Ernährungsempfehlungen bei neurologischen Erkrankungen: Ein umfassender Leitfaden

Neurologische Erkrankungen können vielfältige Ursachen haben und das Nervensystem in unterschiedlicher Weise beeinträchtigen. Oftmals ist eine spezielle Ernährungstherapie notwendig, um Mangelernährung vorzubeugen oder zu behandeln. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Ernährung bei neurologischen Erkrankungen, gibt Empfehlungen zur Vorbeugung und Therapie und fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Einführung

Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems befasst. Diese Erkrankungen können das Gehirn, das Rückenmark oder die Nervenfasern betreffen und sehr unterschiedliche Ursachen haben. Beispiele für neurologische Erkrankungen sind Morbus Parkinson, Hirntumore, Infektionskrankheiten des Nervensystems, Multiple Sklerose und Schlaganfall. Aufgrund der weitreichenden Folgen einiger neurologischer Krankheiten kann der Nährstoffbedarf manchmal nur noch über eine künstliche Ernährung gedeckt werden.

Bedeutung der Ernährung bei neurologischen Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen können unterschiedliche Störungen verursachen. Oft ist das Zusammenspiel von Muskeln und Nerven beeinträchtigt, weil die Signalverarbeitung im Gehirn gestört ist oder die Nerven die Signale nicht mehr richtig weiterleiten können. Eine häufige Folge neurologischer Krankheiten ist die Dysphagie, eine Schluckstörung. Sie entsteht, wenn die entsprechenden Muskelgruppen, die am Schluckvorgang beteiligt sind, über die Nerven nicht mehr richtig gesteuert werden. Ursachen dafür können ein akuter Schlaganfall, Morbus Parkinson oder auch die Huntingtonsche-Krankheit (Chorea Huntington) sein.

Liegt eine Schluckstörung vor, besteht das Risiko einer Mangelernährung. Diese lässt sich vermeiden oder bekämpfen, indem die betroffenen Patienten künstlich ernährt werden. Auch dem gesteigerten Nährstoff- und Energiebedarf, der bei einigen neurologischen Erkrankungen auftritt, kann durch die künstliche Ernährung entgegengewirkt werden. So lässt sich verhindern, dass eine Mangelernährung entsteht. Ist eine künstliche enterale Ernährung möglich, erhalten die Patienten alle Nährstoffe über Trinknahrung oder über eine Ernährungssonde. Für den Fall, dass keine enterale Ernährung möglich ist, steht die parenterale Ernährung zur Verfügung. Hier erhalten die Patienten alle Nährstoffe über ein Infusionsprogramm.

S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Neurologie“

Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Fachgesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel hat die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Neurologie“ aktualisiert. An der Aktualisierung hat sich auch die Arbeitsgruppe „Ernährung und Stoffwechsel“ der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) beteiligt. Die Leitlinie enthält 75 Empfehlungen zur Ernährung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen.

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Die Leitlinie hilft dabei, das Risiko von Mangelernährung, Dehydration und Lungenentzündungen bei Patienten mit einer neurologischen Erkrankung zu reduzieren, betonte Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation im Marienhospital Herne und Lehrstuhlinhaber für Geriatrie an der Ruhr-Universität Bochum. Viele Patienten hätten durch ihre Erkrankung erhebliche Schwierigkeiten, sich adäquat zu ernähren. In der Konsequenz verlören sie an Gewicht und bauten Muskulatur ab, so Wirth. Das wiederum führe zu Einschränkungen von Beweglichkeit und Selbstständigkeit.

Ein Abschnitt der Leitlinie widmet sich dem Thema „Schluckstörungen“. Neben einer unzureichenden Ernährung können diese wegen des Aspirationsrisikos auch zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen führen. Da manche Patienten ihre Schluckstörungen nicht bemerken, bedürfe es in diesen Fällen spezieller Untersuchungsmethoden.

Ernährung zur Vorbeugung neurologischer Erkrankungen

In der Welt der Neurologie ist die Erkenntnis, dass Ernährung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit des Nervensystems hat, längst kein Geheimnis mehr. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Wahl des Lebensstils einen Unterschied bei der Prävention machen kann. Im Mittelpunkt stehen dabei Schritte, die die Gehirngesundheit fördern, fortschreitende krankhafte Prozesse aufhalten, neuronale Schäden reparieren und unsere geistige Leistungsfähigkeit erhalten. Auch bei häufigen neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer und Schlaganfall kann man durch eine förderliche Lebensweise Risikofaktoren positiv beeinflussen und reduzieren.

Omega-3-Fettsäuren: Die Gehirnfutter-Helden

Beginnen wir mit den Omega-3-Fettsäuren, den wahren Helden für Ihr Gehirn. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA und DHA, nicht nur entzündungshemmende Eigenschaften haben, sondern auch die neuronale Funktion verbessern können. Ein kürzlich durchgeführtes Review stellte fest, dass eine erhöhte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren mit einem verringerten Risiko für neurologische Erkrankungen wie Alzheimer-Krankheit und Schlaganfall assoziiert ist. Ein Beispiel für die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren stammt aus einer Studie, in der Probanden mit Multipler Sklerose, die regelmäßig fetten Fisch in ihre Ernährung aufnahmen, eine signifikante Verringerung der Krankheitsaktivität und eine Verbesserung der Lebensqualität zeigten.

Antioxidantien: Die Schutzschilder gegen Zellschäden

Als nächstes werfen wir einen Blick auf Antioxidantien, die wahren Schutzschilder gegen Zellschäden. Oxidativer Stress, verursacht durch freie Radikale, ist ein entscheidender Faktor bei der Entstehung und Progression neurologischer Erkrankungen. Doch Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin können diesem Prozess entgegenwirken, indem sie freie Radikale neutralisieren und die Zellen vor Schäden schützen. Eine kürzlich durchgeführte Metaanalyse ergab, dass eine Ernährung, die reich an antioxidativen Lebensmitteln ist, mit einem reduzierten Risiko für neurologische Erkrankungen wie Alzheimer-Krankheit und Parkinson-Krankheit assoziiert ist. Ein Beispiel für die Wirksamkeit von Antioxidantien stammt aus einer Studie, in der Patienten mit Migräne, die regelmäßig Beeren und grünes Blattgemüse konsumierten, eine signifikante Reduktion der Anzahl und Intensität ihrer Migräneanfälle zeigten.

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Ketogene Ernährung: Die Energiequelle für ein gesundes Gehirn

Die ketogene Ernährung hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Renaissance erlebt und ist heute eine vielversprechende Therapieoption für eine Vielzahl von neurologischen Erkrankungen. Durch die Umstellung des Stoffwechsels auf die Produktion von Ketonkörpern als alternative Energiequelle für das Gehirn kann die ketogene Ernährung eine neuroprotektive Wirkung entfalten und die Symptome vieler neurologischer Erkrankungen lindern. Eine aktuelle Metaanalyse ergab, dass die ketogene Ernährung bei Epilepsiepatienten zu einer signifikanten Reduktion der Anfallsfrequenz führen kann. Ein konkretes Beispiel für die Wirksamkeit der ketogenen Ernährung stammt aus einer Studie, in der Patienten mit Epilepsie, die eine ketogene Diät einhielten, eine dramatische Reduktion ihrer Anfallsfrequenz und eine Verbesserung ihrer Lebensqualität erlebten.

Vitamin D: Das Sonnenvitamin für Ihr Gehirn

Zu guter Letzt widmen wir uns Vitamin D, dem Sonnenvitamin, das eine entscheidende Rolle bei der neurologischen Gesundheit spielt. Vitamin D ist nicht nur wichtig für starke Knochen, sondern auch für eine gesunde Funktion des Gehirns. Eine kürzlich durchgeführte Metaanalyse ergab, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einem erhöhten Risiko für neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Parkinson-Krankheit assoziiert ist. Ein gutes Beispiel für die Bedeutung von Vitamin D stammt aus einer Studie, in der Patienten mit Multipler Sklerose, die regelmäßig Vitamin-D-Präparate einnahmen, eine signifikante Verbesserung ihrer Symptome und eine Reduktion der Krankheitsaktivität zeigten.

Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln: Die Schlüssel zur Symptomkontrolle

Zuletzt möchten wir die Bedeutung der Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln hervorheben, die für viele Patienten mit neurologischen Erkrankungen von entscheidender Bedeutung ist. Koffein, Alkohol, künstliche Süßstoffe und verarbeitete Lebensmittel können häufige Auslöser für Migräne, Kopfschmerzen und andere neurologische Beschwerden sein. Eine aktuelle Metaanalyse ergab, dass eine Reduktion des Konsums dieser Lebensmittel mit einer signifikanten Verringerung der Anzahl und Intensität von Migräneanfällen assoziiert ist. Ein Beispiel für die Wirksamkeit der Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln stammt aus einer Studie, in der Patienten mit Migräne, die ihren Konsum von Koffein und anderen potenziellen Trigger-Lebensmitteln reduzierten, eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome erlebten.

Weitere Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil

Neben einer ausgewogenen Ernährung gibt es weitere Faktoren, die zur Vorbeugung neurologischer Erkrankungen beitragen können:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige moderate Bewegung ist auch für unser Gehirn gut. Dabei sollten der Atem und Puls spürbar schneller werden, aber kein Gefühl der Erschöpfung entstehen. Empfehlenswert ist das an fünf Tagen pro Woche für jeweils mindestens 30 Minuten. Regelmäßige Aktivität fördert anti-entzündliche Prozesse im Körper und wirkt sich positiv auf die Reduzierung gefäßschädigender Risikofaktoren aus.
  • Stressbewältigung: Dauernder Stress macht krank - auch das Gehirn. Dagegen helfen können Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen und Meditation. Ziel ist es, Gedanken, Aufmerksamkeit und Emotionen positiv zu beeinflussen und körperliche Funktionen zu beruhigen, die durch Stress beeinflusst werden.
  • Guter Schlaf: Schlaf ist lebenswichtig und ein Eckpfeiler für unsere Hirn-Gesundheit. Wer nicht gut schläft, kann selbst einiges tun, wenn körperliche Gründe wie Diabetes oder Schilddrüsenfehlfunktion ausgeschlossen sind. Angefangen bei genug Bewegung bis hin zu regelmäßigen Schlafzeiten und einer wohltuenden Schlafumgebung.
  • Geistige Aktivität: Wer aktiv am Leben teilnimmt, hat ein geringeres Risiko für geistigen Abbau im Alter. Das gilt für den Beruf wie für Freizeit und Zeit mit anderen Menschen. Lesen, Rätsel, Computernutzung, Erlernen einer neuen Sprache oder eines Musikinstruments helfen fit zu bleiben.

Hochverarbeitete Lebensmittel und neurologische Risiken

Hochverarbeitete Lebensmittel, wie z. B. Süßgetränke, salzige und süße Snacks, Fertiggerichte und Frühstückszerealien, müssen nicht aufwendig zubereitet werden und können sofort verzehrt werden. Im Vergleich zu Fleisch, Gemüse oder Obst, die nicht oder nur wenig verarbeitet wurden, enthalten hochverarbeitete Nahrungsmittel häufig große Mengen an Zucker, Salz, Fett und Zusatzstoffen, um ihre Haltbarkeit zu verbessern und ihre Schmackhaftigkeit zu erhöhen. In der Regel sind sie ärmer an Proteinen, Ballaststoffen und gesundheitlich wertvollen sekundären Pflanzenstoffen.

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In vorangegangenen Studien wurde bereits festgestellt, dass ein hoher Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln mit Adipositas, Diabetes mellitus, kardiometabolischen Krankheiten und auch neurologischen Erkrankungen wie kognitivem Abbau und Schlaganfall assoziiert sind.

Eine Studie des Massachusetts General Hospital (MGH) und der Harvard Universität hat gezeigt, dass ein Anstieg des Verzehrs von hochverarbeiteten Lebensmitteln um 10% das Risiko für kognitive Beeinträchtigung um 16% erhöhte. Das adjustierte Risiko für Schlaganfall stieg bei erhöhtem Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln um 8% an. Die Aufnahme von mehr unverarbeiteten Lebensmitteln hingegen verringerte das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen um 12% und das Schlaganfallrisiko um 9%.

Diäten wie mediterrane Kost, DASH oder MIND waren unabhängig von anderen Faktoren mit einem geringeren Risiko sowohl für Schlaganfall als auch für kognitive Beeinträchtigungen verbunden.

Die mediterrane Diät als Präventive Maßnahme

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine mediterrane Ernährung, auch Mittelmeerdiät genannt. Dazu gehören viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Getreideprodukte - möglichst Vollkorn. Unser Gehirn verbraucht einen hohen Anteil an Sauerstoff und Energie (Glukose), der hauptsächlich durch die Nahrungsaufnahme gedeckt wird. Dabei gibt es keine spezifische gesundheitsfördernde Ernährungsweise. Eine zucker- und fettreiche Ernährung erhöht die Blutfette und fördert dadurch Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose), einen Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, der Schlaganfälle begünstigen kann.

Sie enthält unter anderem Olivenprodukte, deren Bestandteil Hydroxytyrosol ein Grund für die positive Wirkung sein könnte. Liegt bereits eine spezifische neurologische Erkrankung bzw. ein erhöhtes Risiko dafür, sollte eine fachgerechte Beratung erfolgen, da die mediterrane Kost nicht für alle Erkrankungen optimal geeignet ist.

Obst, Gemüse, Nüsse, Müsli und Olivenöl sind die wichtigsten Bestandteile. Fisch und Geflügel nehmen einen mittelgroßen Anteil ein. Ein geringerer Anteil entfällt auf Milchprodukte wie Joghurt und Käse, rotes Fleisch, Wurst und Süßes. Eine gute Alternative ist die sogenannte nordische Kost. Sie beinhaltet hauptsächlich Vollkorn-Getreideprodukte, heimische Beeren, Obst und Gemüse, Fisch, fettarme Milchprodukte und Rapsöl. Den Inhaltsstoffen dieser Ernährungsform werden unter anderem entzündungshemmende, antithrombotische und gefäßerweiternde Wirkungen zugeschrieben.

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