Epilepsie und zyklisches Erbrechen: Ursachen und Zusammenhänge

Zyklisches Erbrechen ist eine funktionelle Störung, die in allen Altersgruppen vorkommen kann und durch wiederholte Episoden von starker Übelkeit und Erbrechen gekennzeichnet ist. Zwischen diesen Anfällen sind die meisten Betroffenen beschwerdefrei. Obwohl die genauen Ursachen des zyklischen Erbrechens noch nicht vollständig geklärt sind, deuten Forschungsergebnisse auf mögliche Verbindungen zu neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie und Migräne hin. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen und Zusammenhänge zwischen Epilepsie und zyklischem Erbrechen, insbesondere bei Kindern.

Zyklisches Erbrechen: Definition und Symptome

Beim zyklischen Erbrechen kommt es phasenweise zu Übelkeit und Erbrechen. Zwischen den Krankheitsphasen liegen meist beschwerdefreie Phasen. Der Abstand zwischen den Krankheitsphasen beträgt 1 Woche oder mehr. Die Diagnose wird gestellt, wenn die Beschwerden 6 Monate andauern.

Erkrankte Personen verspüren heftige Übelkeit und müssen sich wiederholt übergeben. Die Krankheitsphasen (Episoden) dauern normalerweise jeweils wenige Tage. Die Episoden beginnen meist akut. Zwischen den Episoden klingen die Beschwerden in der Regel ab.

Die Definition des zyklischen Erbrechens erfolgt nach klinischen Kriterien: mindestens fünf Erbrechensepisoden innerhalb eines Zeitraums von einer Stunde bis zu zehn Tagen, wobei mindestens vier Episoden innerhalb der ersten Stunde stattfinden. Der Ablauf ist immer gleich mit einem typischen Beginn in den frühen Morgenstunden. Die Intervalle zwischen den Erbrechensphasen sind komplett symptomfrei. Unterschiede zu chronischem Erbrechen sind der plötzliche Beginn mit hoher Intensität und die längeren beschwerdefreien Intervalle.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Wie genau die Erkrankung entsteht, ist unbekannt. Wahrscheinlich spielen mehrere Ursachen eine Rolle. Die Forschung vermutet Verbindungen zu Störungen des Nervensystems und des Hormonhaushaltes. Beobachtet wurde aber auch ein Zusammenhang mit der Regelblutung, mit Nahrungsmittelallergien und mit Cannabiskonsum.

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Bei Erwachsenen hat die Erkrankung oft ähnliche Auslöser wie eine chronische Migräne, eine Epilepsie und Panikstörungen. Auch der zeitliche Verlauf ist ähnlich.

Bekannt ist, dass einige Faktoren das Erkrankungsrisiko erhöhen können:

  • Familienmitglieder mit Migräne oder zyklischem Erbrechen (besonders Migräne der Mutter)
  • Bei Kindern besteht ein Zusammenhang mit bestimmten Genen der Mitochondrien (wichtige Zellbestandteile).

Der Zusammenhang zwischen Epilepsie und zyklischem Erbrechen

Erbrechen kann in seltenen Fällen ein Symptom einer Epilepsie sein. Insbesondere bei Kindern, die aus dem Schlaf heraus erbrechen, kann dies ein Hinweis auf eine benigne fokale Epilepsie sein, nämlich das Panayiotopoulos-Syndrom. Zur Abklärung ist ein EEG indiziert.

Panayiotopoulos-Syndrom

Das Panayiotopoulos-Syndrom ist eine Form der benignen idiopathischen fokalen Epilepsie im Kindesalter. Es ist gekennzeichnet durch autonome Symptome, die oft mit Erbrechen einhergehen. Die Anfälle treten häufig nachts auf und können von Bewusstseinsverlust, Blickdeviation und anderen autonomen Zeichen begleitet sein.

Zyklisches Erbrechen als Komorbidität bei Epilepsie

Obwohl Erbrechen ein direktes Symptom einer Epilepsie sein kann, tritt zyklisches Erbrechen auch als Komorbidität bei Patienten mit Epilepsie auf. Das bedeutet, dass beide Erkrankungen gleichzeitig bestehen, aber nicht unbedingt direkt miteinander in Verbindung stehen müssen. Die genauen Mechanismen, die zu diesem Zusammenhang führen, sind noch unklar, aber es gibt verschiedene Theorien.

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Andere Ursachen für Erbrechen bei Kindern

Es ist wichtig zu beachten, dass Erbrechen bei Kindern viele Ursachen haben kann, die nicht mit Epilepsie in Zusammenhang stehen. Einige häufige Ursachen sind:

  • Magen-Darm-Infekte: Die häufigste Ursache für Erbrechen bei Kindern sind Magen-Darm-Infekte.
  • Kuhmilch-Allergie: Zu den wichtigen Differentialdiagnosen bei Säuglingen mit Erbrechen gehört die Kuhmilch-Allergie mit einer Häufigkeit von etwa 3 %.
  • Gastroösophagealer Reflux: Bei Neugeborenen und Säuglingen kann es zu einem gastroösophagealen Reflux kommen, der sich in vermehrtem Erbrechen, Spucken oder Hüsteln äußert. Manchmal fließt die Milch einfach aus dem Mund.
  • Eosinophile Ösophagitis: Nahrungsmittelallergien treten häufig im Kindesalter auf. Sie führt zu einer chronischen Entzündung, die meist mit Schluckbeschwerden aber auch Schmerzen hinter dem Brustbein einhergeht. Als Komorbiditäten können u.a. Asthma und atopische Dermatitis auftreten.
  • Passageprobleme: Wenn Säuglinge erbrechen, stehen Passageprobleme im Vordergrund, allen voran die „Magenpförtnerenge“. Bei den meist 1-4 Monate alten Babies ist schwallartiges, nicht-galliges Erbrechen etwa eine halbe Stunde nach der Mahlzeit typisch.
  • Volvulus infolge Malrotation: Lebensbedrohlich, wenn nicht schnell erkannt, sind Malrotation und Volvulus (Darmverschlingung). Als Malrotation wird eine gestörte Darmdrehung bezeichnet, die sich während der Embryonalentwicklung vollzieht.
  • Endokrines Erbrechen: Kongenitale Stoffwechselkrankheiten und endokrine Störungen, etwa das adrenogenitale Syndrom (AGS), können ebenfalls durch Erbrechen auf sich aufmerksam machen. Diese Kinder fallen bereits in den ersten Lebenswochen durch eine lebensbedrohliche Salzverlust-Krise auf.
  • Diabetische Azidose: Wenn Schulkinder erbrechen, muss neben einer infektiösen Genese vermehrt auch an entzündliche Erkrankungen gedacht werden, wie Appendizitis, Pankreatitis, eine Gastritis oder an eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Als metabolische Ursache kommt eine diabetische Ketoazidose in Betracht.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose des zyklischen Erbrechens basiert auf den klinischen Kriterien und dem Ausschluss anderer Ursachen für das Erbrechen. Bei Verdacht auf eine Epilepsie, insbesondere bei Erbrechen aus dem Schlaf, ist ein EEG indiziert.

Diagnostische Maßnahmen

Nach dem Arztgespräch kann Blut abgenommen werden. Möglicherweise wird die erkrankte Person um eine Harnprobe gebeten. Bei Bedarf erhält sie eine Überweisung.

Mögliche weitere Untersuchungen sind unter anderem:

  • Magenspiegelung
  • Ultraschalluntersuchung
  • CT (Strahlenbelastung)
  • MRT (strahlenfrei)
  • Röntgen mit Schlucken eines Kontrastmittels (Magen-Darm-Passage)

Behandlungsmöglichkeiten

Das zyklische Erbrechen wird oft ähnlich wie eine Migräne behandelt. Viele der eingesetzten Medikamente sind für die Behandlung des zyklischen Erbrechens nicht zugelassen (Off-Label-Use). Die Daten zur Behandlung des zyklischen Erbrechens sind spärlich.

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Behandlung in symptomfreien Phasen:

  • Sport
  • Gesundes Schlafverhalten, durch regelmäßiges und ausreichendes Schlafen
  • Auslöser vermeiden (Stress, Reisekrankheit, Fasten, Schokolade, Käse, Glutamat).
  • Vorbeugende Maßnahmen (siehe unten)

Behandlung in der Auraphase:

  • Medikament gegen Migräne (Triptan)
  • Medikamente gegen Erbrechen (z. B. Ondansetron)

Behandlung des Erbrechens:

Alle Maßnahmen gegen das Erbrechen werden nach Bedarf eingesetzt und angepasst.

  • Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (z. B. Ondansetron, Metoclopramid), teilweise in die Vene verabreicht
  • Infusion gegen den Flüssigkeitsverlust
  • Mittel gegen Schmerzen und Entzündungen
  • In schweren Fällen kurzzeitig beruhigendes, schlafförderndes Mittel (Lorazepam)

Bei Erwachsenen erfolgt die Vorbeugung z. B. mit dem Antidepressivum Amitriptylin (off label). Alternativ kann z. B. Topiramat verwendet werden.

Bei der vorbeugenden Behandlung von Kindern sollte das Vorgehen mit Spezialist*innen für Kinderheilkunde abgestimmt werden.

Prognose

Bei einem schweren Verlauf benötigen einige betroffene Personen wiederholt Behandlungen im Krankenhaus. Viele Patient*innen erhalten lange keine korrekte Diagnose. Einige lassen eine große Zahl an Untersuchungen und Behandlungsversuchen über sich ergehen. Ohne die richtige Behandlung kann die Regelmäßigkeit der Symptome verlorengehen.

In etwa 60 % der Fälle klingt die Erkrankung im Teenageralter ab. Vielen Patient*innen hilft eine vorbeugende Behandlung. Bis zu 40 % haben auch im späteren Verlauf Übelkeit oder andere Beschwerden. Manche betroffenen Kinder bekommen später eine Migräne.

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