Scharfe und süße Aromen können mehr als nur den Gaumen erfreuen. Sie können auch positive Auswirkungen auf unsere Stimmung und Gesundheit haben. Dieser Artikel untersucht die Verbindung zwischen süßen und scharfen Speisen und ihrer Wirkung auf unsere Nerven und unser Wohlbefinden, einschließlich Rezepten und Tipps.
Die Wissenschaft der Schärfe
Scharf ist keine Geschmacksrichtung im herkömmlichen Sinne. Anders als süß, salzig, sauer, bitter und umami nehmen wir Schärfe nicht über die Geschmacksknospen wahr. Stattdessen reizen die in scharfen Lebensmitteln enthaltenen Stoffe Nerven, die Wärmeimpulse wahrnehmen.
Capsaicinoide
Capsaicinoide sind die Substanzen, die Chilis und andere Paprikagewächse scharf machen. Capsaicin ist der Hauptscharfstoff in Chilis und sorgt für eine heiß brennende Schärfe. Die Schärfe wird anhand der Scoville-Skala gemessen.
Piperin
Piperin ist der wichtigste Scharfstoff im Pfeffer, besonders im schwarzen Pfeffer. Es erzeugt ähnlich wie Capsaicin Hitze auf der Zunge und im Körper, ist aber weniger scharf. Ätherische Öle bestimmen die typischen Pfefferaromen.
Gingerole
Gingerole sind die Hauptscharfstoffe im Ingwer, wobei 6-Gingerol am meisten enthalten ist. Bei längerer Lagerung oder Trocknung entstehen Shogaole, die doppelt so scharf sind wie Gingerole.
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Senföle
Scharfe Senföle entstehen, wenn Glucosinolate mithilfe von Enzymen abgebaut werden, beispielsweise beim Schneiden von Meerrettich, Kresse oder Kohl. Sie sind scharfe, flüchtige ätherische Öle, die auch in Senfkörnern und Wasabi vorkommen.
Allicin
Allicin ist die Schwefelverbindung, die für den scharfen Geschmack und Geruch von Lauchgewächsen wie Zwiebeln und Knoblauch verantwortlich ist. Sie entsteht erst, wenn die Knoblauchzehe gepresst oder zerkaut wird.
Vorteile von Schärfe
Scharfes Essen kann verschiedene gesundheitliche Vorteile haben:
- Schmerzlinderung und Entzündungshemmung: Scharfstoffe können Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen.
- Stimmungsaufhellung: Der Körper schüttet Endorphine aus, um die durch Schärfe erzeugten Schmerzen zu unterdrücken. Diese Botenstoffe wirken schmerzstillend und machen glücklich.
- Förderung der Durchblutung: Scharfes Essen erweitert die Blutgefäße und fördert die Durchblutung, was wichtig ist, um Krankheitserreger abzuwehren.
- Unterstützung des Immunsystems: Scharfes Essen kann dem Immunsystem helfen, gesund durch die kalten Monate zu kommen.
- Antibakterielle und antivirale Wirkung: Besonders Senföle wirken nachweislich antibakteriell und antiviral und können bei Infektionen der Atemwege und Harnwege wirksam sein.
- Potenzielle Unterstützung bei Adipositas und Typ-2-Diabetes: Studien deuten darauf hin, dass Capsaicin den Energieverbrauch steigern und den Appetit senken kann und somit bei der Behandlung von Adipositas unterstützen könnte. Es hat auch die Blutzuckerwerte und Insulinwerte verbessert.
Vorsichtsmaßnahmen
Scharfes Essen kann auch negative Auswirkungen haben:
- Magenprobleme: Scharfes Essen kann Sodbrennen, Magenschmerzen und Durchfall auslösen, besonders bei Personen mit Magenproblemen.
- Maßvoller Genuss: Es ist wichtig, scharfes Essen nur in gut verträglichen Maßen zu genießen.
Süße und Schärfe kombinieren
Die Kombination von süßen und scharfen Aromen kann ein besonderes Geschmackserlebnis sein.
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- Chili: Chili lässt sich unendlich vielfältig einsetzen, und die Kombination von süß und scharf regt die Geschmacksnerven an.
- Orecchiette mit Cima di Rapa: Dieses Gericht enthält alle Geschmacksrichtungen, zwischen süß und sauer, bitter, salzig und scharf.
Hildegard von Bingen Nervenkekse
Die Nervenkekse nach Hildegard von Bingen sind ein traditionelles Rezept, das süße und würzige Aromen kombiniert und eine beruhigende und entspannende Wirkung haben soll.
Zutaten
- 200 g Dinkelvollkornmehl
- 60 g Rohrohrzucker
- 2 TL Muskat
- 1 TL Zimt
- ¼ TL Nelkenpulver
- ¼ TL Salz
- ½ TL Backpulver
- ½ Stück Schale einer Zitrone
- 125 g Butter (geschmolzen)
- 3 EL Honig
- 1 Ei
Zubereitung
- Das Mehl mit allen trockenen Zutaten in einer Schüssel vermischen.
- Flüssige Butter, Honig und Ei dazugeben und mit einem Mixer oder mit den Händen rasch zu einem homogenen Teig kneten.
- Den Teig zu einer Kugel formen, auf ein Teller legen, mit einer Frischhaltefolie abdecken und eine halbe Stunde kalt stellen.
- Den Backofen auf 170°C Ober-/Unterhitze vorheizen.
- Den Teig in zwei Teile teilen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche ca. 4mm dick ausrollen.
- Mit Keksausstechern ausstechen. Wenn gewünscht mit Keksstempfel oder Glasuntersteiten mit Struktur vorsichtig ein Muster auf die Oberfläche der Kekse drücken.
- Die Kekse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und ca. 15-17 Minuten lang backen, bis die Ränder leicht Farbe annehmen.
- Komplett auskühlen lassen. Wenn gewünscht mit Staubzucker, Zitronensaft und Zeste eine glatte Glasur zusammenrühren und die Kekse mit einem Pinsel damit bestreichen. 30 Minuten trocknen lassen, bis sie hart geworden ist.
- Anschließend in einem abgedeckten Behälter kühl aufbewahren.
Wirkung
Die Nervenkekse enthalten Muskatnuss, die für Hildegard von Bingen ein Universalmittel zur Stärkung von Nerven, Konzentration und Scharfsinn war. Nelke bringt Energie und Zimt senkt den Blutzuckerspiegel.
Vorsicht
Muskatnuss hat in zu hohen Mengen halluzinogene Wirkung, deshalb wird Erwachsenen empfohlen, täglich höchstens sechs Kekse zu essen, Kinder sollen maximal drei zu sich nehmen.
Mood Food: Essen für die Seele
Lebensmittel, die eine besonders ausgeprägte Wirkung auf die Laune haben, werden als „Mood Food“ bezeichnet. Diese Nahrungsmittel enthalten hohe Konzentrationen bestimmter Substanzen, die an der Produktion von Hormonen beteiligt sind, welche unsere Gefühle und Stimmungen regulieren.
Wichtige Nährstoffe
- Magnesium, Thiamin, Vitamin B6 und Folsäure sind besonders wichtig für ein gut funktionierendes Nervensystem.
- Serotonin ist ein wichtiger Stoff im Zusammenhang mit Mood Food.
Beispiele für Mood Food
- Schokolade: Kakao enthält Koffein sowie Theobromin, eine koffeinähnliche Substanz, die anregend wirkt und die Stimmung aufhellt.
- Nüsse: Nüsse enthalten viel Magnesium, sind reich an B-Vitaminen und enthalten das für die Serotoninbildung wichtige Tryptophan.
- Safran und Schärfe: Safran wirkt gegen Depressionen, und das in Chili und Peperoni enthaltene Capsaicin sorgt für die Ausschüttung von Endorphinen.
Veganes Good-Mood-Frühstück
Dieses Rezept ist ein einfaches veganes Beispiel, wie du Mood Foods kombinieren und in deinen Alltag integrieren kannst:
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- 1 Banane
- Walnüsse
- dunkle vegane Schokolade
- Haferflocken
- Sojajoghurt
Schneide die Banane in Scheiben, hacke die Walnüsse in kleine Stücke und rasple die dunkle Schokolade. Gib die Haferflocken und den Sojajoghurt zusammen mit den zerkleinerten Zutaten in eine Schüssel und genieße dein Frühstück. Dazu passt beispielsweise eine Tasse frischer Ingwertee.