Das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München bietet eine umfassende neurologische Notfallversorgung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Versorgung, von der Akutbehandlung bis hin zu spezialisierten Sprechstunden und Forschungsaktivitäten.
Neurologische Notfälle: Akutversorgung und Kompetenz
Die Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar stehtPatienten rund um die Uhr zur Verfügung. Bei Symptomen, die auf eine neurologische Erkrankung hindeuten, erfolgt die Behandlung primär durch ein ständig präsentes neurologisches Dienst-Team.
Ablauf in der Notaufnahme
- Telefonische Vorabinformation: Bei Zuweisung eines Patienten zur neurologischen Mitbeurteilung/Zweitmeinung ist eine telefonische Vorabinformation unter 089-4400-0 erwünscht.
- Unterlagen: Dem Patienten sollten ein Arztbrief und ggf. Vorunterlagen mitgegeben werden.
- Zeitkritische Fälle: Für Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall, epileptischen Anfall oder Vigilanzminderung wird eine Zuweisung über die Rettungsleitstelle empfohlen.
- Ersteinschätzung: Jeder Patient erhält eine Ersteinschätzung nach Dringlichkeit mithilfe des Emergency Severity Index (ESI). Die Wartezeiten richten sich nach dem Ergebnis der Ersteinschätzung und dem Patientenaufkommen.
- Akutdiagnostik und -therapie: Das Behandlungsangebot beschränkt sich auf die notwendige Akutdiagnostik und -therapie.
- Arztbericht: Bei Abschluss der Behandlung erhalten alle Patienten einen fertigen Arztbericht.
Besonderheiten der Notfallversorgung
- Dringliche Krankheitsbilder: Eine Erstbehandlung ist unabhängig von Bettenkapazitäten möglich.
- Stationäre Aufnahme: Bei limitierten Ressourcen kann eine stationäre Aufnahme im Klinikum Grosshadern ggf. nicht garantiert werden, aber die Weiterversorgung wird sichergestellt.
- Akute Krankheitsbilder: Das Behandlungsangebot ist auf akute Krankheitsbilder beschränkt.
- Keine Terminvereinbarung: Termine für eine bevorzugte Behandlung unabhängig vom Ergebnis der Ersteinschätzung können nicht vereinbart werden.
- Keine Behandlung chronischer Erkrankungen: Eine Diagnostik von schon länger bestehenden Beschwerden und eine Behandlung von nicht-dringlichen oder chronischen Erkrankungen werden in der Notaufnahme nicht angeboten. Dafür sollen sich Patienten an einen niedergelassenen Neurologen wenden.
Spezialsprechstunden und Ambulanzen
Für bestimmte neurologische Erkrankungen, Fragestellungen und Therapien bietet das Klinikum rechts der Isar spezialisierte Sprechstunden an.
Neuroimmunologische Ambulanz
Hier werden Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen betreut. Sämtliche diagnostische Methoden zur Abklärung und Verlaufskontrolle stehen zur Verfügung. Ziel ist eine individuell maßgeschneiderte Therapie. Infusionstherapien sind in der Ambulanz möglich.
Vorgehensweise: Vorab sind Vorbefunde und eine Überweisung eines Neurologen einzureichen. Das Ärzteteam entscheidet nach Sichtung über eine Terminvergabe.
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Ambulanz für Bewegungsstörungen
Die Ambulanz behandelt das gesamte Spektrum von Bewegungsstörungen, einschließlich Hypokinese, Hyperkinese und fehlerhafter Bewegungsausführung.
Beispiele:
- Morbus Parkinson und atypische Parkinsonsyndrome
- Dystonieformen (Blepharospasmus/Meige-Syndrom, zervikale Dystonie, Schreibkrampf)
- Restless-Legs-Syndrom (RLS)
- Choreatiforme Bewegungsstörungen
- Hemispasmus facialis
- Fokale Spastik
Diagnostik und Therapie: Umfassende Diagnosestellung (inkl. moderner Bildgebung) und individualisierte Therapie. Bei fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankungen werden weiterführende Therapien wie Tiefenhirnstimulation angeboten. Therapie der Wahl bei Dystonien und Spasmen ist oft eine Behandlung mit Botulinumtoxin.
Neurovaskuläre Ambulanz
Die neurovaskuläre Ambulanz betreut Patienten mit komplexen neurovaskulären Erkrankungen (Erkrankungen der Hirn- und Rückenmarksgefäße). Es werden Nachuntersuchungen nach stationärem Aufenthalt angeboten, insbesondere bei kontrollbedürftigen Befunden oder zur Entscheidung über sekundärpräventive Maßnahmen.
Schwerpunkte:
- Unterstützung niedergelassener Kollegen bei der Indikationsstellung für gefäßrekonstruktive Eingriffe.
- Enge Zusammenarbeit mit dem zertifizierten interdisziplinären Gefäßzentrum und der Neuroradiologie.
- Besprechung ausgewählter Fälle im wöchentlichen Gefäßboard.
Diagnostik: Die Ambulanz verfügt über das gesamte Spektrum moderner nichtinvasiver Untersuchungsverfahren.
Neuroonkologische Ambulanz
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für Diagnostik und Therapie notwendig, um für alle neuroonkologischen Patienten unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Prognose individuell die Diagnostik und ein optimales Behandlungskonzept festzulegen. Neben dem Einsatz modernster tumorspezifischer Verfahren müssen der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität höchste Priorität besitzen.
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Ambulanz für Motoneuronerkrankungen
Die Ambulanz diagnostiziert und behandelt Patienten mit Motoneuronerkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Spinale Muskelatrophie (SMA).
Aufgaben:
- Stellung bzw. Sicherung einer Diagnose oder Beurteilung einer Verdachtsdiagnose ("Zweitmeinung").
- Ärztliches Gespräch und umfassende körperliche Untersuchung.
- Laborchemische Analysen, elektrophysiologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren.
- Molekulargenetische Untersuchungen.
- Detaillierte Beratung hinsichtlich Prognoseabschätzung und Behandlungsmöglichkeiten.
Therapiekonzept: Umfasst Medikamente, Hilfsmittel, Heilmittel und Unterstützung bei Schluck- und Atemstörungen. Ziele sind die Verbesserung der Lebensqualität, die Verzögerung des Krankheitsfortschrittes sowie die Prävention und Behandlung von Komplikationen.
Ambulanz für Muskelerkrankungen
Die Ambulanz diagnostiziert und betreut Patienten mit erblichen und erworbenen Muskelerkrankungen (z.B. Muskeldystrophien, Myositis).
Diagnostik: Ärztliche Untersuchung, Laboruntersuchungen, elektrophysiologische Untersuchungen und MRT der Muskeln. In ausgewählten Fällen ist eine Muskelbiopsie notwendig.
Therapie: Mitbetreuung einer ursächlichen Therapie (sofern verfügbar), Unterstützung bei der symptomatischen Therapie und Verordnung von Hilfs- und Heilmitteln.
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Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen
Die Ambulanz diagnostiziert und betreut Patienten mit erblichen neurologischen Erkrankungen, insbesondere Muskelerkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Polyneuropathien und Bewegungsstörungen.
Diagnostik: Ausführliche Erhebung der Familiengeschichte, klinische Untersuchung von Familienmitgliedern und molekulargenetische Diagnostik ("Next-Generation-Sequencing").
Ambulanz für Musikermedizin
Die Ambulanz bietet ein spezialisiertes Präventions-, Diagnose- und Therapieangebot für Musikerinnen mit spiel- bzw. gesangsbedingten Beschwerden. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit professionellen Musikerinnen und Musikpädagogen und Musikpädagoginnen.
Forschung und Innovation
Die Klinik und Poliklinik für Neurologie am Klinikum rechts der Isar forscht intensiv an neuen Diagnose- und Therapieverfahren. Die Forschungsaktivitäten umfassen Projekte im neurobiologischen Grundlagenlabor, auf dem Gebiet der Biomarkerforschung, im Bereich der Bildgebung sowie im Bereich klinischer Studien. Im Rahmen des Kompetenznetz Parkinson und des DZNE besteht eine Verbindung mit anderen universitären Zentren, um gemeinsam die Erforschung von Bewegungsstörungen voranzutreiben.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der neurologischen Versorgung am Klinikum rechts der Isar. Dies betrifft insbesondere die Zusammenarbeit mit der Neuroradiologie, dem Gefäßzentrum und anderen Fachbereichen.
Fortbildungsveranstaltungen
Das Klinikum rechts der Isar engagiert sich in der Fortbildung von Ärzten. So fand beispielsweise vom 19. bis 21. September ein Jungärzte Refresher Livestream statt, der neurologische Notfälle thematisierte.
Themen der Fortbildung:
- Hypertensive Krise, Hypertonie
- Notfall beim Kind mit Fallbeispielen
- Der schlaflose und „verwirrte“ Patient im Nachtdienst - Differentialdiagnostik und Therapie des Delirs
- Orthopädische und traumatologische Notfälle
- Gynäkologische und geburtshilfliche Notfälle
- Infektionen der Haut - Blickdiagnosen
- Die richtige Verabreichung von Antibiotika anhand infektiologischer Fallbeispiele
- Pneumologische Notfälle anhand von Fallbeispielen
- Lungenfunktionsdiagnostik in der Praxis
- Akutaufnahme eines instabilen Patienten - Prioritäten
- Sedierung, Schmerztherapie und Narkose in Notfallsituationen
- Arterielle Blutgasanalyse - Interpretation
- Arzneimittelinteraktionen
- Akutes Abdomen und andere gastroenterologische Notfälle
- Abklärung abdomineller Schmerzen
- Der psychisch instabile Patient in der Notaufnahme
- Notfallmanagement Diabetes
- Labordiagnostik in der Notaufnahme
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