Sport bei Epilepsie: Ein aktives Leben trotz Anfälle

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, von der viele Menschen betroffen sind. Lange Zeit wurde Menschen mit Epilepsie von sportlicher Betätigung abgeraten. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass Sport und körperliche Aktivität nicht nur möglich, sondern sogar empfehlenswert sind. Dieser Artikel beleuchtet, wie Menschen mit Epilepsie ein aktives Leben führen können, welche Sportarten geeignet sind und welche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen sind.

Epilepsie und Sport: Ein Überblick

Sportliche Aktivität trägt zur Gesundheit und zum Wohlbefinden bei und ist auch für Menschen mit Epilepsie empfehlenswert. Sport beeinflusst das Allgemeinbefinden positiv und wirkt sich positiv auf die Gesundheit und die körperliche Fitness aus. Trotzdem treiben Menschen mit Epilepsie weniger Sport als Menschen ohne neurologische Erkrankung. Dies kann an der Angst vor Komplikationen beim Sport liegen oder auch an Nebenwirkungen oder Begleiterscheinungen der eingenommenen Epilepsiemedikamente.

Ein Experten-Appell zum Tag der Epilepsie betonte, dass regelmäßige körperliche Betätigung ein moderater, aber eindeutiger präventiver Schutzfaktor gegen Anfälle ist. Eine Studie der Universität Göttingen ergab, dass Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit von Menschen mit Epilepsie im Vergleich zu gleichaltrigen Gesunden deutlich beeinträchtigt sind. Der Grund dafür liegt nicht nur in der Wirkung mancher Medikamente, sondern vor allem darin, dass viele Menschen mit Epilepsie Sport meiden, weil sie fürchten, sich während eines Anfalls zu verletzen. Diese Angst ist jedoch oft unbegründet.

Anfallsrisiko beim Sport: Was man wissen muss

Das Anfallsrisiko ist beim Sport und bei sportlich aktiven Menschen normalerweise nicht höher als sonst. Im sportlichen und beruflichen Umfeld kommt es sogar zu weniger epileptischen Anfällen als in der Freizeit. Auch Sportunfälle (unabhängig von epileptischen Anfällen) sind bei Epileptikern seltener als im Durchschnitt.

Allerdings können bestimmte Faktoren epileptische Anfälle fördern und sollten daher vermieden werden. Dazu gehören Unterzuckerung, Überhitzung, Flüssigkeitsmangel und starke Lichteinwirkung bei bestimmten Sportarten. Wichtig ist auch, das jeweils individuelle Risiko eines Anfalls zu beachten, also Anfallsart und -häufigkeit, eventuelle Prodromi und eine tageszeitliche Bindung.

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Geeignete Sportarten und Risikobetrachtung

Grundsätzlich sollte bei der Wahl einer geeigneten Sportart eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden. Grundlage dafür ist eine genaue Kenntnis über den Verlauf der epileptischen Anfälle einer Person, die dann mit den möglichen Risiken der gewählten Sportart in Beziehung gesetzt werden sollte.

Sämtliche Sportarten, die beim Auftreten eines Anfalls keine Gefahr für die Gesundheit darstellen, können bedenkenlos betrieben werden, darunter beispielsweise nahezu alle Ballsportarten. Auch Sportarten in der Gemeinschaft oder im Sportverein sind zu empfehlen.

Von einigen Sportarten ist abzuraten, insbesondere wenn durch einen Anfall erhebliche Risiken auftreten können. Dazu gehören beispielsweise Klettern, Bergsteigen, Motorsport, Boxen und Tauchen. Vor allem beim Schwimmen und Klettern sollten Spaß und körperlicher Effekt sehr sorgfältig gegenüber dem erhöhten Risiko abgewogen werden.

Sportarten mit besonderen Risiken:

  • Wassersport: Bei Anfällen durch Lichtreize beim Wassersport sollte eine Sonnenbrille getragen werden. Beim Tauchen sind auch bewusst erlebte fokal beginnende Anfälle lebensgefährlich, da sie zum Ertrinken führen können. Rettung bei Krampfanfällen in offenen Gewässern ist meist unmöglich, trotz Begleitung durch eine im Rettungsschwimmen geschulte Person.
  • Sportarten in großer Höhe oder mit hohen Geschwindigkeiten: Hier besteht Absturzgefahr. Beispiele sind Sportfliegen, Berwandern auf Hochgraten und Geräteturnen über Brusthöhe.
  • Kampfsportarten: Hier besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Sportarten mit geringerem Risiko:

  • Ausdauersportarten: Patienten, die regelmäßig Sport treiben, erleiden seltener Anfälle als solche, die sportliche Aktivitäten meiden. Dieses verringerte Anfallsrisiko gilt vor allem für Ausdauersportarten.
  • Ballsportarten: Nahezu alle Ballsportarten können bedenkenlos betrieben werden.

Sicherheitsmaßnahmen und Empfehlungen

Menschen mit Epilepsie müssen abwägen, welche Risiken sie beim Sport eingehen wollen. Erwachsene mit Epilepsie können Risiken für sich selbst beim Sport eingehen, wenn Ihnen die eigene Lebensqualität wichtiger ist als ihre Sicherheit. Allerdings müssen sie Fremdgefährdung durch Anfälle während des Sports vermeiden. Diese ist nicht nur moralisch verwerflich, sondern es drohen auch Schadensersatzforderungen und Strafen. Sportfliegen trotz Anfallsgefahr gefährdet alle an Bord.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Anfallsfreiheit: Für Menschen mit Epilepsie, die länger als 1 Jahr anfallsfrei sind, werden keinerlei Einschränkungen beim Sport gesehen, auch nicht bei Sportarten, die mit einem hohen Unfallrisiko bei Epilepsie verbundenen sein können.
  • Medikamente: Bei medikamentös kontrollierten Epilepsien bestehen tatsächlich nur wenige Einschränkungen.
  • Begleitung: Zu empfehlen sind Sportarten in der Gemeinschaft oder im Sportverein.
  • Vermeidung von Anfallsauslösern: Aktivitäten zu risikoreichen Tageszeiten nach Möglichkeit meiden.
  • Ärztliche Beratung: Bei Medikamentenumstellung oder Absetzen der Medikamente ist besondere Vorsicht geboten.

Reisen mit Epilepsie: Planung ist alles

Gute Planung eines Urlaubs bzw. einer Reise und eine gezielte Auswahl des Urlaubsorts und der Aktivitäten im Urlaub können bekannte Anfallsauslöser vermeiden. Menschen mit Epilepsie können Anfallsauslöser und Probleme mit Medikamenten im Urlaub durch gute Planung vermeiden.

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Vor der Reise:

  • Neurologie-Termin: Menschen mit Epilepsie sollten rechtzeitig vor dem Urlaub bzw. der Reise einen Neurologie-Termin vereinbaren.
  • Reiseimpfungen: Sind die nötigen Reiseimpfungen erforderlich?
  • Flugtauglichkeitsbescheinigung: Bekomme ich eine ärztliche Flugtauglichkeitsbescheinigung (MEDA-Formular oder MEDIF-Formular der Fluggesellschaft) und ggf. ein Attest für den Reiseanbieter bzw. die Fluggesellschaft? Informationen und Formulare finden sich auf den Internetseiten der Fluglinien. Fluggesellschaften dürfen sich weigern, Fluggästen mit Gesundheitsproblemen mitzunehmen, um Zwischenlandungen bei Notfällen vorzubeugen. Nach einer Zwischenlandung wegen eines Status epilepticus kann eine vorher ausgestellte Flugtauglichkeitsbescheinigung ungültig werden.
  • Medikamente: Medikamente immer in der Originalverpackung mitnehmen, wegen Zollkontrollen und um ggf. die Medikamentenversorgung im Ausland sicherzustellen.
  • Krankenversicherung: Krankenversicherungsschutz im Ausland ist immer wichtig, bei Epilepsie aber besonders. Auskunft gibt die Krankenkasse bzw. private Krankenversicherung.
  • Reiserücktrittsversicherung: Je nach Anfallsart und -häufigkeit kann eine Reiserücktrittsversicherung sinnvoll sein.
  • Medizinische Versorgung: Menschen mit erhöhter Anfallswahrscheinlichkeit sollten klären, ob nötige medizinische Versorgung am Urlaubsort gewährleistet ist.

Während der Reise:

  • Internationaler Epilepsie Notfallausweis (IENA): Bei Epilepsie ist es gut, den Internationalen Epilepsie Notfallausweis (IENA) mitzunehmen. Informationen zum Internationalen Epilepsie-Notfallausweis (IENA), zum Anfallskalender und zur Notfallkarte finden Sie bei der Deutschen Epilepsievereinigung.
  • Anfallsauslöser vermeiden: Durchfall vermeiden, Schlafmangel vermeiden.

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