Einleitung
Der Begriff "Nerv" ist vielschichtig und wird sowohl in der Medizin als auch im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet. Dieser Artikel beleuchtet die Definition und Funktion von Nerven im menschlichen Körper, geht auf Erkrankungen des Nervensystems ein und betrachtet auch den umgangssprachlichen Gebrauch des Wortes "Nerv".
Was ist ein Nerv?
Ein Nerv ist ein Strang des Körpers, über den Informationen fließen. Nerven sind wie die Telefonleitungen des Körpers. Über sie werden Informationen an die Zentrale geleitet und Befehle an andere Organe weitergegeben. Wie eine Telefonleitung besteht ein Nerv aus vielen "Drähten", nur sind diese nicht aus Metall. Diese "Drähte" sind hauchdünne Ausläufer von Nervenzellen, sogenannte Nervenfasern. Diese Nervenfasern sind durch Bindegewebe zu Bündeln zusammengefasst.
Funktion der Nerven
Die Informationen werden in den Nerven als elektrische Impulse weitergeleitet. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Nervenbahnen:
- Sensorische Nervenbahnen: Diese leiten Informationen vom Körper zum Gehirn. Wenn man beispielsweise etwas Heißes anfasst, wird diese Information an das Gehirn weitergeleitet. Dort wird das Signal verarbeitet, wie in einem Computer. Das Gehirn stellt fest: Diese Hitze tut der Haut nicht gut.
- Motorische Nervenbahnen: Diese schicken Befehle vom Gehirn an den Körper. Im obigen Beispiel schickt das Gehirn einen Befehl an die Hand, der bedeuten kann: "Loslassen!" oder "Zurückzucken!".
Der Vagusnerv: Ein besonderer Nerv
Der Vagusnerv ist einer der Hirnnerven, der relativ viele Organe des menschlichen Körpers beeinflussen kann. Als einziger Hirnnerv reicht er vom Gehirn über das Herz, die Lungen, Leber und Milz bis in den Magen-Darm-Trakt. Sein Name kommt vom lateinischen "Nervus vagus", was so viel wie "umherwandernder Nerv" bedeutet. Er leitet sich von der Idee ab, dass der Nerv weitläufig in unserem Körper umherschweift.
Funktion des Vagusnervs
Der Vagusnerv übermittelt die Funktionen der inneren Organe an unser Gehirn und ist an der Regulierung des jeweiligen Organs direkt beteiligt. Als Teil des Parasympathikus und Gegenspieler zum Sympathikus steuert der Nervus vagus das parasympathische vegetative Nervensystem und damit unbewusst ablaufende Funktionen im Körper. So spielt der Vagus beispielsweise bei der Verdauung, Atmung, Herzfrequenz, Speichelbildung oder der Nierenfunktion eine wichtige Rolle.
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Der Vagusnerv fungiert als Datenautobahn zwischen Gehirn und Organen. Wenn wir zum Beispiel hungrig sind, kommuniziert der Vagusnerv das Bedürfnis des Magens nach Nahrung an unser Gehirn und übersetzt das Hungergefühl, damit wir den knurrenden Magen nachvollziehen können. Der Vagus steuert damit also auch unser Verhalten und unsere Reaktionen auf die Umwelt. Denn wenn wir hungrig sind, begeben wir uns auf die Suche nach Nahrung.
Der Vagusnerv und das Wohlbefinden
Der Vagusnerv nimmt also direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Er fungiert in erster Linie als wichtige Schnittstelle, als Datenautobahn zwischen Gehirn und Organen, um unseren Körper im gesunden Gleichgewicht zu halten. In der Wissenschaft sprechen wir von Homöostase: dem Zustand, in dem alle unsere physiologischen Körperfunktionen stabil und ausgeglichen sind. Dazu gehört ein geregelter Energiehaushalt ebenso wie der Blutdruck und unser Sättigungsgefühl: Wenn wir weder hungrig noch übermäßig satt sind, befinden wir uns in einem normalen Zustand, in dem wir uns anderen Dingen widmen können.
Der Vagusnerv signalisiert uns also, ob unsere menschlichen, organischen Grundbedürfnisse gedeckt sind und ob wir uns entspannen können oder anstrengen sollten. Bei einem äußeren Reiz in Form von Stress hilft uns der Nervus vagus angemessen darauf zu reagieren, indem wir beispielsweise die Herzfrequenz und die Atmung anpassen. Nach der Stresssituation sorgt der Vagus dafür, dass der Körper wieder in einen Entspannungszustand gelangt.
Stimulation des Vagusnervs
Ziel der Vagusnerv-Stimulation ist es, sich die körpereigenen Steuerungsmechanismen des Nervs zunutze zu machen. Dazu können spezielle Stimulationsgeräte am Ohr angesetzt werden, denn dort verläuft ein Strang des Vagusnervs. Durch elektrische Impulse lässt sich dieser daraufhin so stimulieren, dass auch Hirnsignale verändert werden. Diese Signale könnten jemandem helfen, der an extremem Übergewicht leidet und dessen Sättigungs- und Hungergefühl aus dem Takt geraten ist, um wieder in die richtige Spur zu gelangen.
Die elektrische Stimulation trickst das Gehirn aus und suggeriert ohne Nahrungszufuhr ein Sättigungsgefühl, das über den Vagusnerv weitergeleitet wird. Auch im Bereich der psychischen Gesundheit wird aktuell geforscht, wie sich der Vagusnerv bei chronischem Stress, innerer Unruhe und Depressionen aktivieren lässt, um die Stimmung und Motivation zu verbessern. Ziel ist es, Betroffenen dabei zu helfen, angemessen mit Stresssituationen umzugehen und danach schneller wieder einen entspannten Zustand zu erreichen.
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Training des Vagusnervs
Eine kalte Dusche beispielsweise dämpft den Sympathikus und aktiviert den Parasympathikus. Da der Vagusnerv ebenfalls zu diesem Nervensystem gehört, wird er indirekt durch das kalte Wasser stimuliert. Allgemein tragen Meditation und bewusstes Atmen dazu bei, besser mit Stress umgehen zu können. Dies hat letztendlich auch einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit.
Die Stimulation des Vagusnervs steckt dagegen noch in der Forschung, bietet aber großes Potenzial, um in den kommenden Jahren als echte Behandlungsalternative bei bestimmten Erkrankungen wie Adipositas, Depressionen, epileptischen Anfällen oder chronischen Schmerzen eingesetzt zu werden, die wir bisher nicht ausreichend mit nicht-invasiven Methoden behandeln können.
Erkrankungen des Nervensystems
Es gibt zahlreiche Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen können. Hier sind einige Beispiele:
Kongenitale myasthene Syndrome (CMS): Diese stellen klinisch und pathogenetisch eine seltene, heterogene Gruppe von Erkrankungen, von angeborenen Störungen der Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel dar. Verlauf und Schweregrad der Erkrankung sind sehr unterschiedlich und hängen von der ihr zugrunde liegenden genetischen Ursache ab. Sie variieren von einer Minimalsymptomatik mit Ptose und leichter muskulärer Schwäche bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen nach der Geburt oder im Rahmen krisenhafter Verschlechterung bei älteren Kindern und Jugendlichen.
CMS ist genetisch bedingt. Abhängig von der Lokalisation ist die Störung der Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel die Folge einer präsynaptischen, synaptischen oder postsynaptischen Störung, einer verlängerten Kanalöffnungszeit oder einer verkürzten Kanalöffnungszeit. Auch kann die Symptomatik über eine Störung der neuromuskulären Übertragung hinausgehen. Derzeit sind ca. 35 ursächliche Gene bekannt, deren Mutationen die spezifischen Subtypen der CMS definieren.
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Es kommt zu einer vorzeitigen Ermüdbarkeit der Skelettmuskulatur, der Augenmuskulatur (Schielen, Doppelbilder) oder der mimischen Muskulatur (ausdrucksloses Gesicht), zu Schluckstörungen (Speicheln) oder Atemlähmungen. Die Schwäche nimmt im Tagesverlauf und nach Belastung zu. Im Säuglingsalter fallen kraftloses Schreien und Trinkschwäche auf. Kleinkinder zeigen eine Verzögerung in ihrer motorischen Entwicklung (z. B. Floppy-infant-Syndrom (engl. "schlaffes Kind")).
Die Diagnose wird durch Anamnese, klinische Untersuchung und elektrophysiologische Diagnostik vermutet. Die endgültige Diagnose wird durch den Nachweis des genetischen Defektes gestellt, dieser ist derzeit bei ca. Eine gezielte molekulargenetische Diagnostik ist erst nach Zuordnung des zugrundeliegenden Defektes durch die klinische Untersuchung und elektrophysiologische Diagnostik möglich, z. Diese ist abhängig vom zugrundeliegenden/vermuteten genetischen Defekt und symptomatisch. Anders als bei der autoimmunen Myasthenia gravis lassen sich keine Serumantikörper gegen AChR oder MuSK nachweisen und die Patientient*innen sprechen nicht auf eine immunsuppressive Therapie an.
Tetraplegie: Die Tetraplegie ist eine komplette Lähmung (Plegie) aller vier Extremitäten und gehört zu den Formen der Querschnittslähmung. Ursache für diese Form der Plegie ist in der Regel eine Schädigung des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule. Diese Schädigung kann unterschiedlichste Ursachen haben. In etwa 60 Prozent aller Fälle ist ein Trauma (durch einen Unfall) die Ursache für die Lähmung. Weitere Ursachen sind Tumore, Entzündungen sowie Erb- oder Infektionskrankheiten. Zudem kann eine Tetraplegie auch idiopathisch - also ohne fassbare Ursache - entstehen.
Die Bezeichnung Tetraplegie wird aus den griechischen Termini "tetra" (vier) und "plege" (Lähmung) zusammengesetzt. Weitere Bezeichnungen für die Erkrankung sind "Quadriplegie" oder "Tetraparalyse".
Die Tetraplegie bezeichnet die komplette Lähmung beider Arme und beider Beine. Aufgrund einer Quetschung oder Durchtrennung des Rückenmarks im Halswirbelbereich wird der Muskulatur das Empfinden für Schmerz, Druck oder Temperatur genommen und sie kann weder angespannt noch bewegt werden.
Tetraparese und Tetraplegie werden oft als eine Form der Lähmung verstanden - jedoch gibt es hierbei deutliche Differenzen: unterschieden wird die Lähmung aller vier Extremitäten in die inkomplette Querschnittlähmung und die komplette Querschnittlähmung. Während die inkomplette Lähmung (Tetraparese) nur in Teilbereichen des Körpers auftritt, bedeutet die komplette Lähmung (Tetraplegie), dass der Körper ab der Verletzung des Rückenmarks jegliche Bewegung und Sensibilität verliert.
Ursache für die Lähmung bei der Quadriplegie ist die Zerstörung von Nervenzellen oder aber die Unterbrechung von Nervenfasern. Die Tetraplegie ist die Folge einer Halswirbelsäulenverletzung, die in etwa 60 Prozent der Fälle durch einen Unfall, also ein Trauma, verursacht wird. Häufigste Ursachen für diese Rückenmarksverletzungen sind Unfälle im Straßenverkehr oder Unfälle bei sportlichen Aktivitäten. Weitere Ursachen für die Schädigung des Rückenmarks können Tumore, Erb- oder Infektionskrankheiten und Entzündungen sein.
Wie stark die Plegie ausgeprägt ist, hängt in erster Linie von der Lage des betroffenen Segments der Wirbelsäule ab. Es gilt: alle Funktionen unterhalb der Verletzung fallen aus. Von einer Tetraplegie spricht man meist, wenn das Rückenmark oberhalb des siebten Wirbels (Wirbel C1 bis C7) beschädigt ist. Der Begriff Tetraplegie meint, dass alle vier Gliedmaßen von der Lähmung betroffen sind.
Im Rahmen der Lähmung der vier Extremitäten können die absteigenden Nervenbahnen und die aufsteigenden Nervenfasern betroffen sein. Sind absteigende Nervenbahnen betroffen, können motorische Signale, die vom Gehirn ausgehen, nicht vollständig an Arme und Beine übertragen werden. Abhängig von der Schwere der Wirbelverletzung fällt die Ausprägung der Lähmung betroffener Körperbereiche aus.
Klient*innen verlieren meist die Sensibilität für Schmerz, Druck oder auch Temperaturunterschiede. Ihre Wahrnehmung ist dadurch stark eingeschränkt. Sie spüren zum Beispiel die Stellung der eigenen Beine nicht und merken es auch nicht, wenn sie Stuhlgang haben. Auch das Schwitzen ist in den meisten Fällen nicht mehr möglich, da das Nervensystem, das diese Funktion reguliert, nur noch eingeschränkt funktionsfähig ist.
Ist die Quadriplegie stark ausgeprägt, sind Funktionsstörungen der inneren Organe möglich. Solche Funktionsstörungen entstehen, wenn die Verletzung des Rückenmarks zusätzlich Störungen des autonomen Nervensystems verursacht und die Kontrolle über die Organsysteme sowie den Blutkreislauf beeinträchtigt wird. Funktionsstörungen der Blase, des Magen-Darm Traktes sowie der Sexualorgane können die Folge sein. Weitere Begleitsymptome bei tetraplegischen Klient*innen sind eine unwillkürliche Regulation der Körpertemperatur, des Blutes oder sogar der Herzfrequenz.
Klientinnen mit Tetraplegie benötigen eine umfassende Betreuung und Versorgung, die von Medizinerinnen, Therapeutinnen und Pflegefachkräften durchgeführt wird. Je nach Ausprägung und Ursache der Plegie können chirurgische Verfahren, neurologische Untersuchungen sowie physiotherapeutische Behandlungen zur Anwendung kommen. Da tetraplegischen Klientinnen anspruchsvoller Pflege und Therapie bedürfen, erfolgt die Behandlung einer Tetraplegie meist in besonderen Behandlungszentren, die speziell auf Rückenmarkverletzungen ausgerichtet sind.
Während der Behandlung und Therapie liegen die Schwerpunkte darauf, die Beweglichkeit der Gelenke bestmöglich zu erhalten, Gelenkversteifungen zu verhindern und die Sensibilität zu verbessern. Es werden funktionelle Trainings durchgeführt, um den normalen Bewegungsablauf zu fördern. Des Weiteren wird der Umgang mit verschiedenen Hilfsmitteln geübt. Das zu erreichende Ziel ist immer, die Selbstständigkeit der Betroffenen zu fördern und zu unterstützen.
Schon seit Langem ist die Querschnittslähmung - und damit auch die Tetraplegie - Teil der medizinischen Forschung. Ein durchtrenntes oder verletztes Rückenmark gehört jedoch zu den schwersten Verletzungen, die sich Menschen zuziehen können. Sämtliche Nerven, die vom Gehirn aus in den Körper reichen, laufen durch das Rückenmark. Die Tetraplegie als Form der Querschnittslähmung kann in der Akutphase der Plegie tödlich enden. Ein Leben mit Tetraplegie birgt eine Vielzahl von Einschränkungen und Komplikationen für erkrankte Menschen.
Verletzungen der Halswirbelsäule sind oft so gravierend, dass Klient*innen von Hals an abwärts vollständig gelähmt sind. Somit sind diese Personen auf eine umfassende Pflege angewiesen. Ab der Schädigung des vierten Halswirbels (Tetraplegie C4 aufwärts) geht mit der Lähmung der vier betroffenen Gliedmaßen (Arme und Beine) die Lähmung des Zwerchfells einher. Das Zwerchfell, auch Diaphragma genannt, ist ein Muskel, der für die Atmung unerlässlich ist und maßgeblich zur Einatmungsfunktion beiträgt. Für den Fall, dass das Zwerchfell bei erkrankten Personen beeinträchtigt ist, müssen diese dauerhaft beatmet werden. Eine solche Beatmung erfolgt mithilfe der Tracheotomie, invasiv durch eine Trachealkanüle. Die Tetraplegie gehört als komplette Lähmung zu den häufigsten Krankheitsbildern in der außerklinischen Intensivpflege.
Der Begriff "Nerv" im umgangssprachlichen Gebrauch
Der Begriff "Nerv" wird im Alltag oft im übertragenen Sinne verwendet. So spricht man beispielsweise davon, dass einem etwas "auf die Nerven geht", wenn man sich von etwas gestört oder genervt fühlt. Auch die Begriffe "nervös" und "Nervosität" sind im allgemeinen Sprachgebrauch weit verbreitet.
Herkunft der umgangssprachlichen Bedeutung
Der Begriff "Nerv" wurde im 16. Jahrhundert aus dem Lateinischen (nervus) entlehnt, wo er ursprünglich "Sehne, Muskel" bedeutete. Die Übertragung auf die Nerven erfolgte aufgrund der Vorstellung, dass Sehnen und Nerven eine ähnliche Funktion im Körper erfüllen. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich dann die heutige Bedeutung von "Nerv" als "Leiter von Empfindungen und Bewegungen".
Die umgangssprachliche Bedeutung von "Nerv" als "innere Kraft, Wesen, Gehalt" entstand im 17. Jahrhundert. Die Redewendung "auf die Nerven fallen" im Sinne von "nervös machen" ist seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Ableitungen des Begriffs "Nerv"
- nervig: "sehnig, muskulös, kraftvoll" (18. Jh.)
- nervös: "die Nerven betreffend, an schwachen Nerven leidend, reizbar, erregt"
- Nervosität: "Nervenschwäche, Empfindlichkeit, Reizbarkeit, krankhafter Zustand der Nerven"
- entnerven: "entkräften, der Nervenkraft berauben, nervlich erschöpfen"
Lachgas und seine Auswirkungen auf das Nervensystem
Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) ist ein farbloses Gas mit süßlichem Geruch, das sowohl zu medizinischen als auch zu industriellen Zwecken verwendet wird. In der Medizin wird Lachgas als Narkosemittel eingesetzt, in der Industrie unter anderem als Laborchemikalie und in der Produktion. Im Motorsport kommt Lachgas zur Leistungssteigerung zum Einsatz.
Lachgas als Rauschmittel
Der Konsum von Lachgas zu Rauschzwecken erfolgt meist aus Luftballons, die mit Sahnespenderkapseln befüllt werden. Wird Lachgas als Schnüffelstoff eingeatmet, so tritt nach wenigen Sekunden ein Rausch ein, bei dem schwache Halluzinationen, Wärme- und Glücksgefühle empfunden werden. Konsumierende berichten von einem traumähnlichen Zustand, in dem sie Raum und Zeit verändert wahrnehmen.
Risiken des Lachgaskonsums
Beim Konsum als Rauschmittel wird Lachgas aber unverdünnt inhaliert. Durch den Sauerstoffmangel droht Bewusstlosigkeit. Der Sauerstoffmangel wird vor allem dann gefährlich, wenn Konsumierende die Intensität der Wirkung steigern wollen, beispielsweise indem sie eine mit Lachgas gefüllte Plastiktüte über den Kopf ziehen.
Wenn das in der Gaskartusche komprimierte Lachgas sich ausdehnt, sinkt die Temperatur des Gases rapide auf bis zu -55 Grad Celsius. Die Gaskartusche selbst kann sich so stark abkühlen, dass die Finger festfrieren. Besonders riskant ist es, Lachgas direkt aus der Kartusche zu konsumieren. Dabei können nicht nur die Lippen an der Gaskartusche festfrieren. Wenn sich das in der Kartusche komprimierte Gas abrupt ausdehnt, kann das Lungengewebe Risse bekommen. Dadurch kann Luft aus der Lunge in den Brustkorb entweichen. In der Medizin wird dann von einem Pneumothorax gesprochen. Dabei nimmt das Volumen der Lunge ab.
Langzeitfolgen von Lachgaskonsum
Bei häufigem Konsum kann Lachgas das Knochenmark und das Nervensystem schwer schädigen. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig erforscht. Bekannt ist, dass Lachgas die chemische Struktur des Vitamin B12 verändert, so dass es dem Körper nicht mehr zur Verfügung steht. Dies kann unter anderem zum Abbau der Myelinscheide führen. Die Myelinscheide ist eine Art Isolierung um Nervenfasern. Nervenschäden können sich in Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Händen, Armen, Beinen oder Füßen bemerkbar machen. Die Schäden können auch Nerven betreffen, die für die Kontrolle der Muskeln zuständig sind.
Chronischer Missbrauch erhöht zudem die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Konsumierende erhöhen die Dosis und nehmen mitunter täglich mehrmals Lachgas ein. Der Mischkonsum mit anderen Drogen birgt weitere Risiken. Drogen können generell die Urteilskraft mindern, weshalb es beim Mischkonsum leichter zu Überdosierungen von Lachgas kommen kann.
Rechtliche Situation
Soweit Lachgas in der Medizin als Arzneimittel eingesetzt wird, unterliegt es dem Arzneimittelrecht und ist verschreibungspflichtig.
Wikipedia und die Neutralität von Informationen
Wikipedia ist eine Online-Enzyklopädie, die von Freiwilligen erstellt und gepflegt wird. Ein Grundprinzip von Wikipedia ist die Neutralität, d.h. Artikel sollen einen neutralen Standpunkt einnehmen und kontroverse Behauptungen als solche klar dokumentieren.
Manipulationsversuche auf Wikipedia
Seit Bestehen der Wikipedia gibt es auch Versuche, durch Fakten gesichertes Wissen umzuschreiben oder umzudeuten. Das gilt für alle über 300 Sprachversionen weltweit. Nicht immer geschieht das aus böser Absicht. Manche wollen sich schlicht einen Spaß daraus machen und Unfug einschmuggeln. In anderen Fällen geht es jedoch um Vandalismus - wozu das absichtliche Verfälschen von Artikel zählt, oft aus politischen, ideologischen oder religiösen Motiven. Dieses Phänomen ist dauerhaft, aber es verschärft sich, wenn zum Beispiel Wahlen anstehen oder, wie zuletzt, eine Pandemie ausbricht.
Während der sogenannten Flüchtlingskrise in Deutschland, im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und auch in der Folge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine nahm die Zahl der Versuche zu, die Wikipedia nach dem jeweils eigenen Weltbild umzuformen. Während der Pandemie waren es zum Beispiel Impfgegnerinnen und Corona-Leugnerinnen, die ihre Ansichten in die Online-Enzyklopädie tragen wollten.
Maßnahmen gegen Manipulationen
Um valide Informationen zu schützen, hat die deutschsprachige Wikipedia ein sogenanntes Sichtungssystem etabliert. Das bedeutet, Artikel von neuen Benutzenden müssen erst durch erfahrene Autorinnen freigegeben werden. Es kann also niemand einfach ein Benutzer-Konto anlegen und gleich drauflos veröffentlichen. Dazu gibt es die Seiten mit ungesichteten Versionen. Hier können Wikipedianerinnen, die sich darauf spezialisiert haben, neue Änderungen gezielt durchforsten. Außerdem gilt nicht nur für neue Artikel, sondern auch für jede Änderung in einem bestehenden Text die Belegpflicht: Woher stammt die Information, ist die Quelle seriös?
Wichtig ist auch die Seite Beobachtungskandidaten, die eine lange Liste mit umstrittenen Themen oder Personen aufführt - also Artikel, die besonders im Fokus stehen, wenn es um die Gefahr von Einflussnahme geht. Mit einem Klick können sich Beobachtende sämtliche Änderungen an allen dort aufgeführten Artikeln anzeigen lassen. Der Nahostkonflikt zählt ebenso zu diesen Beobachtungskandidaten wie etliche Texte rund um Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Bestimmte Seiten werden in der Wikipedia nicht nur besonders beobachtet, sie fallen sogar unter Schutz - das heißt, nicht alle Benutzer*innen dürfen sie bearbeiten.
Die Vandalenjägerinnen der Wikipedia (sogenannte RCler) haben eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie entfernen Unfug, verwarnen Übeltäterinnen - und wenn das nicht hilft, melden sie die Personen auf der entsprechenden Wikipedia-Seite oder sperren sie selbst, sofern sie Administratorinnen sind. Zu jeder Tageszeit habe mindestens ein Dutzend Wikipedianerinnen die Spezialseite „letzte Änderungen“ permanent im Blick, auf der sämtliche Änderungen, die in der Wikipedia vorgenommen werden, gelistet werden.
Alle Benutzenden mit eigenem Konto können sich individuelle Beobachtungslisten anlegen und dort Artikel verknüpfen, über deren Änderungen sie informiert werden möchten. Viele Wikipedianer*innen machen davon Gebrauch und legen solche Listen an, ganz nach ihrem jeweiligen Interessengebiet. Gerade die Abwehr von Manipulationsversuchen ist ein Thema, das viele in der Community beschäftigt. Auch das ist ein Grund, weshalb viele Wikipedia-Aktive nicht unter ihrem Klarnamen auftreten.