Nerven in der Flexorenloge des Unterarms: Anatomie, Kompartmentsyndrom und Schmerzen

Einführung

Der Unterarm ist ein komplexes anatomisches Gebiet, das aus Knochen, Muskeln, Nerven und Blutgefäßen besteht. Die Muskeln des Unterarms sind in Kompartimente unterteilt, die von Faszien umgeben sind. In diesem Artikel werden wir uns auf die Nerven in der Flexorenloge des Unterarms konzentrieren, einschließlich ihrer Anatomie, der Rolle des Kompartmentsyndroms und der Ursachen von Schmerzen im Unterarm.

Anatomie der Flexorenloge des Unterarms

Die Flexorenloge des Unterarms befindet sich an der volaren (palmar) Seite des Unterarms. Sie enthält mehrere Muskeln, die für die Beugung des Handgelenks und der Finger verantwortlich sind. Zu den oberflächlichen Flexoren gehören:

  • Musculus pronator teres: Pronation des Unterarms.
  • Musculus flexor carpi radialis: Beugung und Abduktion des Handgelenks.
  • Musculus palmaris longus: Beugung des Handgelenks und Spannung der Palmaraponeurose (nicht immer vorhanden).
  • Musculus flexor carpi ulnaris: Beugung und Adduktion des Handgelenks.

Zu den tiefen Flexoren gehören:

  • Musculus flexor digitorum profundus: Beugung der distalen Interphalangealgelenke der Finger.
  • Musculus flexor pollicis longus: Beugung des Daumens.
  • Musculus pronator quadratus: Pronation des Unterarms.

Die Flexorenloge des Unterarms wird von drei Hauptnerven innerviert:

  • Nervus medianus: Innerviert die meisten Flexoren des Unterarms, mit Ausnahme des Musculus flexor carpi ulnaris und der ulnaren Hälfte des Musculus flexor digitorum profundus.
  • Nervus ulnaris: Innerviert den Musculus flexor carpi ulnaris und die ulnare Hälfte des Musculus flexor digitorum profundus.
  • Nervus radialis: Innerviert einige der Muskeln im dorsalen Kompartiment des Unterarms, aber seine Äste können auch zur Innervation einiger Muskeln im radialen Teil des volaren Kompartiments beitragen.

Kompartmentsyndrom des Unterarms

Ein Kompartmentsyndrom tritt auf, wenn der Druck innerhalb eines geschlossenen Muskelkompartiments ansteigt. Dies kann die Durchblutung der Muskeln und Nerven beeinträchtigen und zu Schäden führen. Das Kompartmentsyndrom des Unterarms, auch bekannt als Volkmann-Kontraktur, betrifft in unterschiedlichem Ausmaß einzelne oder mehrere der insgesamt 10 Faszienkammern des Unterarms, am häufigsten die tiefen Fingerbeuger.

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Ursachen

Die Ursachen für ein Kompartmentsyndrom des Unterarms sind vielfältig:

  • Trauma: Knochenbrüche (z. B. suprakondyläre Humerusfrakturen), Quetschungen oder andere Verletzungen des Unterarms können zu Schwellungen und Blutungen innerhalb der Kompartimente führen.
  • Operationen: Chirurgische Eingriffe am Unterarm können ebenfalls ein Kompartmentsyndrom verursachen, insbesondere wenn sie mit ausgedehnten Weichteilverletzungen verbunden sind.
  • Blutungen: Blutungen in die Unterarmweichteile, z. B. bei Gerinnungsstörungen oder nach Injektionen vasotoxischer Substanzen in die Arteria brachialis, können den Druck in den Kompartimenten erhöhen.
  • Enge Verbände oder Gips: Zu eng angelegte Verbände oder Gips können die Durchblutung des Unterarms einschränken und ein Kompartmentsyndrom begünstigen.
  • Überanstrengung: In seltenen Fällen kann eine extreme Überanstrengung der Unterarmmuskulatur, z. B. bei Sportlern, zu einem Kompartmentsyndrom führen.

Symptome

Die Symptome eines Kompartmentsyndroms des Unterarms entwickeln sich typischerweise schrittweise:

  • Starke Schmerzen: Die Schmerzen sind oft unerträglich und werden durch passive Dehnung der betroffenen Muskeln verstärkt.
  • Schwellung und Verhärtung: Der Unterarm kann geschwollen und verhärtet sein, insbesondere an der Beugeseite.
  • Parästhesien und Sensibilitätsstörungen: Betroffene können Kribbeln, Taubheitsgefühl oder andere Sensibilitätsstörungen in den Fingern und der Hand verspüren, insbesondere in den Versorgungsgebieten des Nervus medianus und Nervus ulnaris.
  • Paresen: In schweren Fällen kann es zu Muskelschwäche oder Lähmungen der Finger und des Handgelenks kommen.
  • Pulsabschwächung: Eine Pulsabschwächung ist kein obligates Symptom, kann aber in fortgeschrittenen Stadien auftreten.

Diagnose

Die Diagnose eines Kompartmentsyndroms des Unterarms basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung. Der Arzt wird nach den Symptomen fragen, den Unterarm untersuchen und den Druck in den Kompartimenten messen. Eine Röntgenuntersuchung kann durchgeführt werden, um Knochenbrüche auszuschließen. In einigen Fällen können auch eine Elektromyographie (EMG) und eine Neurographie durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven zu beurteilen.

Behandlung

Die Behandlung eines akuten Kompartmentsyndroms des Unterarms ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine sofortige chirurgische Intervention. Die Therapie der Wahl ist die Fasziotomie, bei der die Faszien der betroffenen Kompartimente gespalten werden, um den Druck zu entlasten und die Durchblutung wiederherzustellen. Die Wunde wird zunächst offen gelassen und erst nach Abklingen der Schwellung verschlossen.

Volkmann-Kontraktur

Wird ein Kompartmentsyndrom des Unterarms nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu einer Volkmann-Kontraktur kommen. Dabei handelt es sich um eine irreversible Schädigung der Muskeln und Nerven des Unterarms, die zu Beugekontrakturen von Hand und Fingern führt. Die Behandlung einer Volkmann-Kontraktur ist komplex und erfordert oft mehrere chirurgische Eingriffe, um die Funktion der Hand wiederherzustellen.

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Schmerzen im Unterarm: Ursachen und Diagnose

Schmerzen im Unterarm können vielfältige Ursachen haben. Die Diagnose der Ursache ist entscheidend für eine erfolgreiche Therapie.

Mögliche Ursachen

  • Muskuläre Probleme: Muskelkater, Zerrungen, Prellungen oder Verspannungen der Unterarmmuskulatur können Schmerzen verursachen.
  • Sehnenentzündungen: Entzündungen der Sehnen, die die Muskeln mit den Knochen verbinden, können ebenfalls Schmerzen verursachen. Häufige Beispiele sind der Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialis) und der Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris).
  • Nervenkompression: Eine Kompression von Nerven im Unterarm, wie z. B. das Karpaltunnelsyndrom oder das Sulcus-ulnaris-Syndrom, kann Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln verursachen.
  • Arthritis: Entzündungen der Gelenke im Unterarm, wie z. B. Arthritis, können ebenfalls Schmerzen verursachen.
  • Knochenprobleme: Knochenbrüche, Prellungen oder andere Verletzungen der Knochen im Unterarm können Schmerzen verursachen.
  • Kompartmentsyndrom: Wie bereits erwähnt, kann ein Kompartmentsyndrom des Unterarms starke Schmerzen verursachen.
  • Überlastung: Wiederholte Bewegungen oder Belastungen können zu Überlastungsschäden und Schmerzen im Unterarm führen.

Diagnose

Um die Ursache von Schmerzen im Unterarm zu diagnostizieren, wird der Arzt eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Er wird nach den genauen Symptomen fragen, die Art der Schmerzen, den Ort, an dem sie auftreten, und alle Faktoren, die die Schmerzen verstärken oder lindern. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt den Unterarm abtasten, um nach Druckempfindlichkeit, Schwellungen oder anderen Auffälligkeiten zu suchen. Er wird auch die Beweglichkeit des Handgelenks und der Finger prüfen und neurologische Tests durchführen, um die Funktion der Nerven zu beurteilen.

Zusätzlich zur Anamnese und körperlichen Untersuchung können verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um die Ursache der Schmerzen im Unterarm zu diagnostizieren:

  • Röntgen: Röntgenaufnahmen können verwendet werden, um Knochenbrüche, Arthritis oder andere Knochenprobleme zu erkennen.
  • Ultraschall: Ultraschalluntersuchungen können verwendet werden, um Sehnenentzündungen, Muskelverletzungen oder Flüssigkeitsansammlungen zu erkennen.
  • MRT: Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann verwendet werden, um detailliertere Bilder der Weichteile im Unterarm zu erhalten, einschließlich Muskeln, Sehnen, Nerven und Blutgefäße. MRT-Untersuchungen sind besonders nützlich, um Sehnenrisse, Nervenkompressionen oder andere Weichteilverletzungen zu erkennen.
  • EMG/NLG: Elektromyographie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeitsstudien (NLG) können verwendet werden, um die Funktion der Nerven im Unterarm zu beurteilen. Diese Tests können helfen, Nervenkompressionen oder andere Nervenprobleme zu identifizieren.

Behandlung

Die Behandlung von Schmerzen im Unterarm hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige gängige Behandlungen sind:

  • Ruhe: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken.
  • Eis: Legen Sie Eis auf den betroffenen Bereich, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Kompression: Tragen Sie eine Bandage, um den Unterarm zu stützen und Schwellungen zu reduzieren.
  • Hochlagern: Lagern Sie den Unterarm hoch, um Schwellungen zu reduzieren.
  • Schmerzmittel: Nehmen Sie rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol ein, um Schmerzen zu lindern. In einigen Fällen kann der Arzt stärkere Schmerzmittel verschreiben.
  • Physiotherapie: Ein Physiotherapeut kann Ihnen Übungen zeigen, um die Muskeln und Sehnen im Unterarm zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Injektionen: In einigen Fällen kann der Arzt Kortikosteroide in den betroffenen Bereich injizieren, um Entzündungen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Operation: Eine Operation kann in schweren Fällen erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu beheben, z. B. bei einem Kompartmentsyndrom oder einer schweren Nervenkompression.

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