Die Reisekrankheit, auch Kinetose genannt, ist ein weit verbreitetes Phänomen, das durch widersprüchliche Sinneswahrnehmungen ausgelöst wird. Dabei empfängt das Gehirn Signale von Augen, Innenohr, Muskeln und Gelenken, die nicht miteinander übereinstimmen. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Kopfschmerzen. Interessanterweise gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Reisekrankheit und Migräne, einer neurologischen Erkrankung, die ebenfalls von Kopfschmerzen, Übelkeit und anderen Symptomen begleitet wird.
Symptome der Reisekrankheit
Die Reiseübelkeit tritt meist spontan auf und kann sich durch folgende Symptome äußern:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Gähnen
- Erhöhter Speichelfluss
- Blässe
- Kalte Schweißausbrüche
- Schnelles Atmen
- Psychische Anspannung, Angst oder Panik
In seltenen Fällen kann die Reisekrankheit bedrohliche Ausmaße annehmen, insbesondere wenn über Tage hinweg schwere Übelkeit mit Erbrechen besteht und der Betroffene dadurch große Mengen an Wasser und Elektrolyten verliert.
Ursachen der Reisekrankheit
Die Ursache der Reisekrankheit liegt in einem Konflikt zwischen verschiedenen Sinneswahrnehmungen. Das Gehirn empfängt Informationen von verschiedenen Sinnesorganen, die für die Verortung des Körpers im Raum zuständig sind:
- Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat): Erfasst Drehbewegungen des Kopfes sowie horizontale und vertikale Bewegungen im Raum.
- Propriorezeptoren: "Messen" den Dehnungszustand von Muskeln und Sehnen.
- Augen: Liefern Informationen über die visuelle Umgebung, wie z.B. die horizontale Orientierung des Horizonts und die vertikale Ausrichtung von Wänden.
Wenn diese Informationen widersprüchlich sind, wie z.B. wenn die Augen wahrnehmen, dass man still sitzt, während das Gleichgewichtsorgan Schwankungen meldet, kann dies zu einer Überlastung des Gehirns und zu den Symptomen der Reisekrankheit führen.
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Risikogruppen für die Reisekrankheit
Schätzungsweise einer von drei Menschen leidet im Laufe des Lebens an einer Reisekrankheit. Bestimmte Gruppen sind jedoch stärker gefährdet:
- Kinder: Insbesondere Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren sind anfällig für die Reisekrankheit, da ihr Gleichgewichtssinn noch nicht vollständig entwickelt ist. Die häufigste Form der Reisekrankheit bei Kindern ist die Autokrankheit, bei der widersprüchliche Signale zwischen Augen und Gleichgewichtsorgan auftreten, wenn das Kind im Auto sitzt und beispielsweise liest.
- Frauen: Frauen sind häufiger von der Reisekrankheit betroffen als Männer, was möglicherweise mit hormonellen Faktoren zusammenhängt. Während der Menstruation und in der Schwangerschaft können Frauen empfindlicher auf die Auslöser der Reisekrankheit reagieren.
- Menschen mit Migräne: Migränepatienten leiden häufiger an Reisekrankheit, was auf eine gemeinsame neurologische Grundlage hindeuten könnte.
- Personen mit Angstzuständen: Angst vor der Reise oder vor der Reisekrankheit selbst kann die Symptome verstärken.
- Personen mit bestimmten Vorerkrankungen: Einige Erkrankungen, wie z.B. Migräne, können die Anfälligkeit für Reisekrankheit erhöhen.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die sich durch heftige, oft einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Die Schmerzen werden typischerweise als pulsierend oder pochend beschrieben und können von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Bei etwa 15-20 % der Patient:innen geht der Migräne eine Aura voraus, die sich durch Sehstörungen, Sprachstörungen oder andere neurologische Symptome äußern kann.
Symptome der Migräne
Die Symptome einer Migräne können sehr unterschiedlich sein, aber typischerweise umfassen sie:
- Pochende, oft halbseitige Kopfschmerzen
- Übelkeit (80 %)
- Erbrechen (40-50 %)
- Lichtscheu
- Lärmempfindlichkeit
- Ggf. Aura (z. B. Flimmerskotom, Sprachstörungen)
- Nackenschmerzen
- Gereiztheit
- Heißhunger
Ursachen der Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den möglichen Auslösern einer Migräne gehören:
- Stress
- Hormonelle Schwankungen
- Schlafmangel
- Bestimmte Nahrungsmittel (z. B. reifer Käse, Salami, Glutamat)
- Äußere Reize (z. B. helles Licht, laute Geräusche, starke Gerüche)
- Wetterumschwünge
Migräne bei Kindern
Auch Kinder und Jugendliche können von Migräne betroffen sein. Bei kleinen Kindern treten Migränevorstufen oft in Form von Schwindel oder Bauchweh auf. Eine Besonderheit der kindlichen Migräne ist die kürzere Attackendauer. Häufig wird Migränekopfschmerz von vegetativ autonomen Symptomen wie Tachykardie, Blässe, Durst, Appetit oder Appetitlosigkeit, Harndrang, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Apathie, Ausfluss aus der Nase, Tränenfluss oder Diarrhö begleitet.
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Der Zusammenhang zwischen Reisekrankheit und Migräne
Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Reisekrankheit und Migräne miteinander in Verbindung stehen könnten. Einige Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Migräne häufiger an Reisekrankheit leiden als Menschen ohne Migräne. Dies könnte darauf hindeuten, dass beide Erkrankungen ähnliche neurologische Mechanismen teilen.
Eine mögliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen Reisekrankheit und Migräne ist die Beteiligung des vestibulären Systems. Das vestibuläre System ist für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und der räumlichen Orientierung verantwortlich. Störungen des vestibulären Systems können sowohl zu Schwindel als auch zu Kopfschmerzen führen, die typische Symptome von Reisekrankheit und Migräne sind.
Eine weitere mögliche Erklärung ist die Rolle von Neurotransmittern wie Histamin und Dopamin. Diese Neurotransmitter sind sowohl an der Entstehung von Migräne als auch an der Entstehung von Reisekrankheit beteiligt.
Vestibuläre Migräne: Eine spezielle Form der Migräne
Eine spezielle Form der Migräne, die mit Schwindel in Verbindung steht, ist die vestibuläre Migräne. Bei der vestibulären Migräne treten Schwindelattacken zusammen mit Kopfschmerzen oder anderen Migränesymptomen auf. Der Schwindel kann sich als Drehschwindel, Schwankschwindel oder unsicheres Gefühl beim Laufen äußern.
Die vestibuläre Migräne kann in jedem Lebensalter auftreten, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Die Diagnose der vestibulären Migräne kann schwierig sein, da die Symptome auch bei anderen Erkrankungen des Innenohrs auftreten können.
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Was tun bei Reisekrankheit und Migräne?
Sowohl bei Reisekrankheit als auch bei Migräne gibt es verschiedene Maßnahmen, die zur Linderung der Symptome beitragen können.
Behandlung der Reisekrankheit
- Allgemeine Tipps:
- Blick in die Ferne richten (z.B. auf die Straße oder den Horizont)
- Lesen oder Beschäftigung mit dem Handy vermeiden
- Flach auf den Rücken legen und Augen schließen
- Schlafen
- Ingwertee trinken oder frische Ingwerwurzel kauen
- Medikamente:
- Antihistaminika (z.B. Dimenhydrinat)
- Anticholinergika (z.B. Scopolamin)
- Antiemetika (z.B. Metoclopramid, Domperidon)
Behandlung der Migräne
- Akutbehandlung:
- Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure)
- Triptane (z.B. Sumatriptan, Eletriptan, Rizatriptan)
- Antiemetika (z.B. Dimenhydrinat, Metoclopramid, Domperidon)
- Prophylaxe:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- Stressmanagement (z.B. progressive Muskelentspannung, Yoga)
- Ausreichend trinken
- Geregelte Mahlzeiten
- Migräne-Tagebuch führen
- Ausdauersport (z.B. Joggen, Schwimmen, Radfahren)
- Medikamentöse Prophylaxe (z.B. Betablocker, Topiramat, Amitriptylin)
Vorbeugung der Reisekrankheit
- Leichte, nicht zu fetthaltige Mahlzeit vor Reiseantritt
- Kein Alkohol
- Koffein nur in geringem Maß
- Bei Autoreisen: Selbst fahren oder auf die Straße richten
- In Bus und Bahn: Platz in Fahrtrichtung, am besten am Fenster
- Im Flugzeug: Platz auf Höhe der Tragflächen
- Ablenkung (z.B. Spiele, Geschichten)
- Rechtzeitige Einnahme von Medikamenten gegen Reisekrankheit
Fazit
Reisekrankheit und Migräne sind zwei unterschiedliche Erkrankungen, die jedoch möglicherweise durch ähnliche neurologische Mechanismen miteinander verbunden sind. Menschen mit Migräne leiden häufiger an Reisekrankheit, und vestibuläre Migräne ist eine spezielle Form der Migräne, die mit Schwindel in Verbindung steht. Sowohl bei Reisekrankheit als auch bei Migräne gibt es verschiedene Maßnahmen, die zur Linderung der Symptome beitragen können. Bei schweren oder anhaltenden Beschwerden sollte jedoch immer ein Arzt aufgesucht werden, um andere Ursachen auszuschließen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
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