Epilepsie isoliert und ausgeschlossen fühlen. Sie vermeiden möglicherweise soziale Situationen aus Angst vor einem Anfall in der Öffentlichkeit oder vor negativen Reaktionen anderer. Angesichts verbreiteter Vorurteile neigen Betroffene oft dazu, sich zurückzuziehen und zu isolieren. In den Selbsthilfegruppen gebe es vielfache Hilfe­stellung zur Befreiung ihrer Lebensmöglichkeiten.
  • Geringes Selbstwertgefühl: Die Stigmatisierung kann zu einem geringen Selbstwertgefühl und einem negativen Selbstbild führen. Betroffene schämen sich möglicherweise für ihre Erkrankung und fühlen sich als Belastung für andere.
  • Diskriminierung: Menschen mit Epilepsie können in verschiedenen Bereichen ihres Lebens Diskriminierung erfahren, darunter in der Bildung, am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen. Noch immer verbieten Eltern oder Lehrer epilepsiekranken Kindern zum Teil, am Sportunterricht teilzunehmen. Jugendliche dürfen nicht in die Disco, aus Sorge, dass das Stroboskop-Licht einen Anfall auslöst.
  • Verzögerte Behandlung: Die Stigmatisierung kann dazu führen, dass Menschen mit Epilepsie zögern, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie befürchten möglicherweise, stigmatisiert oder diskriminiert zu werden, wenn sie ihre Erkrankung offenlegen. Angesichts verbreiteter Vorurteile neigten Betroffene oft dazu, sich zurückzuziehen und zu isolieren.

Ursachen von Stigmatisierung

Die Stigmatisierung von Epilepsie ist ein komplexes Phänomen, das auf verschiedenen Faktoren beruht:

  • Mangelndes Wissen: Viele Vorurteile gegenüber Epilepsie beruhen auf einem Mangel an Wissen und falschen Vorstellungen über die Erkrankung.
  • Angst und Unsicherheit: Anfälle können für Außenstehende beängstigend und verstörend wirken. Diese Angst kann zu negativen Einstellungen und Verhaltensweisen führen.
  • Historische und kulturelle Faktoren: In einigen Kulturen wird Epilepsie mit Aberglauben und spirituellen Ursachen in Verbindung gebracht. Diese historischen und kulturellen Faktoren können zur Stigmatisierung beitragen.
  • Medienberichterstattung: Sensationslüsterne oder ungenaue Medienberichte über Epilepsie können Vorurteile verstärken und negative Stereotypen aufrechterhalten.

Strategien zur Bekämpfung von Stigmatisierung

Die Bekämpfung der Stigmatisierung von Epilepsie erfordert einen vielschichtigen Ansatz, der auf Aufklärung, Sensibilisierung und Interessenvertretung setzt:

  • Aufklärung: Die Aufklärung der Öffentlichkeit über Epilepsie ist entscheidend, um falsche Vorstellungen abzubauen und das Verständnis für die Erkrankung zu fördern. Dies kann durch Kampagnen in den Medien, Informationsveranstaltungen und Schulungen erreicht werden.
  • Sensibilisierung: Die Sensibilisierung für die Erfahrungen und Bedürfnisse von Menschen mit Epilepsie kann dazu beitragen, Empathie und Akzeptanz zu fördern. Dies kann durch den Austausch persönlicher Geschichten, die Unterstützung von Selbsthilfegruppen und die Förderung einer inklusiven Sprache erreicht werden.
  • Interessenvertretung: Interessenvertretung ist wichtig, um die Rechte von Menschen mit Epilepsie zu schützen und Diskriminierung zu bekämpfen. Dies kann durch die Unterstützung von Organisationen, die sich für Epilepsie einsetzen, die Teilnahme an politischen Prozessen und die Förderung von Gesetzen und Richtlinien erreicht werden, die die Inklusion fördern.
  • Unterstützung von Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten Menschen mit Epilepsie die Möglichkeit, sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und gegenseitige Unterstützung zu finden. Diese Gruppen können dazu beitragen, Isolation und Stigmatisierung zu reduzieren.
  • Zusammenarbeit mit den Medien: Die Zusammenarbeit mit den Medien ist wichtig, um eine genaue und ausgewogene Berichterstattung über Epilepsie zu gewährleisten. Dies kann durch die Bereitstellung von Informationen und Experten für Journalisten und die Reaktion auf ungenaue oder stigmatisierende Berichte erreicht werden.
  • Förderung der Forschung: Die Förderung der Forschung über Epilepsie ist wichtig, um das Verständnis der Erkrankung zu verbessern und neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Dies kann dazu beitragen, die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie zu verbessern und die Stigmatisierung zu reduzieren.

Die Rolle der Sprache

Die Sprache, die wir verwenden, um über Epilepsie zu sprechen, kann einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung der Erkrankung haben. Es ist wichtig, eine respektvolle und inklusive Sprache zu verwenden, die die Person in den Vordergrund stellt und negative Stereotypen vermeidet.

  • Vermeiden Sie den Begriff "Epileptiker": Verwenden Sie stattdessen "Person mit Epilepsie". Dies betont, dass die Person mehr ist als nur ihre Erkrankung.
  • Verwenden Sie den Begriff "Anfall" anstelle von "Krampf": "Krampf" kann einen negativen und beängstigenden Unterton haben.
  • Vermeiden Sie sensationalistische oder alarmierende Sprache: Verwenden Sie stattdessen eine neutrale und informative Sprache.

Epilepsie im Alter

Das Auftreten von Epilepsie im Alter nehme zu, erklärt die Leiterin des Epilepsie­zentrums Hessen an der Uniklinik Marburg, Susanne Knake. Umso wichtiger werde angesichts des demografischen Wandels das Zusammenwirken von medizinischer Betreuung und sozialer Beratung. „Durch die richtige Therapie kann man Lebensläufen eine andere Wen­dung geben, da hat sich in den letzten 20 Jahren viel getan“, sagte die ebenfalls an der Tagung teilnehmende Professorin.

Wichtig ist nach Angaben der Expertin eine frühzeitige Erkennung mit Hilfe von EEG- und MRT-Bildern. Dabei komme es auf die sorgfältige Auswertung der Befunde an, möglichst in enger Zusammenarbeit von Radiologen und Neurologen. „Mit der richtigen Diagnose und einer spezifischen Behandlung kann man vielen Patienten helfen, die früher als nicht therapierbar galten“, erklärte Knake.

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Zu den Hinweisen auf eine mögliche Epilepsieerkrankung gehören zum Beispiel kurz­fris­tige Absencen, also vorübergehende Aussetzer im Bewusstsein, ein starrer Blick mit Nes­teln der Hände oder kurze heftige Bewegungen im Schlaf. „Es lohnt sich, gerade am An­fang einer Erkrankung genau hinzuschauen“, riet die Professorin.

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