Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien des Genus Borrelia ausgelöst wird. Diese Zoonose kann sowohl akut als auch chronisch verlaufen und manifestiert sich häufig durch ein Erythema migrans, eine charakteristische Wanderröte. Die Lyme-Borreliose wird durch Zecken übertragen, wobei Mäuse, Vögel, Reptilien, Igel, Füchse und Kaninchen als Erregerreservoir dienen. Die Krankheit kommt in den gemäßigten Breiten der nördlichen Hemisphäre vor, und in Deutschland gibt es regionale Unterschiede in der Inzidenz.
Epidemiologie und Infektionsrisiko
Die epidemiologischen Daten zur Lyme-Borreliose sind begrenzt, da die Erkrankung in Deutschland nur in einigen Bundesländern meldepflichtig ist. In diesen Bundesländern liegt die Inzidenz zwischen 25 und 50 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern. Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jährlich 60.000 bis 200.000 Menschen an einer klinisch feststellbaren Lyme-Borreliose.
Das Infektionsrisiko ist in den Monaten von April bis Ende September am höchsten, da Zecken ab einer Temperatur von etwa 6°C aktiv werden. Besonders im Juni und Juli treten gehäuft Borrelioseinfektionen auf, während die Neuroborreliose im Juli und August ihren Höhepunkt hat. Studien zeigen, dass bei 2,6 bis 5,6% der Zeckenstiche Antikörper gegen Borrelien im Blut der Betroffenen nachgewiesen werden können.
Erreger und Übertragung
Die Ursache der Lyme-Borreliose ist eine Infektion mit Bakterien des Genus Borrelia, zu denen Borrelia burgdorferi sensu stricto, Borrelia garinii, Borrelia bavariensis, Borrelia afzelii und Borrelia spielmanii gehören. In Europa kommen alle fünf Arten vor. Die Übertragung erfolgt durch den Stich einer infizierten Zecke, wobei die Borrelien aus dem Verdauungstrakt der Zecke in die Speicheldrüsen wandern und von dort in die Haut des Menschen übertragen werden. Eine schnelle Entfernung der Zecke kann die Übertragung weitestgehend ausschließen.
Manifestationen der Lyme-Borreliose
Die Lyme-Borreliose kann sich in verschiedenen Organen manifestieren und unterschiedliche Symptome verursachen. Grundsätzlich werden Manifestationen der frühen und der späten Phase einer Infektion unterschieden.
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Frühe Manifestation
Die Frühmanifestation zeigt sich in 89% der Fälle als Erythema migrans und in 3% der Fälle als disseminiertes Erythema migrans. Weitere frühe Manifestationen sind das Borrelien-Lymphozytom (2%), die frühe Neuroborreliose (3%) und Herzerkrankungen (weniger als 1%).
Das Erythema migrans ist die mit Abstand häufigste klinische Manifestation der Lyme-Borreliose. Es tritt am Ort des Zeckenstiches mit einer mittleren Latenz von 7 bis 14 Tagen nach dem Stich als rötlich-livides, nur selten juckendes, schmerzloses Erythem auf. Durch zentrale Abblassung kann nach einigen Tagen bis wenigen Wochen die charakteristische Ringform mit zentraler Einstichstelle entstehen. Das Erythem kann unterschiedlich lange bestehen und eine erhebliche Größe erreichen, bildet sich aber auch ohne Therapie immer wieder zurück. Selten treten mehrere Erytheme parallel auf (als Ausdruck der frühen Erregerdissemination).
Späte Manifestation
Im späteren Verlauf der Krankheit kommt es bei 5% der Patienten zu einer Lyme-Arthritis. An der Einstichstelle kann sich eine Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) mit Ödemen und zunehmender Atrophie aller Hautschichten und Hautanhangsgebilde entwickeln. 40-60% der betroffenen Patienten entwickeln zusätzlich eine periphere Neuropathie.
Diagnostik
Eine erste klinische Verdachtsdiagnose kann symptomatisch gestellt werden. Spezifische Krankheitssymptome wie das Erythema migrans sind dabei ausschlaggebend. Die endgültige Diagnose wird anhand der Labordiagnostik gestellt. Mittels Blutprobe können die Borreliose-Erreger nachgewiesen werden. Bei einer Neuroborreliose ist eine Liquorprobe notwendig. Mit dem Serum der Blutprobe bzw. mit dem Liquor wird eine Stufendiagnostik durchgeführt. Im ersten Schritt wird mit einem Immunassay wie ELISA oder CLIA der Suchtest durchgeführt. Im zweiten Schritt erfolgt anhand eines Immunoblots der Bestätigungstest.
Drei bis sechs Wochen nach Krankheitsbeginn sind bereits spezifische IgM-Antikörper nachweisbar, Wochen bis Monate nach Krankheitsbeginn auch IgG-Antikörper. Ein positiver Borrelien-spezifischer Antikörperwert muss jedoch nicht immer auf eine aktive Erkrankung hinweisen: Niedrige Werte können auch Zeichen einer bereits früher überstandenen Infektion sein und auf eine Seronarbe hinweisen.
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Therapie der Lyme-Borreliose in der Schwangerschaft
Die Therapie der Lyme-Borreliose sollte möglichst rasch nach Diagnosestellung eingeleitet werden. Die Therapie erfolgt stadien- und symptomorientiert.
Allgemeine Therapieempfehlungen
- Erythema migrans: Doxycyclin 200 mg täglich für 10-21 Tage. Alternativ Amoxicillin 500 mg (in einigen Empfehlungen 1000 mg) dreimal täglich, Dauer ebenfalls 10-21 Tage. Cefuroxim 500 mg zweimal täglich über 10-21 Tage und Azithromycin 500 mg einmal täglich über 5-10 Tage sind weitere Alternativen.
- Lyme-Arthritis: Doxycyclin 1 x 200 oder 2 x 100 mg täglich über 30 Tage. Als oral applizierbare Alternative kommt Amoxicillin, 3 x 500 bis 1000 mg, in Frage, ebenfalls über 30 Tage. Zusätzlich können antiphlogistische Maßnahmen (in erster Linie NSAR) eingesetzt werden.
- Neuroborreliose: Doxycyclin oral ist Mittel der Wahl, sodass auch bei Neuroborreliose keine i.v. Medikation und keine Kombinationsbehandlungen notwendig sind. Die Therapiedauer beträgt 14 Tage bei früher und 14-21 Tage bei später Neuroborreliose.
Therapie in der Schwangerschaft
Zur Therapie der Borreliose in der Schwangerschaft gibt es keine kontrollierten Untersuchungen. Der Einsatz von Doxycyclin ist hier kontraindiziert, da es zu Entwicklungsstörungen beim Embryo bzw. Fetus führen kann, insbesondere ab der 16. Schwangerschaftswoche. Als Mittel der ersten Wahl gilt Amoxicillin in üblicher Dosierung. Bei Unverträglichkeit dagegen und dringender Indikation stehen als Alternativen oral Cefuroxim und parenteral Ceftriaxon zur Verfügung.
Empfehlungen:
- 1. Trimester: Amoxicillin oder Cefuroximaxetil.
- Ab dem 2. Trimester: Amoxicillin oder Cefuroximaxetil. Bei Penicillinallergie können Azithromycin oder Cefuroximaxetil nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung in Betracht gezogen werden. In schweren Fällen kann Ceftriaxon intravenös unter Überwachung gegeben werden.
Wichtige Hinweise
- Während der Einnahme von Antibiotika sollte auf Milchprodukte verzichtet und der Patient über mögliche phototoxische Hautreaktionen aufgeklärt werden.
- Die Dauer der Therapie richtet sich nach der Schwere der klinischen Symptome.
- Vor dem Abschluss der ersten Antibiotika-Therapie wird von einer zusätzlichen intraartikulären Glukokortikoid-Therapie abgeraten.
- Weitere Therapiezyklen, Langzeittherapien über Monate, Pulstherapien, Einsatz alternativer Antibiotika, Kombinationstherapien mit mehreren Antibiotika oder Kombinationen mit Hydroxychloroquin haben sich als ineffektiv erwiesen oder wurden nicht in kontrollierten wissenschaftlichen Studien untersucht.
Prävention
Die Vermeidung von Zeckenstichen ist die einzige Möglichkeit, eine Lyme-Borreliose sicher zu verhindern. Daher sollten zeckendurchseuchte Gebiete gemieden werden. Nach Zeckenstich ist es wichtig, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Hierzu wird die Zecke mit einer stabilen, spitzen Pinzette (Zeckenzange) möglichst flach über der Haut gefasst und langsam, ggf. mit Hin- und Herdrehen, herausgezogen. Nach Entfernung der Zecke sollte die Wunde desinfiziert werden.
Weitere Präventionsmaßnahmen
- Bedeckende Kleidung tragen, wenn man sich im Freien aufhält.
- Den Körper sorgfältig nach Zecken untersuchen und diese frühzeitig entfernen.
- Repellents zur Zeckenabwehr verwenden (eingeschränkte Wirksamkeit, kurze Wirkdauer).
Eine prophylaktische Therapie nach Zeckenstich wird nicht empfohlen, da das Risiko einer Infektion vergleichsweise gering ist. Auch die entfernten Zecken untersuchen zu lassen wird nicht empfohlen, da ein positiver Nachweis von Borrelien in der Zecke keine Infektion und ein negatives Ergebnis nicht zwangsläufig Entwarnung bedeuten.
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