Eine Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt, ist eine neurologische Erkrankung, bei der die Muskeln einer Gesichtshälfte geschwächt oder gelähmt sind. Typische Symptome sind ein hängender Mundwinkel und ein Augenlid, das sich nicht mehr vollständig schließt. Die Erkrankung tritt auf, wenn der Gesichtsnerv (Nervus facialis) geschädigt ist. Diese Beeinträchtigung kann plötzlich auftreten und hat oft erhebliche Auswirkungen auf das Alltagsleben der Betroffenen.
Was ist der Nervus facialis?
Der Nervus facialis ist ein Nervenpaar - je ein Strang für die linke und rechte Gesichtshälfte. Wie die Äste eines Baumes verzweigen sich die Arme des Nervs dann jeweils auf einer Gesichtshälfte. Der Nervus facialis, der siebte Hirnnerv, steuert die mimische Muskulatur des Gesichts und ist somit für die Steuerung der Gesichtsausdrücke verantwortlich. Er innerviert die gesamte mimische Muskulatur einschließlich Augenschluss sowie das Platysma und den M. stylohyoideus. Sensibel wird lediglich ein winziger Bezirk am Ohr versorgt (R. auricularis posterior). Mit dem VII. Hirnnerv verlaufen die Chorda tympani (Geschmacksempfinden der vorderen zwei Zungendrittel), der N. petrosus major (sekretomotorische Fasern für die Tränendrüse und die Glandulae sublinguales und submaxillares über die Chorda tympani) sowie der N. stapedius (Innervation des M. stapedius).
Ursachen einer Fazialisparese
Die Ursachen für eine Fazialisparese sind vielfältig. Am bekanntesten ist die Fazialisparese als Symptom für einen Schlaganfall im Gehirn. Die Fazialislähmung kann zum Beispiel auch durch Krankheiten, Infektionen oder Verletzungen hervorgerufen werden. Die Namen beziehen sich auf die Lage des auslösenden Problems. Peripher bedeutet "am Rand gelegen" und meint in diesem Zusammenhang den Gesichtsnerv, der vom Gehirn bis ins Gesicht führt.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zentralen und peripheren Fazialisparesen, je nachdem, wo die Schädigung des Nervus facialis lokalisiert ist.
Periphere Fazialisparese
Die periphere Fazialisparese ist mit rund 60 Prozent der Fälle die häufigere Form. Bei einer peripheren Fazialisparese ist der Nerv in seinem Verlauf vom Hirnstamm zum Gesicht geschädigt. Dadurch ist eine Gesichtshälfte insgesamt gelähmt. Ursache für die Schädigung des Gesichtsnervs oder einen Teil des Nervs kann dabei ein Unfall oder eine Schwellung aufgrund einer Infektion mit Bakterien oder Viren sein. Auch am Gesichtsnerv liegende Tumore oder eine Mittelohrentzündung können periphere Fazialisparesen auslösen.
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Mögliche Ursachen für eine periphere Fazialisparese sind:
- Idiopathische Fazialisparese (Bell-Parese): Die Ursache ist oft unklar (ca. 70 % der Fälle). Mediziner vermuten, dass es sich bei der Bell-Parese um eine autoimmune Entzündungsreaktion des Gesichtsnervs handelt. Diese kann durch Faktoren wie Zugluft, Stress, Schwangerschaft, Zyklusschwankungen sowie Bakterien- oder Virusinfektionen verursacht werden. Die Entzündung lässt den Nervus facialis anschwellen - er wird in dem engen Knochenkanal regelrecht eingeklemmt und schädigt sich dadurch selbst.
- Infektionen: Virale Infektionen wie Herpes Simplex, Herpes Zoster (Zoster oticus), Windpocken (Varizellen), Mumps, Grippe (Influenza), Kinderlähmung (Poliomyelitis oder kurz Polio) oder bakterielle Infektionen wie Borreliose (Lyme-Disease), Mittelohrentzündung (Otitis media), Scharlach, Entzündung der Ohrspeicheldrüse, Hirnhautentzündung (Meningitis).
- Traumatische Fazialisparesen: Bedingt durch Brüche der Schädelbasis (Felsenbeinfraktur), Geburtstrauma (Zangengeburt), Schädel-Hirn-Trauma mit Bruch des Felsenbeins, Gesichtsverletzungen im Bereich der Ohrspeicheldrüse, Barotrauma im Mittelohr durch Fliegen oder Tauchen.
- Tumore: Tumore des Nervs selbst (z.B. Fazialisneurinome) oder Tumore welche auf den Nerv drücken (z. B. Akustikusneurinom, Tumore der Ohrspeicheldrüse, Neurofibromatose Recklinghausen, Metastasen anderer Tumoren).
- Autoimmunerkrankungen: Sarkoidose / Morbus Boeck, Guillian-Barré-Syndrom.
- Erbkrankheiten: Melkersson-Rosenthal-Syndrom, Möbius-Syndrom.
- Diabetes: Schlecht eingestellte Zuckerwerte schädigen generell die Nerven und können auch den Gesichtsnerv betreffen.
- Psychische Faktoren: Letztlich können auch psychische Faktoren wie extremer Stress oder banale Umgebungsfaktoren - wie Zugluft im Gesicht - eine Entzündung des Nervus facialis auslösen. Gesichtslähmungen treten statistisch häufiger nach Wetterumschwüngen auf.
- Weitere Ursachen: Verletzungen des Gesichtsnervs, Schädigung anderer Nerven, Autoimmun- und Stoffwechselerkrankungen.
Zentrale Fazialisparese
Von einer zentralen Fazialispares ist die Rede, wenn die Verschaltung des Nervus Facialis im Gehirn gestört ist. Hierbei ist das Gesicht vom Auge bis zum Kinn einseitig gelähmt - lediglich die Mimik im Bereich der Stirn bleibt erhalten - zum Beispiel in Form von Stirnrunzeln. Grund dafür ist, dass beide Stirnseiten von Nervenfasern sowohl aus der linken als auch aus der rechten Gehirnhälfte versorgt werden. Nach einer Schädigung in der einen Hälfte, bekommt die Stirn also weiterhin Impulse von Nervenfasern aus der intakten Hirnhälfte. Für den Gesichtsbereich vom Auge bis zum Kinn kreuzen diese Nervenfasern vollständig und versorgen nur jeweils eine Hälfte, sodass keine Mitversorgung der betroffenen Seite durch Nervenfasern der gesunden Seite vorliegt.
Als Ursache für die zentrale faziale Parese kommen alle Erkrankungen des Gehirns in Betracht, die Störungen im Kerngebiet des Gesichtsnervs verursachen. Dazu zählen:
- Hirninfarkt (Schlaganfall durch Blutungen oder Gefäßverschluss)
- Tumoren
- Verletzungen
- Kinderlähmung (Poliomyelitis)
- Multiple Sklerose
- Möbius-Syndrom
Das alleinige Auftreten der Gesichtslähmung ist bei einer zentralen Fazialislähmung selten. Häufig ist auch ein Arm oder eine komplette Körperhälfte betroffen. Auch Störungen beim Wasserlassen (z.B. Inkontinenz) sind typische Begleiterscheinungen.
Symptome einer Fazialisparese
Eine Gesichtslähmung tritt in der Regel sehr plötzlich auf - für die Betroffenen meist ein Schock. Innerhalb weniger Stunden entwickeln sich die typischen Fazialisparese-Symptome:
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- Die Muskeln im Gesicht erschlaffen
- Die Augenbrauen sinken ab
- Die Haut kribbelt, kommt einem wie taub vor
- Das Gesicht fühlt sich steif an
- Bei vielen Betroffenen schmerzt das Ohr
- Auch der Geschmackssinn ist gestört
- In schweren Fällen ist es den Betroffenen nicht mehr möglich, das Augenlid zu schließen oder den Mundwinkel zu bewegen
- Der Mund ist ständig trocken, ebenso die Augen
- Zusätzlich reagieren die Betroffenen empfindlicher auf Geräusche
- Auch das Sprechen und die Fähigkeit, über Mimik ihre Gefühle auszudrücken, leiden bei einer Gesichtslähmung. Das verursacht zusätzlich psychische Belastungen.
Die Beschwerden treten in der Regel innerhalb von wenigen Stunden auf und erreichen nach ein bis zwei Tagen ihren Höhepunkt. Die Fazialislähmung tritt meist im mittleren Lebensalter auf. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung der Gesichtslähmung ist Diabetes. Ein höheres Risiko für eine Fazialisparese haben auch Schwangere, wobei hier die Ursache unbekannt ist.
Je nach Ausprägung kann das Auge nicht mehr geschlossen werden und der Mundwinkel hängt herab. Die Folge: Das Auge trocknet aus, Sprechen und Nahrungsaufnahme fallen schwer und die Mimik ist gestört. Meist tritt die Gesichtslähmung einseitig auf. Je nach zugrunde liegender Ursache kann es zu einem vollständigen oder teilweisen Ausfall der vom Gesichtsnerv gesteuerten Funktionen kommen. Neben der Einschränkung wesentlicher Funktionen wie dem Schutz des Auges, der Nahrungsaufnahme und dem Sprechen beeinträchtigt die gestörte Mimik auch die soziale Interaktion.
Bei der peripheren Gesichtslähmung sind alle Äste im Gesicht betroffen: Der Patient kann die Stirn nicht mehr runzeln, das Auge auf der betroffenen Seite kann nie völlig geschlossen werden. Bei dem Versuch dreht sich der Augapfel nach oben (Bell-Phänomen). Im Gegensatz hierzu kann bei einer zentralen Fazialisparese die Stirn gerunzelt und das betroffene Auge meist noch vollständig geschlossen werden. Beiden Typen ist der hängende Mundwinkel auf einer Seite, der sich beim Sprechen nicht bewegt, gemeinsam. Dadurch wird die Aussprache undeutlicher und Speichel rinnt aus diesem Mundwinkel. Es können ein trockener Mund sowie ein trockenes Auge, Probleme beim Essen und mit dem Schmecken sowie Schluckstörungen hinzukommen.
Diagnose einer Fazialisparese
Die Diagnose der Fazialisparese ist vor allem Ursachenforschung. Die Diagnose der Fazialisparese wird meist von einem Neurologen gestellt. In manchen Fällen kann es aber auch notwendig sein, einen HNO Arzt heranzuziehen.
Der Arzt beginnt mit einer körperlichen Untersuchung, die Hinweise auf die Form und Ursache der Fazialisparese geben soll. Folgende Bewegungsaufgaben können dem Betroffenen zur Diagnosestellung gegeben werden (Hacke 2016):
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- Stirn runzeln
- Augen öffnen/schließen
- Nase rümpfen
- Mund/Lippen: Kussmund machen, lächeln, pfeifen, Wangen (auch einseitig) aufblasen
Kann das Auge nicht vollständig geschlossen werden, ist das Bell Phänomen zu beobachten. Lidschluss. Diese Bewegung ist ein physiologischer Schutzreflex des Auges, um die Hornhaut (Kornea) zu schützen (der aber nur bei 75 % der Bevölkerung auftritt). Schwere Paresen erkennt man bereits vor der Beweglichkeitsprüfung.
Mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) untersucht der Arzt oder die Ärztin, ob der Auslöser im Gehirn liegt. Im nächsten Schritt wird Blut abgenommen oder eine Lumbalpunktion zur Gewinnung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit durchgeführt. Auch eine Mittelohrentzündung kann den Nervus facialis in Mitleidenschaft ziehen, daher kann für die Diagnose eine Zusammenarbeit zwischen HNO-Arzt und Neurologen sehr hilfreich sein.
Je nach Ursache sind weiterführende bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich.
Die neurophysiologische Abklärung von Fazialisparesen umfasst die Hirnstammreflexe (Blinkreflex, Kornealreflex), den Nervenerregbarkeitstest bzw. die Elektroneurografie (elektrisch oder mittels Magnetstimulation), das EMG und die Audiografie oder akustische Impedanztestung bei Verdacht auf Stapediusausfall (Maller et al. 2018).
In vielen Fällen ist aber keine direkte Ursache der Fazialisparese bekannt. Dann wird meist für einen Zeitraum von 14 Tagen mit Kortison behandelt, das generell Entzündungen im Körper bekämpft.
Behandlung einer Fazialisparese
Die Behandlung richtet sich nach Dauer und Ursache der Fazialisparese. Die Therapie erfolgt individuell, abhängig von der Ursache. Bei geklärter Ursache wird die Grunderkrankung behandelt. Bei unvollständiger Heilung und starker Ausprägung steht die symptomatische und operative Behandlung im Vordergrund.
Wenn zum Beispiel eine Infektion, ein Schlaganfall oder eine andere Erkrankung eine Fazialisparese auslöst, wird in erster Linie die entsprechende Grunderkrankung behandelt. In den häufigeren Fällen einer Fazialisparese ohne bekannte Ursache konzentriert sich die Therapie darauf, die Symptome zu lindern.
- Medikamentöse Therapie: Entsteht die Gesichtslähmung als Folge einer Infektion mit einem Virus oder einem Bakterium, helfen bestimmte Medikamente - Virustatika bei Viren und Antibiotika bei Bakterien - dabei, die Erreger zu eliminieren. Außerdem kommen bei manchen Betroffenen Glukokortikoide, umgangssprachlich Kortison, zum Einsatz. Mittels Infusionen verabreichen Arzt oder Ärztin auch manchmal durchblutungsfördernde Medikamente. Bei Vitamin-B12-Mangel wird mit Präparaten aus dem Vitamin-B-Komplex behandelt. Hierbei werden insbesondere Vitamin B12 aber auch Vitamin B6 und B1 eingesetzt.
- Augenpflege: Da bei den meisten Patienten und Patientinnen mit peripherer Fazialisparese eine Schädigung der Lidschluss-Funktion besteht, muss das Auge besonders gepflegt werden, damit sich die Hornhaut nicht entzündet. Das geschieht mit künstlicher Tränenflüssigkeit und Augensalbe. Nachts tragen Patienten einen sogenannten Uhrglasverband (eine Art durchsichtige Augenklappe im Pflasterformat), um vor Austrocknung zu schützen. Für die Therapie entscheidend ist die Prophylaxe von Kornealäsionen mittels Uhrglasverband (Augensalbe zur Nacht, Augentropfen tagsüber).
- Physiotherapie: Die Krankengymnastik ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Fazialisparese. Sie zielt darauf ab, die Gesichtsmuskulatur zu stimulieren, die Gesichtssymmetrie wiederherzustellen und die Gesichtsfunktion zu verbessern. Bei der individuellen physiotherapeutischen Behandlung werden spezielle Übungen entwickelt, um die betroffenen Muskeln gezielt anzusprechen. Spezielle Fazialisparese-Übungen ermöglichen es den Betroffenen, unter professioneller Anleitung das Sprechen zu verbessern, leichter essen und trinken zu können sowie Gesichtsausdrücke zu trainieren. Auch müssen Erkrankte lernen, wie sie das Auge - wenn es sich nicht mehr richtig schließen lässt - vor Umwelteinflüssen im Alltag schützen können. Das erleichtert ihnen den Umgang mit der Gesichtslähmung. Der Patient sollte regelmäßig Innervationsübungen vor dem Spiegel machen.
- Elektrotherapie: In schweren Fällen, in denen die Gesichtslähmung nicht wieder abklingt, ist eine sogenannte transkutane Nervenstimulation eine Therapieoption. Hierbei regen leichte Stromwellen die betroffenen Nerven und Muskeln an. Der Strom wird über eine Elektrode auf der Haut in den Körper geleitet. Elektrotherapie ist eine Methode, bei der sanfte elektrische Impulse auf die Gesichtsnerven angewendet werden, um die Muskeln zu stimulieren und deren Funktion zu verbessern.
- Operation: In der Beta Aesthetic bieten wir Patienten und Patientinnen eine operative Behandlung zur Linderung der Symptome der Fazialisparese. Hierbei wird mittels einer motorischen Ersatzplastik die Mimik und Symmetrie weitestgehend wiederhergestellt. Durch Anschluss des Temporalmuskels (ein kräftiger Gesichtsmuskel) an die Unterlippe werden mimische Bewegungen ermöglicht, während die Kaufunktion vollständig erhalten bleibt. Das Gesicht wirkt durch diese Behandlung wieder symmetrischer und dynamischer. In wenigen Fällen hat eine Fazialisparese Langzeitfolgen. Ist die Gesichtslähmung chronisch (dauerhafte Schädigung der Nerven) und beispielsweise der Lidschluss des Auges eines Patienten gestört, gibt es die Möglichkeit der Therapie mit rekonstruktiver, plastischer Operation. Ein offenstehendes Unterlid kann beispielsweise mit einer besonderen Operationstechnik (Canthoplastik) behandelt werden. Eine entsprechende OP am Oberlid, bei der das Sichtfeld korrigiert wird, heißt Blepharoplastik. Die operative Dekompression des Nervs bringt keinen Gewinn gegenüber einer konservativen Behandlung.
Physiotherapeutische Übungen bei Fazialisparese
Eine der grundlegenden Übungen ist die Wiederherstellung der Gesichtsmimik. Dazu gehört das bewusste Lächeln, wobei beide Mundwinkel so weit wie möglich nach oben gezogen werden. Diese Übung sollte vor dem Spiegel durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass beide Gesichtshälften gleichmäßig arbeiten. Das Aufblasen der Wangen und das gezielte Pusten durch die Lippen fördern die Kraft und Kontrolle der Muskulatur um den Mund herum. Diese Technik beansprucht vor allem den Musculus orbicularis oris, der entscheidend für die Lippenbewegungen ist. Obwohl Zungenbewegungen nicht direkt mit der Fazialisparese zusammenhängen, sind sie nützlich, um insgesamt die Mundmotorik zu verbessern. Dazu gehört das Berühren der Nasenspitze mit der Zunge oder das Ausführen von Kreisbewegungen in beide Richtungen. Neben den eigenständigen Übungen sind auch manuelle Techniken und Gesichtsmassagen hilfreich. Durch sanftes Kneten und Massieren der betroffenen Muskeln lassen sich Spannungen lösen und die Durchblutung fördern. Visuelles Feedback ist beim Training der Gesichtsmuskulatur extrem wichtig. Spiegelübungen helfen Patienten, ihre Fortschritte zu beobachten und die Bewegungen zu korrigieren.
Der Erfolg der Rehabilitation bei einer Fazialisparese hängt stark von der Geduld des Patienten und der Regelmäßigkeit des Trainings ab. Eine übermäßige Belastung der Gesichtsmuskeln sollte vermieden werden; stattdessen sind regelmäßig kurze Übungseinheiten über den Tag verteilt sinnvoll.
Weitere unterstützende Maßnahmen
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, reich an Vitaminen und Mineralstoffen, kann das Immunsystem stärken und die Regeneration der Nerven unterstützen. Vitamine wie B12, D und C sind besonders wichtig, da sie eine zentrale Rolle bei der Nervenfunktion und -reparatur spielen. Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch, Leinsamen und Walnüssen enthalten sind, fördern zudem die neuronale Gesundheit. Patienten sollten darauf achten, genügend Nährstoffe zu sich zu nehmen und Stress durch eine bewusste Ernährung zu reduzieren.
- Naturheilkundliche Ansätze: Neben der klassischen Physiotherapie können naturheilkundliche Ansätze eine ergänzende Rolle im Heilungsprozess spielen. Methoden wie Akupunktur, Yoga oder Kräutertherapie bieten alternative Wege zur Förderung der Nervenreparatur und zur Linderung von Symptomen. Akupunktur kann beispielsweise dazu beitragen, die Durchblutung zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Yoga und Meditation können helfen, Stress abzubauen und die mentale Gesundheit zu stärken, was indirekt die Nervenregeneration positiv beeinflussen kann.
- Soziale Unterstützung: Die soziale Unterstützung durch Netzwerke und Gemeinschaften kann entscheidend für die emotionale Bewältigung von Fazialisparese sein. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Lösungen zu finden. Online-Foren, soziale Medien und Selbsthilfegruppen bieten Plattformen, um Unterstützung zu suchen und zu bieten. Diese Gemeinschaften geben den Betroffenen nicht nur das Gefühl, nicht allein zu sein, sondern sie können auch wertvolle Informationen und Tipps zur Bewältigung der Erkrankung bereitstellen.
Prognose
In den meisten Fällen sind die Fazialisparese-Symptome jedoch nur vorübergehend - Ärzte und Ärztinnen sprechen dann von einer transienten Fazialisparese. Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen verschwinden die Symptome einer Gesichtslähmung nach wenigen Wochen wieder vollständig. Innerhalb von sechs Monaten heilt eine Gesichtslähmung in der Regel wieder vollständig aus. Nur etwa bei jedem fünften Betroffenen kommt es zu anhaltenden Beschwerden. Trotzdem sollten sie sich während dieser Zeit in ärztliche Behandlung begeben. Wenn nach einem halben Jahr noch Anzeichen einer Lähmung vorhanden sind, ist es ratsam, sich in einem spezialisierten Zentrum untersuchen zu lassen.
Die Prognose der Bell-Lähmung ist günstig: Innerhalb von 3-8 Wochen kommt es zu einer vollständigen Restitution bei 80 % der Betroffenen (Eviston et al. 2015). Günstige prognostische Zeichen sind eine Besserung der Lähmungserscheinungen innerhalb der ersten Woche nach Manifestation, die frühzeitige Rückbildung einer begleitenden Geschmacksstörung sowie positive neurophysiologische Befunde mit nur gering reduziertem elektrisch oder magnetisch evoziertem Antwortpotenzial bzw. nur gering ausgeprägtem Leitungsblock.
Bei etwa 90% der Patienten heilt die Lähmung unter entsprechender Therapie nach 4 bis 10 Wochen bzw. Bei einer traumatischen Fazialisparese ist die Prognose abhängig vom Grad der Schädigung bei Therapiebeginn. In etwa 10% der Fälle bleibt die Mimik dauerhaft entstellt und kann eine plastische Operation erforderlich machen.
Langzeitfolgen
In manchen Fällen bleiben Restsymptome durch die Schädigung. Dazu gehören unwillkürliche Zuckungen der mimischen Muskulatur oder unbeabsichtigte Mitbewegungen der Mimik - zum Beispiel wenn der Mund gespitzt wird, schließt sich auch das Augenlid. Solche Synkinesien kann man mit Botulinum-Toxin behandeln, das in die entsprechende Muskulatur gespritzt wird, um die unwillkürlichen Bewegungen zu verhindern.
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