Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die mit einem Verlust kognitiver Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache und Orientierung einhergeht. Sie ist die häufigste Form der Demenz. Die Erkrankung beginnt oft schleichend und kann sich über viele Jahre entwickeln, bevor deutliche Symptome auftreten. Daher ist es wichtig, die ersten Anzeichen von Alzheimer zu erkennen und frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können helfen, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Was ist Alzheimer und wie äußert sie sich?
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz, bei der sich Eiweißablagerungen im Gehirn bilden, die die Kommunikation der Nervenzellen stören. Dies führt zu einem allmählichen Abbau der kognitiven Funktionen und Alltagskompetenzen.
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert.
Die Alzheimer-Krankheit ist bisher nicht heilbar, und die Abbauprozesse im Gehirn können derzeit nicht wesentlich verlangsamt oder aufgehalten werden. Vor allem im Frühstadium sind Symptome und Begleiterscheinungen wie Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome jedoch behandelbar. Dazu gehören Depressionen, Angst, Unruhe, Aggression, Teilnahmslosigkeit, Wahnvorstellungen und Halluzinationen.
Frühe Anzeichen und Symptome von Alzheimer
Die Alzheimer-Krankheit kann sich auf verschiedene Bereiche auswirken, darunter Gedächtnis, Kommunikation, Orientierung und Konzentration. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jedes Symptom automatisch auf Alzheimer hindeutet, da Vergesslichkeit und andere kognitive Veränderungen auch durch Stress, Ablenkung oder altersbedingte Veränderungen verursacht werden können. Wenn jedoch mehrere Symptome häufiger auftreten oder die Leistungsfähigkeit im Alltag spürbar beeinträchtigen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
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Einige der häufigsten frühen Anzeichen und Symptome von Alzheimer sind:
- Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit:
- Vergessen von wichtigen Terminen oder Ereignissen
- Wiederholtes Stellen derselben Fragen
- Verlegen von Gegenständen und Schwierigkeiten, sich daran zu erinnern, wo sie abgelegt wurden
- Zunehmende Abhängigkeit von Merkzetteln oder anderen Gedächtnisstützen
- Schwierigkeiten, sich an kürzlich erlernte Informationen zu erinnern
- Vergessen von Namen oder Terminen, die aber später wieder erinnert werden (normale altersbedingte Veränderung)
- Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen:
- Schwierigkeiten, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren
- Probleme beim Planen und Umsetzen von Aufgaben
- Längere Zeit, um Aufgaben zu erledigen als zuvor
- Schwierigkeiten beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten
- Probleme beim Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen
- Zerstreutheit, wenn viele Dinge gleichzeitig zu tun sind (normale altersbedingte Veränderung)
- Probleme mit gewohnten Tätigkeiten:
- Schwierigkeiten, alltägliche Handlungen auszuführen, die früher leicht fielen
- Probleme beim Bedienen von Geräten oder beim Autofahren
- Vergessen von Regeln bekannter Spiele oder Hobbys
- Zeitliche und räumliche Orientierungsschwierigkeiten:
- Verlieren des Überblicks über Datum, Wochentag oder Jahreszeit
- Schwierigkeiten, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden
- Verlaufen oder Verirren, selbst an bekannten Orten
- Nichtwiedererkennen von Plätzen, an denen man früher war.
- Sprachprobleme und Kommunikationsschwierigkeiten:
- Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden
- Verwenden von unpassenden Füllwörtern oder Umschreibungen
- Probleme, einem Gespräch zu folgen oder sich daran zu beteiligen
- Wortfindungsstörungen (z. B. falsche Begriffe für Alltagsgegenstände verwenden)
- Schwierigkeiten beim Erkennen von Bildern und räumlichen Beziehungen:
- Probleme beim Einschätzen von Entfernungen oder räumlichen Dimensionen
- Schwierigkeiten beim Lesen oder Interpretieren von Bildern
- Verlegen von Gegenständen:
- Verlegen von Gegenständen an ungewöhnlichen Orten
- Unfähigkeit, sich daran zu erinnern, wo Gegenstände abgelegt wurden
- An den falschen Orten nach Gegenständen suchen
- Vermindertes Urteilsvermögen:
- Treffen von unüberlegten Entscheidungen
- Schwierigkeiten, Risiken einzuschätzen
- Anziehen von unpassender Kleidung (z. B. leichte Sommersachen im Winter)
- Sozialer Rückzug:
- Verlust des Interesses an Hobbys, sozialen Aktivitäten oder der Arbeit
- Vermeidung von sozialen Kontakten
- Rückzug aus dem Freundes- und Bekanntenkreis
- Veränderungen in Stimmung und Persönlichkeit:
- Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund
- Gereiztheit, Misstrauen oder Angst
- Depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit oder Teilnahmslosigkeit
- Verhaltensauffälligkeiten (z. B. ungewohnte Unruhe, Aggressivität oder Feindseligkeit)
- Persönlichkeitsveränderungen (z. B. von sanftmütig zu streitsüchtig)
- Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns.
- Wahnvorstellungen, z.B. dass der Postbote wichtige Briefe unterschlägt oder die Nachbarn einen ärgern.
- Verwechslung von Bildern aus der Vergangenheit mit dem aktuellen Geschehen.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome nicht immer eindeutig auf Alzheimer hindeuten und auch andere Ursachen haben können. Eine gründliche ärztliche Untersuchung ist daher unerlässlich, um eine genaue Diagnose zu stellen.
Risikofaktoren für Alzheimer
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, erhöhen können. Einige dieser Risikofaktoren sind nicht veränderbar, während andere durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden können.
Nicht veränderbare Risikofaktoren:
- Alter: Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Die meisten Menschen mit Alzheimer entwickeln die Krankheit nach dem 65. Lebensjahr.
- Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorbelastung mit Alzheimer erhöht das Risiko, selbst an der Krankheit zu erkranken. Bestimmte Gene können das Risiko beeinflussen, insbesondere bei früh einsetzender Alzheimer-Krankheit.
Veränderbare Risikofaktoren:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Faktoren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, wie hoher Blutdruck, hoher Cholesterinspiegel, Diabetes und Übergewicht, können auch das Risiko für Alzheimer erhöhen.
- Bewegungsmangel: Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Risiko für Alzheimer verringern.
- Geistige Inaktivität: Geistige Stimulation und lebenslanges Lernen können das Gehirn aktiv halten und das Risiko für Alzheimer senken.
- Ungesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten kann das Gehirn schützen und das Risiko für Alzheimer verringern.
- Schlafstörungen: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns. Schlafstörungen können das Risiko für Alzheimer erhöhen.
- Soziale Isolation: Soziale Kontakte und ein aktives soziales Leben können das Gehirn stimulieren und das Risiko für Alzheimer verringern.
- Rauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was wiederum das Risiko für Alzheimer erhöhen kann.
- Übermäßiger Alkoholkonsum: Alkohol ist ein Nervengift, das bei übermäßigem Konsum das Gehirn schädigen kann.
- Seh- und Hörverlust: Auch ein Ausgleich von Seh- & Gehörverlust (durch Brille bzw. Hörgerät) kann das Risiko senken.
Es ist wichtig zu beachten, dass das Vorhandensein eines oder mehrerer Risikofaktoren nicht bedeutet, dass man zwangsläufig an Alzheimer erkranken wird. Durch einen gesunden Lebensstil und die Vermeidung von Risikofaktoren kann man jedoch das Risiko deutlich senken.
Was tun bei Verdacht auf Alzheimer?
Wenn Sie bei sich selbst oder einem Angehörigen Anzeichen von Alzheimer bemerken, ist es wichtig, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen. Der erste Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Dieser kann eine erste Einschätzung vornehmen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen veranlassen.
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Diagnostische Schritte:
- Anamnese: Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte erfragen und sich nach den aufgetretenen Symptomen erkundigen. Dabei ist es wichtig, dass auch Angehörige anwesend sind, da sie Veränderungen oft besser einschätzen können.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird eine körperliche Untersuchung durchführen, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Kognitive Tests: Es werden verschiedene Tests durchgeführt, um die kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung und Aufmerksamkeit zu überprüfen.
- Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, andere neurologische Erkrankungen auszuschließen.
- Bildgebende Verfahren: Mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich strukturelle Veränderungen im Gehirn erkennen, die für eine Demenzerkrankung typisch sind. PET-CT (Positronen-Emissions-Tomographie, z.B. Amyloid PET)
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf andere mögliche Ursachen liefern, gibt aber keine sichere Diagnose für Alzheimer.
Es wird nicht empfohlen, Menschen ohne Beschwerden einfach so auf Demenz zu testen.
Weitere Anlaufstellen:
- Gedächtnisambulanzen: In einigen Städten gibt es Gedächtnissprechstunden, die auf die Diagnose und Therapie von Demenzerkrankungen spezialisiert sind.
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet Informationen, Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
Behandlung und Unterstützung bei Alzheimer
Die Alzheimer-Krankheit ist derzeit nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Behandlung:
- Es gibt Medikamente, die die Symptome der Alzheimer-Krankheit vorübergehend verbessern können, indem sie die Übertragung von Nervenimpulsen im Gehirn unterstützen.
- Vor allem im Frühstadium sind Symptome und Begleiterscheinungen wie Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome jedoch behandelbar. Dazu gehören Depressionen, Angst, Unruhe, Aggression, Teilnahmslosigkeit, Wahnvorstellungen und Halluzinationen.
Nicht-medikamentöse Behandlung:
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Alltagskompetenzen zu erhalten und zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die körperliche Beweglichkeit zu erhalten und Stürze zu vermeiden.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den emotionalen Belastungen der Krankheit umzugehen.
- Musiktherapie: Musiktherapie kann die Stimmung verbessern und die kognitiven Fähigkeiten stimulieren.
- Kunsttherapie: Kunsttherapie kann helfen, Gefühle auszudrücken und die Kreativität zu fördern.
Unterstützung für Angehörige:
Die Pflege eines Menschen mit Alzheimer kann sehr belastend sein. Es ist wichtig, dass Angehörige sich selbst nicht überfordern und sich Unterstützung suchen.
- Angehörigengruppen: In Angehörigengruppen können sich Angehörige austauschen und gegenseitig unterstützen.
- Pflegedienste: Pflegedienste können bei der Betreuung und Pflege des Betroffenen zu Hause helfen.
- Beratungsstellen: Beratungsstellen bieten Informationen und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
- Entlastungsangebote: Es gibt verschiedene Entlastungsangebote für Angehörige, wie z.B. Kurzzeitpflege oder Tagespflege.
Prävention von Alzheimer
Auch wenn es keine Garantie dafür gibt, dass man nicht an Alzheimer erkrankt, gibt es verschiedene Maßnahmen, die man ergreifen kann, um das Risiko zu senken:
- Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und soziale Kontakte.
- Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihr Gehirn durch lebenslanges Lernen, Lesen, Spielen und andere geistige Aktivitäten heraus.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum und andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Früherkennung und Behandlung von Begleiterkrankungen: Lassen Sie Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und hohe Cholesterinwerte frühzeitig erkennen und behandeln.
- Ausgleich von Seh- und Hörverlust: Lassen Sie Seh- und Hörverluste frühzeitig ausgleichen, um das Gehirn optimal zu stimulieren.
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