Viele Betroffene und ihre Partner schweigen aus Scham über die Veränderungen in ihrer Sexualität, die mit Parkinson einhergehen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Veränderungen der Sexualität bei Parkinson normal sind und offen angesprochen werden sollten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über sexuelle Probleme bei Parkinson, deren Ursachen, Auswirkungen auf die Partnerschaft und mögliche Lösungsansätze.
Sexuelle Probleme bei Parkinson: Ein Überblick
Sexuelle Probleme bei Parkinson können vielfältig sein und sowohl Männer als auch Frauen betreffen. Sie können sich in Form von vermindertem sexuellem Verlangen, Erektionsstörungen, Problemen mit der sexuellen Erregung oder Schwierigkeiten beim Erreichen des Orgasmus äußern.
Vermindertes sexuelles Verlangen (Libidoverlust)
Ein Rückgang des sexuellen Verlangens oder der Libido ist ein häufiges Problem bei Menschen mit Parkinson. Dies kann auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, darunter hormonelle Veränderungen, Depressionen, Angstzustände oder die Auswirkungen von Medikamenten.
Erektionsstörungen bei Männern
Parkinson kann die Fähigkeit zur Erektion beeinträchtigen, was zu erektiler Dysfunktion führen kann. Dies kann durch neurologische Veränderungen, Gefäßprobleme oder Nebenwirkungen von Medikamenten verursacht werden.
Probleme mit der sexuellen Erregung bei Frauen
Frauen mit Parkinson können Schwierigkeiten haben, sexuell erregt zu werden oder einen Orgasmus zu erreichen. Dies kann auf hormonelle Veränderungen, neurologische Probleme oder eine verminderte Durchblutung des Genitalbereichs zurückzuführen sein. Auch Trockenheit der Scheide kann ein Problem darstellen.
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Ursachen sexueller Probleme bei Parkinson
Die Ursachen für sexuelle Probleme bei Parkinson sind vielfältig und komplex. Sie können auf motorische und nicht-motorische Symptome der Krankheit, Medikamenteneffekte und psychische Faktoren zurückzuführen sein.
Motorische Symptome
Typische motorische Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit und verlangsamte Bewegungen können die körperliche Intimität erschweren. Einfache Gesten wie Umarmen oder Streicheln kosten mehr Kraft und können sich ungewohnt anfühlen. Eingeschränkte Beweglichkeit kann manche Stellungen verhindern und Muskelverspannungen können zärtliche Berührungen erschweren.
Nicht-motorische Symptome
Nicht-motorische Symptome wie Depressionen, Angstzustände, chronische Erschöpfung und kognitive Beeinträchtigungen können das sexuelle Verlangen und die sexuelle Funktion beeinträchtigen. Der Dopaminmangel, der durch das Absterben bestimmter Nervenzellen im Gehirn entsteht, spielt eine Schlüsselrolle in der Regulierung von Sexualfunktionen wie Libido und Erektion.
Medikamente
Medikamente zur Behandlung von Parkinson können die Sexualität ebenfalls beeinflussen - positiv wie negativ. Während Dopaminagonisten in manchen Fällen die Libido steigern, führen sie in anderen zu sexuellen Problemen, indem sie etwa Nebenwirkungen wie Hypersexualität oder Schwierigkeiten beim Orgasmus mit sich bringen. Eine bestimmte Wirkstoffgruppe kann als Nebenwirkung den Blutdruck senken und eine Potenzstörung beim Mann verstärken. Eine andere mögliche Folge von bestimmten Wirkstoffen ist ein gesteigertes sexuelles Verlangen.
Psychische Faktoren
Scham, erhebliche Selbstzweifel und eine Depression können die Folge von sexuellen Problemen bei Parkinson sein. Auch Zukunftsängste und Sorgen um die Krankheit können das sexuelle Verlangen beeinträchtigen.
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Auswirkungen auf die Partnerschaft
Die Beeinträchtigung der Sexualität kann Partnerschaften belasten. Partner fühlen sich manchmal überfordert oder unsicher, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Es ist wichtig, offen über die sexuellen Veränderungen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Umgang mit sexuellen Problemen bei Parkinson
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit sexuellen Problemen bei Parkinson umzugehen. Dazu gehören medizinische und therapeutische Ansätze, Hilfsmittel und eine offene Kommunikation.
Medizinische und therapeutische Ansätze
- Medikamentenanpassung: Wenn Erektionsprobleme oder Libidoverlust mit Parkinson-Medikamenten zusammenhängen, sollte die Dosierung oder der Medikamententyp überprüft werden. Über eine Anpassung der Parkinson-Therapie lässt sich oft viel bewirken.
- Behandlung von Begleiterkrankungen: Depressionen, Angst oder Müdigkeit lassen sich mit Psychotherapie und/oder Medikamenten lindern, was das Sexualleben indirekt verbessern kann.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen verbessern die Beweglichkeit und erleichtern körperliche Intimität. Physiotherapeut:innen können Tipps zu geeigneten Stellungen geben.
- Sexualtherapie: Spezialisierte Sexualtherapie bietet zudem individuelle Lösungen.
Hilfsmittel
Für Männer können PDE-5-Hemmer hilfreich sein, für Frauen können sich Gleitmittel oder Hormonbehandlungen eignen.
Kommunikation
Offene Gespräche sind essenziell, um Bedürfnisse, Ängste und Wünsche zu teilen. Partner können nur ermutigt werden, viel nachzufragen. Es ist wichtig, dem Partner mitzuteilen, was man sich wünscht und was einem fehlt.
Tipps und Ratschläge für Betroffene und Partner
- Sprechen Sie offen über Ihre Probleme: Schweigen Sie nicht aus Scham. Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihrem Arzt oder einem Therapeuten über Ihre sexuellen Probleme.
- Seien Sie geduldig und verständnisvoll: Parkinson ist eine fortschreitende Erkrankung, die sich auf viele Lebensbereiche auswirken kann. Seien Sie geduldig mit sich selbst und Ihrem Partner.
- Experimentieren Sie mit neuen Formen der Intimität: Sexualität ist mehr als nur Geschlechtsverkehr. Entdecken Sie neue Formen der Intimität, die für Sie und Ihren Partner befriedigend sind. Dazu gehören Zärtlichkeiten, körperliche Berührungen, Massagen, Umarmungen und Handhalten.
- Nehmen Sie sich Zeit: Planen Sie Zeit für Intimität ein. Stress und Hektik können das sexuelle Verlangen beeinträchtigen.
- Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre: Raumdüfte können entspannend wirken und die Stimmung verbessern.
- Berücksichtigen Sie die individuellen Bedürfnisse: Manche Menschen mit Parkinson haben möglicherweise Empfindlichkeiten gegenüber Berührungen oder erleben Schmerzen oder Unbehagen in bestimmten Körperbereichen. Berücksichtigen Sie diese individuellen Bedürfnisse.
- Holen Sie sich professionelle Hilfe: Wenn Sie Schwierigkeiten haben, mit Ihren sexuellen Problemen umzugehen, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Sexualität im Frühstadium von Parkinson
Auch im Frühstadium der Parkinson-Krankheit können sexuelle Probleme auftreten. Es ist wichtig, diese frühzeitig anzusprechen und sich nicht von Zukunftsängsten überwältigen zu lassen. Die Beschwerden im Frühstadium lassen sich meist wirksam behandeln.
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Sexualität und Medikamente
Die Parkinson-Krankheit erfordert eine regelmäßige Medikamenteneinnahme. Es ist wichtig, die Medikamenteneinnahme regelmäßig mit einem Arzt zu besprechen und sich gut über die Medikamente zu informieren. Treten belastende Nebenwirkungen auf, ist ärztliche Beratung wichtig. Es ist dann möglich, die Dosis zu ändern oder ein anderes Medikament einzunehmen.
Sexualität und Selbsthilfe
In vielen Städten gibt es Selbsthilfegruppen, in denen ein Erfahrungsaustausch und Unterstützung durch andere Betroffene möglich ist. Auch Online-Foren oder andere soziale Netzwerke im Internet werden für den Austausch über den Umgang mit Krankheiten immer wichtiger. In der relativen Anonymität des Internets ist es manchmal sogar einfacher, über tabuisierte Themen wie Sexualität zu reden.
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