Die spastische Parese, gekennzeichnet durch erhöhten Muskeltonus und Steifheit, wird im internationalen Klassifikationssystem der Krankheiten (ICD-10) unter verschiedenen Codes erfasst, je nach Ausprägung und Ursache. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die ICD-10-Codes für spastische Paresen, ihre Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
ICD-10-Codes für Spastische Parese
Die ICD-10-Klassifikation bietet spezifische Codes, um verschiedene Formen der spastischen Parese zu dokumentieren. Hier sind einige relevante Codes:
- G80.- Infantile Zerebralparese: Diese Kategorie umfasst spastische Zerebralparesen, die im Kindesalter auftreten.
- G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese: Betrifft alle vier Gliedmaßen.
- G81.- Hemiparese und Hemiplegie: Diese Kategorie bezieht sich auf Lähmungen einer Körperhälfte.
- G81.1 Spastische Hemiparese und Hemiplegie: Bezeichnet eine spastische Lähmung einer Körperhälfte.
- G82.- Paraparese und Paraplegie, Tetraparese und Tetraplegie: Diese Kategorie umfasst Lähmungen der unteren oder aller vier Extremitäten.
- G82.1- Spastische Paraparese und Paraplegie: Bezeichnet eine spastische Lähmung der unteren Extremitäten.
- G82.4- Spastische Tetraparese und Tetraplegie: Bezeichnet eine spastische Lähmung aller vier Extremitäten.
Innerhalb der Kategorie G82 gibt es weitere Unterteilungen, die den Zustand genauer beschreiben:
- G82.10 Spastische Paraparese und Paraplegie: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese.
- G82.11 Spastische Paraparese und Paraplegie: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese.
- G82.12 Spastische Paraparese und Paraplegie: Chronische komplette Querschnittlähmung.
- G82.13 Spastische Paraparese und Paraplegie: Chronische inkomplette Querschnittlähmung.
- G82.19 Spastische Paraparese und Paraplegie: Nicht näher bezeichnet.
Zusätzlich können weitere Codes verwendet werden, um die funktionelle Höhe der Schädigung des Rückenmarks anzugeben (G82.6-!).
Ursachen der Spastischen Parese
Die spastische Parese kann verschiedene Ursachen haben, darunter:
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- Zerebralparese: Eine Gruppe von neurologischen Erkrankungen, die durch Schädigungen des sich entwickelnden Gehirns verursacht werden.
- Querschnittslähmung: Eine Schädigung des Rückenmarks, die zu Lähmungen und Sensibilitätsverlust unterhalb der Verletzungsstelle führt. Ursachen hierfür können Traumata (z.B. Unfälle), Kompressionen (z.B. durch Tumore oder Bandscheibenvorfälle) oder Hämorrhagien sein.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) können ebenfalls zu spastischen Paresen führen.
- Stoffwechselstörungen: Ein Vitamin-B12-Mangel kann in seltenen Fällen eine Querschnittssymptomatik verursachen.
- Hereditäre Ataxie: Seltene genetisch bedingte Ataxieformen, wie die autosomal-rezessive spastische Ataxie vom Typ Charlevoix-Saguenay.
- Entzündliche Erkrankungen: Myelitis oder Enzephalomyelitis können ebenfalls spastische Paresen verursachen.
Symptome und Diagnose
Die Symptome der spastischen Parese variieren je nach Schweregrad und betroffener Körperregion. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Erhöhter Muskeltonus: Steifheit und Schwierigkeiten bei der Bewegung.
- Spastik: Unwillkürliche Muskelzuckungen oder -krämpfe.
- Schwäche: Schwierigkeiten bei der willkürlichen Ansteuerung der Muskeln.
- Reflexsteigerung: Überaktive Reflexe.
- Koordinationsstörungen: Schwierigkeiten bei der Ausführung präziser Bewegungen.
- Eingeschränkte Motorik: Unmittelbar nach einem Trauma kann es zu einer totalen Funktionslosigkeit der Muskulatur und einem Ausbleiben der Reflexe (spinaler Schock) kommen.
Die Diagnose der spastischen Parese umfasst in der Regel eine neurologische Untersuchung, Bildgebung des Gehirns und Rückenmarks (z.B. MRT) sowie elektrophysiologische Untersuchungen (z.B. EMG), um die Muskelaktivität zu beurteilen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der spastischen Parese zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Funktion zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Zu den gängigen Behandlungsmethoden gehören:
- Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Muskelkraft, Beweglichkeit und Koordination. Bobath-Techniken können hierbei hilfreich sein.
- Ergotherapie: Hilft bei der Anpassung an den Alltag und dem Erlernen von Kompensationsstrategien.
- Medikamentöse Therapie: Medikamente wie Muskelrelaxantien (z.B. Baclofen, Tizanidin) können zur Reduktion der Spastik eingesetzt werden. Botulinumtoxin-Injektionen können gezielt in betroffene Muskeln verabreicht werden, um die Spastik lokal zu reduzieren.
- Orthopädische Hilfsmittel: Orthesen und andere Hilfsmittel können die Stabilität verbessern und die Bewegung erleichtern.
- Funktionelle Elektrostimulation (FES): Die FES kann eingesetzt werden, um geschwächte oder gelähmte Muskeln zu aktivieren. Studien zeigen, dass FES die Muskelkraft und Funktion verbessern kann, selbst bei dauerhaft denervierten Muskeln.
- Operationen: In einigen Fällen können operative Eingriffe erforderlich sein, um Sehnen zu verlängern oder Gelenkfehlstellungen zu korrigieren.
- STIWELL® Elektrotherapie: Diese spezielle Form der Elektrostimulation kann bei inkompletter Querschnittslähmung eingesetzt werden.
Komplikationen und Begleiterscheinungen
Abhängig von der Art und Ausprägung der spastischen Parese können verschiedene Komplikationen und Folgeerscheinungen auftreten, darunter:
- Harnwegsinfekte: Bei gestörter Blasenfunktion, insbesondere wenn die Blase nicht vollständig entleert werden kann.
- Dekubitus: Druckgeschwüre aufgrund von Bewegungseinschränkungen.
- Gelenkversteifungen: Schmerzhafte Versteifungen von Gelenken durch die Spastik.
- Eingeschränkte Lebenserwartung: Die Lebenserwartung kann bei schweren Formen der Querschnittslähmung beeinträchtigt sein, insbesondere wenn die Atemmuskulatur betroffen ist.
Rehabilitation und Lebensqualität
Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit spastischer Parese. Ziel ist es, die Selbstständigkeit zu fördern, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und Komplikationen vorzubeugen.
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- Funktionelles Training: Gezieltes Training zur Verbesserung spezifischer Fähigkeiten, wie Gehen, Greifen oder Sprechen.
- Hilfsmittelversorgung: Anpassung und Training mit geeigneten Hilfsmitteln, wie Rollstühlen, Gehhilfen oder Kommunikationsgeräten.
- Psychologische Unterstützung: Beratung und Therapie zur Bewältigung der psychischen Belastung durch die Erkrankung.
- Soziale Integration: Unterstützung bei der Wiedereingliederung in das Berufsleben und die soziale Gemeinschaft.
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