Erster neurologischer Schub beim Baby: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die neurologische Entwicklung eines Babys ist ein komplexer und faszinierender Prozess. In den ersten Lebensmonaten und -jahren durchlaufen Kinder zahlreiche Entwicklungsstufen, die von genetischen Faktoren, individueller Förderung und der Reifung des Nervensystems abhängen. Treten in dieser Zeit neurologische Auffälligkeiten auf, ist es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um die bestmögliche Entwicklung des Kindes zu gewährleisten.

Multiple Sklerose (MS) im Kindesalter

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Immunzellen aus dem Blut ins Gehirn einwandern und dort Entzündungen verursachen. Diese Entzündungen, sogenannte Läsionen, stören die Leitung der Nervenimpulse in den Nervenfasern. Betrifft eine solche Entzündung Nervenfasern, die eine Verbindung nach außen haben, wie z.B. den Sehnerv oder das Rückenmark, kommt es zu Ausfällen, die als Schub bezeichnet werden.

Symptome und Verlauf

Häufige Symptome eines MS-Schubs sind Sehstörungen, Taubheit oder Kribbeln, Schwäche und Gleichgewichtsstörungen. Schübe treten in der Regel innerhalb von 1-2 Tagen auf und bilden sich dann innerhalb von Wochen bis Monaten wieder ganz oder fast ganz zurück. Diese Verlaufsform wird schubförmig-remittierende MS genannt. Bei vielen Patienten geht diese Form nach 10 bis 20 Jahren in eine sekundär progrediente MS über, bei der es zu einem kontinuierlichen Fortschreiten der Behinderung kommt.

Diagnose im Kindes- und Jugendalter

Für die Diagnose der MS im Kindes- und Jugendalter sind eine neurologische Untersuchung, eine Nervenwasserpunktion, Blutuntersuchungen und eine Magnetresonanztomografie (MRT) von Kopf und Rücken erforderlich.

Häufigkeit bei Kindern

MS tritt nur in ca. 3-5 % der Fälle vor dem 16. Lebensjahr auf. Das Auftreten vor dem 10. Lebensjahr ist noch seltener.

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Besonderheiten im Kindes- und Jugendalter

Die MS des Kindes- und Jugendalters unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der im Erwachsenenalter. Allerdings besteht bei Kindern und Jugendlichen in der Regel eine höhere entzündliche Aktivität, was zu häufigeren Schüben und mehr Läsionen im MRT führt. Auf der anderen Seite erholen sich Kinder und Jugendliche nach einem Schub schneller und vollständiger. Insgesamt schreitet die Zunahme des Behinderungsgrades langsamer voran.

Behandlung

Die Schubtherapie erfolgt wie bei Erwachsenen mit Cortison, das intravenös verabreicht wird. So früh wie möglich wird eine Dauertherapie begonnen, um Schübe und den Übergang in die sekundär progrediente MS zu verhindern. Die Patienten werden je nach Schwere der Erkrankung mit unterschiedlich starken Medikamenten behandelt.

Lebensqualität

Heute gelingt es bei den allermeisten Patienten, das Auftreten weiterer Schübe und Entzündungen im MRT zu verhindern. Die Lebensqualität vieler Kinder und Jugendlichen mit MS ist daher nicht wesentlich eingeschränkt. Sie können wie andere Kinder und Jugendliche die Schule besuchen, eine Ausbildung oder ein Studium machen, die allermeisten Berufe ausführen und eine Familie gründen.

MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung

Was ist eine MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung?

Die MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen das Myelinscheidenprotein Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG-AK) gebildet werden. Die Antikörper wandern über die Bluthirnschranke ins Gehirn und führen zu Entzündungsherden, Läsionen genannt. Die Entzündung stört die Weiterleitung der Nervenimpulse in den Nervenfasern.

Symptome und Verlauf

Am häufigsten sind der Sehnerv und das Rückenmark betroffen. Ist der Sehnerv betroffen, treten Sehstörungen auf. Entzündungen des Rückenmarks führen meist zu Taubheit oder zu Schwäche. Insbesondere bei Kindern ist häufig auch das Großhirn betroffen, und es können vielfältige Symptome auftreten. Die Entzündungen, Schübe genannt, bilden sich meist wieder über Wochen bis Monate vollständig zurück. In seltenen Fällen können jedoch auch erhebliche Behinderungen zurückbleiben. Der Verlauf kann monophasisch oder rekurrierend sein.

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Diagnose

Für die Diagnose sind eine neurologische Untersuchung, eine Nervenwasserpunktion, Blutuntersuchungen und eine MRT von Kopf und Rücken erforderlich.

Behandlung

Der akute Schub wird mit Cortison behandelt. Patienten mit einem monophasischen Verlauf brauchen keine Dauertherapie. Patienten mit einem rekurrierenden Verlauf können mit Medikamenten behandelt werden, die dazu führen, dass die Schübe seltener und weniger schwer sind.

Neurologische Probleme bei Neugeborenen und Frühgeborenen

Frühgeburt und ihre Folgen

Eine physiologische Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Kommt ein Kind vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt, ist es ein Frühgeborenes. In Deutschland werden 10% der Kinder zu früh geboren. In den letzten Jahren wurden große Fortschritte in der Versorgung von Frühgeborenen erzielt. Dadurch überleben jetzt aber auch sehr frühe Frühgeborene. Obwohl sich die Prognose der späten Frühgeborenen deutlich verbessert hat, nimmt die Zahl der Kinder, die durch die Frühgeburtlichkeit beeinträchtigt sind, daher nicht ab.

Häufige neurologische Probleme bei Frühgeborenen

  • PVL (periventrikuläre Leukomalazie): Schädigung des Gehirns im Bereich der weißen Substanz um die Hirnwasserräume.
  • Hirnblutungen: Treten meist in den ersten Lebenstagen auf, wenn es den Kindern nicht gut geht.
  • Neurologische Schädigungen: Die häufigste neurologische Schädigung, die bei Frühgeborenen zu finden ist, ist eine beinbetonte Spastik. Ebenfalls nicht selten ist das Auftreten einer Epilepsie.

Weitere neurologische Probleme bei Neugeborenen

  • Asphyxie: Sauerstoffmangel bei Neugeborenen, der vor, während oder nach der Geburt auftritt.
  • Schlaganfall: Mangelnde Blutversorgung von Hirnbereichen durch Gerinnsel, Blutung oder Gefäßentzündungen.
  • Fehlbildungen: Angeborene Fehl- oder Missbildungen von Organen oder Körperteilen.
  • Syndrome: Genetisch bedingte Erkrankungen, welche mit einer verzögerten körperlichen und geistigen Entwicklung des Kindes einhergehen.

Betreuung im SPZ

Alle Frühgeborenen, bei denen ein Risiko für eine gestörte Entwicklung besteht, werden im korrigierten Alter von 2 Jahren mit Hilfe der Bayley-Entwicklungstestung durch Psychologen untersucht. Gibt es Entwicklungsauffälligkeiten, erfolgen weitere Untersuchungen und es wird eine auf ihr Kind angepasste Förderung eingeleitet. Vor der Einschulung soll im Alter von 5 Jahren eine Leistungsüberprüfung stattfinden.

Mögliche Entwicklungsstörungen

Je nach Art der Erkrankung bzw. nach Schwangerschaftswoche, Geburtsgewicht und Komplikationen können die Kinder eine muskuläre Schwäche, Bewegungsstörungen oder eine Cerebralparese entwickeln. Auch die Feinmotorik kann maßgeblich beeinträchtigt sein. Dies wird unteranderem durch Ergo- und Physiotherapeuten mitbeurteilt und ggf. eine interdisziplinäre neuropädiatrische und kinderorthopädische Vorstellung geplant. Bei den Kindern besteht ein erhöhtes Risiko für ein Aufmerksamkeitsdefizit und/oder Hyperaktivität. Auch das Knüpfen von Freundschaften und Partnerschaften kann problematisch sein. Zudem treten etwas vermehrt psychiatrische Probleme auf.

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Zerebralparese

Was ist eine Zerebralparese?

Die Zerebralparese ist eine bleibende, ab dem frühen Kindesalter bestehende Störung, die mit erheblichen Einschränkungen einhergeht. Der Begriff fasst frühkindliche Gehirnstörungen zusammen, die angeboren sind oder sich nach der Geburt entwickeln. Die bleibende Störung hat langfristig negative Auswirkungen auf die Sensomotorik und den Bewegungsapparat der Betroffenen. Abhängig von der Lokalisation der geschädigten Gehirnareale können sich die Symptome in unterschiedlicher Ausprägung manifestieren.

Ursachen und Häufigkeit

Schätzungen zufolge treten angeborene oder frühkindliche Gehirnstörungen bei ein bis drei von rund tausend Neugeborenen auf. In den letzten Jahrzehnten hat die Anzahl der Betroffenen zugenommen, da die medizinische Versorgung während und nach der Geburt die Überlebenschancen betroffener Babys deutlich verbessert hat.

Entwicklungsstörungen

Was sind Entwicklungsstörungen?

Entwicklungsstörungen sind Abweichungen der Entwicklung im Vergleich zu altersgleichen gesunden Kindern. Die Störungen können die motorischen und/oder sprachlichen Fähigkeiten umfassen, gerade bei Schulkindern können auch das kognitive Leistungsvermögen bzw. die Konzentrationsfähigkeit betroffen sein.

Diagnose und Therapie

Durch testpsychologische Untersuchungen kann das genaue Leistungsprofil des Kindes festgestellt werden. Therapeutisch kann meist durch ein optimiertes Förderkonzept (Frühförderung, Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie) eine Besserung zu erreichen. Viele Kinder holen den Rückstand mit Hilfe dieser Förderungen wieder auf. Bei einem Entwicklungsstopp und besonders bei Entwicklungsrückschritten besteht in jedem Alter Abklärungsbedarf!

Motorische Entwicklung

Beim Vergleich gleichaltriger Kinder können sehr oft große Unterschiede der Reifung und Entwicklung von Haltung und Bewegung festgestellt werden. Diese Prozesse sind einerseits genetisch individuell unterschiedlich festgelegt und werden andererseits durch individuell unterschiedliche Förderung beeinflusst. Das Spektrum normaler Entwicklung ist äußerst breit. Die Zeiträume für das Erreichen der Meilensteine der körperlichen, geistigen und psychischen Entwicklung erstrecken sich über mehrere Monate. Die Wege zum Erreichen motorischer Meilensteine sind mitunter sehr unterschiedlich.

Wann ist eine Untersuchung notwendig?

Eine Entwicklungsverzögerung könnte vorliegen, wenn Kinder eine zu niedrige Muskelspannung aufweisen um ihren Kopf oder Körper ausreichend stützen zu können, wenn Hände/Arme oder Beine einseitig deutlich weniger benutzt, eventuell in Schonhaltung eingeschränkt bewegt werden oder bestimmte Bewegungen auf einer Körperseite nicht möglich sind. Werden motorische Meilensteine, wie das Sitzen mit etwa 10 Monaten, Krabbeln mit etwa 12 Monaten und freies Gehen mit 18 Monaten nicht erreicht, ist eine neuropädiatrisch-orthopädische Untersuchung notwendig.

Weitere Ursachen für Bewegungsauffälligkeiten

Auch beim älteren Kind gibt es Gesetzmäßigkeiten beim Wachstum und der Reifung des Bewegungsapparates. Bei allen Auffälligkeiten wird der Kinderorthopäde im Rahmen einer eingehenden Untersuchung statische und motorisch-sensorische Ursachen unterscheiden. Häufig auftretende Verzögerungen der Beinachsen-Entwicklung, Fußstellung und Wirbelsäulenentwicklung, biomechanisch bedingte Kompensationsbewegungen oder projizierte Schmerzen machen sehr oft eine grundlegende Analyse des gesamten Bewegungsapparates notwendig, um deren Ursachen zu ergründen und Behandlungsansätze zu finden.

Minimal Cerebral Dysfunction

Bei etwa 5% aller Kinder können Auffälligkeiten der Bewegung als Reifungsverzögerung der Feinmotorik, Koordination oder Wahrnehmungsfunktionen festgestellt werden. Kinder mit einer sogenannten minimalen cerebralen Dysfunktion sollten im Grundschulalter erkannt, aber nicht in jedem Fall behandelt werden. Eine Förderung ihrer Defizite ist im pädagogischen oder sportmotorischen Bereich möglich.

Muskelschwäche

Bei einem Fortschreiten von Auffälligkeiten der Bewegung und Haltung ist eine medizinische Untersuchung unbedingt notwendig. Frühformen seltener neuromuskulärer Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden, beispielsweise bei Vorliegen einer Muskelschwäche z.B. Probleme beim Treppensteigen und Stolperneigung z.B. bei Müdigkeit oder Dunkelheit.

Kopfschmerzen im Kindesalter

Jedes 3. Kind leidet häufiger an Kopfschmerzen. Es gibt verschiedene Formen von Kopfschmerzen, die unterschiedliche Behandlungsansätze haben. Daher ist es notwendig, die Art bzw. die Form der Kopfschmerzen einzuordnen. Beispielsweise können im Falle einer komplizierten Migräne-Erkrankung (Migräne mit Aura) die Symptome sehr unterschiedlich sein und auch vorübergehende neurologische Ausfälle vorkommen, insbesondere Seh- und Sensibilitätsstörungen, aber auch Lähmungen. Bei sehr häufigem Auftreten von Kopfschmerzen sollte neben der Akutschmerzbehandlung eine prophylaktische Therapie diskutiert werden.

Spinale Muskelatrophie (SMA)

Was ist SMA?

Die Symptome der erblich bedingten SMA hängen von ihrer Ausprägung und weiteren individuellen Faktoren ab. Allen Typen und Formen gemein sind eine fortschreitende Muskelschwäche bis hin zu Lähmung (Parese) und Muskelzuckungen sowie Muskelschwund (Muskelatrophie). In der überwiegenden Zahl (proximale SMA) beginnt die Schwäche in den Muskeln, die dem Rumpf am nächsten liegen, also Rücken, Schulter und Hüfte. Der SMN-Mangel wirkt sich auf den gesamten Körper aus und kann unter anderem auch Atem-, Herz-Kreislauf- und Verdauungsprobleme verursachen. Ist die Atemmuskulatur betroffen, besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Lungenentzündungen und andere Lungenprobleme.

Ursachen

Die SMA ist eine seltene Erbkrankheit (hereditäre SMA) und kann nur dann entstehen, wenn sowohl bei der Mutter als auch beim Vater jeweils ein fehlerhaftes SMN1-Gen beziehungsweise eine fehlerhafte SMN1-Genkopie vorliegt (autosomal rezessive Vererbung). Die Wahrscheinlichkeit, in einem solchen Fall die SMA zu vererben, liegt bei 25 Prozent.

SMA-Typen

  • SMA Typ 1: Tritt meist bereits im Alter von 0 bis 6 Monaten auf. Die Babys können nur liegen, aber nie sitzen.
  • SMA Typ 2: Tritt meist bei Kleinkindern im Alter zwischen 7 und 18 Monaten auf. Sie können sitzen, aber nie stehen.
  • SMA Typ 3: Tritt meist bei Kleinkindern nach dem 18. Lebensmonat auf, selten im frühen Erwachsenenalter.

Plötzlicher Kindstod (SID)

Jahr für Jahr sterben in Deutschland etwa 350 vollkommen gesund erscheinende Säuglinge ohne erkennbaren Grund im Schlaf. Die Bezeichnung »Plötzlicher Kindstod« vermag nicht mehr, als die Ratlosigkeit der Beteiligten in Worte zu fassen. Der Plötzliche Säuglingstod ist nach Jahrzehnten der Forschung noch immer eines der großen Rätsel der Medizin.

Risikofaktoren

Weitgehend Einigkeit herrscht in der Fachwelt jedoch über die Faktoren, die den Plötzlichen Kindstod herbeiführen können. So scheinen Kinder um den dritten Lebensmonat herum besonders gefährdet zu sein. Innerhalb des ersten Lebensjahres ereignen sich je nach Untersuchung zwischen 60 und 80 Prozent aller Todesfälle. Auch scheinen Jungen zärter besaitet zu sein: Ihr Risiko, im Säuglingsalter zu sterben, ist im Vergleich zu Mädchen höher. Auffällig ist, dass während der Wintermonate mehr Säuglinge diesen leisen Tod sterben als in der wärmeren Jahreszeit. Auch eine familiäre Häufung ist augenscheinlich.

Prävention

  • Bauchlage vermeiden: Unter den beeinflussbaren Risikofaktoren gilt das Schlafen in Bauchlage als der bedeutendste.
  • Nichtrauchen: Sind es mehr als zehn Zigaretten täglich, steigt das Risiko, das Kind durch SID zu verlieren, um das Acht- bis Zehnfache.
  • Stillen: Die Entscheidung, das Kind nach der Geburt nur kurz oder gar nicht zu stillen, erwies sich in manchen Studien als deutlicher Risikofaktor.
  • Überwärmung vermeiden: Alles, was zur Überwärmung des Säuglings führen kann, hat im Kinderbett nichts zu suchen.

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