Folsäure, auch bekannt als Vitamin B9 oder B11, ist ein wasserlösliches Vitamin, das eine entscheidende Rolle bei zahlreichen Wachstums- und Entwicklungsprozessen im Körper spielt. Es ist unerlässlich für die Zellteilung, die Bildung roter Blutkörperchen und die Funktion des Nervensystems. Obwohl eine ausgewogene Ernährung in der Regel den Folsäurebedarf decken kann, gibt es bestimmte Lebensphasen und Umstände, in denen ein Mangel auftreten kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Folgen eines Folsäuremangels, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne, und gibt Empfehlungen zur Behandlung und Vorbeugung.
Vorkommen und Funktion von Folsäure
Folat ist ein Überbegriff für verschiedene physiologisch aktive Verbindungen mit Vitaminwirkung, die natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen. Folsäure hingegen ist die synthetische Form des Vitamins, die zur Anreicherung von Lebensmitteln und in Vitaminpräparaten verwendet wird. Der Körper kann Folsäure nicht selbst herstellen und ist daher auf eine kontinuierliche Zufuhr über die Nahrung angewiesen.
Folat und Folsäure sind an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt und wichtig für die Zellteilung. Sie sind unerlässlich für Wachstums- und Entwicklungsprozesse im Körper und des Fötus bei Schwangeren. Folsäure überträgt sogenannte Methylgruppen im Aminosäurestoffwechsel und greift als Coenzym in den Nukleotid- und Methioninstoffwechsel ein.
Ursachen eines Folsäuremangels
Ein Folsäuremangel kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören:
- Unausgewogene Ernährung: Eine zu geringe Aufnahme von Folsäure über die Nahrung, insbesondere durch mangelnden Konsum von grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten.
- Übermäßiger Alkoholkonsum: Alkohol kann die Aufnahme von Folsäure im Körper beeinträchtigen.
- Schwangerschaft: Schwangere haben einen erhöhten Folsäurebedarf, da Folsäure für die Entwicklung des Fötus unerlässlich ist.
- Chronische Erkrankungen: Chronische Lebererkrankungen wie Leberzirrhose, schwere Verdauungsstörungen wie Zöliakie und Schilddrüsenüberfunktion können zu einem Folsäuremangel führen. Bei einer bestehenden Fruktosemalabsorption kommt es häufig zu einem Mangel an Folsäure.
- Medikamente: Die Einnahme bestimmter Medikamente wie der Antibabypille, Krebsmedikamenten, Rheumamittel und Antiepileptika kann den Folsäurespiegel negativ beeinflussen. Auch Antibiotika oder Magensäureblocker können den Folsäurehaushalt stören.
- Chemotherapie und Bestrahlung: Chemotherapien und Bestrahlungen bedingen oft einen Folsäuremangel.
- Falsche Zubereitung von Lebensmitteln: Beim Verarbeiten, Lagern und Zubereiten von Lebensmitteln geht ein Teil des Folsäuregehalts verloren, da Folsäure wasserlöslich und hitzeempfindlich ist.
Symptome eines Folsäuremangels
Typische Anzeichen eines Folsäuremangels sind:
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- Auffällig blasse Haut
- Stark gerötete und entzündete Zunge (Glossitis)
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Konzentrationsschwäche
- Gewichtsverlust
- Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie)
- In schwerwiegenden Fällen: Herzrhythmusstörungen und Atemnot
Ein Mangel an Blutplättchen erhöht die Anfälligkeit für Blutungen, was zu Schleimhautblutungen, punktförmigen Blutungen in der Haut und vermehrten Blutergüssen führen kann. Ein Mangel an weißen Blutkörperchen macht den Körper anfälliger für Infektionen.
Folgen bei Nichtbehandlung eines Folsäuremangels
Ein chronischer Folsäuremangel kann eine megaloblastische Anämie verursachen. Zusätzlich können Störungen in der Zellteilung auftreten, was besonders negative Auswirkungen auf sich schnell teilende Zellen im Knochenmark und im Verdauungstrakt haben kann.
Während der Schwangerschaft besteht bei unzureichender Folatversorgung ein erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildungen des Embryos, wie Neuralrohrdefekte (z.B. Spina bifida).
Folsäuremangel und Migräne
Diverse Studien deuten darauf hin, dass Migräne-Patienten oft ein Defizit an wichtigen Botenstoffen haben, die für einen funktionierenden Energiestoffwechsel von Bedeutung sind. So haben Migränepatienten häufig erniedrigte Spiegel im Blut an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin D und Coenzym Q10. Vitamin B2, B6, B12, Niacin, Coenzym Q10 und Magnesium haben eine wichtige Funktion bei der Energiebereitstellung und unterstützen so z. B. den Energiestoffwechsel im Gehirn. Da bei Migräne wahrscheinlich der Energiestoffwechsel der Mitochondrien verändert ist, führt eine ausreichende Versorgung der Mikronährstoffe zu einem verbesserten Wohlbefinden.
Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass hohe Homocystein-Werte im Körper eine Migräne begünstigen können. Dazu untersuchte eine australische Studie den Effekt der Homocystein-senkenden Therapie auf die Migränehäufigkeit. Um die Homocystein-Konzentrationen im Körper zu senken, wurden den Probanden Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure über sechs Monate verabreicht.
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Menschen, die an Migräne leiden nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf. Neben Vitamin B12 ist Folat ein wichtiger Kofaktor für Enzyme wie die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), die eine wesentliche Rolle im Homocystein-stoffwechsel spielen. Spezifische Mutationen im MTHFR-Gen wurden mit einer erhöhten Prävalenz von Migräne assoziiert. Zudem zeigen Studien, dass Migränepatienten (v.a.
Erhöhte Homocysteinspiegel infolge folatarmer Ernährung können zu Gefäßverengungen sowie zur Aktivierung der Blutgerinnung und damit einem erhöhten Thromboserisiko führen und bei Personen mit bestimmten Genotypen des MTHFR-Gens Kopfschmerzen hervorrufen. Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 25 mg Vitamin B6 und 400 μg Vitamin B12 sowie 2 mg Folsäure die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern kann. Die beobachteten Effekte waren am stärksten ausgeprägt bei Personen mit bestimmten Mutationen im MTHFR-Gen.
Risikogruppen für einen Folsäuremangel
Auf eine ausreichende Folsäurezufuhr sollten vor allem folgende Personengruppen achten:
- Frauen mit Kinderwunsch
- Schwangere & Stillende
- Frauen mit regelmäßiger Einnahme der Antibabypille
- Personen mit chronischen Erkrankungen
- Raucher
Täglicher Folsäure-Bedarf
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt folgende tägliche Folsäure-Zufuhr:
- Säuglinge und Babys: 60-80 µg
- Kinder: 120-240 µg
- Jugendliche und Erwachsene: 300 µg
- Schwangere: 550 µg
- Stillende: 450 µg
Ernährung bei Folsäuremangel
In der Regel kann der tägliche Bedarf an Folsäure durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung gedeckt werden. Dazu gehören regelmäßig grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Eier, die wertvolle Quellen für Folsäure sind.
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Folgende Lebensmittel enthalten reichlich Folsäure (Menge in µg/100g):
- Rinderleber: 592µg
- Weizenkeime: 520µg
- Hühnerleber: 380µg
- Kichererbsen: 340µg
- Sojabohnen: 250µg
Beim Verarbeiten, Lagern und Zubereiten von Lebensmitteln geht ein Teil ihres Folsäuregehalts verloren. Zudem ist Folsäure wasserlöslich und reagiert empfindlich auf Hitze, weshalb das Vitamin während des Kochens ins Wasser übergeht. Um den Folsäuregehalt in Lebensmitteln zu erhalten, ist es ratsam, sie möglichst frisch zu verzehren oder schonend zuzubereiten.
Behandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln
Bei Folsäuremangelzuständen oder bei einem erhöhten Bedarf (z. B. in der Schwangerschaft und Stillzeit) sollte Folsäure zusätzlich durch Nahrungsergänzungen zugeführt werden. Geeignet sind Präparate, die die empfohlene tägliche Zufuhrgrenze einhalten.
Folsäurezufuhr bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen mit Kinderwunsch sollten täglich 300µg Folat über die Nahrung sowie zusätzlich 400µg Folsäure in Form einer Nahrungsergänzung aufnehmen. Schwangere sollten täglich 550µg Folat zu sich nehmen und zusätzlich 400µg Folsäure durch ein Folsäurepräparat zuführen, um Neuralrohrdefekten beim Embryo vorzubeugen. Stillenden Müttern wird empfohlen, täglich 450µg Folat über die Nahrung aufzunehmen.
Folgen bei Überdosierung
Eine dauerhafte Überdosierung von Folsäure kann sich schädlich auswirken. So können hohe Mengen an nicht verstoffwechselter Folsäure das Immunsystem beeinträchtigen und Magen-Darm-Störungen auslösen. Es besteht zudem die Möglichkeit, dass hohe Folsäurewerte im Blut dazu führen, dass ein möglicher Vitamin-B-Mangel nicht erkannt wird, was wiederum neurologische Störungen nach sich zieht.
Daher empfiehlt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Erwachsene eine tolerierbare Gesamtzufuhrmenge von 1.000 µg Folsäure pro Tag.
Folsäure ist nicht gleich Folsäure
Es gibt verschiedene Formen von Folsäure, die sich in ihrer Bioverfügbarkeit unterscheiden. Die synthetische Form (Pteroylmonoglutaminsäure) muss erst im Körper in die aktive Form (5-Methyltetrahydrofolat, 5-MTHF) umgewandelt werden. Dieser Umwandlungsprozess kann jedoch durch genetische Faktoren (z.B. MTHFR-Mutationen) oder andere Faktoren beeinträchtigt sein. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, direkt die bioaktive Form 5-MTHF zu supplementieren.
Folsäure und Histaminintoleranz
Die Warnung vor Folsäure-Einnahme bei Histaminintoleranz bezieht sich auf die synthetische Form Pteroylmonoglutaminsäure. Ein Folsäuremangel kann bei Histaminintoleranz maßgeblich zum Beschwerdebild beitragen. Wer an Histaminproblemen leidet, sollte Folsäure nicht pauschal meiden, sondern bei einem Mangel darauf achten, 5-MTHF zuzuführen.