Episodische Ataxie Typ 5: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Episodische Ataxie (EA) umfasst eine Gruppe verwandter neurologischer Erkrankungen, die durch wiederkehrende Episoden von Koordinationsstörungen und Ataxie gekennzeichnet sind. Diese Anfälle können von Schwindel, Übelkeit/Erbrechen, Migräne, verschwommenem oder doppeltem Sehen, undeutlicher Sprache und Tinnitus begleitet sein. In einigen Fällen treten auch epileptische Anfälle und Halbseitenlähmungen auf. Die Erkrankung wird in verschiedene Typen unterteilt, wobei die Typen 1 bis 7 unterschieden werden. Die genetische Ursache ist derzeit noch nicht bei allen Unterformen bekannt.

Was ist Episodische Ataxie?

Episodische Ataxie ist eine klinisch und genetisch heterogene Gruppe autosomal-dominant vererbter Ataxien. Das Leitsymptom aller Unterformen ist eine paroxysmale Ataxie, die Sekunden bis Minuten bzw. Stunden bis Tage andauern kann. Zwischen den Attacken können die Patienten asymptomatisch sein, aber es kann interiktal eine Ataxie oder ein Nystagmus nachweisbar sein.

Die Häufigkeit der Anfälle variiert von mehreren pro Tag bis zu 1-2 pro Jahr. Zwischen den Episoden leiden einige Betroffene weiterhin unter Ataxie, die sich mit der Zeit verschlimmern kann, sowie zusätzlich unter Nystagmus.

Ursachen der Episodischen Ataxie

Episodische Ataxie kann durch Mutationen in verschiedenen Genen verursacht werden. Bislang wurden Mutationen in den Genen KCNA1, CACNA1A und CACNB4 als Ursache für die Typen 1, 2 bzw. 5 identifiziert. Mutationen im SLC1A3-Gen sind die Ursache für die episodische Ataxie Typ 6.

Diese Gene codieren für Ionenkanäle, die für die Erregbarkeit von Nervenzellen wichtig sind. Mutationen in diesen Genen können zu einer Übererregung bestimmter Neuronen führen und die normale Kommunikation zwischen den Zellen stören. Die genetischen Ursachen für einige der weiteren Formen der episodischen Ataxie sind noch nicht vollständig geklärt.

Lesen Sie auch: Behandlungsansätze bei Episodischer Ataxie

Genetische Grundlagen der Episodischen Ataxie Typ 5 (EA5)

Die episodische Ataxie Typ 5 (EA5) wird durch Mutationen im CACNB4-Gen verursacht. Dieses Gen codiert für eine Untereinheit eines spannungsgesteuerten Calciumkanals, der hauptsächlich in Purkinje-Zellen im Kleinhirn lokalisiert ist. Diese Kanäle spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation der Erregbarkeit und der synaptischen Übertragung in diesen Zellen.

Weitere genetische Ursachen

  • EA1: Mutationen im KCNA1-Gen, das für einen spannungsgesteuerten Kaliumkanal kodiert.
  • EA2: Mutationen im CACNA1A-Gen, das für die α1A-Untereinheit eines spannungsgesteuerten Calciumkanals kodiert. Eine CAG-Expansion in diesem Gen kann auch zur spinocerebellären Ataxie Typ 6 (SCA6) führen.
  • EA6: Mutationen im SLC1A3-Gen, das für einen Glutamattransporter kodiert.

Symptome der Episodischen Ataxie

Die Symptome der episodischen Ataxie variieren je nach Typ und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Ataxie: Koordinationsstörungen, die sich in Gangunsicherheit, Schwierigkeiten beim Halten des Gleichgewichts und ungeschickten Bewegungen äußern können.
  • Schwindel: Ein Gefühl von Drehschwindel oder Benommenheit.
  • Übelkeit und Erbrechen: Diese Symptome können während der Anfälle auftreten.
  • Migräne: Viele Patienten mit EA, insbesondere EA2, leiden unter migräneartigen Kopfschmerzen.
  • Sehstörungen: Verschwommenes oder doppeltes Sehen kann während der Anfälle auftreten.
  • Sprachstörungen: Undeutliche oder verwaschene Sprache.
  • Tinnitus: Ein Klingeln oder Summen in den Ohren.
  • Myokymie: Muskelzuckungen oder -krämpfe, die während oder zwischen den Anfällen auftreten können.
  • Epileptische Anfälle: In einigen Fällen können epileptische Anfälle auftreten.
  • Halbseitenlähmung: Schwäche oder Lähmung einer Körperseite.

Symptome der Episodischen Ataxie Typ 2 (EA2)

Die EA2 ist die häufigste Form der episodischen Ataxie. Bei betroffenen Patienten kommt es attackenartig zu einer Gleichgewichtsstörung mit Schwindel und Erbrechen, die typischerweise Minuten bis Tage andauern kann. Begleitend können Dysarthrie, Doppelbilder, ein Tinnitus, eine Dystonie, eine Hemiplegie und Kopfschmerzen auftreten. Ungefähr 50 % der Patienten mit einer episodischen Ataxie Typ 2 leiden unter migräneartigen Kopfschmerzen.

Zwischen den episodenhaften Ataxien sind viele Patienten völlig asymptomatisch, es kann jedoch interiktal eine Ataxie oder ein Nystagmus nachweisbar sein. Im cMRT stellt sich möglicherweise eine Atrophie des Kleinhirnwurms dar.

Symptome der Episodischen Ataxie Typ 1 (EA1)

Die EA1 ist durch kurz dauernde Ataxie-Episoden (Sekunden bis Minuten) gekennzeichnet, die von Muskelzucken und Muskelsteifigkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen begleitet sein können. Auch Beeinträchtigungen der Artikulation und Atembeschwerden sind möglich. Typisch ist das Auftreten von Myokymien (Muskelwogen) an Händen und im Gesicht, auch zwischen den Attacken. Die EA1 kann mit Epilepsie und kognitiven Einschränkungen verbunden sein.

Lesen Sie auch: Diagnose von episodischer Ataxie im Kindesalter

Diagnose der Episodischen Ataxie

Die Diagnose der episodischen Ataxie basiert auf der Anamnese, der neurologischen Untersuchung und genetischen Tests.

  • Anamnese: Der Arzt wird nach der Familiengeschichte, den Symptomen und möglichen Auslösern fragen.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird die Koordination, das Gleichgewicht, die Reflexe und andere neurologische Funktionen testen.
  • Genetische Tests: Genetische Tests können durchgeführt werden, um Mutationen in den Genen zu identifizieren, die mit der episodischen Ataxie in Verbindung stehen. Allerdings lassen sich Mutationen nur in der Hälfte der Fälle nachweisen.

Behandlung der Episodischen Ataxie

Die Behandlung der episodischen Ataxie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Symptome zu lindern.

  • Vermeidung von Auslösern: Es ist wichtig, bekannte Auslöser wie Stress, Alkohol, Koffein und bestimmte Medikamente zu vermeiden.
  • Medikamentöse Therapie: Acetazolamid ist ein Medikament, das häufig zur Behandlung der episodischen Ataxie eingesetzt wird. Es kann die Häufigkeit und Schwere der Anfälle reduzieren, indem es die Erregbarkeit von Purkinje-Zellen verringert und somit die Schwelle für Attacken erhöht. Alternativ können in Einzelfällen andere Medikamente (z. B. Carbamazepin, Phenytoin) die Beschwerden lindern, wobei der Einsatz im Hinblick auf Nebenwirkungen sorgfältig abgewogen werden muss.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Koordination und das Gleichgewicht zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, Alltagsaktivitäten zu erleichtern.
  • Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprachstörungen zu verbessern.

Therapeutische Besonderheiten bei EA2

Bei der EA2 können Acetazolamid oder Aminopyridine die Häufigkeit und Schwere der Attacken lindern. Physiotherapie kann notwendig werden, ggf. auch Logopädie und Ergotherapie. Weiterhin kann die Versorgung mit Hilfsmitteln (z. B. Rollator oder Rollstuhl) erforderlich sein.

Zusätzliche Therapieansätze

  • Entspannungsverfahren: Das Erlernen von Entspannungstechniken kann helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Anfällen zu reduzieren.

Prognose der Episodischen Ataxie

Die Prognose der episodischen Ataxie variiert je nach Typ und Schweregrad der Erkrankung. Einige Menschen haben nur selten Anfälle, während andere häufigere und schwerere Anfälle haben. Mit der richtigen Behandlung können viele Menschen mit episodischer Ataxie ein normales Leben führen.

Episodische Ataxie und andere Ataxieformen

Es ist wichtig, die episodischen Ataxien von anderen Formen der Ataxie zu unterscheiden, insbesondere von den langsam fortschreitenden spinocerebellären Ataxien (SCA). Im Gegensatz zu den EAs treten bei den SCAs die Ataxie-Beschwerden nicht nur in Attacken auf, sondern verschlechtern sich kontinuierlich.

Lesen Sie auch: Was Sie über Episodische Ataxie wissen sollten

Spinocerebelläre Ataxien (SCA)

SCAs sind eine Gruppe von erblichen Ataxien, die durch eine fortschreitende Degeneration des Kleinhirns und des Rückenmarks gekennzeichnet sind. Bislang wurden 48 verschiedene SCA-Typen beschrieben. Viele dieser Erkrankungen werden durch Expansionen von DNA-Sequenzwiederholungen (Repeats) verursacht.

Häufige SCA-Formen

  • SCA1: Geht mit Stand- und Gangunsicherheit, Koordinationsstörung der Arme, Sprachstörungen, Augenbewegungsstörungen und Spastik einher.
  • SCA2: Ähnliche Symptome wie SCA1, aber mit Verlangsamung der schnellen Augenbewegungen (Sakkaden) und möglichen Parkinson-ähnlichen Beschwerden.
  • SCA3 (Machado-Joseph-Erkrankung): Unterschiedliche Erscheinungsbilder mit Ataxie, Spastik, Dystonie, Parkinson-ähnlichen Symptomen und Polyneuropathie.
  • SCA6: Wird durch CAG-Expansion im CACNA1A-Gen verursacht, das auch bei EA2 eine Rolle spielt.

tags: #episodische #ataxie #typ #5