Einführung
Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das in zwei Hemisphären unterteilt ist, die linke und die rechte. Lange Zeit wurde angenommen, dass jede Hemisphäre für bestimmte Funktionen spezialisiert ist: Die linke für Logik, Analyse und Sprache, die rechte für Kreativität, Intuition und räumliches Denken. Obwohl diese Vorstellung einer strikten Aufgabenverteilung mittlerweile überholt ist, bleibt die Idee, beide Gehirnhälften im Lernprozess anzusprechen, relevant. Durch die Integration von Aktivitäten, die sowohl die linke als auch die rechte Gehirnhälfte stimulieren, können Schulen ein ganzheitlicheres und effektiveres Lernumfeld schaffen.
Die Funktionen der Gehirnhälften
Die linke Gehirnhälfte wird oft als die „analytische Seite“ bezeichnet und ist zuständig für:
- Sprache
- Lesen
- Rechnen
- Logik
- Regeln und Gesetze
- Konzentration auf Details
- Analyse
- Wissenschaft
- Zeitempfinden
- Linearität
Die rechte Gehirnhälfte hingegen befasst sich mit:
- Gefühlen
- Ganzheitlichem Denken
- Intuition
- Kreativität
- Raumorientierung
- Symbolen
- Melodien
- Gerüchen
Obwohl jede Gehirnhälfte spezielle Fähigkeiten besitzt, arbeiten sie in der Regel zusammen, um komplexe Aufgaben zu bewältigen.
Die Bedeutung der Integration beider Gehirnhälften im Schulunterricht
In der traditionellen Schule wird oft die linke Gehirnhälfte stärker beansprucht, da der Fokus auf analytischem Denken, Sprache und logischem Schlussfolgern liegt. Die kreative und emotionale rechte Gehirnhälfte bleibt dabei oft unterfordert. Dies kann dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen können.
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Um das Gehirn optimal zu nutzen, ist es wichtig, beide Hälften zu trainieren und zu verbinden. Dies kann durch die Integration von Aktivitäten erreicht werden, die sowohl die linke als auch die rechte Gehirnhälfte ansprechen.
Experimente und Übungen zur Förderung der Zusammenarbeit beider Gehirnhälften
Es gibt eine Vielzahl von Experimenten und Übungen, die in der Schule eingesetzt werden können, um die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften zu fördern. Hier sind einige Beispiele:
- Mindmapping: Mindmaps sind eine visuelle Methode, um Informationen zu strukturieren und zu verknüpfen. Sie fördern sowohl das logische Denken der linken Gehirnhälfte als auch die Kreativität und das räumliche Denken der rechten Gehirnhälfte. Viele Schüler sind begeistert von der Möglichkeit, selbst Mindmaps zu gestalten und ihre eigenen Schätze einzurahmen.
- Bewegung im Unterricht: Bewegung hilft, beide Gehirnhälften zu vernetzen und ganzheitliches Lernen zu ermöglichen. Brain-Gym-Übungen sind eine Möglichkeit, Bewegung in den Unterricht zu integrieren.
- Kreative Aufgaben: Aufgaben, die Kreativität erfordern, wie z.B. das Schreiben von Geschichten, das Malen von Bildern oder das Komponieren von Musik, aktivieren die rechte Gehirnhälfte und fördern die Fantasie und Vorstellungskraft.
- Spiele: Spiele wie Speedolino oder Memory können auf spielerische Weise das Gedächtnis und die Konzentration fördern und gleichzeitig beide Gehirnhälften ansprechen.
- Multisensorisches Lernen: Durch die Einbeziehung verschiedener Sinne in den Lernprozess können Informationen besser verankert werden. Zum Beispiel können Schülerinnen und Schüler den Farbcode für Widerstände in der Elektrotechnik leichter lernen, indem sie Assoziationen zu Farben und Gegenständen bilden.
- Die "liegende Acht": Diese Übung fördert das Lesen, das Leseverstehen und verbessert den Schreibfluss. Dabei werden die Arme gerade nach vorne ausgestreckt und die Bewegung einer liegenden Acht ausgeführt. Die Augen folgen der Bewegung der Arme.
- Gehirnjogging: Gehirnjogging umfasst Übungen, die beide Gehirnhälften ansprechen und miteinander vernetzen. Eine einfache Übung ist das gleichzeitige Ausmalen von Kreisen mit beiden Händen.
- Experimente zur visuellen Wahrnehmung: Experimente, die die visuelle Wahrnehmung herausfordern, wie z.B. die Illusion, durch die Hand sehen zu können, können das Verständnis für die Zusammenarbeit der Augen und des Gehirns fördern.
Beispiele aus der Praxis
Viele Lehrerinnen und Lehrer haben bereits erfolgreich Experimente und Übungen zur Förderung der Zusammenarbeit beider Gehirnhälften in ihren Unterricht integriert. Einige berichten von positiven Erfahrungen mit Mindmaps, die Schülerinnen und Schüler dazu anregen, sich aktiv mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen und ihre eigenen Ideen einzubringen. Andere setzen auf spielerische Lernmethoden wie Speedolino, um das Gedächtnis und die Konzentration zu verbessern.
Ein Beispiel für die Anwendung von Lerntechniken zur Aktivierung beider Gehirnhälften ist die Geschichte einer Schauspielerin, die Jens Voigt engagierte, um ihr beim Auswendiglernen von Texten zu helfen. Durch die Anwendung von ALMUT-Listen und anderen Techniken fühlte sie sich sicherer und textsicherer als je zuvor.
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