Die Diagnose einer bipolaren Störung kann eine Herausforderung sein, und der Weg zur richtigen Behandlung beginnt oft mit einem Erstgespräch bei einem Spezialisten. Neurologen spielen zwar in der Regel eine geringere Rolle bei der Behandlung bipolarer Störungen als Psychiater, aber es ist wichtig zu verstehen, wann und warum ein Neurologe in den Behandlungsprozess einbezogen werden kann und was Sie von einem solchen Erstgespräch erwarten können.
Die Rollen von Psychiatern, Psychologen und Neurologen
Um das Erstgespräch beim Neurologen im Kontext der bipolaren Störung zu verstehen, ist es hilfreich, die Rollen der verschiedenen Fachkräfte im Bereich der psychischen Gesundheit zu differenzieren:
- Psychiater: Psychiater sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie haben ein Medizinstudium abgeschlossen und sich anschließend in Psychiatrie und Psychotherapie weitergebildet. Psychiater können Diagnosen stellen, Medikamente verschreiben und Psychotherapie anbieten. Sie sind in der Regel die Hauptansprechpartner für die Behandlung bipolarer Störungen. Niedergelassene Psychiater machen beim ersten Termin in der Regel eine ausführliche Anamnese, bei der die Biographie sowie die Krankengeschichte erhoben wird (wann haben welche Symptome begonnen und sich wie weiterentwickelt). Danach werden gegebenenfalls noch einige psychologische und/oder neurologische Tests gemacht, um andere Diagnosen auszuschließen. Sobald die Diagnose und Ursache klar ist, wird dies mit den Betroffenen besprochen und ein Behandlungsvorschlag gemacht. Ist eine medikamentöse Behandlung notwendig, wird das Medikament in der Regel zunächst langsam aufdosiert. Wenn - was nicht selten vorkommt - ein Antidepressivum bzw. stimmungsstabilisierendes Medikament nicht den erwünschten Erfolg zeigt, wird nach einigen Wochen ein neuer Versuch mit einem anderen Wirkstoff gestartet. Sind die Medikamente gut eingestellt, erfolgt üblicherweise ein Besuch einmal pro Monat oder pro Quartal. Bei diesem Termin werden in der Regel die Blutwerte kontrolliert, die Frühwarnsignale sowie die Höhen und Tiefen seit dem letzten Termin erfragt. Liegt ein Stimmungstagebuch vor, wird dies besprochen. Eine Gesprächstherapie findet hier jedoch in der Regel nicht statt. Psychiater können jedoch auch als ärztliche Psychotherapeuten arbeiten. Dann erfolgt nach Antragstellung bei der Krankenkasse ebenfalls eine Gesprächstherapie mit Terminen von meist einmal pro Woche über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren.
- Psychologen: Psychologen haben ein Psychologiestudium abgeschlossen und können Diagnostik, Beratung und therapeutische Gespräche anbieten. Psychotherapeuten sind Psychologen, die eine zusätzliche Ausbildung in Psychotherapie absolviert haben. Im Rahmen dieser Ausbildung müssen sie mindestens ein Jahr in der Psychiatrie arbeiten, ein halbes Jahr in der Psychosomatik, 600 Theoriestunden sowie 600 Einzelpsychotherapiestunden unter Supervision absolvieren. Supervision bedeutet, dass die Therapeuten regelmäßig mit einem erfahrenen Therapeuten den Verlauf und die Probleme der Therapie besprechen. Dadurch wird auch bei Therapeuten in Ausbildung eine qualifizierte Therapie gewährleistet. In der Therapieausbildung müssen die Therapeuten einen Schwerpunkt wählen: Kognitive Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch Fundierte Psychotherapie, Psychoanalyse oder Systemische Therapie. Welche Therapieform für Sie die hilfreichste ist, kann in einem Erstgespräch ermittelt werden.
- Neurologen: Neurologen sind Fachärzte, die sich mit Erkrankungen des Nervensystems befassen. Dazu gehören Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und der peripheren Nerven. Neurologen sind in der Regel weniger auf psychische Erkrankungen spezialisiert, können aber bei der Diagnose und Behandlung neurologischer Probleme helfen, die mit einer bipolaren Störung einhergehen oder diese imitieren können. Es gibt auch Fachärzte, die sowohl Neurologinnen als auch Psychiaterinnen sind - sie können also sowohl körperliche als auch seelische Erkrankungen behandeln. Medikamente können nur von Ärztinnen oder Ärzten verschrieben werden, also von Psychiatern oder Neurologen. Psychologen ohne ärztliche Ausbildung haben dazu bisher keine Berechtigung. Nicht selten werden Betroffene von zwei Fachleuten betreut, meist Psychiater und Psychologe. Es erfolgt dann auf der einen Seite die medikamentöse und auf der anderen Seite die psychotherapeutische Seite der Therapie.
Wann ist ein Neurologe bei bipolarer Störung sinnvoll?
Obwohl Psychiater die Hauptansprechpartner für die Behandlung bipolarer Störungen sind, gibt es Situationen, in denen die Expertise eines Neurologen wertvoll sein kann:
- Ausschluss neurologischer Ursachen: Einige neurologische Erkrankungen können Symptome verursachen, die einer bipolaren Störung ähneln. Ein Neurologe kann helfen, diese Ursachen auszuschließen, bevor eine psychiatrische Diagnose gestellt wird. Zur Diagnosestellung wird eine körperliche Ursache z.B. durch Labortests zunächst ausgeschlossen.
- Komorbide neurologische Erkrankungen: Menschen mit bipolarer Störung können auch an neurologischen Erkrankungen leiden. Ein Neurologe kann bei der Behandlung dieser Erkrankungen helfen.
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Medikamente, die zur Behandlung bipolarer Störungen eingesetzt werden, können neurologische Nebenwirkungen verursachen. Ein Neurologe kann bei der Behandlung dieser Nebenwirkungen helfen. Lithium wird trotz guter Wirksamkeit bei therapieresistenter Depression und bipolaren Störungen zu selten verordnet. Ein Grund hierfür ist, dass Lithium bei zu hoher Dosierung zu schweren und zum Teil lebensgefährlichen Nebenwirkungen führen kann. Daraus resultiert die Notwendigkeit, die Konzentration des Lithiums regelmäßig mit Blutentnahmen zu kontrollieren. Diese sind für Patientinnen als auch Psychiaterinnen und Labor aufwändig.
- Spezifische Symptome: Wenn bei einer bipolaren Störung ungewöhnliche neurologische Symptome auftreten, kann ein Neurologe hinzugezogen werden, um diese zu beurteilen und zu behandeln.
Was Sie von einem Erstgespräch beim Neurologen erwarten können
In einem ersten ausführlichen Gespräch werden wir anhand einer Anamneseerhebung, Sichtung bisheriger Befunde und einer Untersuchung eine diagnostische Einschätzung Ihrer Probleme treffen. Wichtig hierfür ist, dass Sie Berichte über Vorbehandlungen und die aktuellen Behandlungsversuche mitbringen, v.a. Persönlichkeitsstörungen, z.B. Sonstige Störungen, z.B.
Das Erstgespräch beim Neurologen ähnelt in vielerlei Hinsicht dem bei anderen Fachärzten. Es dient dazu, Ihre Krankengeschichte zu erheben, Ihre Symptome zu beurteilen und einen Behandlungsplan zu erstellen. Hier sind einige typische Elemente eines solchen Gesprächs:
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- Anamnese: Der Neurologe wird Sie ausführlich nach Ihrer Krankengeschichte fragen, einschließlich Ihrer aktuellen Symptome, früherer Erkrankungen, Medikamente und Familienanamnese. Es ist wichtig, dass Sie alle relevanten Informationen bereitstellen, auch wenn sie Ihnen nicht direkt mit Ihren neurologischen Problemen in Verbindung zu stehen scheinen.
- Neurologische Untersuchung: Der Neurologe wird eine körperliche Untersuchung durchführen, um Ihre neurologische Funktion zu beurteilen. Dazu gehören Tests Ihrer Reflexe, Muskelkraft, Koordination,Sensibilität und Ihres Gleichgewichts.
- Zusätzliche Tests: Abhängig von Ihren Symptomen kann der Neurologe zusätzliche Tests anordnen, z. B. eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, eine Elektroenzephalographie (EEG) oder eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG).
- Diagnose und Behandlungsplan: Nach Auswertung aller Informationen wird der Neurologe eine Diagnose stellen und einen Behandlungsplan erstellen. Dieser Plan kann Medikamente,Physiotherapie oder andere Therapien umfassen. In Bezug auf die bipolare Störung kann der Neurologe Empfehlungen für Ihren Psychiater aussprechen oder Sie an andere Spezialisten überweisen.
- Aufklärung: Uns liegt besonders die Psychoedukation am Herzen. Diese bedeutet, dass wir komplizierte medizinisch-wissenschaftliche Fakten zu Ihrer Erkrankung möglichst leicht verständlich erklären. Das Verstehen der eigenen Erkrankung ist eine wichtige Voraussetzung für den selbstverantwortlichen Umgang damit und ihre erfolgreiche Bewältigung.
Vorbereitung auf das Erstgespräch
Um das Erstgespräch beim Neurologen optimal zu nutzen, können Sie folgende Schritte unternehmen:
- Sammeln Sie Informationen: Stellen Sie eine Liste Ihrer aktuellen Symptome, früheren Erkrankungen, Medikamente und Familienanamnese zusammen. Bringen Sie alle relevanten medizinischen Unterlagen mit, z. B. Arztberichte, Laborergebnisse und Bilder von bildgebenden Verfahren.
- Formulieren Sie Fragen: Schreiben Sie alle Fragen auf, die Sie dem Neurologen stellen möchten.
- Seien Sie ehrlich und offen: Beschreiben Sie Ihre Symptome so genau wie möglich und beantworten Sie die Fragen des Neurologen ehrlich.
- Bringen Sie eine Begleitperson mit: Wenn Sie sich unsicher fühlen oder Schwierigkeiten haben, sich zu erinnern, kann es hilfreich sein, eine Begleitperson mitzubringen.
Mögliche Behandlungsansätze
Gemäß unserem ganzheitlichen, psychotherapeutischen und biologischen Ansatz werden wir mit Ihnen die Möglichkeiten der Behandlung bzw. Aufklärung über Ursache und Behandlungsmöglichkeiten (sog. Vermittlung von psychotherapeutischen Strategien (z.B. Komplementäre Angebote der Krankenkassen und sozialen Dienste (z.B.
Die Behandlung bipolarer Störungen erfordert einen umfassenden Ansatz, der sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Therapien umfasst. Einige der gängigsten Behandlungsansätze sind:
- Medikamente: Stimmungsstabilisierer, Antipsychotika und Antidepressiva werden häufig zur Behandlung bipolarer Störungen eingesetzt. Die Wahl des Medikaments hängt von der Art und Schwere der Symptome ab.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann Ihnen helfen, mit den Symptomen Ihrer bipolaren Störung umzugehen, Ihre Beziehungen zu verbessern und Ihre Lebensqualität zu steigern.
- Psychoedukation: Die Psychoedukation vermittelt Ihnen und Ihren Angehörigen Wissen über die bipolare Störung, ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
- Ergotherapie, Kunst-, Musik- oder Tanztherapie oder Körperarbeit: Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Therapie durch Ergotherapie, Kunst-, Musik- oder Tanztherapie oder Körperarbeit zu ergänzen.
- Weitere Therapieangebote: Zusätzlich bieten wir im Rahmen unserer Ambulanz u.a. eine psychoedukative Gruppe, sozialarbeiterische Beratung sowie Ergo-, Kunst-, Sport- und Musiktherapie an.
Spezialsprechstunden und Ambulanzen
Für spezifische Fragestellungen, Diagnosen und Symptome bieten viele Kliniken und Ambulanzen spezialisierte Angebote an:
- Sprechstunde für junge Erwachsene: Wir bieten eine Sprechstunde für junge Erwachsene an, die sich Sorgen machen, eine manisch-depressive Erkrankung zu entwickeln. Die wesentlichen Charakteristika der bipolaren Störung zu kennen, stellt eine wichtige Basis für einen bewussten Umgang mit der Erkrankung dar. Der Austausch mit anderen Betroffenen ergänzt dabei die therapeutische Arbeit.
- Psychiatrische Institutsambulanz (PIA): Unsere Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) in Rosenheim bietet spezialisierte ambulante Betreuung für Menschen mit komplexen psychischen Erkrankungen, die ein intensives, krankenhausnahes Angebot benötigen. Die PIA Rosenheim ist Teil des kbo-Inn-Salzach-Klinikums und deckt ein breites Spektrum an ambulanten Leistungen für Patienten in Sadt und Landkreis Rosenheim ab, die eine intensive, multiprofessionelle Behandlung benötigen.
- Allgemeinpsychiatrische Sprechstunde: Sie leiden an psychischen Beschwerden? Die Allgemeinpsychiatrische Sprechstunde in der psychiatrischen Institutsambulanz der Abteilung für Allgemeine Psychiatrie 2 in Haus 26 am LVR-Klinikum Düsseldorf bietet eine zeitnahe Ersteinschätzung oder Folgebehandlung im ambulanten Bereich.
- Psychiatrische Hochschulambulanz: Die psychiatrische Hochschulambulanz ist die erste Anlaufstelle für ratsuchende Patienten sowie deren Angehörige. Wir bieten Beratung bei psychischen Problemen, aber auch Diagnostik psychischer Störungen und geben wissenschaftlich begründete Therapieempfehlungen ab. Es besteht auch die Möglichkeit uns zu kontaktieren, um eine Zweitmeinung bzgl.
- Privatambulanz: Dieses Behandlungsangebot richtet sich an Privatversicherte und Selbstzahlende, die unter psychischen Problemen oder Störungen leiden oder die den Wunsch nach einer persönlichen Veränderung und Entwicklung haben. Wir bieten wissenschaftlich fundierte Beratung und Therapie nach den neusten Erkenntnissen der modernen Psychiatrie und Psychotherapie.
Die Bedeutung der Früherkennung und Behandlung
Die bipolare Störung beginnt meistens im jungen Erwachsenenalter, wenn typischerweise wichtige Entscheidungen für das weitere Leben getroffen werden. Darum sind ein frühzeitiges Erkennen und ein rechtzeitiger Behandlungsbeginn ausgesprochen wichtig. Voraussetzung für eine diagnostische Einschätzung in unserer Klinik ist, dass noch keine bestehende Diagnose einer Bipolaren Störung vorliegt. Nach erfolgter Diagnostik beraten wir Sie über spezifische pharmakologische, psychotherapeutische und andere Therapiemöglichkeiten. Wir möchten Sie dabei unterstützen, ein individuelles Krankheitskonzept zu entwickeln und so eine adäquate und präventive Behandlung der bipolaren Störung ermöglichen.
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Umgang mit der Erkrankung im Alltag
Die wesentlichen Charakteristika der bipolaren Störung zu kennen, stellt eine wichtige Basis für einen bewussten Umgang mit der Erkrankung dar. Der Austausch mit anderen Betroffenen ergänzt dabei die therapeutische Arbeit. Ziel ist es, die Gesundheit und Lebensqualität der Patienten zu stabilisieren, Symptome zu kontrollieren und den Umgang mit belastenden Symptomen zu verbessern.
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