Ergotherapie-Hilfsmittel in der neurologischen Rehabilitation: Ein umfassender Überblick

Die neurologische Rehabilitation zielt darauf ab, Menschen mit neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen zu helfen, ihre Fähigkeiten wiederzuerlangen oder zu verbessern und ihre Lebensqualität zu steigern. Ergotherapie spielt dabei eine zentrale Rolle, indem sie Betroffenen hilft, ihre Selbstständigkeit im Alltag wiederzuerlangen. Ein wichtiger Bestandteil der Ergotherapie ist der Einsatz von Hilfsmitteln, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit neurologischen Einschränkungen zugeschnitten sind.

Vielfältige Hilfsmittel für unterschiedliche Bedürfnisse

Die Auswahl an Hilfsmitteln für die neurologische Rehabilitation ist groß und vielfältig. Auf der weltgrößten Messe für Hilfsmittel und Rehabilitation in Düsseldorf wurden zahlreiche Neuheiten und bewährte Produkte vorgestellt, die den Alltag von Patienten erleichtern können.

Neuroorthopädie: Unterstützung für die Mobilität

Das Sanitätshaus Rahm präsentierte auf der Messe moderne Neuroorthopädie, darunter das C-Brace von Ottobock. Diese prozessorgesteuerte Ganzbeinorthese ist besonders für Schlaganfall-Betroffene mit Halbseitenlähmung geeignet, denen die Kraft im Oberschenkel und die Kniekontrolle fehlt. Die Orthese unterstützt die Gehbewegung, wirkt stoßdämpfend und beugt Stürzen vor.

Robotikgestützte Therapiegeräte: THERA-Trainer

Die medica Medizintechnik GmbH entwickelt seit 35 Jahren unter dem Namen THERA-Trainer robotikgestützte Therapiegeräte für Kliniken, Praxen und das Heimtraining. Arm- und Beintraining, Stehen und Balance sowie robotisches Gangtraining stehen dabei im Fokus. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse möglich.

Virtuelle Therapie: CUREO

Das Unternehmen CUREO hat sich mit seiner Software für virtuelle Therapie einen Namen gemacht. Die Therapie-Spiele finden in neurologischen Rehakliniken und Therapiepraxen Anwendung. Die Version 4 der Software bietet über 50 Übungen für Physio- und Ergotherapie sowie Neuropsychologie.

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MOTOmed: Bewegungstraining für Arme und Beine

Die MOTOmed-Geräte von RECK ermöglichen das Training von Armen und Beinen im Sitzen und Liegen. Neu ist die XXL-Reihe.

Spezialstühle mit Aufstehhilfe: Mercado Medic

Mercado Medic produziert Spezialstühle mit Aufstehhilfe für Büro und Zuhause, die auch für Schlaganfall-Betroffene mit deutlicher Beeinträchtigung der Beine geeignet sind. Die Sitzfläche lässt sich elektrisch oder per Gasfeder verstellen und nach vorne kippen, was das Aufstehen erleichtert.

Carbonhand: Verstärkung der Greifkraft

Die Carbonhand-Orthese von Exxomove verstärkt die reduzierte Greifkraft einer Hand, beispielsweise nach einem Unfall oder Schlaganfall. Sensoren in den Fingerspitzen eines Handschuhs reagieren auf kleine Bewegungen der Finger und verstärken diese.

Kettwiesel One: Premium-Dreirad für mehr Mobilität

HASE Bikes stellte sein neues „Kettwiesel one“ vor, ein Premium-Dreirad mit E-Antrieb. Das Rad ist mit Oben- oder Untenlenker erhältlich und lässt sich individuell an die Körpergröße anpassen.

Easy-Up: Einhänder-Hilfsmittel für den Haushalt

Easy-Up von Handigood ist ein neues Einhänder-Hilfsmittel, das Pfannen, Gläser, Töpfe, Dosen und Tabletts fixiert und so einhändige Hausarbeiten ermöglicht.

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Fahrzeugumbauten: PARAVAN

PARAVAN bietet eine große Palette umgerüsteter Fahrzeuge an. Ein wichtiger Aspekt ist der Einstieg, wobei die Unterflurrampe eine beliebte Lösung darstellt.

Exomotion Hand One: Elektronische Handorthese

Die exomotion hand one ist eine elektronische Handorthese, die das gezielte Öffnen und Schließen der Finger ermöglicht. Sie wird bei nachgewiesenem Bedarf von Krankenkassen bewilligt.

Ansätze der neurologischen Ergotherapie

Die ergotherapeutische Behandlung bei neurologischen Erkrankungen sollte individuell auf die Bedürfnisse und Ziele des Patienten abgestimmt sein. Die Therapieansätze und -techniken können je nach Art und Schwere der Erkrankung variieren.

Aktivitätsanpassung und -training

Der Ergotherapeut arbeitet gemeinsam mit dem Patienten an individuellen Aktivitäten, die auf seine speziellen Bedürfnisse und Ziele abgestimmt sind. Dabei geht es darum, die Fähigkeiten in Bereichen wie Selbstversorgung, Haushaltsführung und Freizeitaktivitäten zu verbessern. Dies kann durch spezifische Übungen, adaptive Techniken oder die Anpassung des Umfelds erfolgen.

Sensomotorisches Training

Bei neurologischen Erkrankungen kann es zu Problemen mit der motorischen Kontrolle, Koordination und Wahrnehmung kommen. Durch spezielle Übungen und Techniken, wie z.B. Gleichgewichts- und Koordinationstraining, kann der Ergotherapeut den Patienten dabei unterstützen, seine Sensomotorik zu verbessern und die Beweglichkeit zu steigern.

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Kognitive Rehabilitation

Neurologische Erkrankungen können auch zu kognitiven Beeinträchtigungen führen, wie z.B. Problemen mit der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis oder der Problemlösungsfähigkeit. Der Ergotherapeut kann kognitive Übungen und Strategien einsetzen, um die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern und die Alltagsbewältigung zu erleichtern.

Hilfsmittelversorgung

Ergotherapeuten können im Rahmen der neurologischen Ergotherapie Empfehlungen für Hilfsmittel und adaptive Geräte geben, die dazu beitragen können, die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu fördern. Dabei kann es sich z.B. um Greifhilfen, spezielles Besteck oder angepasste Sitzgelegenheiten handeln.

Beratung und Unterstützung

Ergotherapeuten fungieren auch als Ratgeber und Unterstützer für Menschen mit neurologischen Erkrankungen und deren Angehörige. Sie bieten Informationen, Schulungen und emotionale Unterstützung, um den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern.

Die Bedeutung der Handtherapie

Die Handtherapie ist besonders relevant bei Einschränkungen durch Verletzungen, Operationen, degenerative Erkrankungen oder neurologische Probleme. Sie empfiehlt sich, wenn Personen Einschränkungen in ihrer Handfunktion oder Beweglichkeit erfahren. Mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen setzt die Handtherapie umfassendes Wissen über die physiologischen Funktionen der Hand ein.

Physiotherapeutische Ansätze

Im Rahmen der Physiotherapie kommen konservative Methoden zum Einsatz, um die physiologischen Funktionen der Hand zu verbessern.

Ergotherapeutische Interventionen

In der Ergotherapie spielen betätigungsorientierte Interventionen eine zentrale Rolle. Therapeutische Aktivitäten zielen darauf ab, die Handfunktion durch praktische Übungen und Alltagsaufgaben zu verbessern.

Ganzheitlicher Ansatz und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Bei der Handtherapie wird häufig ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der sowohl physiologische als auch psychologische Aspekte berücksichtigt. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeuten und Ergotherapeuten ist dabei von großer Bedeutung.

Kindertherapie: Förderung der motorischen Entwicklung

Die Physiotherapie bietet gezielte Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit und Entwicklung von Kindern. Ein wichtiger Aspekt ist die Sturzprophylaxe, die insbesondere bei Kindern mit motorischen Schwierigkeiten von Bedeutung ist. Durch geeignete physiotherapeutische Interventionen kann die Sturzneigung wirksam reduziert werden.

Im Bereich der Ergotherapie konzentriert sich die Förderung auf die Entwicklung der Fein- und Grafomotorik bei Kindern. Dies geschieht durch spezifische Übungen zur Verbesserung der räumlichen Wahrnehmung, der Sitzhaltung und der Stifthaltung. Darüber hinaus spielt die Kindertherapie eine wichtige Rolle, indem sie den Kindern hilft, ihre Koordination zu verbessern. Ziel ist es, den Kindern die Durchführung alltäglicher Aktivitäten zu erleichtern.

Beide Therapieformen, sowohl die Physiotherapie als auch die Ergotherapie, zielen nicht nur auf die Behandlung bereits bestehender Probleme ab, sondern setzen auch auf präventive Maßnahmen. Im Vordergrund steht die aktive Förderung der allgemeinen motorischen Entwicklung und des Wohlbefindens der Kinder. Durch diese ganzheitlichen Ansätze tragen die Therapieformen dazu bei, die Gesundheit und Entwicklung der Kinder umfassend zu unterstützen.

Hilfsmittel und ADL-Kompetenz nach Schlaganfall

Eine Studie untersuchte, ob die nach einem Schlaganfall verordneten Hilfsmittel tatsächlich dazu geeignet sind, die Kompetenzen der Betroffenen bei den Aktivitäten des täglichen Lebens zu verbessern. Die Ergebnisse zeigten, dass Hilfsmittel die ADL-Kompetenz steigern können, wenn sie individuell angepasst und in ein umfassendes Therapiekonzept integriert sind.

Ambulante Versorgung und Mobilität

Ein zentrales Ziel der Rehabilitation ist die Wiederherstellung der selbständigen Mobilität als Fußgänger oder Rollstuhlfahrer. Allerdings nimmt die Mobilität bei Patienten mit Lähmungssyndromen nach Schlaganfall oder Querschnittlähmung nach stationärer medizinischer Rehabilitation trotz Heil- und Hilfsmittelerbringung kontinuierlich ab.

Eine Studie identifiziert Faktoren der bestehenden ambulanten Versorgungsstruktur (Physiotherapie, Ergotherapie, Sanitätshaus, Hausarzt, Facharzt), welche zu einer Abnahme der Mobilität führen. Die Studienerkenntnisse sollen zu einer neuen Versorgungsform führen, in der patientenzielorientiert, bedarfsgerecht und koordiniert ambulante Hilfs- und Heilmittel erbracht werden, welche zu einer Stabilisierung bzw. Verbesserung der Mobilität beitragen.

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