Vitamin B umfasst eine Gruppe von acht essenziellen Vitaminen, die eine entscheidende Rolle für verschiedene Körperfunktionen spielen. Dazu gehören der Stoffwechsel, die Blutbildung sowie die Funktion des Nerven- und Immunsystems. Da der Körper die B-Vitamine nicht selbst herstellen kann, ist eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung unerlässlich. Ein Mangel an einem oder mehreren dieser Vitamine kann zu vielfältigen gesundheitlichen Problemen führen, insbesondere im Bereich des Nervensystems.
Die Bedeutung der B-Vitamine
Die Vitamin-B-Gruppe besteht aus acht verschiedenen Vitaminen, von denen B1 (Thiamin), B6 (Pyridoxin), B9 (Folat) und B12 (Cobalamin) die wichtigsten sind. Sie sind wasserlöslich, was bedeutet, dass sie nicht lange im Körper gespeichert werden können und regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden müssen.
- Vitamin B1 (Thiamin): Wichtig für den Kohlenhydratstoffwechsel und die Energieversorgung des Gehirns.
- Vitamin B6 (Pyridoxin): Beteiligt am Aminosäurestoffwechsel, der Bildung von Neurotransmittern und der Regulierung des Homocysteinspiegels.
- Vitamin B9 (Folat): Essentiell für die Zellteilung und -wachstum, besonders wichtig in der Schwangerschaft zur Vorbeugung vonNeuralrohrdefekten.
- Vitamin B12 (Cobalamin): Spielt eine zentrale Rolle bei der Bildung von roten Blutkörperchen, der Funktion des Nervensystems und dem Abbau von Homocystein.
Ursachen für einen Vitamin-B-Mangel
Ein Vitamin-B-Mangel kann verschiedene Ursachen haben:
- Ernährungsgewohnheiten: Eine unausgewogene Ernährung, insbesondere der Verzicht auf tierische Produkte bei veganer Ernährung, kann zu einem Mangel an Vitamin B12 führen. Auch Mangelernährung aufgrund von Essstörungen oder einseitigen Diäten kann eine Ursache sein.
- Höheres Lebensalter: Ältere Menschen haben häufiger einen Vitamin-B-Mangel, da die Aufnahme der Vitamine im Darm schlechter funktionieren kann.
- Bestimmte Erkrankungen: Chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie, Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto Thyreoiditis oder eine genetisch bedingte Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) können die Aufnahme von B-Vitaminen beeinträchtigen.
- Einnahme von Medikamenten: Einige Medikamente, wie Magensäureblocker oder Metformin (ein Medikament zur Behandlung von Typ-2-Diabetes), können die Aufnahme von B-Vitaminen stören.
- Chirurgische Eingriffe zur Gewichtsabnahme: Bariatrische Operationen können die Magenfläche verkleinern und somit die Aufnahme von Nährstoffen reduzieren.
- Übermäßiger Alkoholkonsum: Alkohol kann die Leber schädigen und die Verwertung der aufgenommenen Vitamine beeinträchtigen.
- Erhöhter Bedarf während der Schwangerschaft: Schwangere haben einen erhöhten Bedarf an bestimmten B-Vitaminen, insbesondere Folsäure.
Neurologische Auswirkungen eines Vitamin-B-Mangels
Ein Mangel an B-Vitaminen kann sich auf vielfältige Weise auf das Nervensystem auswirken. Die Symptome sind oft unspezifisch und können leicht übersehen werden, insbesondere bei einem leichten Mangel.
Vitamin B1 (Thiamin)
Ein langanhaltender Vitamin-B1-Mangel kann zu Beriberi führen. Bei der trockenen Beriberi ist das zentrale Nervensystem betroffen, was zu Muskelabbau, Gehstörungen und der Wernicke-Enzephalopathie führen kann. Die Wernicke-Enzephalopathie ist eine Erkrankung des Gehirns, die mit einem fortschreitenden Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergeht. Unbehandelt kann sie zum Korsakow-Syndrom führen, einer irreversiblen Schädigung des Gehirns.
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Vitamin B6 (Pyridoxin)
Ein Mangel an Vitamin B6 kann neurologische Störungen wie Depressionen, Verwirrung und periphere Neuropathie verursachen. Symptome eines Vitamin-B6-Mangels sind Blutarmut (Anämie) sowie neurologische Störungen. Ein ernährungsbedingter Vitamin-B6-Mangel ist allerdings selten und geht in der Regel mit einem Defizit an anderen B-Vitaminen einher.
Vitamin B9 (Folat)
Ein Mangel an Vitamin B9 (Folat) kann zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Bei Schwangeren kann ein Mangel dem ungeborenen Kind schaden und Fehlbildungen wie einen offenen Rücken (Spina bifida) oder eine Fehlgeburt verursachen.
Vitamin B12 (Cobalamin)
Ein Mangel an Vitamin B12 kann schwerwiegende neurologische Störungen verursachen, darunter die funikuläre Myelose, eine Erkrankung des Rückenmarks. Vitamin-B12-Mangel bei Schwangeren kann zudem ein niedriges Geburtsgewicht oder eine Frühgeburt verursachen.
Funikuläre Myelose:Der Vitamin-B12-Mangel schädigt Bahnsysteme des Hals- und Brust-Rückenmarks, die für den Input und Output von Nervenimpulsen benötigt werden. Zusätzlich können sich eine spastische Lähmung, Blasen- und Mastdarmstörungen sowie eine Impotenz entwickeln. Ursache ist ein Mangel an Vitamin B12. Die Schädigung des Rückenmarks wird durch einen Mangel an Vitamin B12 verursacht. Dieser führt zu einer Zerstörung der Nervenschutzschicht (Myelin) mit Vernarbung. Dadurch geht die Leitfähigkeit der betroffenen Rückenmarksstränge verloren.
Neurologische Symptome:Typische Anzeichen sind Kribbeln, Taubheitsgefühle, Gangunsicherheit oder Muskelschwäche.
Weitere neurologische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels:
- Erste Symptome eines Vitamin-B12-Mangels sind meist unspezifische Mattheit und Leistungsschwäche sowie eine Unsicherheit auf den Beinen.
- Die schlecht funktionierenden Nerven im Rückenmark lösen häufig zuerst Missempfindungen in den unteren Extremitäten aus, wie etwa Brennen und Taubheit in den Füßen und ein enges, manschettenartiges Gefühl an den Waden.
- Bleibt der Vitamin-B12-Mangel lange unerkannt, können ernsthafte neurologische und neuropsychiatrische Erkrankungen bis hin zu Demenz und Schizophrenie die Folge sein.
- Auch starke körperliche Einschränkungen bis hin zur Querschnittslähmung können durch einen Vitamin-B12-Mangel ausgelöst werden. Verantwortlich ist hier die Funikuläre Myelose, bei der das Rückenmark aufgrund fehlender Nervenhüllen geschädigt wird.
Diagnose eines Vitamin-B-Mangels
Die Diagnose eines Vitamin-B-Mangels erfolgt in der Regel durch eine Blutuntersuchung. Dabei werden die Konzentrationen der verschiedenen B-Vitamine im Blut gemessen. Bei Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel können zusätzlich die Holotranscobalamin- und Methylmalonsäure-Werte bestimmt werden, um einen Mangel frühzeitig zu erkennen.
- Holotranscobalamin (Holo-TC): Die Holo-TC-Untersuchung bestimmt das den Körperzellen tatsächlich zur Verfügung stehende Vitamin B12. Leere Vitamin B12-Speicher werden somit frühzeitig verlässlich erkannt.
- Methylmalonsäure (MMA): MMA entsteht vermehrt, sobald in den Zellen zu wenig Vitamin B12 verfügbar ist. Die Folge sind erhöhte MMA-Werte in Blut und Urin. Damit geben diese Werte den frühesten messbaren Hinweis auf einen Vitamin-B12-Mangel. Die Bestimmung von MMA ist keine Screeninguntersuchung.
Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie die MRT des zervikalen Myelons eingesetzt werden, um Schädigungen des Rückenmarks nachzuweisen.
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Behandlung eines Vitamin-B-Mangels
Die Behandlung eines Vitamin-B-Mangels hängt von der Ursache und dem Schweregrad des Mangels ab. In vielen Fällen reicht eine Ernährungsumstellung aus, um den Mangel zu beheben. Lebensmittel, die reich an B-Vitaminen sind, sollten verstärkt in den Speiseplan integriert werden.
Wenn eine Ernährungsumstellung nicht ausreicht oder aufgrund einer veganen Ernährung nicht möglich ist, können Tabletten oder Infusionen mit den fehlenden B-Vitaminen eingesetzt werden. Bei einem Vitamin-B12-Mangel kann eine Injektionstherapie erforderlich sein, insbesondere bei neurologischen Symptomen oder Malabsorptionsstörungen.
- Orale Therapie: Therapiebeginn 1000-2000 µg/Tag über eine Woche Dosis abhängig von Spiegel Bei Spiegel < 200 pg/mg, Therapiebeginn mit 2000 µg/Tag Woche 2-4 1000µg/Woche Ab 2. Monat 1000µg/Monat
- Parenterale Therapie: Bei neurologischer Manifestation mit funikulärer Myelose, Optikusatrophie empfehlenswert Dosis Therapiebeginn 1-2x /Woche 1000µg intramuskulär oder (abhängig von Schwere der Symptome) 5-7 Tage 1000µg Hydroxycobalamin intramuskulär oder intravenös/subkutan Danach 2x1000µg in den Wochen 2-4 Erhaltungsdosis 1000µg/Monat
Vorbeugung eines Vitamin-B-Mangels
Um einem Vitamin-B-Mangel vorzubeugen, ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend B-Vitaminen wichtig.
- Vitamin B1: Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Fisch und Fleisch
- Vitamin B6: Hefe, Vollkorngetreide, grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Leber, Fisch, Fleisch und Eigelb
- Vitamin B9 (Folat): Blattgemüse wie Salat und Spinat, Tomaten, Orangen und Getreide sowie Leber und Niere
- Vitamin B12: Leber, Niere, Muskelfleisch, Fisch, Eiern sowie in Milch und Milchprodukten. Auch vergorene (fermentierte) pflanzliche Nahrungsmittel wie Sauerkraut enthalten B12 - allerdings in so geringen Mengen, dass sie den Bedarf nicht decken.
Wer sich vegan ernährt, sollte ärztlich abklären lassen, ob die Einnahme von Vitamin-B12-Tabletten sinnvoll ist. Schwangere oder Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten zusätzlich Folsäure einnehmen. Bei einem erhöhten Risiko für einen Vitamin-B-Mangel sollte man regelmäßig seine Werte überprüfen lassen. Das gilt zum Beispiel für Menschen mit Morbus Crohn oder Zöliakie.
Erschöpfung und B-Vitamine
Erschöpfung ist ein zunehmendes Phänomen, das oft mit einem Mangel an Mikronährstoffen, insbesondere B-Vitaminen, in Verbindung steht. Stress kann den Bedarf an B-Vitaminen erhöhen, und ein Mangel kann zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und anderen Symptomen führen. In solchen Fällen kann eine Substitutionstherapie mit B-Vitaminen sinnvoll sein.
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