Epileptische Anfälle sind plötzliche Ereignisse, die aus einem Zustand des Wohlbefindens heraus auftreten und vorübergehende Veränderungen der Wahrnehmung, der Motorik, des Denkens, des Fühlens oder des Bewusstseins verursachen können. Diese Anfälle können verschiedene Ursachen haben, wobei Flüssigkeitsmangel (Dehydration) eine davon sein kann. Es ist wichtig, die verschiedenen Arten von Anfällen, ihre Ursachen und die entsprechenden Behandlungen zu verstehen, um Betroffenen effektiv helfen zu können.
Arten von Anfällen
Es gibt verschiedene Arten von Anfallserkrankungen, die grob in epileptische und nicht-epileptische Anfälle unterteilt werden können.
Nicht-epileptische Anfälle
Zu den nicht-epileptischen Anfällen gehören:
- Psychogene nicht-epileptische Anfälle (PNES): Diese Anfälle ähneln epileptischen Anfällen oder Synkopen stark, werden jedoch durch innere, psychische Erregungszustände ausgelöst. Es handelt sich nicht um eine Simulation, sondern um unterbewusst ablaufende Vorgänge, die durch einen als bedrohlich wahrgenommenen Stressfaktor auf eine Veranlagung treffen.
- Synkopen (Kreislaufkollaps): Synkopen sind die häufigste Form von Anfallserkrankungen. Sie entstehen durch eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns, die zu einer kurzen Bewusstseinseinschränkung führt, teils mit Stürzen. Oft geht dem ein schummriges Gefühl und Verschwommensehen voraus. Die Haut ist in der Regel blass, kalt und schweißig. Synkopen lassen sich weiter unterteilen in:
- Neurogene Synkopen: Fehler im Nervensystem, das den Blutdruck reguliert (z.B. beim Erschrecken, bei Schmerzen, bei Angst).
- Kardiale Synkopen: Ein vorübergehendes Aussetzen der Pumpfunktion des Herzens führt zum Kreislaufkollaps.
- Vaskuläre Synkopen: Verengungen der Hirngefäße oder ein allgemeiner Flüssigkeitsmangel führen zu einer unzureichenden Blutversorgung des Gehirns, was zum Kollaps führt.
- Anfallsartige Bewegungsstörungen: Plötzliche und vorübergehende Muskelkrämpfe, Lähmungen oder Verspannungen ohne epileptischen Hintergrund. Bei Sturzattacken (Drop Attacks) kommt es zu einem plötzlichen Nachgeben der Beinmuskulatur mit Stürzen bei vollem Bewusstsein.
Epileptische Anfälle
Epileptische Anfälle entstehen durch übermäßig starke und synchronisierte, elektrische Entladungen von Nervenzellverbänden im Gehirn, was oft als "Gewitter im Gehirn" bezeichnet wird. Ein einzelner epileptischer Anfall tritt bei etwa 10 % der Menschen einmal im Leben auf, oft ausgelöst durch hohes Fieber in der Kindheit, eine Stoffwechselentgleisung oder eine akute Hirnerkrankung. Eine Epilepsie hingegen betrifft etwa 1 % der Bevölkerung und zeichnet sich durch wiederholte, unprovozierte Anfälle aus.
Arten epileptischer Anfälle
Grundsätzlich werden zwei Arten von epileptischen Anfällen unterschieden:
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- Generalisierte Anfälle: Bei dieser Art von Anfall kommt es in beiden Gehirnhälften zu Anfallsaktivität. Die Symptome können variieren von kaum merklichem Innehalten bei Absence-Anfällen bis hin zu Zuckungen am Körper (Myoklonien) oder gefährlichen Stürzen (tonische oder atonische Sturz-Anfälle). Die ausgeprägteste Form ist der generalisierte, tonisch-klonische Anfall (Grand Mal), der oft mit einem Schrei beginnt, gefolgt von Ohnmacht und heftiger Anspannung (Tonisierung) des ganzen Körpers. Die Anspannung geht in rhythmische Zuckungen über (Klonien), die langsam abklingen. Oft kommt es zu einem Biss in die Zunge oder Wange sowie zu Einnässen. Nach der Anstrengung setzt eine Erholung ein, oft begleitet von tiefem, schnarchendem Atmen.
- Fokale Anfälle: Hier beginnt die Anfallsaktivität in einem kleinen, umschriebenen Teil des Gehirns und löst Veränderungen in geistigen, emotionalen, motorischen oder sensorischen Funktionen aus, die von diesem Hirnteil kontrolliert werden. Je nach betroffener Hirnregion können sehr unterschiedliche Symptome auftreten. Charakteristisch sind z.B. Anfälle des Temporallappens mit Innehalten, starrem Blick, Schmatzbewegungen des Mundes und Nestelbewegungen der Hände. Frontallappenanfälle gehen oft mit überschießenden, bizarren Bewegungen aus dem Nachtschlaf heraus einher, während Okzipitallappenanfälle Lichtblitze verursachen können. Diese Veränderungen werden teils bewusst erlebt, teils aber auch nicht. Die Anfallsaktivität kann sich von einem umschriebenen Bereich auf andere Hirnbezirke ausbreiten und letztlich zu einem tonisch-klonischen Anfall ausweiten.
- Kombinierte Formen: Häufig liegen auch kombinierte Formen vor, oder die Anfälle lassen sich anhand der verfügbaren Informationen nicht eindeutig in eine der beiden Gruppen einteilen.
Ursachen von Epilepsie
Eine Epilepsie wird diagnostiziert, wenn ein Mensch die Neigung hat, immer wieder und ohne klare Provokationen Anfälle zu entwickeln. Die Ursachen dafür können vielfältig sein:
- Angeborene, genetische Veränderungen der Nervenzellfunktion ohne Veränderung der Hirnstruktur.
- Angeborene und strukturelle Veränderungen des Gehirns (z.B. bei Geburtskomplikationen oder Fehlbildungen).
- Erworbene strukturelle Veränderungen des Gehirns (z.B. bei Hirntumoren oder nach einem Schlaganfall).
- Erworbene Veränderungen des Hirnstoffwechsels.
- Infektionen des Gehirns (Meningitis, Enzephalitis).
- Entzündungen des Gehirns.
Flüssigkeitsmangel (Dehydration) als Ursache von Anfällen
Flüssigkeitsmangel, auch Dehydration oder Exsikkose genannt, kann in bestimmten Fällen epileptische Anfälle auslösen. Dies liegt daran, dass ein Mangel an Flüssigkeit das Elektrolytgleichgewicht im Körper stören kann, was wiederum die elektrische Aktivität im Gehirn beeinflusst.
Was ist eine Exsikkose?
Bei einer Exsikkose handelt es sich um eine starke Austrocknung des Körpers durch Verlust von Körperwasser. Sie entsteht durch Dehydratation und tritt häufig bei älteren Menschen auf, kann aber auch Kinder und Menschen mit bestimmten Erkrankungen betreffen. Es gibt verschiedene Arten der Dehydration:
- Hypotone Dehydration: Der Körper verliert mehr Salz als Wasser.
- Hypertone Dehydration: Der Körper verliert mehr Wasser als Salz.
Ursachen einer Exsikkose
Es gibt verschiedene Faktoren, die zu einer Exsikkose führen können:
- Verringerte Flüssigkeitsaufnahme: Insbesondere ältere Menschen verspüren oft ein vermindertes Durstgefühl oder haben Schwierigkeiten, ausreichend zu trinken. Auch Schluckbeschwerden oder Harninkontinenz können dazu führen, dass bewusst weniger getrunken wird.
- Erhöhter Flüssigkeitsverlust: Dies kann durch entwässernde Medikamente (Diuretika), Fieber, Erbrechen, Durchfall, starkes Schwitzen oder Nierenerkrankungen verursacht werden.
- Weitere Risikofaktoren: Kognitive Störungen, Depressionen, Adipositas, Diabetes und Hitze können ebenfalls zu einem Flüssigkeitsmangel beitragen.
Symptome einer Exsikkose
Die Symptome einer Exsikkose können vielfältig sein und individuell unterschiedlich ausfallen. Folgende Anzeichen können auf eine Austrocknung hindeuten:
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- Durst
- Antriebslosigkeit, wenig Bewegung und/oder Neigung zu Stürzen
- Lethargie, Verwirrtheit und zunehmende Unselbstständigkeit
- Unruhe und motorische Aktivität (Agitation)
- Schwindel und/oder Kopfschmerzen
- Verstopfung und wenig oder dunkler Urin
- Trockener Mund und/oder Schluckstörungen
- Verstärkte Nebenwirkungen von Medikamenten
- Fieber (Durstfieber)
- Muskelkrämpfe
Diagnose einer Exsikkose
Die Diagnose einer Exsikkose kann aufgrund der unspezifischen Symptome schwierig sein. Wichtige Hinweise liefern das Vorliegen von Risikofaktoren (z.B. höheres Alter, Pflegebedürftigkeit) und die körperliche Untersuchung, bei der auf folgende Zeichen geachtet wird:
- Stehende Hautfalten (reduzierter Hautturgor)
- Eingefallene Halsvenen
- Zu schneller Herzschlag (Tachykardie)
- Trockene Mundschleimhaut, Zunge, Achselhöhlen
- Dunkler Urin
- Erhöhte Temperatur
- Veränderung des Bewusstseins
Eine Blutuntersuchung kann aussagekräftige Ergebnisse liefern, indem verschiedene Messwerte wie Hämatokrit, pH-Wert, Natrium, Glukose und Serum-Osmolalität bestimmt werden. Auch die Harn-Osmolalität kann im Urin untersucht werden.
Zusammenhang zwischen Exsikkose und epileptischen Anfällen
Ein Flüssigkeitsmangel kann, wie bereits erwähnt, das Elektrolytgleichgewicht im Körper stören. Insbesondere ein Mangel an Natrium (Hyponatriämie) kann die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn erhöhen und somit das Risiko für epileptische Anfälle steigern. Dies ist besonders relevant bei Menschen, die bereits eine Neigung zu Anfällen haben.
Vorbeugung und Behandlung von Exsikkose
Die Vorbeugung und Behandlung von Exsikkose ist entscheidend, um Anfälle und andere Komplikationen zu vermeiden. Folgende Maßnahmen sind wichtig:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Achten Sie auf eine ausreichende tägliche Flüssigkeitsaufnahme. Die empfohlene Menge variiert je nach Alter, Gewicht, Aktivitätslevel und Gesundheitszustand. Als Faustregel gilt, mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßte Getränke pro Tag zu trinken.
- Regelmäßiges Trinken: Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt, auch wenn Sie keinen Durst verspüren.
- Flüssigkeitsreiche Ernährung: Essen Sie wasserreiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse (z.B. Wassermelone, Gurke, Salat).
- Anpassung bei Bedarf: Bei Fieber, Erbrechen, Durchfall oder starkem Schwitzen muss die Flüssigkeitszufuhr entsprechend erhöht werden.
- Überwachung von Risikogruppen: Achten Sie besonders auf ältere Menschen, Kinder und Menschen mit bestimmten Erkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für Dehydration haben.
- Ärztliche Beratung: Bei Anzeichen einer Exsikkose oder bei Unsicherheiten bezüglich der Flüssigkeitszufuhr sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Die Behandlung einer Exsikkose hängt vom Schweregrad ab. Bei leichter Dehydration reicht es oft aus, ausreichend zu trinken. In schwereren Fällen kann eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr im Krankenhaus erforderlich sein, um den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt schnell wiederherzustellen.
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Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Ein erstmaliger epileptischer Anfall muss immer ärztlich abgeklärt werden. Wiederkehrende, selbst limitierte epileptische Anfälle sind nicht immer gefährlich, können aber zu Komplikationen führen. Daher ist es wichtig, zu wissen, wie man im Notfall richtig reagiert:
- Ruhe bewahren: Ein epileptischer Anfall hört in der Regel von selbst wieder auf und schädigt das Gehirn nicht.
- Verletzungen verhindern: Bringen Sie den Betroffenen aus Gefahrenzonen, entfernen Sie scharfkantige Gegenstände und legen Sie etwas Weiches unter den Kopf.
- Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, krampfende Gliedmaßen festzuhalten oder Gegenstände aus dem Mund zu entfernen.
- Atmung erleichtern: Lockern Sie die Kleidung, um die Atmung zu erleichtern.
- Beobachten und dokumentieren: Achten Sie auf den Ablauf und die Dauer des Anfalls. Die Beobachtungen können später bei der Diagnosefindung helfen.
- Stabile Seitenlage: Wenn der Betroffene nach dem Anfall schläft, bringen Sie ihn in eine stabile Seitenlage, um Speichelabfluss zu ermöglichen.
- Notruf: Setzen Sie einen Notruf ab, wenn der Anfall länger als 5 bis 10 Minuten dauert oder mehrere Anfälle hintereinander auftreten.
Medikamentöse Behandlung von Epilepsie
Anfallssupprimierende Medikamente, auch bekannt als Antiepileptika oder Antikonvulsiva, sind die Grundpfeiler der Epilepsiebehandlung. Sie reduzieren die Häufigkeit und Schwere der Anfälle, indem sie die neuronale Aktivität im Gehirn stabilisieren. In Deutschland stehen etwa 20 verschiedene anfallssupprimierende Medikamente zur Verfügung. Bei der Auswahl berücksichtigen die Fachärzt:innen die Art der Epilepsie, das Alter und Geschlecht der betroffenen Person und ob Begleiterkrankungen vorliegen. Um die bestmögliche Anfallskontrolle bei minimalen Nebenwirkungen zu erreichen, wird die Therapie ambulant überwacht und bei Bedarf angepasst. Etwa zwei Drittel der Epilepsiepatient:innen werden mit Hilfe der medikamentösen Therapie (Monotherapie oder Kombinationstherapie verschiedener Präparate) anfallsfrei.
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