Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die sowohl Menschen als auch Tiere betrifft. Sie ist durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet, die durch eine vorübergehende Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn verursacht werden. Diese Anfälle können sich auf unterschiedliche Weise äußern, von kurzen Bewusstseinsverlusten bis hin zu schweren Krämpfen. Die Behandlung von Epilepsie umfasst in der Regel Medikamente, aber auch alternative Methoden wie Schüssler Salze können in Betracht gezogen werden, um die Symptome zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie (altgriechisch epílēpsis = Angriff, Überfall) ist die häufigste, chronische, neurologische Erkrankung. Man schätzt, dass fast 1 % aller Menschen in Europa davon betroffen sind. Allein in Deutschland sollen 500 - 650 TSD Menschen an dieser Erkrankung mehr oder weniger leiden. Bei den Tieren nehmen Hunde den größten Anteil ein, Schätzungen gehen von bis zu 5 % aus. Der Anteil der betroffenen Katzen liegt bei „nur“ 0,5 %, für andere Tiergattungen liegen keine Erhebungen/Schätzungen vor.
Epilepsie ist eine Krankheit des Gehirns, bei der eine unwillkürliche Funktionsstörung vorliegt. Das heißt: Während eines Anfalls ist die Kommunikation zwischen den Nervenzellen vorübergehend gestört. In der Folge sind einzelne Gehirnbereiche oder das gesamte Gehirn übermäßig aktiv und es werden zu viele Signale abgegeben.
Ursachen von Epilepsie
Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben. Hierbei muss zwischen idiopathischen Epilepsien (neigungsbedingt, genetisch vordispositoniert), welche meist bei Hunden die Ursache ist und symptomatischen Epilepsien (erworben, durch andere primäre Erkrankungen/Ursachen), was oftmals bei Katzen den Grund darstellt, unterschieden werden.
Zu den möglichen Ursachen gehören:
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- Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorbelastung kann das Risiko für Epilepsie erhöhen.
- Hirnschäden: Verletzungen des Gehirns, Schlaganfälle oder Infektionen können zu Epilepsie führen.
- Fehlbildungen im Gehirn: Angeborene Fehlbildungen können die normale Funktion des Gehirns beeinträchtigen und Anfälle auslösen.
- Stoffwechselstörungen: Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Nierenversagen können ebenfalls Epilepsie verursachen.
- Tumore: Hirntumore können die elektrische Aktivität im Gehirn stören und Anfälle auslösen.
- Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum können Auslöser sein.
In vielen Fällen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache finden.
Formen epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle werden in zwei Hauptgruppen, nach der Qualität ihrer Ausbreitung unterschieden:
Partielle (fokale) Anfälle: Diese Anfälle finden nur in einem ganz bestimmten Teil des Gehirns statt, sie werden auch als Lokalisationsbezogene Anfälle bezeichnet. Wie vermuten lässt, sind dabei lokal begrenzte Missempfindungen, Zuckungen, Maulbewegungen, Kreislaufen etc. zu beobachten, die meist jedoch nur kurze Zeit andauern. Bei der dieser Anfallsform bleibt das Bewusstsein i. d. R. erhalten (keine Ohnmacht), nur selten kommt es zu einer Bewusstlosigkeit. Allerdings besteht die Gefahr einer Fehldiagnose aufgrund der beobachten Symptome Rückschlüsse auf andere Erkrankungen zu schließen. Intensive Untersuchungen und sorgfältige Beobachtungen sind für eine richtige Diagnosestellung sehr wichtig, da im Zeitverlauf immer größere Areale des Gehirns betroffen werden können, die Anfallsintensität wächst und daher eine zielgerichtete Behandlung erforderlich ist.
Die fokale Epilepsie entsteht hingegen zunächst nur in einem Teil des Gehirns. Von der Störung können die Nervenzellen betroffen sein, die beispielsweise für Sprache, Sehen oder Motorik verantwortlich sind. Dies äußert sich mitunter durch Zucken einer Hand oder Gesichtshälfte, Seh- oder Gefühlsstörungen. Einige Epilepsie-Patienten sehen ihre Umwelt während eines Anfalls verändert. Das heißt sie nehmen zum Beispiel Gegenstände größer wahr oder hören Stimmen. Andere ziehen Grimassen, stammeln oder laufen ziellos umher. Fokale Anfälle können aber auch mit Zuckungen oder Krämpfen einhergehen. Bei einigen Betroffenen breitet sich die fokale Form auf das gesamte Gehirn aus und wird zu einem generalisierten Anfall. Es gibt zudem Anfälle, die sich bei einigen Patienten durch bestimmte Sinneswahrnehmungen ankündigen.
Generalisierte Anfälle: Dabei sind bereits viele Teile des Gehirns betroffen und es lässt sich somit kein bestimmter Ort ermitteln von dem der Anfall ausgeht. Derartige Anfälle gehen oftmals mit Bewusstlosigkeit, massiven Muskelkrämpfen, Stürzen etc. einher. Grundsätzlich ist jedoch festzustellen, dass allein durch die Schwere eines Anfalls nicht Rückschlüsse auf die Art des Krampfanfalles (Partiell oder generalisiert) gezogen werden können.
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Diagnose von Epilepsie
Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine eindeutige Diagnose Voraussetzung. Um herauszufinden, ob der Anfall einer Epilepsie oder einer anderen Erkrankung zuzuordnen ist, sollte ein Neurologe (Facharzt für Erkrankungen des Nervensystems) aufgesucht werden.
Die Diagnose von Epilepsie umfasst in der Regel:
- Anamnese: Eine ausführliche Befragung des Patienten und seiner Angehörigen über die Art und Häufigkeit der Anfälle. Hilfreich sind dabei vom Tierhalter gemachte Aufzeichnungen (z. B. in Form eines sog. Anfallskalender), wann, wie lange und mit welchen Ausprägungen der/die Anfall/Anfälle stattgefunden haben. Ideal sind auch Videoaufzeichnungen, die das Geschehen unverfälscht und ohne Interpretationen zeigen.
- Neurologische Untersuchung: Eine Untersuchung des Nervensystems, um mögliche Ursachen für die Anfälle zu identifizieren.
- EEG (Elektroenzephalogramm): Eine Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns, um Auffälligkeiten festzustellen. Mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG) wird die elektrische Gehirnaktivität aufgezeichnet. Bestimmte Muster lassen auf eine erhöhte Anfallsneigung schließen. Allerdings genügt das EEG allein nicht, um eine Epilepsie zu diagnostizieren.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Eine bildgebende Untersuchung des Gehirns, um strukturelle Veränderungen auszuschließen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) - auch Kernspintomogramm genannt - macht hirnorganische Veränderungen sichtbar, die wiederum Hinweise auf die Ursache geben können.
- Blutuntersuchungen: Um Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen als Ursache für die Anfälle auszuschließen.
Schulmedizinische Behandlungsansätze
Die Standardtherapie sieht den Langzeiteinsatz von antiepileptischen Medikamenten (Antiepileptika) vor. Hiermit sollen Anfälle vermieden bzw. unterdrückt werden. Die Dosierung wird dabei experimentell ermittel und kann individuell sehr unterschiedlich sein. Die in der Tiermedizin eingesetzten Hauptwirkstoffe Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, und Kaliumbromid werden jedoch in der Humanmedizin aufgrund der schlechten Verträglichkeit und Nebenwirkungen kaum noch eingesetzt. Neue, für den Humanbereich entwickelten Medikamente sind hinsichtlich ihrer geringen Halbwertzeiten (die Wirkungsweise liegt oftmals nur bei ein bis zwei Stunden) sowie durch die ebenfalls starken Nebenwirkungen für Tiere ungeeignet.
Am Beginn der Behandlung steht meist ein medikamentöser Ansatz, der bei optimaler Einstellung bei bis zu 70 Prozent aller Betroffenen zu einer Anfallsfreiheit führt.7 Patient und behandelnder Arzt wägen gemeinsam Nutzen und Risiken der Medikamente - sogenannte Antiepileptika - ab. Es sind Mittel auf dem Markt, die bei vielen Epilepsieformen wirksam sind. Bei der Epilepsie-Behandlung ist es möglich, nur ein Medikament (Monotherapie) oder mehrere als Kombinationstherapie zu verabreichen. Die Dosierung erfolgt individuell und startet meist niedrig. In den meisten Fällen sind Antiepileptika gut verträglich. Dennoch sind Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Müdigkeit, Schwindel oder verlangsamtes Denken nicht auszuschließen.
Mögliche Nebenwirkungen der Antiepileptika
Bei den oben aufgeführten und in der Tiermedizin eingesetzten Wirkstoffen ist oftmals mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen.
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Phenobarbital, das hauptsächlich eingesetzte Mittel (enthalten in Medikamenten wie z. B. Luminal, Phenobarbital-neuraxpharn), wurde ursprünglich als Schlafmittel/Barbiturat verwendet, ab 1992 dürfen aufgrund der bestehenden Nebenwirkungen Schlafmittel diesen Wirkstoff nicht mehr enthalten. Die Einsatzmöglichkeiten beschränken sind daher lediglich für die Behandlung von Epilepsien und zur Narkosevorbereitung. Bei Überdosierungen können spontan lebensbedrohliche Zustände auftreten. Folgende Nebenwirkungen können (oftmals häufig) allein oder in Kombination auftreten: übermäßige Müdigkeit, Mattigkeit, Benommenheit, verlängerte ReaktionszeitSchwindel, Koordinationsstörungen bei Bewegungsabläufen, Nachhandschwäche (Ataxie)Verwirrtheit, Störung der Sexualfunktion (verminderte Libido, Impotenz)paradoxe Reaktionen wie Erregungszustände, Aggressivitäterhöhter Appetit, Gewichtszunahme, erhöhtes Trinkverhalten Entwicklung einer Medikamentenabhängigkeiterheblicher Anstieg der LeberenzymeSchädigungen der Leber durch eine dauerhafte HöchstleistungenNierenfunktionsstörungen, insbesondere bei Vorschädigung.
Es ist wichtig zu beachten, dass die medikamentöse Behandlung von Epilepsie individuell angepasst werden muss und regelmäßige Kontrollen beim Arzt erforderlich sind.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten haben Patienten die Möglichkeit, auf alternative Methoden zurückzugreifen. Für die alternativen Behandlungsansätze liegt derzeit kein Wirkungsnachweis vor. Dennoch berichten einige Menschen mit Epilepsie, dass ihnen Akupressur und Co. helfen.
Schüssler Salze
Schüssler Salze sind Mineralsalze in potenzierter Form, die nach dem deutschen Arzt Wilhelm Heinrich Schüssler benannt sind. Die Therapie mit Schüssler Salzen basiert auf der Annahme, dass viele Krankheiten auf einem Mangel an bestimmten Mineralsalzen in den Zellen beruhen. Durch die Zufuhr dieser Salze sollen die Zellen wieder in ihr natürliches Gleichgewicht gebracht und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.
Im Zusammenhang mit Epilepsie werden Schüssler Salze häufig eingesetzt, um die Nerven zu stärken, die Reizbarkeit zu reduzieren und die allgemeine Gesundheit zu fördern. Einige der am häufigsten verwendeten Schüssler Salze bei Epilepsie sind:
- Nr. 5 Kalium phosphoricum: Dieses Salz wird oft bei nervöser Erschöpfung, Unruhe und Schlafstörungen eingesetzt. Es soll die Nerven stärken und die Reizbarkeit reduzieren.
- Nr. 7 Magnesium phosphoricum: Dieses Salz wird bei Krämpfen, Muskelzuckungen und Nervenschmerzen eingesetzt. Es soll die Muskeln entspannen und die Nerven beruhigen.
- Nr. 8 Natrium chloratum: Dieses Salz wird bei Störungen des Flüssigkeitshaushaltes und bei Kopfschmerzen eingesetzt. Es soll den Flüssigkeitshaushalt regulieren und die Nerven beruhigen.
- Nr. 11 Silicea: Dieses Salz wird bei Bindegewebsschwäche, Hautproblemen und Nervenentzündungen eingesetzt. Es soll das Bindegewebe stärken und die Nerven beruhigen.
- Nr. 13 Kalium arsenicosum D12: 1x täglich 2 Tabletten. Nr. Nervenfunktionen.
- Nr. Regulation der Jodaufnahme. Nr. Schilddrüsenfunktion und senkt zu hohen Blutdruck.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Anwendung von Schüssler Salzen bei Epilepsie immer in Absprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker erfolgen sollte. Die Salze können die schulmedizinische Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen.
Weitere alternative Behandlungsmethoden
Neben Schüssler Salzen gibt es noch weitere alternative Behandlungsmethoden, die bei Epilepsie eingesetzt werden können:
- Homöopathie: Die Homöopathie ist eine alternative Heilmethode, die auf dem Ähnlichkeitsprinzip basiert. Dabei wird ein Mittel eingesetzt, das bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen würde wie die, unter denen der Kranke leidet.
- Akupunktur: Die Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Heilmethode, bei der feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, um den Energiefluss zu regulieren.
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der Patienten lernen, ihre Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Muskelspannung oder Gehirnströme bewusst zu beeinflussen.
- Ketogene Diät: Die ketogene Diät ist eine spezielle Form der Ernährung, bei der der Körper hauptsächlich Fette und wenig Kohlenhydrate zu sich nimmt. Dies führt zu einer Umstellung des Stoffwechsels, bei der der Körper Ketone als Energiequelle nutzt.
Leben mit Epilepsie
Ein epileptischer Anfall kann dann lebensgefährdend sein, wenn der Betroffene beispielsweise infolge eines Anfalls einen Autounfall verursacht und sich schwerwiegende Verletzungen zuzieht. Den meisten beruflichen Tätigkeiten können Epileptiker ohne Einschränkungen nachgehen. Es gibt jedoch bestimmte Berufsgruppen, die Betroffenen nur schwer oder gar nicht zugänglich sind, beispielsweise Pilot oder Busfahrer. Die berufliche Eignung ist immer auf den Einzelfall zu beziehen, sprich, es müssen Faktoren wie die Art der Anfälle, deren Häufigkeit sowie Schweregrad bei der Berufswahl berücksichtigt werden.
Epilepsie kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um mit den Herausforderungen umzugehen. Dazu gehören:
- Regelmäßige Arztbesuche: Um die Behandlung zu überwachen und anzupassen.
- Einnahme der Medikamente: Die Medikamente sollten regelmäßig und in der verordneten Dosis eingenommen werden, um Anfälle zu verhindern.
- Vermeidung von Auslösern: Bestimmte Faktoren wie Schlafmangel, Stress oder Alkohol können Anfälle auslösen und sollten vermieden werden.
- Erste Hilfe: Angehörige und Freunde sollten über die richtige Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall informiert sein.
- Austausch mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen und neue Strategien zu entwickeln.
Was tun bei einem epileptischen Anfall?
Wer einen epileptischen Anfall beobachtet, sollte zunächst ruhig bleiben und gefährliche Gegenstände aus der Umgebung des Betroffenen entfernen. Halten Sie den Betroffenen nicht fest. Wichtig ist, den Kopf zu schützen und ihn nach dem Anfall in die stabile Seitenlage zu bringen.
Persönliche Erfahrungen mit Epilepsie
Die Erfahrungen mit Epilepsie sind sehr individuell und können von Person zu Person stark variieren. Einige Betroffene berichten von:
- Angst vor Anfällen: Die Angst vor einem erneuten Anfall kann das Leben stark beeinträchtigen und zu sozialer Isolation führen.
- Nebenwirkungen der Medikamente: Viele Antiepileptika haben Nebenwirkungen, die das Wohlbefinden beeinträchtigen können.
- Einschränkungen im Alltag: Epilepsie kann zu Einschränkungen im Alltag führen, beispielsweise beim Autofahren oder bei der Berufswahl.
- Stigmatisierung: Epilepsie ist oft mit Stigmatisierung verbunden, was zu sozialer Ausgrenzung führen kann.
Trotz dieser Herausforderungen ist es möglich, mit Epilepsie ein erfülltes Leben zu führen. Eine gute medizinische Betreuung, eine positive Einstellung und die Unterstützung von Familie und Freunden können dabei helfen.
Persönliche Erfahrungen einer Betroffenen
Eine Betroffene schildert ihren Umgang mit fokalen Anfällen und die Schwierigkeiten, die mit der Erkrankung verbunden sind:
"Ich wohne in einer Großstadt. Mit der Anfallszahl, also 10 in 2 Stunden, das waren so die schlimmsten Zeiten nach der Op. Es gibt auch Tage mit "nur" 3 Auren oder ich denk die ganze Zeit es kommt was, nur passiert nix großes oder ich gehe wie vor 2 Tagen in Vorkasse- mit schlechtem Schlaf, hoher Agression ohne jeglichen Grund, kleinerer Anfall und dann ist Ruhe, ohne übliche Kaputtheitsnachphase, nix. Bei den letzten Malen war tatsächlich wer da. Einmal war es der Freund, das andere mal in der Physio. Peinlich aber mei. Wie man das aushält? Naja, nach größeren vielen Anfällen wird die Todessehnsucht schon sehr groß (man fühlt sich schließlich schon tot…) aber solange der Sensemann noch nicht aufkreuzt, geht es eben weiter."
Die Betroffene beschreibt verschiedene Arten von Anfällen, die sie erlebt:
- Mittlere Anfälle: "Die mittleren, da werde ich von einer auf die andere Sekunde totmüde, als hätte ich ein paar Packungen Schlafmedis zu viel vertilgt. Ich kann mich kaum bewegen, die Gedanken sind wie zäher Kaugummi- im Zeitlupentempo, als könnte ich nicht mehr denken."
- Myoklinenstatus: "zum Glück nur so 5-10 x im Jahr habe ich einen Myoklinenstatus oder was. Es beginnt in einzelnen Fingerpartien, wie Stromschläge, ich merke es, sehe es aber selbst kaum. Bis es sich ausweitet über den Arm und irgendwann die Schulter und manchmal der Kopf mitzuckt. Ich kann da klar denken. Aber kein Buch, keine Bürste, nix mehr halten. 5 Minuten sind gnädig. Meist geht es so 2- einmal waren es 10 Stunden."
- Größere Anfälle: "Die ich nenne es größeren Anfälle beginnen immer mit einem komischen Gefühl. Ich verstehe nichts und niemanden mehr, höre aber irsinnig laute Gerräusche. Zum Vergleich habe ich grad das Wasser offen, ist es dann eher die Lautstärke von den Niagara Fällen. Manchmal wird mir speiübel, manchmal verzieht sich mein Mund zu einem Grinsen, links oben sehe ich Punkte und Blitze und dann beginnt die Hand zu krampfen, manchmal auch der Kopf und das Bein. 2x habe ich die Tür geknutscht, aber meistens habe ich Glück und komme heil da raus. Das alles dauert 2, meistens 3, aber auch mal 15 Minuten. Danach will ich von Gott und der Welt nix mehr wissen. Schwindel, Ausgelaugt, Kopfweh, Übelkeit, Agression, Traurigkeit, Müdigkeit, alles kämpft zur selben Zeit im Körper. Meine Erfahrung ist, dass außer Schlaf absolut rein gar nichts hilft. Also sieht man zu, dass man schläft."
Die Betroffene hat verschiedene Behandlungen ausprobiert, aber bisher keine zufriedenstellende Lösung gefunden:
"Ohne Medis wird man mit Anfällen bombadiert und was anderes habe ich noch nicht gefunden. Die ketogene Diät half nicht, die Hömöopathie nicht und ganz vieles, was einem an Alternativen Methoden angedreht wird, ist einfach Schmarn."
Trotz der Schwierigkeiten hat die Betroffene die Hoffnung auf ein anfallsfreies Leben aufgegeben:
"Anfallsfrei leben? Ja, das wär schon was feines. Inzwzischen aber habe ich die Hoffnung wirklich begraben. Da ich neben der Epilepsie noch eine Cerebralparese von einer Halbseitenlähmung habe (die man mir aber Dank viel Training nicht so ansieht) habe ich innerlich mein Leben mit den Urteilen "2× Lebenslänglich" abgeschlossen."
Diese persönlichen Erfahrungen zeigen, wie komplex und individuell Epilepsie sein kann. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren, verschiedene Behandlungsmöglichkeiten auszuprobieren und sich nicht entmutigen zu lassen.