Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die in Deutschland etwa 2 % der über 60-Jährigen betrifft. Die Erkrankung ist durch einen Mangel an Dopamin im Gehirn gekennzeichnet, was zu den typischen Symptomen wie Muskelsteifheit (Rigor), verlangsamten Bewegungen (Bradykinese), Zittern (Tremor) und einer instabilen Körperhaltung führt. Obwohl es derzeit keine Heilung für Parkinson gibt, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Die Herausforderungen der fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung
Mit fortschreitender Erkrankung kann die Wirksamkeit der oralen Medikation nachlassen, und es kommt zu sogenannten Wirkfluktuationen. Dabei wechseln sich Phasen mit guter Wirksamkeit (On) mit solchen schlechter Wirksamkeit (Off) ab. Diese Fluktuationen können für die Patienten sehr belastend sein und ihre Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen, erheblich beeinträchtigen.
Dr. Odette Fründt vom Ernst von Bergmann Klinikum Potsdam wies darauf hin, dass sich viele Parkinson-Patienten in Deutschland in einem fortgeschrittenen Stadium befinden und für eine geräteunterstützte Folgetherapie infrage kommen. Dies ist definitionsgemäß der Fall, wenn mehr als fünf orale Medikamentengaben pro Tag erforderlich sind, die Betroffenen mindestens zwei Stunden relevante Off-Symptome oder mindestens eine Stunde Dyskinesien zeigen.
Neue Therapieansätze bei Wirkfluktuationen
Um den Wirkfluktuationen entgegenzuwirken, stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung, darunter:
- Intestinalgele mit Levodopa/Carbidopa (Duodopa®) bzw. Levodopa/Entacapon/Carbidopa (Lecigon®): Diese Gele werden über eine Sonde direkt in den Dünndarm gegeben, um eine kontinuierliche Wirkstoffversorgung zu gewährleisten.
- Subkutane Infusion mit Produodopa®: Diese Therapieform, die seit Dezember neu auf dem Markt ist, ermöglicht eine kontinuierliche Wirkstoffversorgung über eine Pumpe, die der Patient bei sich trägt.
Produodopa®: Eine neue Option zur subkutanen Infusion
Produodopa® (Abbvie) ist eine Lösung zur subkutanen Infusion, die die Prodrugs Levodopa-Monophosphat (Foslevodopa) und Carbidopa-Monophosphat (Foscarbidopa) im Verhältnis 20:1 enthält. Die Phosphorylierung erhöht die Wasserlöslichkeit und ermöglicht eine kontinuierliche Wirkstoffversorgung über 24 Stunden.
Lesen Sie auch: Umgang mit Parkinson im Endstadium
Das neue Therapeutikum ist indiziert bei Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit mit schweren motorischen Fluktuationen und Hyperkinesie oder Dyskinesie, wenn verfügbare Kombinationen von Antiparkinsonmitteln nicht zu zufriedenstellenden Ergebnissen geführt haben. Die Dosierung wird individuell festgelegt.
Eine zwölfwöchige Phase-III-Studie, in der Produodopa® direkt mit oral verabreichten Levodopa/Carbidopa-Tabletten verglichen wurde, zeigte die Wirksamkeit des neuen Präparats. In dieser Studie erhielten 74 Probanden Produodopa® plus Placebo-Tabletten, und 67 Probanden erhielten Infusions-Placebo plus Verum-Tabletten.
Erfahrungen mit der subkutanen Medikamenten-Pumpe
Das Klinikum Bremen-Nord hat den ersten Patienten in Bremen auf dieses neue Therapieverfahren eingestellt. Jochen Killing, ein Patient des Klinikums, nutzt seit Anfang Februar eine subkutane Medikamenten-Pumpe. Laut Dr. Matthias von Mering, Chefarzt der Neurologie im Klinikum Bremen-Nord, hilft die Pumpe Patienten im mittleren oder späten Stadium der Krankheit, die Symptome der Krankheit viel besser unter Kontrolle zu bekommen. Die Pumpe führt das Medikament dem Körper konstant zu, wodurch ein Zick-zack-Kurs der Symptomstärke verhindert und die Lebensqualität des Patienten gesteigert wird.
Im Gegensatz zu früheren Pumpenmodellen ist bei der neuesten Entwicklung kein operativer Eingriff mehr nötig. Die Pumpe kann einfach per Injektion in das Fettgewebe der Unterhaut angedockt werden, ähnlich wie bei Diabetes-Patienten, die sich täglich Insulin spritzen müssen. Es ist lediglich darauf zu achten, die Einstichstelle an Bauch oder Oberschenkel täglich zu wechseln, um der Infektionsgefahr vorzubeugen.
Weitere Pumpentherapien bei Parkinson
Neben der subkutanen Levodopa-Pumpe gibt es noch weitere Pumpentherapien, die bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson eingesetzt werden können:
Lesen Sie auch: Dendritische Zelltherapie: Aktuelle Forschung
- Levodopa-Pumpe (L-Dopa-Pumpe): Bei dieser Therapie wird der Wirkstoff L-Dopa kontinuierlich über eine Sonde direkt in den Dünndarm gegeben. Die Levodopa-Pumpen stehen in zwei Wirkstoffkombinationen zur Verfügung: Levodopa/Carbidopa und Levodopa/Carbidopa/Entacapon.
- Apomorphin-Pumpe: Diese Therapie basiert auf dem Dopaminagonisten Apomorphin, der über eine Nadel, die ins Gewebe am Bauch eingestochen wird, in den Körper gelangt. Die Einstellung auf die richtige Dosis erfolgt im Krankenhaus mithilfe eines Apomorphin-Tests.
Tiefe Hirnstimulation
Eine weitere Therapieoption bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson ist die tiefe Hirnstimulation. Dabei werden Elektroden in einem operativen Eingriff in das Gehirn eingebracht, die durch ein unter der Haut verlaufendes Verbindungskabel mit einem kleinen Stimulator verbunden sind. Der Stimulator sendet leichte elektrische Impulse an die Elektroden im Gehirn und stimuliert so bestimmte Areale, die bei Parkinson krankhaft verändert sind.
Die tiefe Hirnstimulation kann Symptome wie Zittern, eingeschränkte Beweglichkeit, Muskelstarre oder Dyskinesien deutlich verbessern. Sie ist jedoch nicht für alle Patienten geeignet. Bei jüngeren Patienten ist sie deutlich wirksamer als bei älteren. Auch bei psychischen Problemen wie Demenz oder Depressionen oder stark ausgeprägten Sprech- oder Gleichgewichtsstörungen kann sie nicht eingesetzt werden.
Erfahrungen mit tiefer Hirnstimulation
Ein Erfahrungsbericht von Dr. Bald, der sich einer tiefen Hirnstimulation unterzogen hat, zeigt die positiven Auswirkungen dieser Therapieform. Ein Jahr nach der Operation berichtet er von einer deutlich besseren Lebensqualität, einer Reduzierung der Medikamente um die Hälfte und geringeren Medikamentennebenwirkungen. Er betont, dass die Operation ein Klacks gewesen sei und keine Wesensveränderungen verursacht habe.
Dr. Bald weist jedoch auch darauf hin, dass die tiefe Hirnstimulation nicht alle Symptome von Parkinson beeinflusst. Gleichgewichtsstörungen und Sturzneigung werden beispielsweise nicht verbessert. Zudem kann es zu einer undeutlicheren Sprache kommen.
Weitere Aspekte der Parkinson-Behandlung
Neben den genannten Therapieoptionen gibt es noch weitere Aspekte, die bei der Behandlung von Parkinson berücksichtigt werden sollten:
Lesen Sie auch: Wege zur Genesung nach Schlaganfall
- Frühzeitiger Therapiebeginn: Die klinische Erfahrung zeigt, dass nicht orale Folgetherapien die beste Wirkung entfalten, wenn sie früh im Krankheitsverlauf eingesetzt werden.
- Behandlung nicht-motorischer Symptome: Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen oder Verstopfung auftreten. Diese sollten ebenfalls behandelt werden.
- Selbsthilfegruppen: Der Besuch einer Parkinson-Selbsthilfegruppe kann den Betroffenen helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.
- Bewegungstherapie: Krankengymnastik, Ergotherapie oder Logopädie können helfen, körperliche Einschränkungen zu kompensieren und die Lebensqualität langfristig zu verbessern.
Die Rolle von Dopamin im Gehirn
Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der im Gehirn eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Bewegungsimpulsen spielt. Bei der Parkinson-Erkrankung gehen die Zellen, die für die Produktion von Dopamin zuständig sind, allmählich zugrunde. Dies führt zu einem Dopaminmangel, der die typischen Symptome der Erkrankung verursacht.
Forscher haben herausgefunden, dass Dopamin auch eine wichtige Rolle bei der langfristigen Speicherung von Erinnerungen spielt. In Experimenten mit Ratten konnten sie zeigen, dass die Blockierung von Dopaminrezeptoren im Hippocampus die langfristige Speicherung von Erinnerungen verhindern kann. Umgekehrt konnte die Verstärkung der Wirksamkeit der Rezeptoren die Erinnerung an leichte Schläge 14 Tage haften lassen.
tags: #erfahrungsberichte #nach #dopamin #injektion