Die Plexuschirurgie ist ein hochspezialisiertes Feld der Chirurgie, das sich mit der Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen des Plexus brachialis und anderer Nervengeflechte befasst. In Aachen hat sich eine Sektion innerhalb der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen etabliert, die sich dieser komplexen Materie widmet. Dieser Artikel beleuchtet die Spezialisten in Aachen, ihre Expertise, Behandlungsmethoden und gibt Einblicke in die Erfahrungen von Patienten.
Spezialisten in Aachen
Die Sektion Plexuschirurgie der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen wird von Dr. Jörg Bahm geleitet, einem Facharzt für Chirurgie, Plastische Chirurgie und Handchirurgie. Das Team besteht weiterhin aus Oberarzt Dr. med. Benjamin Bohn und der Assistenzärztin Soumaya Sghir.
Expertise und Behandlungsspektrum
Die Sektion Plexuschirurgie in Aachen konzentriert sich auf die Behandlung von Nervenschäden im Gesicht, am Rumpf sowie an Armen und Beinen. Das Behandlungsspektrum umfasst Operationen zur Linderung von Bewegungsstörungen der Arme und die Beratung von Patienten mit komplexen Erkrankungen, beispielsweise am Handgelenk. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der mikrochirurgischen Nervenchirurgie.
Mikrochirurgische Nervenchirurgie
Die Mikrochirurgie ermöglicht die Operation kleinster anatomischer Strukturen. Bei Operationen an Nerven und kleinen Blutgefäßen ist der Einsatz eines Operationsmikroskops erforderlich, welches eine bis zu 20-fache Vergrößerung ermöglicht. So können kleinste Gefäße und Nerven, z.B. bei abgetrennten Gliedmaßen, wieder angenäht werden (Replantationschirurgie).
Ein besonderer Schwerpunkt der Tätigkeit stellt die Mikrochirurgie von Nerven dar. So kommt es bei der Geburt zuweilen zur Schädigung eines im Bereich der Achselhöhle gelegenen Nervengeflechtes, welches den gesamten Arm versorgt, dem sogenannten Plexus brachialis. Schädigungen des Plexus brachialis treten vor allem auch durch Unfälle auf. Auch weiter peripher gelegene Nerven im Bereich der Ellenbeuge, des Unterarmes und der Hand können durch Unfälle oder Tumore direkt geschädigt werden. Auch auf Umwegen über Absiedelungen in Lymphknotengebieten in der Achselhöhle können die Nerven geschädigt werden. Nach Hüftgelenkoperationen kommt es zuweilen zu Schäden entsprechender Nerven im Beckenbereich, dem Plexus lumbalis, oder zu Schäden der Beinnerven, was mit chronischen Schmerzen und Lähmungen einhergehen kann. Ebenso findet man Nervenschädigungen am Oberschenkel und Unterschenkel durch Unfälle oder auch durch Tumore bedingt. Teilweise handelt es sich dabei auch um kleine Tumore des Nervengewebes selbst.
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Ein Nerv ist eine spezielle Körperzelle, die zwar extrem dünn, aber bis zu 1,50 m lang sein kann. Die Nerven durchziehen als Bündel vom Rückenmark ausgehend den gesamten Körper, ähnlich wie Stromkabel. Die „Stomverteiler“ sind die oben aufgeführten verschiedenen Plexi. Wird ein derartiges Nervenbündel durchtrennt, so degeneriert das periphere Ende innerhalb kürzester Zeit. Lediglich die den eigentlichen Nerv umhüllenden Stützzellen bleiben erhalten.
Diese erhaltenen Stützzellen sondern einen Lockstoff ab, der das Wachstum des zentral erhaltenen Nervenanteils stimuliert. Ist nun ein Nerv scharf durchtrennt, so kann er in das alte noch vorhandene Gerüst der Stützzellen einwachsen. In den meisten Fällen ist der Nerv aber zerrissen, so dass das wachstumsfähige Ende zu weit von den lockstoffabsondernden Zellen entfernt ist. Nach kurzem Umherirren stellt der nun ziellos aussprossende Nerv sein Wachstum ein und bildet eine Narbe an seinem Ende, die nicht selten Schmerzen und das Gefühl des Elektrisierens verursachen.
Hier bietet sich die Möglichkeit, durch Transplantation eines im Unterschenkel oder Unterarm gelegenen Hautnervs, die fehlende Brücke zwischen den getrennten Nervenenden herzustellen. Dies geschieht mit feinsten Instrumenten und haardünnen Fäden unter dem Operationsmikroskop. Das Nervengewebe des transplantierten Nerven geht dabei ebenfalls zugrunde, aber die nun vorhandenen Stützzellen stimulieren das Wachstum des verbliebenen Nerven und leiten ihn durch die Überbrückung an die alte Stelle in der Peripherie. Dieser Prozess dauert je nach Länge der Wachstumsstrecke zwischen ½ und 2 Jahren. Da Nerven keine Farbcodierung aufweisen, wie ihre technischen Gegenstücke, die elektrischen Kabel, ist das Ergebnis einer derartigen mikrochirurgischen Nerventransplantation weitestgehend abhängig von der Erfahrung des Operateurs.
Nerventransfers bei Plexus brachialis Läsionen
Wenn bei einer Schädigung des Plexus brachialis drei oder mehr Nerven-Wurzeln zerstört sind, reichen die verbliebenen Wurzeln als Spender nicht aus, um den gesamten Arm zu versorgen. In diesem Fall kann man von der gesunden Seite Nervenfasern abzweigen und in den verletzten Arm einlenken. Hier dient die gesunde Wurzel C7 als Spender (kontralateraler C7-Transfer), um beispielsweise die Funktion einer gelähmten Hand wiederherzustellen. Dies geschieht besonders vorsichtig, um den gesunden Arm nicht zu schädigen. Über „Rankhilfen“ (Gefühlsfasern aus den Beinen) werden die gesunden Nervenfasern an ihren Zielort geleitet. Dort finden sie Anschluss an die gelähmte Muskulatur, die so ihre Funktion wieder aufnehmen kann. In der Analogie kann man die Nervenfasern der gesunden C7-Wurzeln auch zu den Beinen umlenken, wenn dort Nervenschäden vorliegen.
In Analogie zum kontralateralen C7-Transfer bei Armnervenlähmungen kann man die Nervenfasern der gesunden C7-Wurzeln auch zu den Beinen umlenken, wenn dort Ausfälle vorliegen. Dieses Verfahren kann man sich bei bestimmten Formen von Querschnittslähmungen zunutze machen. Bei thorakalen Rückenmarksläsionen werden gesunde Fasern aus den Armen umgelenkt und über „Rankhilfen“ zu den Beinen geleitet. Die Reflexbögen der Beinmuskulatur sind bei dieser Art von Querschnittslähmung noch intakt; aus diesem Grund kann die Muskulatur auch nach länger bestehender Lähmung (bis zu mehreren Jahren) durch die Fasern aus den Armen wiedererweckt werden. Die Arme werden hierbei vorübergehend etwas Schwächer, dies wird aber nach einiger Zeit kompensiert.
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Bei Rückenmarksläsionen auf Höhe der Lendenwirbel werden Teile der Reflexbögen zerstört, so dass eine periphere Schädigung mit langsamem Untergang der Bein- oder Gesäßmuskulatur resultiert. In diesen Fällen müssen Nervenfasern die Versorgung der abhängigen Muskulatur zeitnah übernehmen, was aber ohne Schädigung der Armversorgung (N. ulnaris-Transfer) nicht möglich ist.
Mikrochirurgische Entfernung von Narbengewebe
Ist ein Nerv nicht zerrissen, sondern durch einen Tumor oder eine äußere Einwirkung lediglich vernarbt, so genügt oft die mikrochirurgische Entfernung des Narbengewebes, um die Funktion zu verbessern.
Neuromuskulärer Ultraschall
Der Neuromuskuläre Ultraschall ist eine schmerzlose Untersuchungsmethode, die es ermöglicht periphere Nerven und Muskeln und ihre Erkrankungen sichtbar zu machen. Er wird ergänzend zu Klinik und Elektrophysiologie (EMG, Neurographie, Evozierte Potenziale etc.) als bildgebendes Verfahren eingesetzt und liefert Informationen über die Morphologie, Art, Schwere und Lokalisation einer Nervenschädigung. Hierdurch wird eine gezielte weitere Behandlung der Erkrankung ermöglicht. Dabei ist sowohl die Expertise des Untersuchers als auch die technische Ausstattung entscheidend. Frau Dr. Borchert wendet den Nervenultraschall seit über zehn Jahren an und verwendet neueste Technik mit hochauflösenden Matrixschallköpfen bis zu 24 MHz, die es nur an wenigen Zentren gibt. Sie ist zertifiziert durch DEGUM (DEGUM Stufe III, Ausbilderin und Kursleiterin) und DGKN und Ausbilderin für Nerven- und Muskelultraschall.
Der Ultraschall der Nerven und Muskeln kann prä- und postoperativ wertvolle Zusatzinformationen generieren wie Art, Schwere und Lokalisation einer Schädigung. Anatomische Gegebenheiten und Varianten können vor einer Operation für den Operateur sichtbar gemacht werden. In der Untersuchung von Nervenverletzungen bei Kindern ist der Nervenultraschall besonders wertvoll, da er schmerzlos ist und im Gegensatz zur Elektrophysiologie, die von Kindern oft schlecht toleriert wird, früh Aussagen über den Zustand des Nervs treffen kann. Bei Schädigungen des Plexus brachialis wie Thoracic-outlet-Syndrom oder Nerventorsionen nach Plexusneuritis/ Neuralgischer Schulteramyotrophie liefert der Ultraschall wichtige ergänzende Informationen zur MRT- und CT-Bildgebung. Bei Engpass-Syndromen wie Karpaltunnel- oder Cubitaltunnel-Syndrom (Sulcus ulnaris) aber auch anderen Kompressionssyndromen der Arm- und Beinnerven können Ausmaß und Ursache der Schädigung aufgezeigt werden. Nerventumore können mittels Ultraschall hinsichtlich Größe, Ausdehnung, Vaskularisation und Morphologie beurteilt werden. Bei traumatischen Nervenverletzungen liefert der Nervenultraschall frühzeitig Informationen zu Art, Schwere und Lokalisation einer Schädigung. Auch Hautnerven können mit unserer Technik dargestellt werden und Verletzungen oder Kompressionsstellen lokalisiert werden (N. cutaneus femoris lateralis, N. saphenus bis hin zu den infrapatellaren Ästen nach Knie-OP u.a.). Erkrankungen der Nerven des Fußes wie eine Morton-Metatarsalgie können im Nervenultraschall detektiert werden. In der Differenzierung von Neuropathien (Immunneuropathie, hereditäre Neuropathie inkl. CMT) kann der Muskelultraschall wichtige Informationen liefern.
Diagnostische Verfahren
Die Uniklinik RWTH Aachen bietet ein breites Spektrum an diagnostischen Verfahren zur Beurteilung von Nervenschäden und -erkrankungen:
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- Ultraschall der hirnversorgenden Gefäße: Untersucht die Halsgefäße auf Wandbeschaffenheit, arteriosklerotische Ablagerungen und Eigenschaften des Blutflusses.
- Neurografie: Misst die Nervenleitgeschwindigkeiten und gibt Auskunft über die Funktion eines peripheren Nervs.
- Elektromyografie (EMG): Untersucht die Muskeln mit einer Nadelektrode, um den Grad der Erholung nach Nervenverletzungen zu beurteilen.
- Evozierte Potenziale: Messen die Funktion von Nervenbahnen, z.B. des Sehnervs oder der sensiblen Nerven.
Weitere Behandlungsoptionen
Neben operativen Eingriffen bietet die Sektion Plexuschirurgie auch konservative Behandlungsmethoden an:
- Botulinumtoxin: Wird zur Reduktion der Muskelspannung bei neurologischen Erkrankungen wie zervikaler Dystonie, Spastik oder chronischer Migräne eingesetzt.
- Infiltrationen: Lokale perineurale Infiltrationen mit einem Lokalanästhetikum zur Differenzierung und Lokalisationsbestimmung chronischer neuropathischer Schmerzen.
- Tremoranalyse: Apparative Messung der Tremorfrequenz zur Differenzierung der Tremorursachen.
Patientenperspektiven
Die Meinungen der Patienten spielen eine wichtige Rolle bei der Wahl des richtigen Arztes. Im Folgenden werden einige Meinungen zu Plastischen Chirurgen in Aachen zusammengefasst:
- Dr. med. Jens: Patienten berichten von einer einfühlsamen Betreuung und wunderschönen Ergebnissen nach Oberlidstraffungen. Das Team wird als super nett beschrieben, und die Patienten fühlen sich wohl.
- Priv. Doz. Dr. med. Lassner: Patienten loben die professionelle und nette Betreuung vor und nach Operationen an der Hand. Die Kompetenz der Ärzte und die Freundlichkeit der Mitarbeiter werden hervorgehoben.
- Priv. Doz. Dr. med. Michael Becker: Patienten schätzen seine freundliche und hilfsbereite Art sowie seine Erfahrung und Meinung zu ihren Problemen.
Plexuskinder e.V.
Plexuskinder e.V. ist eine Selbsthilfeorganisation für Kinder mit Plexusparese und ihre Familien. Die Organisation bietet Informationen, Unterstützung und Vernetzungsmöglichkeiten. Mirjam Mahler und Ilse Frank haben für Plexuskinder e.V. Gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband e.V.
Uniklinik RWTH Aachen: Umfassende Versorgung
Die Uniklinik RWTH Aachen bietet eine optimale medizinische Versorgung durch Forschung, Lehre und interdisziplinäre Kooperationen. Die Patienten werden komfortabel untergebracht, und das Personal engagiert sich für einen angenehmen Aufenthalt. Die Klinik ist gut mit dem Auto erreichbar und verfügt über gebührenpflichtige Parkplätze und einen Taxistand.
Plastische Chirurgie: Mehr als nur Ästhetik
Die Plastische Chirurgie umfasst ein breites Spektrum an Behandlungen, von der Wiederherstellung verlorener Körperformen bis hin zur ästhetischen Verbesserung des Aussehens. Prof. Dr. Dr. med. Prof. H.C. Mult. Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen, betont die Bedeutung der Rekonstruktiven Chirurgie, insbesondere nach Tumoroperationen oder Unfällen. Mikrochirurgische Methoden, Laserbehandlungen und die Transplantation von Eigenfett spielen dabei eine wichtige Rolle.