Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen nachhaltig verändert. Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall, der zu den häufigsten Todesursachen zählt und oft dauerhafte körperliche Einschränkungen nach sich zieht. Umso wichtiger ist es, sich mit Maßnahmen zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls auseinanderzusetzen.
Was ist ein Schlaganfall und welche Folgen hat er?
Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, was zum Absterben von Nervenzellen führt. Je nach Ausmaß und Lokalisation des betroffenen Hirnareals können unterschiedliche Beeinträchtigungen auftreten, wie beispielsweise Arm- und Beinlähmungen, Sprach-, Sprech- oder Sehstörungen. Auch komplexe Hirnfunktionen wie Gedächtnis, Abstraktionsvermögen, Raumorientierung und die Selbstwahrnehmung des Körpers können betroffen sein. Bis zu 40 Prozent der Betroffenen haben langfristig Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens.
Risikofaktoren für einen erneuten Schlaganfall
Das Risiko, einen erneuten Schlaganfall zu erleiden, ist nicht zu unterschätzen. Etwa jeder vierte Schlaganfall wiederholt sich, was jährlich rund 70.000 Menschen in Deutschland betrifft. Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für einen erneuten Schlaganfall erhöhen:
- Vorerkrankungen: Erkrankungen wie Arteriosklerose, Bluthochdruck (Hypertonie), Vorhofflimmern, Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas), ein hoher Cholesterinspiegel und Diabetes mellitus stellen auch nach einem Schlaganfall weiterhin Risikofaktoren dar, wenn sie unbehandelt bleiben.
- Lebensstil: Ein ungesunder Lebensstil mit Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum, ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel kann das Risiko für einen erneuten Schlaganfall erhöhen.
- Schlaganfalltyp: Forschende gehen davon aus, dass der Schlaganfalltyp die Entstehung eines zweiten beeinflussen könnte. Menschen, die zuvor einen Schlaganfall aufgrund einer Durchblutungsstörung (ischämischer Schlaganfall) erlitten haben, der durch Vorhofflimmern, eine Herzinsuffizienz oder eine Herzklappenerkrankung ausgelöst wurde, erleiden häufiger einen zweiten Hirninfarkt als Menschen mit beispielsweise einer vorangegangenen Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall).
Maßnahmen zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls
Um das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu senken, ist es wichtig, die genannten Risikofaktoren zu minimieren und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Dabei spielen folgende Maßnahmen eine entscheidende Rolle:
Medikamentöse Therapie
- Plättchenhemmer: Nach einem Schlaganfall werden in der Regel Plättchenhemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel eingesetzt, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
- Blutdrucksenkende Medikamente: Ein erhöhter Blutdruck steigert das Schlaganfall-Risiko. Ihn durch Medikamente zu senken, verringert das Risiko für einen erneuten Schlaganfall.
- Cholesterinsenkende Medikamente (Statine): Statine schützen und stabilisieren die Gefäßwände und können dadurch der Bildung von Blutgerinnseln vorbeugen.
- Antikoagulanzien: Bei Vorhofflimmern werden Antikoagulanzien eingesetzt, um die Bildung von Blutgerinnseln im Herzen zu verhindern. Hierzu gehören Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Marcumar) und direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs).
Es ist wichtig, die Medikamente konsequent in der vom Arzt bzw. der Ärztin empfohlenen Dosis und Regelmäßigkeit einzunehmen.
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Operative Eingriffe
- Entfernung von Ablagerungen in der Halsschlagader: Bei einer Verengung der Halsschlagader (Stenose) können Ablagerungen operativ entfernt werden, um das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.
- Stent-Implantation: In manchen Fällen wird ein Stent, eine Gefäßstütze aus Drahtgeflecht, in die Halsschlagader eingesetzt, um das Gefäß offen zu halten.
- Verschluss des Foramen ovale: Bei einem offenen Foramen ovale, einer Kurzschlussverbindung zwischen den Herzvorhöfen, kann ein Verschluss mittels eines kleinen Schirmchens (Okkluder) das Risiko für einen Schlaganfall reduzieren.
- Verschluss des linken Vorhofohrs: Durch den Verschluss des linken Vorhofohrs kann verhindert werden, dass sich in dieser Ausbuchtung Gerinnsel bilden und in den Körperkreislauf gelangen.
Lebensstiländerungen
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt das Herz und die Gefäße, kann sich günstig auf die Cholesterinwerte auswirken und den Blutdruck senken. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche sowie zweimal wöchentlich Krafttraining.
- Rauchstopp: Rauchen schädigt die Gefäßwände und begünstigt die Entstehung von Blutgerinnseln. Ein Rauchstopp ist daher eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die sich an der mediterranen Kost orientiert, kann das Risiko für einen erneuten Schlaganfall senken. Empfohlen werden viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Olivenöl, Vollkornprodukte, Fisch und Geflügel. Eine salzärmere Ernährung kann zudem den Blutdruck senken.
- Gewichtsabnahme: Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) können von einer Gewichtsabnahme profitieren, da Übergewicht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.
- Alkohol: Der Konsum von Alkohol sollte beschränkt werden, da Alkohol den Blutdruck erhöhen und das Risiko für Schlaganfälle begünstigen kann.
Nachsorge und Rehabilitation
Neben den genannten Maßnahmen zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls ist auch die Nachsorge und Rehabilitation von großer Bedeutung. Ziel der Rehabilitation ist es, die schlaganfallbedingten Defizite abzubauen und die Betroffenen dabei zu unterstützen, wieder ein selbstständiges Leben zu führen.
Die Rehabilitation umfasst in der Regel:
- Physiotherapie: Krankengymnastik zur Verbesserung der Beweglichkeit und Kraft.
- Ergotherapie: Training von Alltagsaktivitäten wie Essen, Anziehen und Körperpflege.
- Logopädie: Sprachtherapie zur Verbesserung der Sprach- und Sprechfähigkeit.
- Neuropsychologie: Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsstörungen.
Auch nach der Rehabilitation ist es wichtig, das Training fortzusetzen und sich weiterhin aktiv zu bewegen. Selbsthilfegruppen können eine wertvolle Unterstützung bieten, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und sich gegenseitig zu motivieren.
Die Rolle der Angehörigen
Die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle im Rehabilitationsprozess. Sie begleiten den Patienten über einen manchmal sehr langen Zeitraum und unterstützen ihn bei der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. Dabei ist es wichtig, dass auch die Angehörigen auf ihr eigenes Wohl achten und sich Unterstützung suchen, wenn sie diese benötigen.
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