Einführung
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die durch vielfältige Symptome und unterschiedliche Verläufe gekennzeichnet ist. Sie zählt zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem Teile des Gehirns und Rückenmarks angreift. Die daraus resultierenden Schädigungen an Nervenfasern und Nervenzellen führen zu fehlerhaften oder ausbleibenden Informationsübertragungen, was sich in vielfältigen neurologischen Störungen äußern kann. Ein häufiges, aber oft übersehenes Symptom ist die erhöhte Reizbarkeit der Nerven, die in diesem Artikel näher beleuchtet wird.
Was ist Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem (ZNS) betrifft. Das ZNS besteht aus Gehirn und Rückenmark. Bei MS greift das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden an, die die Nervenfasern umhüllen und für eine schnelle und reibungslose Signalübertragung verantwortlich sind. Diese Schädigung der Myelinscheiden (Demyelinisierung) führt zu Entzündungen und Narbenbildung (Sklerose) in verschiedenen Bereichen des Gehirns und Rückenmarks.
Die genauen Ursachen für diese autoimmune Reaktion sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
Formen der Multiplen Sklerose
Man unterscheidet hauptsächlich drei Formen der Multiplen Sklerose:
Schubförmig-remittierende MS (RRMS): Die häufigste Form, bei der sich Phasen mit akuten Symptomverschlechterungen (Schüben) mit Phasen der teilweisen oder vollständigen Erholung (Remissionen) abwechseln. Bei 85 Prozent der Menschen mit MS beginnt die Erkrankung im jungen Erwachsenenalter mit einem schubförmig remittierenden Verlauf.
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Sekundär progrediente MS (SPMS): Entwickelt sich oft aus der RRMS, bei der die Schübe seltener werden oder ganz ausbleiben, während die neurologischen Beeinträchtigungen langsam fortschreiten. Etwa jeder dritte MS-Patientin in Deutschland befindet sich im Stadium der sekundär progredienten Multiplen Sklerose oder im Übergang zur SPMS.
Primär progrediente MS (PPMS): Eine seltener Form, bei der die neurologischen Beeinträchtigungen von Anfang an langsam fortschreiten, ohne dass es zu deutlichen Schüben kommt. Etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen mit MS leiden unter einer primär progredienten Multiplen Sklerose (PPMS), die von Beginn an langsam schleichend verläuft.
Zusätzlich gibt es noch das klinisch isolierte Syndrom (KIS) und das radiologisch isolierte Syndrom (RIS). Wenn ein Mensch einen Krankheitsschub mit MS-typischen Beschwerden hat, sonst aber keine weiteren Kriterien für eine MS-Diagnose erfüllt, spricht man von einem Klinisch isolierten Syndrom (KIS). Ein KIS kann auf eine beginnende Multiple Sklerose hinweisen - muss es aber nicht. Wenn Läsionen, die typisch für eine Multiple Sklerose sind, zufällig auf MRT-Aufnahmen entdeckt werden, die aus einem anderen Grund angefertigt wurden (z. B. um die Ursache von Kopfschmerzen abzuklären), und diese Zufallsbefunde bei Menschen gesehen werden, die bisher keine MS-verdächtigen neurologischen Symptome haben, handelt es sich um ein radiologisch isoliertes Syndrom (RIS). Auch ein RIS kann im Verlauf in eine Multiple Sklerose übergehen.
Ursachen der Multiplen Sklerose
Die genauen Ursachen der MS sind noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung, bei der wahrscheinlich mehrere Faktoren zusammenwirken müssen, um die Krankheit auszulösen. Nach aktuellem Wissensstand handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der Gene und Umweltfaktoren zusammenwirken. Man vermutet, dass folgende Risikofaktoren zur Entwicklung einer Multiplen Sklerose beitragen können:
Genetische Veranlagung: Multiple Sklerose ist keine Erbkrankheit im klassischen Sinne, aber es gibt eine genetische Komponente. Es gibt nicht das „eine“ MS-Gen, sondern eine Vielzahl von Genen, die alleine und in Kombination das Risiko, an MS zu erkranken, erhöhen. Für Verwandte ersten Grades von MS-Betroffenen besteht ein erhöhtes Risiko, ebenfalls die chronische Nervenerkrankung zu entwickeln. Im Blickpunkt stehen hier besonders die sogenannten Humanen-Leukozyten-Antigene (HLA). Sie spielen eine Rolle bei der Immunabwehr. Auch alle anderen genetischen Risikofaktoren, die wissenschaftlich bislang mit Multipler Sklerose in Verbindung gebracht wurden, hängen mit dem Immunsystem zusammen.
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Infektionen: Möglicherweise sind auch Infektionen mit Viren und Bakterien am Ausbruch von Multipler Sklerose beteiligt. Entsprechende Hinweise gibt es besonders zum Epstein-Barr-Virus (EBV). Das ist ein Vertreter der Herpes-Viren, der das Pfeiffersche Drüsenfieber verursacht. Auch ca. 95% der Menschen ohne Multiple Sklerose tragen das EBV in sich, nachdem sie sich in Kindheit und Jugend damit infiziert haben. Menschen mit Multipler Sklerose sind aber nahezu zu 100% EBV-positiv. Die genauen Zusammenhänge zwischen EBV und MS sind aber noch ungeklärt. Es ist allerdings weiterhin unklar, ob und welche Rolle eine dysregulierte Immunantwort gegen EBV oder HHV-6 bei der Ätiopathogenese von MS spielt.
Umweltfaktoren und Lebensstil: Umwelt- beziehungsweise bestimmte Lebensstil-Faktoren wirken möglicherweise ebenfalls bei der Entstehung von Multipler Sklerose mit. Ein ungesunder Lebensstil ist für sich genommen aber nicht ausreichend, um MS auszulösen. Ein kritischer Faktor bei der MS-Krankheit ist offenbar Rauchen. So haben Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern ein höheres Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken. Zudem scheint Nikotin den Krankheitsverlauf zu verschlechtern.Einen Mangel an Vitamin D - dem „Sonnenvitamin“ - diskutieren Wissenschaftler ebenfalls als möglichen Risikofaktor für Multiple Sklerose. Dieser Verdacht basiert auf der Beobachtung, dass es einen Zusammenhang zwischen MS und der geografischen Breite gibt: Je weiter man sich vom Äquator entfernt (in Richtung Nord- beziehungsweise Südpol), desto häufiger tritt Multiple Sklerose in der Bevölkerung auf. Das liegt eventuell an der abnehmenden Sonnen-Exposition: Je weiter entfernt vom Äquator die Menschen leben, desto weniger intensiv ist die Sonnen-Einstrahlung. Und je weniger Sonne auf die Haut fällt, desto weniger Vitamin D wird in der Haut produziert.
Weitere Faktoren: Das Geschlecht wirkt ebenfalls mit bei der Entstehung von MS. Frauen erkranken häufiger an Multipler Sklerose als Männer. Warum das so ist, weiß man bislang nicht. Untersuchungen zufolge erhöhen eine fettreiche „westliche“ Ernährung und ein damit verbundenes Übergewicht das Risiko für MS. Als weitere mögliche beeinflussende Faktoren werden eine erhöhte Kochsalz-Zufuhr und die Darmflora diskutiert. Die ethnische Zugehörigkeit scheint ebenfalls einen Einfluss zu haben: Beispielsweise ist Multiple Sklerose bei weißen Menschen deutlich häufiger anzutreffen als bei anderen Ethnien.
Erhöhte Reizbarkeit der Nerven als Ursache und Symptom
Die erhöhte Reizbarkeit der Nerven kann sowohl eine Ursache als auch ein Symptom der Multiplen Sklerose sein.
Als Ursache: Durch die Entzündungsprozesse im ZNS werden die Nervenfasern und deren schützende Myelinscheiden geschädigt. Diese Schädigung führt dazu, dass die Nerven empfindlicher auf Reize reagieren und leichter erregbar sind. Dies kann zu einer erhöhten Reizbarkeit und einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit führen.
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Als Symptom: Die erhöhte Reizbarkeit der Nerven kann sich in verschiedenen Symptomen äußern, wie z.B.:
- Neuropathische Schmerzen: Nervenschmerzen, die durch Schädigung oder Funktionsstörung von Nerven verursacht werden. Diese Schmerzen können sich als brennend, stechend, elektrisierend oder kribbelnd äußern.
- Sensibilitätsstörungen: Dazu gehören Kribbeln, Taubheitsgefühle, Brennen oder Jucken auf der Haut.
- Spastik: Erhöhte Muskelspannung und unkontrollierte Muskelkrämpfe.
- Trigeminusneuralgie: Heftige, blitzartige Schmerzen im Gesichtsbereich, die durch Reizung des Trigeminusnervs verursacht werden.
- Restless-Legs-Syndrom: Unangenehme Gefühle in den Beinen, die mit einem unkontrollierbaren Bewegungsdrang einhergehen.
- Allodynie: Schmerzempfindung bei Reizen, die normalerweise keinen Schmerz auslösen (z.B. leichte Berührung).
- Hyperalgesie: Erhöhte Schmerzempfindlichkeit bei Reizen, die normalerweise nur leichten Schmerz auslösen.
Symptome der Multiplen Sklerose
Die Symptome der MS sind sehr vielfältig und können von Person zu Person stark variieren. Sie hängen davon ab, welche Bereiche des ZNS betroffen sind und wie stark die Schädigung ist. Die MS kann zu einer großen Vielfalt an Symptomen führen und wird nicht umsonst die Krankheit der 1000 Gesichter genannt. Zu den typischen MS-Symptomen gehören:
- Motorische Störungen: Kraftlosigkeit einzelner oder mehrerer Extremitäten, erhöhte Muskelanspannung (Spastik), Gangstörung mit Einschränkung der Gehstrecke, Lähmungen.
- Sensibilitätsstörungen: Gefühlsstörungen (z.B. Taubheitsgefühl, Kribbeln), Schmerzen, Restless-Legs-Syndrom.
- Sehstörungen: Sehstörungen (z.B. schmerzhafte Einschränkung der Sehkraft auf einem Auge, Doppelbilder), Augenzittern.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Verringerte geistige Leistungsfähigkeit z.B. durch Konzentrations-, Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen.
- Fatigue: Vermehrte Ermüdbarkeit (Fatigue), sowohl bei körperlicher als auch bei geistiger Betätigung.
- Blasen- und Darmstörungen: Gestörte Entleerung von Harnblase und/oder Darm (Inkontinenz, Harndrang, Verstopfung).
- Sexuelle Störungen: Sexuelle Störungen (nachlassende Libido, erektile Dysfunktion, reduzierte Lubrikation).
- Weitere Symptome: Depression, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Epilepsie, Sprech- und Schluckstörungen, Schwindel.
Diagnose der Multiplen Sklerose
Da die Symptome der MS sehr vielfältig sein können und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, ist die Diagnose oft schwierig und zeitaufwendig. Praktisch alle Symptome und Befunde einer Multiplen Sklerose können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Es gibt keinen Test, der die MS-Krankheit eindeutig beweist. Bevor Ärzt*innen eine Multiple Sklerose diagnostizieren können, müssen nicht nur die typischen Befunde erhoben sondern auch anderen Ursachen für die vorliegenden Symptome und Beschwerden ausgeschlossen werden. Die Diagnose basiert auf einer Kombination aus:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden. Bei einem Verdacht auf Multiple Sklerose spricht der oder die Ärztin mit demr Patient*in zuerst über Symptome und Beschwerden, Vorerkrankungen und darüber, ob MS-Krankheiten in der Familie bekannt sind.
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Nervenfunktionen, wie z.B. Reflexe, Sensibilität, Koordination, Muskelkraft, Sehkraft. Anschließend folgt eine ärztliche Allgemeinuntersuchung und eine neurologische Untersuchung.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Bildgebung des Gehirns und Rückenmarks, um Entzündungsherde (Läsionen) und Narbenbildungen sichtbar zu machen. Bei dem Verdacht auf eine Multiple Sklerose können Radiologinnen mittels Magnetresonanztomographie (MRT) andere Ursachen für neurologische Ausfälle, wie Schlaganfall oder Tumoren, ausschließen. Auf den MRT-Aufnahmen erkennen Radiologinnen typische Entzündungsherde (Läsionen) der Multiplen Sklerose. Entscheidend für die Abgrenzung zu anderen möglichen Krankheiten sind unter anderem deren Form, Lokalisation und räumliche Ausbreitung (räumliche Dissemination). Ein weiteres diagnostisches Kriterium ist die zeitliche Ausdehnung (zeitliche Dissemination) der Läsionen, d. h. deren unterschiedliches Alter. Die Radiologinnen können hierzu aktuelle und ältere MRT-Aufnahmen desr gleichen Patienten*in miteinander vergleichen. Auch mithilfe von Kontrastmitteln können akute und ältere Entzündungsherde unterschieden werden.
- Untersuchung des Nervenwassers (Liquor): Analyse der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt, um Entzündungszeichen und spezifische Antikörper (oligoklonale Banden) nachzuweisen. Nervenwasser, auch Liquor genannt, ist eine Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Bei einer Multiplen Sklerose kann man im Liquor Hinweise für eine Entzündung finden. Hierzu gehören: Entzündungszellen oligoklonale Banden (OKB) OKB sind Antikörper, die bei autoimmunen Entzündungsprozessen entstehen. Sie treten typischerweise bei Multipler Sklerose auf, können aber auch bei anderen Erkrankungen vorkommen.
- Evozierte Potentiale: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um Schädigungen der Nervenbahnen festzustellen. Über evozierte Potenziale wird die Funktion von Nervenbahnen gemessen. Bei einer Multiplen Sklerose ist die Funktion von Nervenbahnen gestört. Dadurch können Nervenimpulse häufig nur noch mit verlangsamter Geschwindigkeit fortgeleitet werden. Diese Geschwindigkeit wird durch evozierte Potentiale gemessen, die zum Beispiel durch visuelle (auf ein Schachbrett schauen) oder sensible (elektrische Impulse) Reize ausgelöst werden. Bei ca. 75 Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose können hierbei Veränderungen nachgewiesen werden.
- Blutuntersuchungen: Dient in erster Linie dazu, andere Krankheiten auszuschließen. Hierzu gehören zum Beispiel die Borreliose oder der Lupus Erythematodes, weil diese Krankheiten ähnliche Symptome wie die Multiple Sklerose hervorrufen können.
Die Diagnose wird üblicherweise nach den international anerkannten McDonald-Kriterien gestellt.
Behandlung der Multiplen Sklerose
Die Multiple Sklerose ist derzeit nicht heilbar. Es gibt aber Therapien, die die Schübe verhindern, die Zunahme der Behinderung reduzieren und MS-Symptome lindern können. Häufig gelingt es, die Krankheitsaktivität für Jahre zu stoppen. Ziel einer krankheitsmodifizierenden Therapie ist es, die Krankheitsaktivität möglichst auf ein Minimum zu reduzieren. Das Ausmaß der Krankheitsaktivität ist entscheidend bei der Auswahl der optimalen Therapie, die umso wirksamer sein muss je aktiver die Erkrankung ist. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Therapie umfasst in der Regel:
- Akuttherapie: Behandlung akuter Schübe mit hochdosiertem Kortison, um die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Zur Behandlung von akuten Schüben greifen Ärzte auf Cortison-Medikamente zurück. Cortison wirkt entzündungshemmend und beeinflusst die schnellere Rückbildung der Symptome. In der Regel wird es intravenös, also per Infusion, verabreicht.
- Krankheitsmodifizierende Therapie: Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen und die Häufigkeit und Schwere der Schübe reduzieren sollen. Mit den aktuell verfügbaren Medikamenten kann die Häufigkeit der Schübe reduziert werden. Die Zunahme der körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen kann ebenfalls reduziert oder ganz verhindert werden.
- Symptomatische Therapie: Behandlung der einzelnen Symptome, wie z.B. Schmerzen, Spastik, Fatigue, Blasenstörungen, Depressionen. Aufgrund der verschiedenartigen Symptome kommen bei Bedarf eine Reihe weiterer therapeutischer Maßnahmen hinzu: Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder auch Psychotherapie. Die Einnahme zusätzlicher Medikamente zur Behandlung von Symptomen wie Blasenstörung, Depression ist u.U.
- Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination und Muskelkraft.
- Ergotherapie: Maßnahmen zur Verbesserung der Alltagskompetenz und Selbstständigkeit.
- Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und Bewältigung von psychischen Problemen.
Behandlung der erhöhten Reizbarkeit der Nerven
Die Behandlung der erhöhten Reizbarkeit der Nerven zielt darauf ab, die Schmerzen und Sensibilitätsstörungen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Je nach Art und Ausmaß der Beschwerden kommen verschiedene Therapieansätze in Frage:
Medikamentöse Therapie:
- Antikonvulsiva: Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, können auch bei neuropathischen Schmerzen wirksam sein (z.B. Gabapentin, Pregabalin).
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Duloxetin) können ebenfalls neuropathische Schmerzen lindern.
- Schmerzmittel: In manchen Fällen können auch herkömmliche Schmerzmittel (z.B. Paracetamol, Ibuprofen) oder Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Muskelrelaxantien: Bei Spastik können Muskelrelaxantien (z.B. Baclofen, Tizanidin) die Muskelspannung reduzieren und die Schmerzen lindern.
Nicht-medikamentöse Therapie:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können die Muskeln entspannen, die Beweglichkeit verbessern und die Schmerzen lindern.
- Ergotherapie: Hilfsmittel und Anpassungen im Alltag können die Belastung der Nerven reduzieren und die Selbstständigkeit fördern.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Durch elektrische Impulse werden die Nerven stimuliert und die Schmerzwahrnehmung beeinflusst.
- Akupunktur: Kann bei manchen Patienten mit neuropathischen Schmerzen eine Linderung bewirken.
- Entspannungstechniken: Stress kann die Schmerzen verstärken. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu reduzieren.
- Psychotherapie: Eine psychotherapeutische Begleitung kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
Leben mit Multipler Sklerose
Die Diagnose Multiple Sklerose kann für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Belastung darstellen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren, sich professionelle Hilfe zu suchen und Strategien zur Bewältigung der Krankheit zu entwickeln.
- Unterstützung: Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die MS-Patienten und ihre Angehörigen unterstützen.
- Anpassung des Lebensstils: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
- Berufliche Situation: Viele MS-Patienten können trotz ihrer Erkrankung weiterhin berufstätig sein. Gegebenenfalls sind Anpassungen des Arbeitsplatzes oder eine berufliche Neuorientierung erforderlich.
- Soziale Kontakte: Es ist wichtig, soziale Kontakte zu pflegen und sich nicht von der Krankheit isolieren zu lassen.
- Hilfsmittel: Je nach Bedarf können Hilfsmittel wie Gehhilfen, Rollstühle oder spezielle Computerprogramme den Alltag erleichtern.
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