Epilepsie: Medikamentenüberdosierung, Symptome und Behandlungsstrategien

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, insbesondere im höheren Lebensalter. In Deutschland sind schätzungsweise 150.000 Menschen über 60 Jahre betroffen. Die korrekte Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Epilepsie, insbesondere im Zusammenhang mit Medikamentenüberdosierung und den damit verbundenen Symptomen.

Epilepsie im Alter: Eine besondere Herausforderung

Während einige Menschen ihr Leben lang mit Epilepsie leben und gut damit zurechtkommen, stellt die Diagnose im höheren Alter oft eine größere Herausforderung dar. Professor Dr. Christian E. Elger, Leiter des Epilepsiezentrums der Universitätsklinik Bonn, betont, dass es schwieriger ist, wenn das Anfallsleiden erstmals nach dem 60. Lebensjahr auftritt.

Unterschiede zu jüngeren Patienten

Im Vergleich zu jüngeren Patienten treten generalisierte Grand-mal-Anfälle bei älteren Menschen seltener auf. Stattdessen sind fokale Anfälle häufiger, bei denen die neuronalen Entladungen auf einen umschriebenen Bereich des Gehirns beschränkt bleiben. Die Symptome variieren je nach betroffenem Gebiet und können sich als rhythmische Zuckungen einer Extremität oder Missempfindungen äußern.

Symptome und Fehldiagnosen

Ein epileptischer Anfall kann verschiedene Ursachen haben und das Symptom eines lebensbedrohlichen Notfalls sein, daher ist es wichtig, den Notruf 112 zu wählen und professionelle Hilfe zu rufen. Aufgrund der oft unspezifischen Symptome besteht die Gefahr, dass epileptische Anfälle bei älteren Menschen nicht erkannt oder fehlinterpretiert werden. Anzeichen wie unklare mentale Veränderungen, Verwirrtheit, Synkopen, Gedächtnisstörungen oder Schwindel können fälschlicherweise anderen Ursachen zugeschrieben werden. Betroffene bemerken kurze Anfälle mit Bewusstseinsverlust oft gar nicht.

Die postiktuale Phase

Die postiktuale Phase, in der sich der Patient nach einem Anfall erholt, ist bei älteren Patienten oft deutlich verlängert. Während junge Patienten in der Regel zehn bis 15 Minuten brauchen, kann die Verwirrtheit bei älteren Menschen Stunden oder sogar Tage andauern.

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Ursachen von Epilepsie im höheren Alter

Eine Epilepsie tritt am häufigsten erstmalig in einem Alter von über 75 Jahren auf. Bei älteren Menschen sind Durchblutungsstörungen oder neurodegenerative Erkrankungen häufige Ursachen für Epilepsie. Bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder dem Parkinson-Syndrom gehen im Laufe der Erkrankung immer mehr Nervenzellen zugrunde. In manchen Fällen treten im Alter auch De-Novo-Absencen auf, kurze Bewusstseinsstörungen ohne motorische oder vegetative Symptome.

Medikamente und Krampfschwelle

Eine Reihe von Medikamenten kann die Krampfschwelle senken. In therapeutischer Dosierung gilt dies für Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva, Muskelrelaxanzien, Sympathomimetika sowie einige Analgetika, Antirheumatika und Antibiotika. Bei Überdosierung können auch Diphenylhydantoin, Isoniazid, Acetylsalicylsäure, Clozapin und Antihistaminika Krämpfe induzieren. Bei intravenöser Gabe können Theophyllinderivate, Penicillin, Narkotika, Cephalosporine, Piperazine und Piracetam einen Anfall auslösen. Die intrathekale Gabe von Antibiotika, Zytostatika, Baclofen und Kontrastmitteln kann ebenfalls dazu führen. Auch Störungen des Elektrolythaushalts, wie eine Hyponatriämie, können im Alter häufiger einen Krampfanfall auslösen.

Diagnose von Epilepsie

Menschen, die erstmals einen Anfall erleiden, sollten unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären. Es muss festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelt oder um eine andere Störung, wie beispielsweise des Kreislaufs oder des Stoffwechsels. Auch psychische Erkrankungen wie Ängste oder Depressionen können Epilepsie-ähnliche Anfälle auslösen.

Diagnostische Verfahren

Auch wenn ein epileptischer Anfall wahrscheinlich ist, muss die Diagnose gesichert werden. Bei etwa der Hälfte der Patienten können im routinemäßigen Wach-Elektroenzephalogramm (EEG) epileptische Anfälle während der Untersuchung nachgewiesen werden. Der Arzt kann auch prüfen, wie das Gehirn auf äußere Reize reagiert, indem er Lichtreize einsetzt oder den Patienten auffordert, eine Zeit lang schnell zu atmen (Hyperventilation). Auch Schlafentzug kann ein epileptisches Geschehen provozieren. Zur Sicherung der Diagnose kann ein Langzeit-EEG mit Videoüberwachung infrage kommen. Kernspintomografie und Computertomografie des Kopfes dienen dem Nachweis oder Ausschluss struktureller Hirnveränderungen als Ursachen der Epilepsie. Weitere Untersuchungen, wie ein EKG zur Aufzeichnung von Herzrhythmusstörungen oder eine Blutuntersuchung zum Nachweis von Stoffwechselstörungen, können erforderlich sein.

Behandlung von Epilepsie

Manchmal lassen sich epileptische Anfälle relativ einfach verhindern. Der Patient sollte möglichst wenig Alkohol trinken und Unterzuckerungen vermeiden. Wenn Präventivmaßnahmen die Anfälle nicht komplett verhindern können, ist der Einsatz von Antiepileptika unumgänglich.

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Auswahl des Antiepileptikums

Bei der Auswahl des Antiepileptikums spielen altersbedingte Veränderungen der Pharmakokinetik eine große Rolle. Im Alter sind Magensekretion, Blutvolumen und Blutfluss sowie die gastrointestinale Motilität vermindert. Die Serumkonzentration eines Medikaments hängt stark von seiner Proteinbindung ab, vor allem an Serumalbumin. Da die Proteinbindung im Alter deutlich abnimmt, steigt der freie Anteil eines Arzneistoffs im Serum an. Wichtige altersbedingte Veränderungen sind eine Verminderung der Lebermasse und damit des Leberstoffwechsels sowie eine Abnahme der Nierenfunktion.

Zu vermeidende Medikamente

Aufgrund der vielen Interaktionen sind die enzyminduzierenden Antiepileptika (Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Primidon) im Alter nicht zu empfehlen. Sie senken die Serumkonzentrationen beispielsweise von Antidepressiva und Antipsychotika sowie von Benzodiazepinen und Steroiden. Laut Elger sollten ältere Patienten weder Carbamazepin noch Oxcarbazepin erhalten, es sei denn, sie werden seit Langem erfolgreich damit therapiert.

Besser verträgliche Medikamente

Antiepileptika, die im Alter besser vertragen werden, sind beispielsweise Lamotrigin und Levetiracetam. Eine Alternative zu Carbamazepin oder Oxcarbazepin bietet auch Valproinsäure. Neben den genannten Medikamenten werden auch Gabapentin, Topiramat, Ethosuximid, Felbamat und Rufinamid eingesetzt. Lacosamid kann das PR-Intervall dosisabhängig verlängern, daher ist bei älteren Patienten Vorsicht geboten. Tiagabin kann vermehrt zu Depressionen führen.

Kombinationstherapie

Auch eine Kombinationstherapie ist bei älteren Menschen möglich. Eine Therapie mit zwei Antiepileptika erhöht zwar das Interaktionspotenzial, wird aber häufig besser vertragen als das Hochdosieren einer einzelnen Substanz. Da Levetiracetam und Gabapentin nicht an pharmakokinetischen Interaktionen beteiligt sind, eignen sie sich zur Kombination.

Besondere Vorsicht bei Präparatewechsel

Bei einem Wechsel des Präparats muss man bei Epilepsie-Patienten besonders vorsichtig vorgehen. Jeder Wechsel kann dazu führen, dass wieder epileptische Anfälle auftreten. Besonders im Alter ist es nicht immer leicht, die optimale Dosis zu finden. Man muss die Balance finden zwischen unerwünschten und erwünschten Arzneimittelwirkungen. Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Somnolenz, Kraftlosigkeit, verlangsamte Reaktion und Gedächtnisstörungen.

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Langzeitmedikation und ihre Gefahren

Gerade bei älteren Patienten ist es oft schwierig zu entscheiden, ob eine Veränderung Symptom einer Erkrankung oder Nebenwirkung eines Medikaments ist. Bei einer Überdosierung von Antiepileptika wird der Gang unsicher und der Patient läuft Gefahr, zu stürzen und sich Knochen zu brechen. Die durch Antiepileptika bedingten kognitiven Störungen des Gedächtnisses oder der Konzentration sind reversibel. Allerdings kann eine Langzeittherapie auch zu irreversiblen Nebenwirkungen führen. So zeigte eine Studie, dass das Arterioskleroserisiko unter einer antiepileptischen Langzeittherapie signifikant ansteigt. Viele Antiepileptika beeinflussen den Cholesterolspiegel, sodass das Arterioskleroserisiko zunimmt. Zudem sind viele Epilepsiepatienten wenig mobil, da sie sich aus Angst vor Anfällen zurückziehen. Ärzte und Apotheker sollten die Patienten daher zu Sport ermutigen, um Muskulatur und Knochen zu stärken, da viele Antiepileptika auch das Osteoporose-Risiko erhöhen.

Alternative Behandlungen

Ist eine Epilepsie medikamentös nicht beherrschbar, kann eine operative Therapie erwogen werden. Die fokalen temporalen Epilepsien eignen sich gut für eine chirurgische Behandlung und kommen im Alter besonders häufig vor. Es gibt keine definierte Altersgrenze für eine Operation.

Die Rolle des Epilepsiezentrums

Es ist dringend erforderlich, dass ein Patient mit neu aufgetretener Epilepsie bald- und bestmöglich behandelt wird. Dies gelingt nur in einem Epilepsiezentrum. Bei optimaler Therapie gehen wir davon aus, dass die Chance auf Anfallsfreiheit beim älteren Menschen bei etwa 50 Prozent liegt. Dies setzt voraus, dass der Patient die Medikamente verträgt. In einer Studie brachen mehr als die Hälfte der Patienten über 65 Jahre die Therapie wegen Nebenwirkungen wie Schwindel, Gangunsicherheit und Müdigkeit ab, während es nur ein Drittel der jungen Erwachsenen war.

Pregabalin und Gabapentin: Risiken und Nutzen

Pregabalin und Gabapentin sind verschreibungspflichtige Medikamente, die zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, Angststörungen und Epilepsie eingesetzt werden können. Beide wirken im zentralen Nervensystem und hemmen dort die Reizweiterleitung.

Todesfälle im Zusammenhang mit Pregabalin und Gabapentin

Eine Veröffentlichung der Statistikbehörde in Großbritannien über die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Anwendung von Medikamenten mit den Wirkstoffen Gabapentin und Pregabalin in den Jahren 2018 bis 2022 hat Besorgnis ausgelöst. Der Statistik zufolge war bei 2110 Todesfällen Gabapentin oder Pregabalin auf dem Totenschein vermerkt, wobei der Trend zunehmend ist.

Abhängigkeit und Missbrauch

Insbesondere Pregabalin kann abhängig machen, selbst bei Einnahme im Rahmen der verordneten Dosierung. Es kann eine euphorische Stimmung auslösen und wird daher nicht nur im Rahmen von medizinischen Behandlungen eingenommen, sondern oft auch als Rauschmittel missbraucht. Lebensgefährlich wird es vor allem, wenn Pregabalin mit anderen Drogen oder bestimmten Medikamenten kombiniert wird. Das Risiko für schwere Neben- und Wechselwirkungen steigt bei gleichzeitiger Einnahme anderer beruhigender oder schlaffördernder Substanzen wie insbesondere Opiaten, aber auch Benzodiazepinen und Alkohol erheblich.

Anzeichen für Abhängigkeit und Überdosierung

Eine Abhängigkeit von Pregabalin lässt sich mithilfe eines standardisierten Fragebogens zur Sucht feststellen. Eine Überdosierung mit Pregabalin kann sich in Form von Schläfrigkeit und Verwirrtheit oder aber auch in Form von starker Nervosität (Agitiertheit) und Krampfanfällen äußern.

Nutzen von Pregabalin

Trotz der Risiken ist Pregabalin ein sehr wirksames Medikament. Besonders neuropathische Schmerzen und Angststörungen, aber auch Epilepsien können für die Betroffenen quälend und lähmend sein. Für viele dieser Patienten kann Pregabalin eine enorme Hilfe sein, indem es die Beschwerden lindert und unter Kontrolle hält.

Vorsichtsmaßnahmen bei der Verordnung

Bei Menschen mit einer bekannten Suchterkrankung - insbesondere für Opioide oder Benzodiazepine - sollte die Verordnung von Pregabalin und Gabapentin mit Vorsicht erfolgen. Wenn kein Weg an einer Verordnung von Pregabalin für einen Menschen mit bekannter Suchterkrankung vorbeiführt, dann sind wenigstens engmaschige Kontrollen angeraten.

Was tun bei Einnahme von Pregabalin?

Patienten, die Pregabalin einnehmen, sollten über die Gefahren einer Abhängigkeit oder Sucht reflektieren und wachsam sein. Selbstständig absetzen sollten Sie Pregabalin nicht, nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin.

Verhalten bei einem epileptischen Anfall

Wenn man Zeuge eines epileptischen Anfalls bei einer anderen Person wird, ist es sehr wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben. Vor allem sollte man überlegen, wie man die Person vor Verletzungen schützt.

Leichte epileptische Anfälle

Bei kurzen Absencen oder Muskelzuckungen besteht keine unmittelbare Gefahr. Danach können sich die Betroffenen unsicher fühlen und Unterstützung benötigen.

Anfälle mit eingeschränktem Bewusstsein oder Verhaltensänderungen

Wenn Menschen mit einem epileptischen Anfall verwirrt wirken, ist es wichtig, sie vor Gefahren zu schützen (z. B. im Straßenverkehr). Gehen Sie dabei mit der Person ruhig um und fassen Sie sie nicht hart an. Versuchen Sie dem oder der Betroffenen Halt und Nähe zu vermitteln.

Große generalisierte epileptische Anfälle

Bei einem großen generalisierten Anfall verkrampft der ganze Körper und die Person verliert das Bewusstsein. In diesen Fällen sollten Sie den Notruf 112 rufen, für Sicherheit sorgen, den Kopf des Betroffenen abpolstern, enge Kleidung am Hals lockern und Menschen, die nicht helfen können, bitten, weiterzugehen.

Was man vermeiden sollte

Die Betroffene nicht festhalten oder zu Boden drücken und der betroffenen Person nichts in den Mund schieben.

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