Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Kopfschmerzen können von einer Vielzahl von Begleitsymptomen begleitet sein, darunter Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. In einigen Fällen können auch neurologische Symptome wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle auftreten, insbesondere in den Armen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für taube Arme im Zusammenhang mit Migräne und gibt einen Überblick über mögliche Behandlungen und Präventionsmaßnahmen.
Einführung
Viele Menschen kennen das Gefühl, wenn ein Körperteil „einschläft“, oft durch langes Sitzen in einer unbequemen Position. Dieses Kribbeln oder Taubheitsgefühl ist meist harmlos und verschwindet schnell wieder. Wenn diese Missempfindungen jedoch häufiger auftreten oder länger anhalten, könnte eine ernsthaftere Ursache dahinterstecken. Taubheitsgefühle können ein Zeichen für eine Erkrankung sein, die die Nerven betrifft. Im Zusammenhang mit Migräne können diese Symptome besonders beunruhigend sein und bedürfen einer genauen Untersuchung.
Ursachen für Kribbeln und Taubheitsgefühle
Kribbeln und Taubheitsgefühle entstehen durch Probleme mit den peripheren Nerven, den kleinen Nerven in Händen und Füßen, die weit entfernt vom Gehirn und Rückenmark liegen. Sie können aber auch ihren Ursprung im zentralen Nervensystem haben oder psychisch bedingt sein.
- Kribbeln: Entsteht durch eine „falsche“ Nervenaktivität, bei der Nervenzellen ohne äußeren Reiz aktiv sind. Es wird oft als Ziehen, Stechen oder Ameisenlaufen beschrieben und kann sich brennend oder elektrisierend anfühlen.
- Taubheitsgefühle: Weisen auf eine verminderte Nervenaktivität hin. Die Nerven können geschädigt sein und ihre Funktion eingebüßt haben, was das Empfinden mindert. Plötzliche Taubheitsgefühle und Lähmungen auf einer Körperseite können auf einen Schlaganfall hindeuten und erfordern sofortiges Handeln.
Mögliche Erkrankungen und Störungen
Verschiedene Erkrankungen und Störungen können mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen einhergehen:
- Erkrankungen der Nerven:
- Polyneuropathie: Schäden an den peripheren Nerven, insbesondere an den Händen und Füßen, führen zu Kribbeln, Ameisenlaufen und Taubheitsgefühlen.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Missempfindungen wie schmerzhaftes Kribbeln, Ziehen und Brennen in den Beinen, vor allem in Ruhe und nachts, verbunden mit einem starken Bewegungsdrang.
- Multiple Sklerose (MS): Chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Kribbeln und Taubheitsgefühle verursachen kann.
- Parkinson-Krankheit: Abbau von Nervenzellen im Gehirn, der zu Muskelsteifigkeit, Zittern und Bewegungsarmut führt.
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Seltene Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die peripheren Nerven angreift und zerstört, was zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen und Lähmungen führen kann.
- Bandscheibenvorfall: Austritt von Bandscheibenmaterial, das auf Nervenwurzeln drückt und Schmerzen, Kribbeln und Lähmungserscheinungen verursachen kann.
- Karpaltunnelsyndrom: Einklemmung des Mittelhandnervs im Karpaltunnel, was zu Kribbeln in den Fingern führt.
- Ulnartunnel- und Ulnarrinnensyndrom: Druck auf den Ellen-Nerv, der zu Taubheitsgefühlen in Fingern führen kann.
- Leistentunnelsyndrom: Einklemmung des Oberschenkelhautnervs, was zu Schmerzen und Gefühlsstörungen am Oberschenkel führt.
- Durchblutungsstörungen:
- Schlaganfall: Minderdurchblutung eines Teils des Gehirns, die zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen führen kann.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Behinderung des Blutflusses in den Beingefäßen, was zu Schmerzen und Missempfindungen führen kann.
- Raynaud-Syndrom: Gefäßkrämpfe durch Kälte oder Stress, die zu Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühlen führen können.
- Psychische Störungen:
- Angst-/Panikattacken und Angststörungen (Phobien): Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle können begleitend auftreten.
- Hyperventilationssyndrom: Hektisches Ein- und Ausatmen in Stresssituationen, das zu Gefühlsstörungen und Verkrampfungen führen kann.
- Somatoforme Störungen: Körperliche Beschwerden ohne körperliche Ursache, wie Müdigkeit, Muskelverspannungen oder Kribbeln.
- Medikamente und Umweltgifte:
- Vergiftungen: Chronische Schäden an den Nerven durch Schwermetalle können zu Missempfindungen führen.
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Kribbeln und Taubheitsgefühle können als unerwünschte Nebenwirkung auftreten.
Migräne und ihre Phasen
Eine Migräne lässt sich in verschiedene Phasen einteilen, wobei nicht jede Phase bei jedem Patienten auftritt:
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- Vorbotenphase (Prodromalphase): Anzeichen, die eine Migräneattacke ankündigen können, wie Müdigkeit, Gereiztheit, Heißhunger oder erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit.
- Auraphase: Neurologische Symptome, die dem Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten können. Dazu gehören Sehstörungen (Lichtblitze, Flimmern, Gesichtsfeldausfälle), sensible Störungen (Kribbeln, Taubheitsgefühle) und Sprachstörungen.
- Kopfschmerzphase: Der eigentliche Migränekopfschmerz, der meist einseitig, pulsierend und von mittlerer bis starker Intensität ist. Er wird oft von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet.
- Rückbildungsphase: Die Symptome der Kopfschmerzphase klingen ab, der Schmerz wird gleichbleibender, und es tritt oft Müdigkeit auf.
- Erholungsphase: Der Körper erholt sich von der Migräneattacke, und es kann ein Gefühl der Erschöpfung oder Abgeschlagenheit bestehen bleiben.
Migräne mit Aura und Taubheitsgefühle in den Armen
Bei der Migräne mit Aura treten neurologische Symptome wie Sehstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle auf, bevor oder während des Kopfschmerzes. Diese Symptome können sich auf verschiedene Körperteile auswirken, einschließlich der Arme. Die genauen Mechanismen, die zu diesen neurologischen Symptomen führen, sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass sie mit Veränderungen der Gehirnaktivität und der Durchblutung zusammenhängen.
Migräne mit Hirnstammaura
Eine besondere Form der Migräne mit Aura ist die Migräne mit Hirnstammaura (früher als Basilarismigräne bezeichnet). Bei dieser Form treten die Aura-Symptome im Bereich des Hirnstamms auf und können sich durch folgende Beschwerden äußern:
- Doppeltsehen
- Sprachstörungen (Dysarthrie)
- Schwindel
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Hörminderung
- Koordinationsstörungen (Ataxie)
- Bewusstseinsstörungen
- Beidseitige Taubheitsgefühle (simultane bilaterale Parästhesie), z.B. in den Armen
Die Taubheitsgefühle können sich allmählich in die Arme oder Beine ausbreiten, sodass die Betroffenen Schwierigkeiten haben, zu laufen oder zu stehen. Es ist wichtig zu beachten, dass Kopfschmerzen bei dieser Form der Migräne nicht immer im Vordergrund stehen oder gar fehlen können.
Hemiplegische Migräne
Eine weitere Form der Migräne mit Aura, die mit Taubheitsgefühlen in den Armen einhergehen kann, ist die hemiplegische Migräne. Diese seltene Form ist durch eine motorische Schwäche (Hemiplegie) gekennzeichnet, die eine Körperhälfte betrifft. Zusätzlich können Symptome wie Sehstörungen, sensible Störungen (Taubheitsgefühle, Kribbeln) und Sprachstörungen auftreten. Die motorische Schwäche bildet sich meist innerhalb von 72 Stunden zurück, kann aber auch länger bestehen bleiben.
Es gibt zwei Unterformen der hemiplegischen Migräne:
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- Familiäre hemiplegische Migräne (FHM): Mindestens zwei Verwandte ersten oder zweiten Grades leiden ebenfalls unter Migräne-Auren mit motorischer Schwäche. Die Ursache ist häufig eine Mutation in den Genen FHM1, 2 oder 3.
- Sporadische hemiplegische Migräne (SHM): Kein Verwandter ersten oder zweiten Grades leidet unter dieser Migräneform. Mutationen des FHM-Gens sind seltener.
Diagnose
Die Diagnose von Migräne mit Aura und Taubheitsgefühlen in den Armen erfordert eine sorgfältige Anamnese und neurologische Untersuchung. Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen, ihrer Häufigkeit, Dauer und Auslösern stellen. Es ist hilfreich, ein Migränetagebuch zu führen, um die Attacken und Begleitsymptome zu dokumentieren.
Um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen, können weitere Untersuchungen erforderlich sein:
- Bluttests: Zur Überprüfung von Blutzucker, Vitamin- und Mineralstoffspiegel sowie Entzündungswerten.
- Bildgebende Verfahren (CT oder MRT): Um eine Migräne mit Aura von einem Schlaganfall oder anderen neurologischen Erkrankungen zu unterscheiden.
Bei Verdacht auf eine hemiplegische Migräne kann eine genetische Untersuchung durchgeführt werden, um Mutationen in den FHM-Genen nachzuweisen.
Behandlung
Die Behandlung von Migräne mit Aura und Taubheitsgefühlen in den Armen zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Die Behandlung kann sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze umfassen:
- Akutbehandlung:
- Schmerzmittel: Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol oder Phenazon können bei leichten bis mittelschweren Attacken helfen.
- Triptane: Spezifische Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und Entzündungen hemmen. Bei Migräne mit Hirnstammaura sind Triptane jedoch nicht empfohlen, da sie die Durchblutung im Hirnstamm weiter einschränken könnten.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen.
- Prophylaktische Behandlung:
- Betablocker: Können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Antiepileptika: Einige Antiepileptika (z.B. Topiramat, Valproinsäure) können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) können bei der Vorbeugung von Migräne helfen.
- Botox: Bei schwerer chronischer Migräne kann Botox eingesetzt werden.
- Monoklonale Antikörper: Neue Medikamente, die gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder seinen Rezeptor gerichtet sind und die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren können.
- Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10: Eine Kombination dieser Stoffe kann als Migräneprophylaxe empfohlen werden.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Behandlungen helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder zu lindern:
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- Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, ausreichend Bewegung und Entspannung.
- Stressbewältigung: Erlernen von Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken wie autogenem Training, Yoga oder progressiver Muskelentspannung.
- Biofeedback: Gezieltes Entspannen von Muskeln.
- Akupunktur: Kann bei manchen Betroffenen die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kohlenhydraten. Vermeidung von Trigger-Nahrungsmitteln, die bei manchen Menschen Migräne auslösen können (z.B. Alkohol, Käse, Schokolade).
- Physiotherapie und Ergotherapie: Können bei Muskelverspannungen und Haltungsproblemen helfen.
Hausmittel
Hausmittel können in erster Linie Begleitsymptome eines leichteren Migräneanfalls lindern:
- Tee: Ingwer- oder Kamillentee gegen Übelkeit, Tee mit Gewürznelken oder Weidenrinde zur Schmerzlinderung.
- Kühlpacks oder Pfefferminzöl: Auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen.
Migräne in der Schwangerschaft
Schwangere sollten besonders darauf achten, Migräneauslöser zu meiden. Sind Medikamente dennoch nötig, können nach ärztlicher Absprache Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Triptane sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen, Sumatriptan kann jedoch im Off-Label-Use unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig, Migräne mit Aura und Taubheitsgefühlen in den Armen von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können:
- Transitorische ischämische Attacke (TIA): Vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn, die zu neurologischen Ausfällen führen kann.
- Schlaganfall: Dauerhafte Durchblutungsstörung im Gehirn, die zu neurologischen Ausfällen führen kann.
- Epilepsie: Krampfanfälle, die mit neurologischen Symptomen einhergehen können.
- Multiple Sklerose (MS): Chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vielfältige neurologische Symptome verursachen kann.
- Tumore im Gehirn: Können Druck auf das Gehirn ausüben und neurologische Symptome verursachen.