Hirnstamminfarkt: Ursachen, Symptome, Behandlung und Rehabilitation

Ein Hirnstamminfarkt ist eine Form des Schlaganfalls, die aufgrund ihrer Auswirkungen auf lebenswichtige Körperfunktionen besonders schwerwiegend sein kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und die Bedeutung der Rehabilitation nach einem Hirnstamminfarkt.

Einführung

Ein Schlaganfall, in der Medizin auch Apoplex oder Insult genannt, ist ein unvorhersehbares und schwerwiegendes Ereignis, das in vielen Fällen zu langanhaltender Hilfs- und Pflegebedürftigkeit führt. Er entsteht, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, was zum Absterben von Nervenzellen führt. Je nach Ausmaß und Lokalisation des betroffenen Hirnareals können unterschiedliche Schäden auftreten. Ein Hirnstamminfarkt betrifft den Hirnstamm, einen lebenswichtigen Teil des Gehirns, der grundlegende Funktionen steuert.

Was ist ein Hirnstamminfarkt?

Ein Hirnstamminfarkt ist ein Schlaganfall, der im Hirnstamm auftritt. Der Hirnstamm ist der Teil des Gehirns, der das Gehirn mit dem Rückenmark verbindet. Er steuert lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Herzfrequenz, Blutdruck, Schlucken und Bewusstsein. Ein Infarkt in diesem Bereich kann daher schwerwiegende Folgen haben.

Ursachen eines Hirnstamminfarkts

Wie bei anderen Schlaganfällen sind die Hauptursachen für einen Hirnstamminfarkt:

  • Gefäßverschluss (ischämischer Schlaganfall): In über 85 Prozent der Fälle ist ein Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) die Ursache. Dieses Gerinnsel kann sich in einem der Blutgefäße des Gehirns bilden oder von anderer Stelle im Körper, beispielsweise dem Herzen, dorthin gelangen. Eine Verengung der Gefäße durch Ablagerungen (Arteriosklerose) kann ebenfalls zu einem Gefäßverschluss führen.
  • Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall): Weniger häufig ist eine Blutung im Gehirn die Ursache. Diese kann durch einen Riss eines Blutgefäßes entstehen, oft aufgrund von Bluthochdruck oder einer angeborenen Gefäßschwäche (Aneurysma). Auch eine Subarachnoidalblutung, bei der Blut in den Raum zwischen Gehirn und Hirnhaut gelangt, kann einen Schlaganfall verursachen.
  • Weitere Ursachen: In seltenen Fällen können auch andere Faktoren wie Gefäßentzündungen oder -verletzungen, Gerinnungsstörungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente einen Schlaganfall auslösen.

Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls erhöhen, sind:

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  • Bluthochdruck: Erhöht den Druck auf die Gefäßwände und kann zu Schäden und Blutungen führen.
  • Vorhofflimmern: Eine Herzrhythmusstörung, bei der sich Blutgerinnsel im Herzen bilden können, die ins Gehirn gelangen und dort Gefäße verschließen.
  • Diabetes: Schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Arteriosklerose.
  • Fettstoffwechselstörungen: Erhöhen die Ablagerung von Cholesterin in den Gefäßwänden.
  • Rauchen: Schädigt die Gefäße und fördert die Bildung von Blutgerinnseln.
  • Übergewicht und Bewegungsmangel: Tragen zu Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen bei.
  • Alter: Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
  • Genetische Veranlagung: Familiäre Vorbelastung kann das Risiko erhöhen.

Symptome eines Hirnstamminfarkts

Die Symptome eines Hirnstamminfarkts können vielfältig sein und hängen davon ab, welcher Bereich des Hirnstamms betroffen ist. Da der Hirnstamm viele wichtige Funktionen steuert, können die Auswirkungen gravierend sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Diese treten häufig auf, da der Hirnstamm eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts spielt. Betroffene können unter starkem Drehschwindel, Unsicherheit beim Stehen und Gehen leiden.
  • Schluckstörungen (Dysphagie): Der Hirnstamm steuert die Muskeln, die für das Schlucken notwendig sind. Ein Infarkt kann dazu führen, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, Nahrung und Flüssigkeiten zu schlucken, was zu Husten, Würgen und Aspiration (Eindringen von Nahrung in die Atemwege) führen kann.
  • Sprach- und Sprechstörungen (Aphasie, Dysarthrie): Der Hirnstamm ist an der Steuerung der Sprechmuskulatur beteiligt. Ein Infarkt kann zu verwaschener Sprache, Schwierigkeiten bei der Artikulation oder dem Finden der richtigen Worte führen.
  • Sehstörungen: Der Hirnstamm enthält Nervenbahnen, die für die Steuerung der Augenbewegungen und die Verarbeitung visueller Informationen wichtig sind. Ein Infarkt kann zu Doppelbildern, verschwommenem Sehen oder Gesichtsfeldausfällen führen.
  • Bewusstseinsstörungen: In schweren Fällen kann ein Hirnstamminfarkt zu Bewusstseinsverlust oder Koma führen, da der Hirnstamm das Bewusstsein reguliert.
  • Lähmungen: Ein Hirnstamminfarkt kann zu Lähmungen oder Schwäche auf einer oder beiden Körperseiten führen. In besonders schweren Fällen kann es zu einer vollständigen Lähmung aller Extremitäten (Tetraparese) kommen.
  • Koordinationsstörungen: Der Hirnstamm spielt eine wichtige Rolle bei der Koordination von Bewegungen. Ein Infarkt kann zu unkoordinierten Bewegungen, Schwierigkeiten bei der Feinmotorik und Gangunsicherheit führen.
  • Atemstörungen: In schweren Fällen kann ein Hirnstamminfarkt die Atmung beeinträchtigen, was zu Atemnot oder sogar Atemstillstand führen kann.
  • Übelkeit und Erbrechen: Diese Symptome können auftreten, da der Hirnstamm das Brechzentrum steuert.

Eine besondere Form des Hirnstamminfarkts ist das Wallenberg-Syndrom, das durch den Verschluss einer der Wirbelarterien entsteht. Typische Symptome sind:

  • Gestörte Bewegungsabläufe
  • Probleme mit dem Schlucken und Sprechen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Hängendes Augenlid

Ein noch schwerwiegenderer Zustand ist die Basilaris-Thrombose, bei der die Arteria basilaris, die Hauptschlagader des Hirnstamms, verschlossen ist. Dies kann zum Locked-in-Syndrom führen, bei dem die Patienten bei vollem Bewusstsein sind, aber vollständig gelähmt sind und sich nur noch durch Augenbewegungen verständigen können.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome eines Hirnstamminfarkts plötzlich auftreten und sich rasch verschlimmern können. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Notruf (112) gewählt werden, da jede Minute zählt, um irreversible Schäden zu minimieren.

Diagnose eines Hirnstamminfarkts

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist eine schnelle und präzise Diagnose entscheidend. Folgende Untersuchungen werden in der Regel durchgeführt:

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  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die neurologischen Funktionen des Patienten, wie z.B. Bewegungsfähigkeit, Sensibilität, Koordination, Sprache und Bewusstsein.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Computertomographie (CT): Eine CT-Aufnahme des Gehirns kann schnell durchgeführt werden, um eine Blutung auszuschließen. Allerdings sind frische Infarkte im CT oft nicht sofort sichtbar.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT ist empfindlicher für die Darstellung von Hirninfarkten, insbesondere im Frühstadium. Es kann auch helfen, die genaue Lokalisation und Ausdehnung des Infarkts zu bestimmen.
    • CT- oder MR-Angiographie: Diese Verfahren stellen die Blutgefäße im Gehirn dar und können Verengungen oder Verschlüsse identifizieren.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Ein EKG wird durchgeführt, um Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern zu erkennen, die ein Risikofaktor für Schlaganfälle sind.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinwerte oder Gerinnungsstörungen zu identifizieren.

Behandlung eines Hirnstamminfarkts

Die Behandlung eines Hirnstamminfarkts zielt darauf ab, die Blutversorgung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und weitere Schäden zu verhindern. Die wichtigsten Behandlungsoptionen sind:

  • Thrombolyse (Lyse-Therapie): Bei einem ischämischen Schlaganfall kann eine Thrombolyse durchgeführt werden, um das Blutgerinnsel aufzulösen, das das Gefäß verschließt. Dabei wird ein Medikament (z.B. Alteplase) intravenös verabreicht. Die Thrombolyse muss so schnell wie möglich nach Beginn der Symptome erfolgen, idealerweise innerhalb von 4,5 Stunden.
  • Thrombektomie: Wenn die Thrombolyse nicht erfolgreich ist oder ein großes Blutgerinnsel vorliegt, kann eine Thrombektomie durchgeführt werden. Dabei wird das Blutgerinnsel mechanisch mit einem Katheter aus dem Gefäß entfernt. Die Thrombektomie kann auch in Kombination mit der Thrombolyse eingesetzt werden.
  • Gerinnungshemmende Medikamente: Nach einem ischämischen Schlaganfall werden gerinnungshemmende Medikamente (z.B. Aspirin, Clopidogrel oder Antikoagulantien) eingesetzt, um die Bildung neuer Blutgerinnsel zu verhindern.
  • Blutdruckkontrolle: Ein hoher Blutdruck kann das Risiko für weitere Schlaganfälle erhöhen. Daher ist es wichtig, den Blutdruck zu senken und zu stabilisieren.
  • Weitere Maßnahmen: Je nach den spezifischen Symptomen des Patienten können weitere Maßnahmen erforderlich sein, wie z.B. die Behandlung von Atemstörungen, die Kontrolle des Blutzuckerspiegels oder die Vorbeugung von Komplikationen wie Lungenentzündung oder Thrombosen.

Bei einer Hirnblutung liegt der Fokus auf der Kontrolle der Blutung und der Reduzierung des Drucks im Gehirn. Dies kann durch Medikamente oder in einigen Fällen durch eine Operation erfolgen.

Rehabilitation nach einem Hirnstamminfarkt

Die Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung nach einem Hirnstamminfarkt. Sie zielt darauf ab, die verlorengegangenen Funktionen wiederherzustellen, die Selbstständigkeit des Patienten zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitation kann in verschiedenen Einrichtungen stattfinden, wie z.B. im Krankenhaus, in einer Rehaklinik oder zu Hause.

Ein multidisziplinäres Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften arbeitet zusammen, um einen individuellen Rehabilitationsplan für den Patienten zu erstellen. Die Rehabilitation kann folgende Elemente umfassen:

  • Physiotherapie (Krankengymnastik): Ziel ist es, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination wiederherzustellen.
  • Ergotherapie: Ziel ist es, dieAlltagsfähigkeiten des Patienten zu verbessern, wie z.B. Essen, Anziehen, Körperpflege und Haushaltstätigkeiten.
  • Logopädie (Sprachtherapie): Ziel ist es, Sprach- und Sprechstörungen zu behandeln und die Kommunikationsfähigkeit des Patienten zu verbessern.
  • Schlucktherapie: Ziel ist es, Schluckstörungen zu behandeln und das Risiko einer Aspiration zu reduzieren.
  • Neuropsychologie: Ziel ist es, kognitive Beeinträchtigungen wie Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörungen zu behandeln.
  • Psychologische Betreuung: Viele Schlaganfallpatienten leiden unter Depressionen oder Angstzuständen. Eine psychologische Betreuung kann helfen, diese Probleme zu bewältigen und die psychische Gesundheit des Patienten zu verbessern.

Die Rehabilitation kann ein langwieriger Prozess sein, aber mit Engagement, Durchhaltevermögen und der Unterstützung des Umfelds können viele Patienten eine deutliche Verbesserung ihrer Funktionen und Lebensqualität erreichen.

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Prävention von Schlaganfällen

Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, das Risiko eines Schlaganfalls zu senken. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Regelmäßige Blutdruckkontrolle und Behandlung von Bluthochdruck: Ein gut eingestellter Blutdruck ist entscheidend für die Gesundheit der Gefäße.
  • Behandlung von Vorhofflimmern: Gerinnungshemmende Medikamente können das Risiko von Blutgerinnseln und Schlaganfällen reduzieren.
  • Kontrolle und Behandlung von Diabetes: Eine gute Blutzuckereinstellung kann Gefäßschäden verhindern.
  • Senkung des Cholesterinspiegels: Eine gesunde Ernährung und Medikamente können helfen, den Cholesterinspiegel zu senken und Arteriosklerose vorzubeugen.
  • Rauchverzicht: Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse undBallaststoffen kann helfen, das Gewicht zu kontrollieren und den Blutdruck und Cholesterinspiegel zu senken.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität kann helfen, das Gewicht zu kontrollieren, den Blutdruck zu senken und die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
  • Mäßiger Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen und das Schlaganfallrisiko steigern.

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