Hirntumoren im Rückenmark sind eine besondere Herausforderung in der Neuroonkologie. Sie können von verschiedenen Zelltypen des Nervensystems ausgehen und sowohl gutartig als auch bösartig sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Hirntumoren im Rückenmark, einschließlich ihrer Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und der Bedeutung einer interdisziplinären Betreuung.
Einführung
Primäre Tumoren des Gehirns und Rückenmarks sind Neubildungen, die im zentralen Nervensystem entstehen. Das bedeutet, dass sie von der Gehirn- bzw. Rückenmarksubstanz selbst oder den sie umgebenden Hirnhäuten ausgehen. Tumoren, die ihren Ursprung von den im Schädelinnern gelegenen Hirnnerven oder den in der Wirbelsäule liegenden Nervenwurzeln des Rückenmarks nehmen, werden oft hinzugerechnet, gehören aber von ihrem Ursprung her bereits zu den Neubildungen des peripheren Nervensystems.
Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen sind primäre Tumoren des Gehirns und Rückenmarks deutlich seltener und machen insgesamt nur etwa 2 % aller Krebserkrankungen aus. Jährlich erkranken in Deutschland schätzungsweise 7.040 Menschen neu an einem Tumor des Gehirns oder Rückenmarks, wobei primäre Tumoren des Gehirns wesentlich häufiger sind als primäre Tumoren des Rückenmarks. Männer sind insgesamt etwas häufiger betroffen als Frauen. Es gibt jedoch bestimmte Tumoren, wie z. B. die von den Hirnhäuten ausgehenden Meningeome, die bei Frauen deutlich öfter vorkommen. Prinzipiell können Gehirn- und Rückenmarkstumoren in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten sind Menschen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr betroffen. Ein zweiter, wesentlich kleinerer Häufigkeitsgipfel findet sich im Kindesalter.
Arten von Hirntumoren
Hirneigene Tumoren (Geschwülste, die vom Hirngewebe selbst ausgehen) treten in vielen Formen auf, von gutartig bis bösartig (rasch wachsend und nur schwer heilbar). Tumoren der Hirnhaut und des Rückenmarks, z. B. Meningeome (Tumoren der harten Hirnhaut) und Neurinome (Tumore der Hirnnerven), sowie Hirnmetastasen anderer Primärtumoren (z. B. Lungen-/Brust-/Nierenkrebs etc.) werden heutzutage am häufigsten diagnostiziert.
Primäre Tumoren des Gehirns und Rückenmarks umfassen eine große Vielfalt verschiedener Tumorarten, die ihren Ursprung von unterschiedlichen Zellen des Nervensystems nehmen und sich im Hinblick auf ihr Wachstumsverhalten, das Ansprechen auf Behandlung und die Prognose erheblich unterscheiden. Die genaue Einstufung (Klassifikation) der unterschiedlichen Tumorarten sowie die Einschätzung ihrer biologischen Wertigkeit, d.h. die Unterscheidung zwischen gut- oder bösartig (Gradierung), erfolgt anhand von feingeweblichen Merkmalen, die an Schnittpräparaten des Tumorgewebes unter dem Mikroskop bestimmt werden.
Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall
Da die exakte Klassifikation die wichtigste Vorraussetzung für die Abschätzung der Prognose und die weitere Behandlungsplanung bildet, sollte das Tumorgewebe immer von einem erfahrenen Neuropathologen, d.h. einem speziell für die feingewebliche Diagnose von Erkrankungen des Nervensystems ausgebildeten Spezialisten, untersucht werden. Gemäß dieser WHO-Klassifikation wird jedem Tumor zusätzlich zur Artdiagnose ein WHO-"Grad" zugeordnet. Man unterscheidet insgesamt vier WHO-Grade. Der WHO-Grad I entspricht einem gutartigen, langsam wachsenden Tumor mit günstiger Prognose und guter Heilungschance durch eine operative Tumorentfernung.
Die WHO-Gradierung spielt nicht nur zur Beurteilung der individuellen Prognose eine wichtige Rolle, sondern dient auch als Richtschnur für die weitere Behandlung. Während Tumoren der WHO-Grade I und II oft durch eine alleinige Operation behandelt werden, erfolgt bei Tumoren der WHO-Grade III und IV nach der Operation eine zusätzliche Bestrahlung oder Chemotherapie. Das Ansprechen auf diese zusätzliche Therapie kann dabei von Tumor zu Tumor sehr unterschiedlich sein. Bestimmte Tumorarten, wie z.B. die anaplastischen Oligodendrogliome, lassen sich durch eine Behandlung sehr gut und langfristig kontrollieren, während andere, wie z.B. die Glioblastome, eine Tendenz haben, auch nach einer aggressiven Therapie wieder zu wachsen.
Häufige Tumortypen des zentralen Nervensystems
- Gliome: Diese Tumoren gehen vom Hirnstützgewebe (Gliazellen) des ZNS aus. Zu den Gliomen zählen Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
- Meningeome: Sie entstehen aus Zellen der Hirnhaut.
- Neurinome/Schwannome: Diese Tumoren entwickeln sich aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen.
- Medulloblastome: Sie entstehen aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn und treten vor allem im Kindesalter auf.
- Embryonale Tumoren: Ursprung in unreifen Gehirnzellen. Hiervon sind überwiegend Kinder betroffen.
- ZNS-Lymphom: Entstehung durch Veränderungen der weißen Blutzellen (Lymphozyten).
- Keimzelltumoren: Ursprung in den Keimzellen.
- Gehirntumor der Sellaregion: Diese Tumoren liegen im Bereich der knöchernen Schädelbasis (Sella turcica).
Tumoren des Rückenmarks
Das Rückenmark, welches Teil des zentralen Nervensystems ist, kann viele der Tumoren, die ebenfalls im Gehirn auftreten, aufweisen. Wesentliche Tumore im Rückenmark sind Astrozytome und Ependymome. Tumore entlang des Rückenmarkes sind Dermoide/Epidermoide, Neurofibrome/Schwannome und Meningeome.
Ursachen und Risikofaktoren
Trotz intensiver Forschungsanstrengungen sind die Ursachen für die Entstehung von primären Tumoren des Nervensystems nach wie vor weitgehend unbekannt. Bei den meisten Patienten treten diese Tumoren auf, ohne dass sich auslösende Faktoren finden lassen. Der Arzt spricht in diesem Fall von sporadischen Tumoren und unterscheidet diese von den erblichen Tumoren. Unter den Patienten mit einem primären Gehirn- oder Rückenmarktumor liegt allerdings nur zu einem geringen Prozentsatz ein Erbleiden vor, das die Entstehung von Tumoren im Nervensystem fördert. Hierzu gehören u.a. Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die für das Auftreten von anderen Krebserkrankungen von großer Bedeutung sind, wie z.B. Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum, spielen für die Entwicklung von primären Tumoren des Gehirns und Rückenmarks keine Rolle. Ebenso wenig gibt es überzeugende Beweise dafür, dass Stress oder ungewöhnliche seelische Belastungen diese Tumoren auslösen.
Für die in jüngerer Zeit aufgeworfene Vermutung, dass bestimmte Umwelteinflüsse, wie z.B. eine verstärkte Belastung des Gehirns mit elektromagnetischen Feldern im Bereich von Hochspannungsleitungen oder die übermäßige Nutzung von Mobiltelefonen, zu einer Zunahme von Gehirntumoren führt, gibt es bislang ebenfalls keine Belege. Lediglich die direkte radioaktive Bestrahlung des Nervensystems, wie sie gelegentlich zur Behandlung anderer lebensbedrohender Erkrankungen, z.B. der akuten Leukämie, notwendig ist, geht mit einem leicht erhöhten Risiko für Tumoren des Gehirns und der Hirnhäute einher. Radioaktive Bestrahlung ist nur bei einem Bruchteil der Patienten mit zentralnervösen Tumoren als auslösender Faktor von Bedeutung.
Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige
Risikofaktoren im Überblick
- Erbliche Krankheitsbilder: Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie eine Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
- Familiäre Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Symptome
Welche Beschwerden eine Patientin oder ein Patient mit Gehirntumor hat, hängt von der Größe und Lage des Tumors ab.
Abhängig von der Lokalisation im Bereich der Wirbelsäule, also ob im Bereich der Hals-, Brust-, oder Lendenwirbelsäule eine Raumforderung (= Volumenzunahme im Körperinneren) auftritt, unterscheiden sich die Symptome. Rückenmarkstumoren fallen in der Regel aber durch neurologische Ausfälle wie Gefühls- oder Gangstörungen und Lähmungen auf.
Im Fall der sehr seltenen AV Fistel zeigen sich schleichend klinische Symptome wie Gefühlsstörungen und Lähmungen, die durch eine Schwellung des Rückenmarks entstehen.
Symptome bei Kindern
Zum Zeitpunkt, an dem Kinder mit Gehirntumoren diagnostiziert werden, sind diese häufig relativ groß. Milde und uncharakteristische Beschwerden lassen sich oft im Rückblick über Monate bis Jahre erkennen. Zwei Hauptfaktoren scheinen hierfür verantwortlich zu sein: Zum einen reagieren kleinere Kinder, die Symptome nicht präzise ausdrücken und verstehen können, mit einer Verhaltensänderung oder Kompensation im Rahmen ihrer Entwicklung. Zum anderen kann das sich entwickelnde Nervensystem den raumfordernden Effekt einer langsam wachsenden Tumormasse sehr lange kompensieren.
Typische Hirndrucksymptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen treten von daher viel häufiger im Rahmen der üblichen Kindererkrankungen auf. Bei Kleinkindern unter 2 Jahren sind oft die einzigen Symptome Gedeihstörung, Entwicklungsverzögerung und Gereiztheit, die schwer einer zugrunde liegenden neurologischen Ursache zuzuordnen sind.
Lesen Sie auch: Epilepsie durch Hirntumor
Die häufigsten Beschwerden lassen sich in drei Kategorien einteilen: erhöhter intrakranieller Druck, umschriebene Ausfälle von Funktionen und Krampfanfälle. Anfälle sind in der Regel mit langsam wachsenden Gliomen vergesellschaftet. Das mehrmalige Auftreten von Krampfanfällen sollte deshalb zu einer diagnostischen Abklärung führen.
Tumore im oder entlang des Rückenmarkes sind ebenfalls durch schleichende Beschwerden charakterisiert. Diese sind typischerweise für Monate bis Jahre vorhanden, bevor die Diagnose etabliert wird. Wichtige Frühzeichen sind die Rückenverkrümmung (Skoliose), die bei ¼ bis ⅓ aller Patienten existiert und der diffuse Rücken- und Nackenschmerz. Lähmungserscheinungen sind aufgrund des schleichenden Auftretens bei älteren Kindern eher milde und nur etwa 20% der Patienten beklagen Gefühlsstörungen.
Diagnose
Besteht der Verdacht auf einen Hirntumor sind die wichtigsten Methoden zur sicheren Diagnose die Magnetresonanztomografie (MRT) und die Computertomografie (CT) des Kopfes. Dabei werden Schnittbildaufnahmen des Gehirns angefertigt, auf denen der Hirntumor in den meisten Fällen gut erkannt werden kann. Auch eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) kann in bestimmten Fällen weitere Hinweise liefern.
Bei Tumoren der Wirbelsäule und des Rückenmarks muss neben Nervenstrommessungen (Messung der Nervenleit-geschwindigkeit; lässt auf Vorliegen von Nervenschädigungen schließen) und einer ausführlichen klinisch-neurologischen Untersuchung ebenfalls eine neuroradiologische Bildgebung in einem MRT („Röhre“) durchgeführt werden. Es werden Dünnschicht-MRT-Bilder (mit 1 mm oder weniger Schichtdicke der Kontrastmittel-, Nativ- und T2- sowie CISS-Spezial-sequenzen) zur Darstellung der Nerven benötigt. Arteriovenöse Fisteln werden nach der Diagnose im MRT angiographisch (= die Gefäßdarstellung betreffend) mit einer DSA dargestellt.
Biopsie
Um die Diagnose zu sichern und die Art des Tumors festzustellen, ist in der Regel eine Gewebeprobe notwendig. Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, bekommt die Patientin oder der Patient in der Regel während einer Operation aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn Gewebe entnommen (Biopsie). Das ist notwendig, um die Diagnose abzusichern. Nach der Biopsie untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.
Die Gewebsentnahme (Biopsie) zur Sicherung der Artdiagnose und Weichenstellung für die weitere Therapie wird routinemäßig unter Zuhilfenahme der Neuronaviagtion durchgeführt. Die häufigsten Indikationen sind mehrfach auftretende Tumoren in verschiedenen Lokalisationen (wie z.B. bei metastasierenden Erkrankungen) sowie diffus wachsende Tumoren in kritischen Lokalisationen (z.B. Lymphome).
Diagnostik bei Kindern
Ergibt sich der Verdacht auf einen Tumor im Bereich von Gehirn oder Rückenmark, ist eine umgehende Kernspintomographie (MRT) inklusive Kontrastmittel die Methode der Wahl. Da die Diagnostik meist nicht innerhalb von Stunden erzwungen werden muss, ergeben sich wenige Indikationen für eine „orientierende“ Computertomographie (CT).
Die Probeentnahme von Tumorgewebe im Vorfeld der eigentlichen Therapieentscheidung ist nur für sehr wenige kindliche Gehirntumore sinnvoll. Dies liegt unter anderem daran, daß für die Mehrzahl der Tumoren die vollständige Entfernung die Grundlage der Therapie ist.
Die Ausbreitungsdiagnostik beschränkt sich, wenn überhaupt, auf eine MRT-Untersuchung des Rückenmarkkanals. Mit einer Aussaht in andere Organsysteme ausserhalb von Gehirn/Rückenmark muß nicht gerechnet werden.
Nach einer Operation erfolgt eine sehr aufwändige Analyse des entfernten Tumorgewebes durch die Neuropathologie. Neben konventioneller Begutachtung unter dem Mikroskop werden auch Spezialfärbungen (Immunhistochemie) und molekulargenetische Untersuchungen des Tumors durchgeführt, um eine möglichst präzise Diagnose des Tumors nach aktuellsten Kriterien (WHO Klassifikation 2016) zu erhalten. Die exakte Zuordnung des Tumorgewebes bildet die Voraussetzung für die gesamte nachfolgende Therapie und ist damit ein zentraler Baustein einer erfolgreichen Behandlung.
Therapie
Die Therapie von Hirntumoren orientiert sich am Alter des Patienten, der Lage und Aggressivität des Tumors. Wichtig ist daher im Vorfeld eine exakte Diagnostik. Für die Therapie von Hirntumoren kommen verschiedene Behandlungsmethoden in Frage. Für die Festlegung der Therapie bestimmt man in einem ersten Schritt die Klassifikation und Graduierung des Tumors.
Die Behandlung von Patienten und Patientinnen mit einem Tumor des zentralen Nervensystems ist sehr komplex und ist eine besondere Herausforderung. Neben der Neurochirurgie und der Neurologie sind zahlreiche weitere Fachgebiete wie z.B. Neuroradiologie, Neuropathologie und Strahlentherapie an der Diagnostik, Therapie und Weiterbetreuung beteiligt. In den interdisziplinären Tumorkonferenzen werden Behandlungen Interdisziplinär besprochen. In der Diagnostik und Behandlung kommen moderne Geräte und minimalinvasiven Operationsverfahren zum Einsatz.
Wichtige Information: Für eine bestmögliche Therapie sollte die Behandlung immer in einem speziellen neuroonkologischen Zentrum erfolgen.
Operative Behandlung
Die offene, in der Regel mikrochirurgisch vorgenommene Tumorresektion, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme der Neuronavigation, ist oft die Therapie der Wahl. In unkomplizierten Fällen dauert der stationäre Aufenthalt etwa eine Woche bis zehn Tage. Die Operation bei Hirntumoren erzielt eine Verkleinerung, im besten Fall sogar die vollständige Entfernung des Tumors.
Bei Tumoren im Bereich des Rückenmarks gibt es zunächst die Möglichkeit der Behandlung durch einen operativen mikrochirurgischen Eingriff. Bei einem derartigen Eingriff werden minimalinvasive endoskopie-gestützte Operationstechniken eingesetzt. Dies gewährleistet, dass der operative Zugang nicht größer als notwendig ist, wodurch PatientInnen u. a. eine schnellere Erholung erfahren.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie bei Hirntumoren wirkt lokal und kommt zum Einsatz, wenn der Tumor nicht mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt werden kann oder aufgrund der Lage inoperabel ist. Gerade im sensiblen Kopf- und kraniospinalen Bereich kommt der Strahlentherapie daher eine ganz besondere Bedeutung zu. Häufig muss eine Strahlentherapie bei Hirntumoren innerhalb weniger Wochen im Anschluss an eine Operation beginnen, um so ein erneutes Tumorwachstum zu vermeiden.
Die konventionelle Radiotherapie dauert zumeist vier bis sechs Wochen und wird fünf mal am Tag durchgeführt. Grundlage der Bestrahlung sind die dreidimensionale Planung sowie die Bildfusion von Kernspin- und Computertomographie. In ausgewählten Situationen kann bei Patienten mit Hirntumoren und auch bei schon vorbehandelten Patienten eine stereotaktische Radiotherapie sinnvoll sein, die ambulant in einer oder wenigen Bestrahlungssitzungen ambulant durchgeführt wird.
Protonentherapie
Die Protonenbestrahlung ist ein modernes und besonders schonendes Verfahren zur Strahlentherapie von Hirntumoren. Das hat gerade bei der Bestrahlung von ZNS-Tumoren einen großen Vorteil. Dadurch, dass Gehirn-, Rückenmark-, Hör- und Sehstrukturen wenig oder sogar keine Strahlung abbekommen, werden potentielle Nebenwirkungen reduziert. Grundsätzlich ist die Protonentherapie mit anderen Therapien kombinierbar. Beispielsweise kann sie im Anschluss an eine Operation eingesetzt werden, um die Tumorzellen zu zerstören, die operativ nicht entfernt werden können.
Chemotherapie
Eine Chemotherapie bei Hirntumoren wird angewandt, um die Krebszellen abzutöten oder ihre Vermehrung zu stoppen. Sie erfolgt systemisch, d.h. sie entfaltet sich im gesamten Körper. Zum einen kann sie vor der Operation (neoadjuvant) durchgeführt werden, um den Tumor im Vorfeld zu verkleinern.
Definitiv bösartige Tumoren (hochmaligne Gliome: anaplastische Astrozytome, Glioblastome) sollten, wenn möglich, immer operiert und danach radio- und/oder chemotherapiert werden. Diese Kombination führt zu den besten Ergebnissen. Allerdings ist die Heilungschance bei diesen Tumoren insgesamt gering.
Behandlung von spinalen AV-Fisteln
Die Behandlung von spinalen AV-Fisteln (=zur Wirbelsäule, zum Rückenmark gehörend) erfolgt entweder interventionell (mit einem Katheter, der über die Leiste unter Röntgen-durchleuchtung eingebracht wird) durch Verkleben des Kurzschlusses zwischen einer Arterie und einer Vene oder operativ, wenn das Verkleben nicht möglich ist.
Therapie bei Kindern
Die Behandlung von Tumoren von Gehirn/Rückenmark (zentrales Nervensystem = ZNS) des Kindes- und Jugendalters ist grundsätzlich interdisziplinär angelegt und findet in Deutschland seinen wissenschaftlichen und strukturellen Rahmen im „Behandlungsnetzwerk für Kinder mit Hirntumoren“ (HIT), welches von der Deutschen Kinderkrebsstiftung gefördert wird.
Für die ganz überwiegende Zahl der Hirntumoren stehen entsprechende Behandlungsprotokolle zur Verfügung, die alle 5-10 Jahre neu aufgelegt werden. Durch Einbindung von Referenzzentren für Diagnostik und Therapie wird ein hohes Maß an Standardisierung, Qualitätskontrolle und Sicherheit für den Patienten erreicht. Seit 2017 ist Tübingen und Berlin (die beiden größten Behandlungszentren für pädiatrische Hirntumore in Deutschland), kinderneurochirurgischen Referenzzentrum des HIT Netzwerkes, weitere Referenzzentren finden sich in Heidelberg und Hamburg.
Über 90% der ungefähr 500 Neuerkrankungen pro Jahr werden zur Zeit innerhalb der jeweiligen Studien behandelt.
Neurochirurgische Therapie bei Kindern
Für die große Mehrzahl aller kindlichen Gehirn- und Rückenmarkstumoren steht die neurochirurgische Therapie am Anfang des Behandlungskonzeptes.
Die moderne mikrochirurgische Therapie ist darauf ausgerichtet, die vollständige Entfernung des Tumors ohne dauerhafte Verschlechterung des Kindes zu erreichen, gepaart mit Verbesserung oder Verschwinden der prä-operativen Beschwerden. Sorgfältige und individualisierte Planung der Operation auf der Basis hochwertiger MRT Bildgebung, die je nach Lokalisation des Befundes ergänzt werden sollte durch die Darstellung von Motorik und Sprache, Darstellung relevanter Faserbahnsysteme, Charakterisierung des Stoffwechsels, Darstellung von Blutgefäßen und Hirnnerven. Vieles davon können wir dank einer spezialisierten Forschergruppe in Kinderklinik und Neuroradiologie häufig bereits für relativ kleine Kinder realisieren. Sehr stark durchblutete Tumore können in ihrer Gefäßstruktur dargestellt und ggf. Das häufig geringe Blutvolumen der Patienten macht eine äußerst blutsparende Operationstechnik ab Hautschnitt notwendig sowie ggf. den frühzeitigen Ersatz von Blut und Gerinnungsfaktoren. Die Aufrechterhaltung eines altersentsprechend guten Blutdruckes während der gesamten Operation ist wichtig. Der Einsatz der „Neuronavigation“ dient neben der präzisen Planung des Zugangs zum Tumor auch der Orientierung während der Operation.
Strahlentherapie bei Kindern
An den operativen Eingriff schließt sich bei den bösartigen Hirntumoren fast immer die Strahlentherapie an, wenn die Kinder hierfür nicht zu jung sind. Die Strahlentherapie als wichtige Säulen der Tumorbehandlung hilft die Prognose für die Heilung bösartiger Tumore entscheidend zu verbessern. Je nach zugrunde liegender Tumorart, Stadium der Erkrankung (z.B. mit oder ohne Metastasierung) und Alter des Kindes sind unterschiedliche Kombinationen von Chemo- und Strahlentherapie in den jeweiligen Studienprotokollen empfohlen.
Chemotherapie bei Kindern
Die Chemotherapie wird bei praktisch allen bösartigen Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter in der Weiterbehandlung zusätzlich zur Operation und Bestrahlung eingesetzt. Auch bei „gutartigen“ Tumoren, die nicht oder nicht vollständig entfernt werden konnten und die weiter wachsen, ist die Chemotherapie Bestandteil aktueller Behandlungskonzepte. Im Gegensatz zur Chirurgie und Strahlentherapie als nur „vor Ort“ wirkende Therapie, hat die Chemotherapie einen Effekt im ganzen Körper. Trotz dieses „Nachteiles“ kann sie dadurch auch kleine Fernabsiedlungen im Gehirn und Rückenmark erreichen.
Zielgerichtete Therapien bei Kindern
Auf der Basis der heute im Rahmen des HIT Netzwerkes routinemäßig zur Verfügung stehenden molekulargenetischen Charakterisierung und Klassifizierung der kindlichen Hirntumore kann man bei Nachweis eine krankheitsverursachenden Mutation ggf. zusätzlich zur Chemotherapie sogenannte „Zielgerichtete Therapien" einsetzen. Bei einer zielgerichteten Therapie werden „Inhibitoren“ verabreicht, die gezielt die Folgen der spezifischenMutation im Stoffwechsel des Tumors wieder abschalten sollen.
Behandlungen von Rückfällen bei Kindern
Rückfälle (Wiederkehr) von meist bösartigen Hirntumoren treten in der Regel in den ersten 1-3 Jahren nach Diagnosestellung auf und nach 5 Jahren wird ein Rückfall immer unwahrscheinlicher. Für Rückfälle stehen entsprechende „Rezidivprotokolle“ im Rahmen des HIT Netzwerkes zur Verfügung. Auch hier wird wenn möglich nochmals eine Operation vorgeschaltet.
Supportive Therapie
Der Gehirntumor selbst oder Nebenwirkungen einer Therapie können Beschwerden auslösen. Ziel einer supportiven Therapie ist es, solche Beschwerden zu lindern. Sie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen.
Reha und Nachsorge
Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.
Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen:
- Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht.
- Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten.
- Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.
So läuft eine Nachsorgeuntersuchung ab: Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).
Therapiefolgen bei Kindern
Die Therapiefolgen werden durch die Summe der Einflüsse des Tumors (Ausfälle vor der Operation), eines begleitenden Hydrozephalus (oder Komplikationen seiner Behandlung), der Operation, der Chemotherapie und der Bestrahlung bestimmt.
Zu den möglichen Folgezuständen gehören Ausfallerscheinungen, Einbrüche der Gehirnleistung (Gedächtnis, Ausdauer, Erfassungsgabe, Konzentration, Orientierung), Wachstumsbehinderung, Hormondefizite, Hör- und Sehstörungen. Ein wichtiger Faktor für das Ausmaß der Spätfolgen ist auch das Alter bei Therapie.
tags: #hirntumor #in #den #rucken #abgelaufen