Erhöhter Hirndruck durch HWS-Ursachen: Ein umfassender Überblick

Druck im Kopf kann sich auf vielfältige Weise äußern - als dumpfes Gefühl, Engegefühl oder das Gefühl, als würde der Schädel platzen. Die Ursachen hierfür sind ebenso vielfältig. Während Spannungskopfschmerzen, Sinusinfektionen oder Ohrerkrankungen häufige Auslöser sind, kann in manchen Fällen auch ein erhöhter Hirndruck dahinterstecken. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für erhöhten Hirndruck, insbesondere im Zusammenhang mit der Halswirbelsäule (HWS), und gibt einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Erste Schritte bei Verdacht auf erhöhten Hirndruck

Bei Verdacht auf ein mittleres oder schweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT) sind rasche und gezielte Maßnahmen entscheidend, um den Zustand des Patienten zu stabilisieren und weitere Schäden zu verhindern. Folgende Punkte sind dabei von zentraler Bedeutung:

  • Normotonie: Sicherstellung eines systolischen Blutdrucks über 90 mmHg.
  • Normoxie: Aufrechterhaltung einer Sauerstoffsättigung (SpO2) zwischen 95 und 99 % bzw. eines arteriellen Sauerstoffpartialdrucks (paO2) zwischen 75 und 99 mmHg.
  • Normokapnie: Gewährleistung eines arteriellen Kohlendioxidpartialdrucks (paCO2) zwischen 35 und 45 mmHg.
  • Normothermie: Vermeidung von Hyperthermie.
  • Normoglykämie: Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels.

Bei einem GCS (Glasgow Coma Scale) Wert unter 9 ist eine Intubation erforderlich. Dabei sollte eine kreislaufneutrale Narkoseführung angestrebt und "Pressen", Hypoxie und Hypotonie vermieden werden. Vor der Intubation sollte der GCS-Wert oder alternativ der FOUR-Score erhoben werden.

Um den venösen Abfluss zu optimieren, kann eine HWS-Orthese (Halswirbelsäulen-Orthese) entfernt und der Oberkörper um 15-30° hochgelagert werden.

Schädel-Hirn-Trauma: Pathophysiologie und Symptome

Ein Schädel-Hirn-Trauma entsteht durch die Einwirkung kinetischer Energie auf Schädel und Gehirn. Dabei wird zwischen der Verletzung von Schädelstrukturen und der Verletzung von Hirngewebe unterschieden. Der primäre Hirnschaden entsteht direkt durch die Zerstörung von Hirngewebe und ist irreversibel. Der sekundäre Hirnschaden entwickelt sich posttraumatisch im Rahmen der Auswirkungen von Hirndruck, Ischämie und Inflammation.

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Die Symptome eines SHT können vielfältig sein und umfassen:

  • Bewusstseinsstörungen: Vigilanzminderung, Desorientierung, Wesensveränderung
  • Neurologische Defizite: Amnesie (retrograd/anterograd), fokal-neurologische Defizite, epileptische Anfälle
  • Äußere Verletzungszeichen: Riss- und Platzwunden, Austritt von Blut, Liquor oder Hirngewebe, Battle's Sign (Hämatom über dem Mastoid)
  • Allgemeine Beschwerden: Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, Sehstörungen, Schwerhörigkeit, Licht- und Geräuschüberempfindlichkeit
  • Hirndruckzeichen: Erbrechen, Anisokorie/lichtstarre Pupillen, pathologische Atmung, Bewusstseinsstörung, Cushing-Reflex (Hypertonie mit Bradykardie)

Bildgebung nach SHT

Bei jedem mittleren oder schweren SHT (initialer GCS <13) oder leichtem SHT mit vorliegenden Risikofaktoren ist eine Bildgebung indiziert. In der Regel wird ein natives CCT (kraniales Computertomogramm) durchgeführt, um Blutungen, Hirnödeme und Schädelfrakturen darzustellen. Ergänzend kann eine CT-HWS (Computertomogramm der Halswirbelsäule) bei klinischem Verdacht auf eine HWS-Verletzung oder bei Hochrasanztrauma/Hochrisikomechanismus in Betracht gezogen werden. Eine CT-Angiographie kann bei neurologischem Defizit, klinischem Verdacht auf Gefäßverletzung oder Blutungsnachweis im nativen CCT erforderlich sein.

Ein craniales MRT (cMRT) ist für die initiale Diagnostik meist zu zeitaufwendig und speziellen Indikationen vorbehalten.

Erhöhter Hirndruck: Ursachen und Maßnahmen

Erhöhter Hirndruck, auch intrakranieller Druck (ICP) genannt, ist der Druck im Schädelinneren, der durch Hirngewebe, Blut und Liquor (Hirnwasser) erzeugt wird. Ein erhöhter ICP kann die Hirndurchblutung beeinträchtigen und zu Schädigungen des Gehirns führen.

Ursachen für erhöhten Hirndruck können sein:

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  • Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Hirnschwellung (Hirnödem)
  • Blutungen: Subarachnoidalblutung, intrazerebrale Blutung
  • Entzündungen: Meningitis, Enzephalitis
  • Tumore: Hirntumore
  • Hydrocephalus: übermäßige Ansammlung von Liquor im Schädelinneren
  • Sinusvenenthrombose: Blutgerinnsel in den venösen Blutleitern des Gehirns
  • Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH): Erhöhter Hirndruck ohne erkennbare Ursache

Allgemeine Maßnahmen bei erhöhtem Hirndruck

  • Stabilisierung des Patienten ("alles Normo")
  • Narkose und Atemwegssicherung bei GCS <9
  • Adäquate Narkosetiefe aufrechterhalten, "Pressen" vermeiden
  • Normoxie (SpO2 95-99% bzw. paO2 75-95 mmHg)
  • Normokapnie (paCO2 35-45mmHg)
  • Normothermie (36,5-37°C - Hyperthermie vermeiden)
  • Normoglykämie (110-160mg/dl / 6-9mmol/l)
  • Venösen Abfluss möglichst optimieren (HWS-Orthese entfernen, 15-30° Oberkörper-Hochlage)

Überbrückende konservative Maßnahmen bei ICP-Spitzen

  • Hyperventilation (Ziel-paCO2 ≤ 35mmHg, Ziel-etCO2 etwa 30-35mmHg)
  • Mannitol (0,5-1g/kg iv. Kurzinfusion, Ziel Serumosmolalität 330mOsmol/l)
  • Hypertone NaCl-Lösung (NaCl 10% 100ml iv. Kurzinfusion, Ziel Serumnatrium 155-160mmol/l)

Invasive-operative Maßnahmen

  • Verschlusshydrozephalus: Liquorableitung (z.B. externe Ventrikeldrainage)
  • Akute Raumforderung + ICP-Erhöhung: Frühzeitig operative Therapien erwägen (Entlastungstrepanation, Hämatomevakuation etc.)

Erhöhter Hirndruck durch HWS-Ursachen

Funktionsstörungen der Halswirbelsäule (HWS) können in einigen Fällen zu einem erhöhten Hirndruck führen. Dies kann verschiedene Ursachen haben:

  • HWS-Syndrom: Verspannungen und Blockaden im Bereich der HWS können die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und somit indirekt den Hirndruck erhöhen.
  • Instabile Halswirbelsäule: Eine instabile HWS kann zu einer ständigen Reizung von Sensoren (Propriozeptoren) und Nervenfasern führen, die von Mastzellen umgeben sind. Dies kann eine Ausschüttung von Histamin im Gehirn bewirken und somit Entzündungen und erhöhten Hirndruck begünstigen.
  • Liquorlecks: Bei Patienten mit Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) können Liquorlecks entstehen, aus denen Hirnwasser austritt. In Kombination mit erhöhtem Hirndruck kann dies einen schwer zu behandelnden Kreislauf aus Unterdruck und Leckage verursachen.

HWS-Syndrom und seine Auswirkungen

Das HWS-Syndrom ist ein komplexes Symptomgebilde, das durch eine Dysfunktion der Halswirbelsäule verursacht wird. Die Symptome können vielfältig sein und umfassen:

  • Muskuläre Verhärtungen (Myogelosen)
  • Verspannungen
  • Schmerzen in Nacken-, Rücken- und Lendenwirbelbereich
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Tinnitus
  • Ohrgeräusche
  • Taubheitsgefühle und Kribbelgefühle im Kopf sowie in Armen oder Rücken
  • Schluckbeschwerden
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Augenflimmern
  • Herzrasen
  • Spannungskopfschmerzen

Zusammenhang zwischen HWS und Histaminintoleranz

Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen mit HWS-Syndrom eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, auch eine Histaminintoleranz zu entwickeln. Nervenzellen besitzen Mastzellen, die unter Reizung oder Beschädigung vermehrt Histamin freisetzen können. Bei einer instabilen HWS kann es zu einer ständigen Reizung von Sensoren und Nervenfasern kommen, was eine Ausschüttung von Histamin im Gehirn bewirken kann.

Diagnose und Therapie bei HWS-bedingtem Hirndruck

Die Diagnose von HWS-bedingtem Hirndruck erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung, einschließlich neurologischer Tests und Bildgebung der HWS.

Die Therapieansätze können vielfältig sein und umfassen:

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  • Physiotherapie und Osteopathie: zur Behandlung von Verspannungen und Blockaden
  • Manuelle Therapie: Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen
  • Faszientherapien: durch bestimmte Faszienrollen oder ausgewählte Yoga-Übungen
  • Dorn-Breuss-Therapie: mittels Massagen, Dehnungen und leichtem Druck
  • Akupunktur: zur Schmerzlinderung
  • Ernährungsumstellung: hin zu entzündungshemmender Kost
  • Nahrungsergänzungsmittel: Magnesium, Eisen, Vitamin D3, B-Vitaminen und Omega-3-Fetten
  • Bewegungsübungen: zur Entlastung, Entspannung und Kräftigung der Halswirbelsäule
  • Stoßwellentherapie: zur gezielten Auflösung von Triggerpunkten und Reduktion von Verspannungen und Entzündungen

Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH)

Die idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH), auch bekannt als Pseudotumor cerebri, ist eine Erkrankung, die durch erhöhten Hirndruck ohne erkennbare Ursache gekennzeichnet ist. Besonders häufig betroffen sind übergewichtige Frauen im gebärfähigen Alter.

Symptome der IIH

  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen (Gesichtsfeldausfälle, Doppelbilder, Verlust des Scharfsehens, Erblindung)
  • Nackenschmerzen
  • Schwindel

Diagnose der IIH

Die Diagnose der IIH basiert auf einer Kombination aus klinischer Untersuchung, Augenarztbefund (Stauungspapille) und Liquordruckmessung (Lumbalpunktion). Ein Kopf-MRT dient zum Ausschluss anderer Ursachen für erhöhten Hirndruck.

Therapie der IIH

Die Therapie der IIH zielt darauf ab, den Hirndruck zu senken und Sehstörungen zu verhindern. Zu den Therapieoptionen gehören:

  • Körpergewichtsreduktion
  • Medikamente (z.B. Acetazolamid zur Verringerung der Hirnwasser-Neuproduktion)
  • Lumbalpunktionen zur Entlastung des Hirndrucks
  • Shunt-Versorgung (Ableitung von Hirnwasser in die Bauchhöhle)
  • Stenting der Sinusvenen (bei Vorliegen von Sinusvenenstenosen)

Meningismus

Meningismus ist eine schmerzhafte Nackensteifigkeit, die vor allem bei Erkrankungen der Hirnhäute auftritt. Die Betroffenen sind aufgrund von Schmerzen und Verspannungen der Nackenmuskulatur nicht mehr in der Lage, ihren Kopf aktiv zur Brust beugen.

Ursachen des Meningismus

  • Hirnhaut-Entzündung (Meningitis)
  • Subarachnoidal-Blutung
  • Meningeosis neoplastica (Absiedelung von Tumorzellen in den weichen Hirnhäuten)
  • Sinus-Thrombose
  • Sepsis ("Blutvergiftung")
  • Sonnenstich
  • Blei-Vergiftung

Diagnose und Behandlung des Meningismus

Die Diagnose des Meningismus basiert auf der klinischen Untersuchung und der Überprüfung der Nervendehnungszeichen (Lasègue-Zeichen, Kernig-Zeichen, Brudzinski-Zeichen). Zur Ursachenfindung werden Blut- und Liquoruntersuchungen sowie bildgebende Verfahren eingesetzt.

Die Behandlung des Meningismus richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Eine bakterielle Meningitis erfordert eine sofortige Antibiotika-Therapie.

Hydrocephalus

Ein Hydrocephalus, oft auch als „Wasserkopf“ bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der sich übermäßig viel Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren ansammelt.

Ursachen des Hydrocephalus

  • Infektionen (Meningitis, Enzephalitis)
  • Blutungen im Hirn
  • Tumore im Gehirn oder im Rückenmark
  • Kopfverletzungen
  • Angeborene Fehlbildungen
  • Spinale Zysten oder andere Anomalien
  • Unzureichende Absorption von Liquor
  • Behinderung des Liquorabflusses
  • Kommunikationsstörung
  • Verstärkte Produktion von Liquor

Diagnose und Behandlung des Hydrocephalus

Die Diagnose des Hydrocephalus basiert auf der klinischen Untersuchung, bildgebenden Verfahren (CT, MRT) und der Liquordruckmessung.

Die Behandlung des Hydrocephalus zielt darauf ab, den Liquorabfluss zu verbessern und den Hirndruck zu senken. Zu den Behandlungsmethoden gehören:

  • Liquorableitung (z.B. externe Ventrikeldrainage)
  • Shunt-Versorgung (Ableitung von Hirnwasser in die Bauchhöhle)

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