Epileptischer Anfall und Dehydration: Ursachen, Risiken und Management

Epilepsien sind chronische neurologische Erkrankungen, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet sind. Diese Anfälle entstehen durch abnormale elektrische Entladungen von Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn. Während eines Anfalls feuern viele Neuronen gleichzeitig und senden bis zu 500-mal pro Sekunde Signale aus, was viel schneller ist als normal. Epileptische Anfälle können medikamentös gut gesteuert werden, jedoch ist es wichtig, die potenziellen Auslöser zu kennen und zu vermeiden.

Epilepsie: Ein Überblick

Epilepsie ist keine einheitliche Erkrankung, sondern eine Gruppe verschiedener Erkrankungsformen. Allen gemeinsam ist das Auftreten von Anfällen, meist ohne erkennbaren Anlass. Etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung leiden an Epilepsie, und schätzungsweise 5 Prozent aller Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall.

Ein epileptischer Anfall wird durch die synchrone Entladung übererregbarer Nervenzellen verursacht ("Gewitter im Kopf"). Das Gleichgewicht zwischen erregenden (Glutamat) und hemmenden (GABA) Neurotransmittern ist gestört. Klassische Antiepileptika erhöhen die Entladungsschwelle der Neuronen und können so Anfälle verhindern. Zwei Drittel der mit Antikonvulsiva behandelten Patienten werden anfallsfrei.

In vielen Fällen ist die Ursache für das Anfallsleiden unbekannt (idiopathische Epilepsie). Genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen. Bei anderen Betroffenen lässt sich die Erkrankung auf eine bestimmte Ursache zurückführen, wie z.B. Hirnschädigung während der Geburt, Durchblutungsstörungen, Kopfverletzungen, Hirntumore oder Alkoholmissbrauch.

Häufige Auslöser von Epilepsie

Es gibt viele Faktoren, die epileptische Anfälle auslösen können. Zu den wichtigsten gehören:

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  • Fehlende Medikamente: Das Vergessen der Einnahme von Antiepileptika ist der häufigste Grund für einen Anfall. Selbst einmaliges Vergessen kann einen Anfall auslösen.
  • Alkohol: Übermäßiger Alkoholkonsum kann die Gehirnchemie beeinflussen und Anfälle auslösen. Mäßiger Konsum (ein bis zwei Gläser pro Tag) ist meist in Ordnung.
  • Freizeitdrogen: Viele Freizeitdrogen, auch legale, können die Gehirnchemie verändern und Anfälle auslösen.
  • Schlafmangel/Müdigkeit: Dies ist einer der größten Auslöser für Anfälle.
  • Stress: Stress kann Anfälle auslösen. Entspannungstechniken wie Spaziergänge, Treffen mit Freunden oder Musikhören können helfen.
  • Dehydration: Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, besonders beim Sport.
  • Unregelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßige Mahlzeiten können helfen, Anfälle unter Kontrolle zu halten.
  • Blinkendes/Flackerndes Licht: Nur etwa 3 % der Menschen mit Epilepsie sind lichtempfindlich.
  • Lebensmittel: Ein Ernährungstagebuch kann helfen, Lebensmittel als Auslöser zu identifizieren.

Dehydration als Ursache von Anfällen

Eine Dehydratation, also ein Wassermangel oder Austrocknung, wird oft als mögliche Ursache für einen Zitter- oder Krampfanfall genannt. Der menschliche Körper besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser, das Gehirn sogar zu 90 Prozent. Bei Flüssigkeitsmangel, starkem Schwitzen oder Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall ist der Flüssigkeitshaushalt gestört. Wird die Flüssigkeit nicht schnell ersetzt, dickt das Blut ein und der Organismus wird in einen Alarmzustand versetzt. Besonders gefährlich ist dies bei Kindern und älteren Menschen, da das Durstgefühl im Alter abnimmt.

Was geschieht bei Dehydration im Körper?

Bei Flüssigkeitsverlust versucht der Körper, diesen zu kompensieren. Er produziert weniger Schweiß und Speichel. Verstopfung, dickflüssiges Blut und niedriger Blutdruck sind typische Folgen. Auch Arzneimittel können schlechter abgebaut werden. Generell nimmt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ab. Ältere Menschen können anfälliger für Stürze werden. Ein starker Flüssigkeitsverlust (ab ca. 5 % des Körperwassers) kann zu schweren klinischen Symptomen (lebensbedrohlicher Schock/Kreislaufstörung) führen.

Ursachen für Dehydration

  • Verringerte Flüssigkeitsaufnahme: Insbesondere ältere Menschen können betroffen sein, oft aufgrund eines verminderten Durstgefühls. Auch mangelnde Verfügbarkeit von Getränken oder eingeschränkte Mobilität können eine Rolle spielen. Manche trinken bewusst weniger aufgrund von Schluckbeschwerden oder Harninkontinenz.
  • Erhöhter Flüssigkeitsverlust: Entwässernde Medikamente (Diuretika), Fieber oder anhaltender Durchfall können zu erhöhtem Flüssigkeitsverlust führen.
  • Alterungsprozesse: Mit zunehmendem Alter können die Nieren weniger effektiv Wasser und Natrium zurückhalten. Auch die Sinneszellen im Mund, die Durst signalisieren, können weniger empfindlich werden.
  • Weitere Faktoren: Kognitive Störungen, Depressionen, Adipositas, Nierenerkrankungen, Diabetes und Schluckstörungen können ebenfalls zu Dehydration beitragen. Auch Hitze stellt einen Risikofaktor dar. Kleinkinder haben vergleichsweise wenig Flüssigkeitsreserven, daher kommt es bei Durchfallerkrankungen schnell zu einer Exsikkose.

Symptome einer Exsikkose

Die Symptomatik kann individuell unterschiedlich ausfallen. Folgende Anzeichen können auf eine Austrocknung hinweisen:

  • Durst
  • Antriebslosigkeit, wenig Bewegung, Neigung zu Stürzen
  • Lethargie, Verwirrtheit, zunehmende Unselbstständigkeit
  • Unruhe und motorische Aktivität (Agitation)
  • Schwindel und/oder Kopfschmerzen
  • Verstopfung und wenig oder dunkler Urin
  • Trockener Mund und/oder Schluckstörungen
  • Unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Fieber (Durstfieber)
  • Muskelkrämpfe

Diagnose der Exsikkose

Die Diagnose einer Exsikkose kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind. Bei der körperlichen Untersuchung werden verschiedene klinische Zeichen überprüft:

  • Stehende Hautfalten (reduzierte Hautspannung)
  • Eingefallene Halsvenen
  • Zu schneller Herzschlag (Tachykardie)
  • Trockene Mundschleimhaut, Zunge, Achselhöhlen
  • Dunkler Urin
  • Erhöhte Temperatur
  • Veränderung des Bewusstseins

Eine Blutuntersuchung kann aussagekräftige Ergebnisse liefern, insbesondere die Messung von Hämatokrit, pH-Wert, Natrium, Glukose und Serum-Osmolalität. Auch die Harn-Osmolalität kann untersucht werden. Eine Ultraschalluntersuchung des Durchmessers der unteren Hohlvene kann weitere diagnostische Erkenntnisse liefern.

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Differenzialdiagnose: Synkope vs. Epileptischer Anfall

Oft werden Synkope und epileptischer Anfall verwechselt, da auch bei Synkopen initial "Zuckungen" der Extremitäten auftreten können (sog. konvulsive Synkope). Die Differenzierung kann durch die Anamnese (bekannte Epilepsie mit "typischer" Symptomatik?) erfolgen.

  • Rasches Wachwerden nach Kollaps: Spricht für Synkope und gegen epileptischen Anfall (hier fast immer postiktale Phase).
  • Anwesende befragen!
  • "10-20 Regel": Weniger als 10 beobachtete "Zuckungen" sprechen für Synkope, mehr als 20 Zuckungen hochwahrscheinlich für Krampfanfall.
  • Lateraler Zungenbiss: Spricht eher für Krampfanfall.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Am wichtigsten ist es, anfallsbedingte Verletzungen zu verhindern:

  • Den Betroffenen aus Gefahrenzonen bringen (Treppennähe, Straßenverkehr etc.).
  • Scharfkantige Möbel entfernen, evtl. Brille abnehmen und etwas Weiches unter den Kopf schieben.
  • Nicht versuchen, krampfende Gliedmaßen festzuhalten, Gegenstände mit Gewalt zu entfernen oder die Zähne auseinanderzubringen.
  • Kleidung lockern, um die Atmung zu erleichtern.
  • Während der gesamten Anfallsdauer beim Betroffenen bleiben. Ruhe bewahren.
  • Nach dem Anfall den Betroffenen in eine stabile Seitenlage bringen (um Speichelabfluss zu ermöglichen).
  • Dauert der Anfall länger als 5 bis 10 Minuten oder treten mehrere Anfälle hintereinander auf, Notruf absetzen.

Medikamentöse Therapie bei Epilepsie

Antiepileptika (Antikonvulsiva) erhöhen die Krampfschwelle im Gehirn, indem sie Ionenkanäle bzw. die Konzentration von Neurotransmittern beeinflussen. Sie wirken aber nur symptomatisch und können die Epilepsie nicht heilen. Patienten sollten ihre Antikonvulsiva keinesfalls eigenmächtig absetzen, da dies zu schweren Entzugsanfällen führen kann.

Weitere Therapiemöglichkeiten bei Epilepsie

  • Epilepsiechirurgie: Entfernung des Anfallsherds im Gehirn.
  • Vagusnervstimulation: Ein Schrittmacher erzeugt elektrische Impulse, die vom Vagusnerv am Hals ins Gehirn geleitet werden.
  • Tiefe Hirnstimulation: Eine dünne Silikonscheibe mit Platinkontakten wird unter die Kopfhaut geschoben.

Leben mit Epilepsie

Menschen mit Epilepsie können meist nicht vorhersagen, ob und wann sie einen Anfall bekommen. Das macht ihn gefährlich. Es ist wichtig, sich der Risiken bewusst zu sein und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:

  • Nicht selbst Auto fahren, wenn in den letzten zwölf Monaten ein Anfall aufgetreten ist.
  • Nicht alleine schwimmen gehen.
  • Vorsichtig beim Baden in der Badewanne sein.
  • Individuelle Aufklärung und Beratung von Betroffenen und ihren Angehörigen sind wichtig, um das Risiko für einen plötzlichen unerwarteten Tod bei Epilepsie (SUDEP) zu verringern.

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