Der Kuckuck und der Esel: Eine bitterböse Farce über das Filmemachen in Deutschland

Der Film "Der Kuckuck und der Esel", unter der Regie von Andreas Arnstedt, ist eine schwarzhumorige Auseinandersetzung mit den Schwierigkeiten des Filmemachens in Deutschland. Der Film, der 2014 erschien, erzählt die Geschichte des erfolglosen Autors Conrad Weitzmann, der verzweifelt versucht, die Liebesgeschichte seiner Eltern zu verfilmen.

Inhalt

Conrad Weitzmann, ein wenig erfolgreicher Autor, möchte die Liebesgeschichte seiner Eltern unter dem Titel "Der Orangenhain" verfilmen. Für ihn ist es die größte Liebesgeschichte der Welt, und er will, dass sein uralter Vater die Verfilmung noch erlebt. Er arbeitet jahrelang an seinem Drehbuch und sucht den Kontakt zu einem Fernsehsender. Tatsächlich scheint sich ein Redakteur, Stuckradt Halmer, für den Stoff zu begeistern. Conrad schreibt immer wieder neue Fassungen und nimmt unzählige Änderungen auf Wunsch des Senders vor, bis von der ursprünglichen Geschichte wenig übrig geblieben ist. Doch der Redakteur fordert immer wieder Änderungen.

Conrad muss einsehen, dass das Buch niemals fertig werden wird, auch wenn er noch weitere fünf Jahre daran arbeitet. Er fasst einen folgenschweren Entschluss: Gemeinsam mit seinem Vater Ephraim entführt er den Redakteur Stuckradt Halmer. Halmer verbringt die nächsten sechs Monate gefangen im Keller der Familie Weitzmann. Anfangs weigert er sich, mit Conrad am Drehbuch zu arbeiten, da er sich an dieses Drehbuch, das irgendwer in seiner Redaktion seit fünf Jahren begleitet, gar nicht erinnern kann. Vater Ephraim, ein KZ-Überlebender, zwingt den Redakteur jedoch mit brutaler Gewalt zur Zusammenarbeit.

Im Laufe der unfreiwilligen Zusammenarbeit entwickelt sich aus der Liebesgeschichte zwischen einem Juden und einer Deutschen nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Geschichte einer Israelin und eines Palästinensers. „Der Markt für jüdische Konflikte ist in Deutschland nicht sehr groß“, glaubt Halmer und begibt sich aufs Glatteis der deutsch-israelischen Geschichte. „Hier kann man als Deutscher nur Fehler machen.“, konstatiert er schließlich.

Schmerzlich begreift der Autor schließlich, dass unabhängiges Filmemachen in Deutschland, oder gar in ganz Europa, unmöglich ist. Man muss über Leichen gehen, um sein Herzblut auf die Leinwand zu bringen. Conrad Weitzmann ist zu allem bereit.

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Besetzung

  • Jan H. Stahlberg als Stuckradt Halmer
  • Thilo Prothmann als Conrad Weitzmann
  • Joost Siedhoff als Ephraim Weitzmann
  • Marie Schöneberg als Marlene Weitzmann

Produktion

  • Regie: Andreas Arnstedt
  • Drehbuch: Andreas Arnstedt, Horst Fichte
  • Kamera: Moritz Anton
  • Musik: David Orlowsky Trio
  • Produktion: Schiwago Film GmbH

Analyse

"Der Kuckuck und der Esel" ist eine bitterböse Satire auf die deutsche Fernsehlandschaft und die Schwierigkeiten unabhängiger Filmemacher. Der Film entlarvt die undurchsichtigen Strukturen der Fernsehanstalten, in denen kein Verantwortlicher mehr auszumachen ist. Autor und Redakteur legen die Ausweglosigkeit offen, an der Generationen von Autoren und Filmemachern gescheitert sind.

Der Film beweist Mut zum Eigenwillen, indem er seine groteske Handlung, die auch vor Mord und Vergewaltigung nicht zurückschreckt, wie ein von Realität und politischer Korrektheit befreites Gedankenspiel anlegt. Die Charaktere sind ausgesprochen ambivalent, und der Zuschauer fühlt mit den Underdogs, die an den aufgeblasenen Sender-Fuzzis scheitern.

Die Dialoge sind pointiert und voller Anspielungen auf die fragwürdigen Kriterien, nach denen Sender einen Filmstoff beurteilen. Die Idee des Films erschöpft sich jedoch rasch, und es gibt auch viel Leerlauf in der Handlung. Weder Conrad und seine Familie, noch der Film scheinen zu wissen, wie sie aus der Nummer wieder herauskommen sollen. Die Charaktere bleiben funktional, schließlich ist die Geschichte ja auch nicht realistisch.

Kritiken

"Der Kuckuck und der Esel" erhielt gemischte Kritiken. Gelobt wurde der intelligente schwarze Humor, die Konsequenz und Radikalität des Films. Kritisiert wurden die Längen und die mangelnde Ausgefeiltheit.

Das Filmfestival Hof verlieh dem Film 2014 den Förderpreis Neues Deutsches Kino mit der Begründung: "Hier ist auf den Punkt gebracht, was wir alle im deutschen Film vermissen, bzw. wofür der deutsche Film schon lange nicht mehr steht: intelligenter schwarzer Humor, konsequent, radikal, mutig“.

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Johannes Lehnen von epd-Film bezeichnete den Film als "bitterböse Farce über das Scheitern eines Filmemachers an einer Fernsehredaktion". Bianka Piringer von Spielfilm.de schrieb: "Die ätzende Satire über die Macht der Fernsehanstalten in der deutschen Filmproduktion ist zugleich eine groteske Rachefantasie".

Alexandra Wach vom Filmdienst nannte den Film ein "grimmiges Vergnügen ohne Rücksicht auf ästhetische und dramaturgische Verluste".

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