Die fokale Neuropathie ist eine Erkrankung, die durch Schädigung einzelner Nerven gekennzeichnet ist, im Gegensatz zur Polyneuropathie, die viele Nerven betrifft. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der fokalen Neuropathie und bietet einen umfassenden Überblick für Betroffene und Interessierte.
Einführung
Die Polyneuropathie ist eine Volkskrankheit, von der schätzungsweise fünf Millionen Deutsche betroffen sind. Der Begriff „Polyneuropathie“ beschreibt eine Erkrankung vieler peripherer Nerven, wobei die Ursachen vielfältig sein können. Je nach Ursache werden entweder die Nervenkabel selbst (Axone) oder deren Hüllschicht (Myelinschicht) geschädigt. Die diabetische Neuropathie ist eine der häufigsten Formen in Europa.
Ursachen der fokalen Neuropathie
Die Ursachen für eine fokale Neuropathie sind vielfältig und können sowohl erworbene als auch hereditäre Faktoren umfassen. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Diabetes mellitus: Bis zu 30 Prozent aller Menschen mit Diabetes Typ-1 und Typ-2 entwickeln im Laufe der Zeit Nervenschäden. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann die Nerven direkt schädigen und zu einer diabetischen Neuropathie führen.
- Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann Nervenschäden verursachen, da Alkohol als Nervengift wirkt und die Weiterleitung von Reizen und Signalen stört.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12 oder anderen wichtigen Nährstoffen kann ebenfalls zu Nervenschäden führen.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen, wie Borreliose oder Herpes simplex, können eine Neuropathie auslösen.
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom können zu einer Schädigung der Nervenscheiden führen.
- Krebserkrankungen und Chemotherapie: Krebserkrankungen und die Behandlung mit Chemotherapeutika können ebenfalls Nervenschäden verursachen.
- Gifte: Der Kontakt mit bestimmten Giften kann zu einer Neuropathie führen.
- Hereditäre Neuropathien: Genetisch bedingte Erkrankungen wie die Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT) können ebenfalls eine Neuropathie verursachen.
Formen der diabetischen Neuropathie
Die Neuropathie bei Diabetes kann verschiedene Erscheinungsformen haben:
- Symmetrische Polyneuropathie: Die Beschwerden beginnen in den Füßen und breiten sich später auf die Hände und Beine aus.
- Autonome Neuropathie: Nerven, die Herzschlag, Blutdruck, Blutzucker und die Tätigkeit der inneren Organe beeinflussen, werden geschädigt.
- Fokale Neuropathien: Nur wenige Nerven sind geschädigt, wobei die Beschwerden plötzlich auftreten. Die diabetische Amyotrophie ist eine häufige Form.
Symptome der fokalen Neuropathie
Die Symptome einer fokalen Neuropathie können je nach betroffenem Nerv variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Schmerzen: Heftige Schmerzen im Bereich von Oberschenkel, Gesäßhälfte, Bein, Brust, Bauch oder Flanken.
- Missempfindungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle, Brennen oder stechende Schmerzen in den betroffenen Bereichen.
- Muskelschwäche: Schwäche in den Muskeln, die von den betroffenen Nerven versorgt werden.
- Koordinationsprobleme: Verlust von Körperbalance und Koordinierung der Bewegungen.
- Autonome Störungen: Störungen der Herzfrequenz, des Blutdrucks, der Verdauung oder der Blasenfunktion.
- Sehstörungen: Doppelbilder oder Schmerzen hinter dem Auge, insbesondere bei Beteiligung der Augenmuskeln.
Spezifische Symptome der diabetischen Polyneuropathie
- Kribbeln an Händen und Füßen
- Brennende und stechende Schmerzen, vor allem an den Füßen
- Krämpfe in den Waden
- Taubheitsgefühl und Unempfindlichkeit auf Schmerzen oder Temperaturunterschiede
- Starke Berührungsüberempfindlichkeit
- Muskelschwäche an Füßen, Unterschenkeln und Händen
- Verlust von Körperbalance
Die Symptome werden vor allem in Ruhe oder nachts bemerkt. Durch die fehlende Schmerzwahrnehmung werden kleinste Wunden an den Füßen oft nicht bemerkt, was zu gefährlichen Entzündungen führen kann.
Symptome der autonomen Neuropathie
- Fehlen der typischen Symptome einer Unterzuckerung
- Herz-Kreislauf-Störungen
- Schwindelgefühl und Ohnmacht beim Aufstehen
- Verdauungsstörungen mit Völlegefühl, Durchfall und Verstopfung
- Unkontrolliertes Wasserlassen
- Potenzstörungen
- Heftige Schweißausbrüche, vor allem nachts
- Sehstörungen
Diagnose der fokalen Neuropathie
Die Diagnose einer fokalen Neuropathie umfasst in der Regel eine umfassende Anamnese, eine neurologische Untersuchung und verschiedene diagnostische Tests. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, um Informationen über Verteilung, Art und Dynamik der Schädigung zu erhalten.
- Klinisch-neurologische Untersuchung: Feststellung des Schädigungsmusters, um Rückschlüsse auf die Ursache zu ziehen.
- Blutuntersuchungen: Bestimmung verschiedener Werte, wie Blutzucker, Nieren-Leberwerte, Elektrolyte, Schilddrüsenwerte, Vitamine und Rheumafaktoren.
- Elektrophysiologische Untersuchungen (Neurographie, EMG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Funktion der Nerven zu überprüfen und Schädigungen zu identifizieren.
- Nervenwasseruntersuchung (Liquor): Untersuchung des Nervenwassers, um entzündliche Ursachen auszuschließen.
- Haut-, Nerven- oder Muskelbiopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur Untersuchung unter dem Mikroskop, insbesondere bei Verdacht auf entzündliche Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen.
- Genetische Tests: Bei Verdacht auf hereditäre Neuropathien können genetische Tests durchgeführt werden, um die spezifische genetische Ursache zu identifizieren.
Behandlung der fokalen Neuropathie
Die Behandlung der fokalen Neuropathie zielt darauf ab, die Ursache der Nervenschädigung zu behandeln, die Symptome zu lindern und Komplikationen vorzubeugen. Zu den wichtigsten Behandlungsansätzen gehören:
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei Diabetes mellitus ist eine optimale Blutzuckereinstellung entscheidend. Bei Alkoholmissbrauch ist ein Verzicht auf Alkohol erforderlich. Vitaminmängel müssen behoben werden.
- Schmerztherapie: Medikamente gegen neuropathische Schmerzen, wie Pregabalin, Gabapentin, Amitriptylin oder Duloxetin, können eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern.
- Physiotherapie: Gangtraining und Eigenübungen können helfen, Stürzen vorzubeugen und die Mobilität zu verbessern.
- Ergotherapie: Hilfsmittelversorgung und -optimierung zur Unterstützung der Mobilität und Selbstständigkeit.
- Immunmodulierende Therapien: Bei autoimmun bedingten Neuropathien können Immunglobuline, Plasmaaustausch oder Chemotherapeutika eingesetzt werden.
- Chirurgische Maßnahmen: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Druck auf den Nerv zu entlasten oder Verletzungen zu beheben.
Spezifische Therapien bei diabetischer Neuropathie
- Regelmäßige Fußuntersuchung: Wichtig für Diabetespatienten, um Verletzungen frühzeitig zu erkennen.
- Optimale Blutzuckereinstellung: Regelmäßige Teilnahme an einem Screening und Sicherstellung eines optimalen HbA1c-Werts.
Therapie bei hereditären Neuropathien
- Physio- und Ergotherapie: Regelmäßige und fortlaufende Therapie zur Vermeidung von Muskel- und Sehnenverkürzungen und Gelenkkontrakturen.
- Hilfsmittelversorgung: Unterstützung der Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag und Beruf.
Komplikationen der fokalen Neuropathie
Unbehandelt kann eine fokale Neuropathie zu verschiedenen Komplikationen führen, darunter:
- Chronische Schmerzen: Anhaltende Schmerzen, die die Lebensqualität beeinträchtigen.
- Muskelschwund: Abbau von Muskelmasse aufgrund von Inaktivität oder Nervenschädigung.
- Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten beim Gehen, Stehen oder Greifen.
- Verletzungen: Unbemerkte Verletzungen aufgrund von Taubheitsgefühlen, insbesondere an den Füßen.
- Infektionen: Wundheilungsstörungen und erhöhte Infektionsgefahr.
- Amputation: Im schlimmsten Fall kann eine Amputation erforderlich sein, insbesondere bei diabetischem Fußsyndrom.
Prävention der fokalen Neuropathie
Einige Risikofaktoren für die Entwicklung einer fokalen Neuropathie können beeinflusst werden. Zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen gehören:
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- Kontrolle des Blutzuckerspiegels: Für Diabetiker ist eine optimale Blutzuckereinstellung entscheidend.
- Vermeidung von Alkoholmissbrauch: Ein maßvoller Alkoholkonsum oder der Verzicht auf Alkohol kann das Risiko einer Neuropathie verringern.
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Nährstoffen ist wichtig für die Nervengesundheit.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität kann die Durchblutung verbessern und die Nervenfunktion unterstützen.
- Vermeidung von Giften: Der Kontakt mit bestimmten Giften sollte vermieden werden.
- Früherkennung und Behandlung von Grunderkrankungen: Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes, Autoimmunerkrankungen oder Infektionen kann das Risiko einer Neuropathie verringern.
Fallbeispiel
Die 68-jährige Frau Ambaur bemerkte seit einem halben Jahr zunehmende Beschwerden beim Gehen. Sie beschrieb, dass sie teilweise wie ein Storch im Salat gehe und das Gefühl habe, sich wie auf rohen Eiern fortzubewegen. Zudem klagte sie über schmerzhafte Missempfindungen in den Beinen, die sich wie das Krabbeln von Ameisen anfühlten. Ihre Beine fühlten sich manchmal kalt und wie abgestorben an. In den letzten Wochen bemerkte sie auch Missempfindungen an den Händen.
CMT-Register
Alle Personen mit CMT-Neuropathie in Deutschland und Österreich können sich unter www.cmt-register.de registrieren. Dies ist eine Informationsplattform für alle, die sich registriert haben.
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