Fortgeschrittener Morbus Parkinson: Informationen zu Symptomen, Verlauf und Behandlung

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich bei jedem Betroffenen anders äußert. Der Krankheitsverlauf ist nicht immer geradlinig und schwer vorherzusagen. Symptome, deren Schweregrad und die Geschwindigkeit des Fortschreitens können von Person zu Person variieren. Es gibt jedoch allgemeine Verlaufsmuster, denen Morbus Parkinson in der Regel folgt. Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung ist eine Anpassung der Therapie meist erforderlich. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über fortgeschrittenen Morbus Parkinson, einschließlich Symptome, Krankheitsverlauf und Behandlungsoptionen.

Einführung in Morbus Parkinson

Morbus Parkinson, auch als Parkinson-Krankheit oder Schüttellähmung bekannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Zentralnervensystems. Es handelt sich um eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn, insbesondere in der Substantia nigra, nach und nach absterben. Diese Zellen produzieren den Neurotransmitter Dopamin, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den charakteristischen Bewegungsstörungen der Parkinson-Krankheit.

Stadien des Fortschreitens von Morbus Parkinson

Das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit kann grob in fünf Stadien unterteilt werden [1]:

  • Stadium Eins: Zittern und andere Bewegungssymptome treten in den frühen Stadien der Parkinson-Krankheit auf und betreffen in der Regel nur eine Körperseite. Die Symptome sind in der Regel mild und haben im Allgemeinen nur geringe Auswirkungen auf das tägliche Leben, obwohl nahe Verwandte und Freunde Veränderungen in der Körperhaltung, im Gehverhalten und in der Mimik bemerken können.
  • Stadium Zwei: Die Symptome beginnen sich zu verschlimmern. Zittern, Steifheit und andere Bewegungssymptome können sich stärker bemerkbar machen, da sie nun beide Seiten des Körpers betreffen. Das Gehen wird schwieriger und Haltungsänderungen können deutlicher werden. Die Erledigung alltäglicher Aufgaben kann mehr Zeit als gewöhnlich in Anspruch nehmen.
  • Stadium Drei: Das dritte Stadium ist durch eine Verlangsamung der Bewegungen und einen Verlust des Gleichgewichts gekennzeichnet, die beide das Risiko von Stürzen erhöhen können. Die Intensität der Symptome kann es erheblich erschweren, die Aktivitäten des täglichen Lebens wie Anziehen und Essen zu erledigen.
  • Stadium Vier: Die Symptome verschlimmern sich weiter. Es ist möglich, ohne Hilfe zu stehen, aber eine helfende Hand oder ein Hilfsmittel kann erforderlich sein, um sich zu bewegen. Für viele Aktivitäten des täglichen Lebens ist Hilfe erforderlich, so dass ein unabhängiges Leben eine Herausforderung sein kann.
  • Stadium Fünf: Das am weitesten fortgeschrittene Stadium der Parkinson-Krankheit geht mit einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen einher. Schwere Steifheit in den Beinen kann es unmöglich machen, zu stehen oder zu gehen, und es ist eine Vollzeitbetreuung für die täglichen Aktivitäten erforderlich. Es können sich psychotische Symptome wie Halluzinationen entwickeln; diese Symptome treten bei bis zu 50% von Patienten mit Parkinson [2]. Demenz ist ebenfalls weit verbreitet und betrifft etwa 30% der Menschen mit Parkinson [3].

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen bei Morbus Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen eine Rolle spielt.

  • Genetische Faktoren: Bei einigen Patienten tritt die Parkinson-Krankheit gehäuft in Familien auf, was auf eine genetische Veranlagung hindeutet.
  • Umwelteinflüsse: Bestimmte Umweltfaktoren wie Pestizide und Herbizide werden mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Parkinson in Verbindung gebracht.

Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung treten neben den motorischen Kardinalsymptomen Tremor, Rigor und Bradykinese zusätzliche motorische Symptome auf, welche die Behandlung verkomplizieren (8, 9). Zu den motorischen Komplikationen zählen zum Beispiel vorhersagbare Wearing-off-Fluktuationen nach Einnahme einzelner Levodopa-Dosierungen, d. h. Wiedereintreten oder Verstärkung motorischer Symptome vor oder kurze Zeit nach der nächsten Levodopa-Einnahme. Weitere motorische Fluktuationen, die den Krankheitsverlauf relevant beeinträchtigen, sind partielle, fehlende oder verzögert einsetzende Wirkung einzelner Levodopa-Gaben, unvorhersagbare plötzliche Off-Zustände, End of dose- Rebound oder rasch wechselnde On-/Off-Fluktuationen. Außerdem können verschiedene Arten von Dyskinesien und Dystonien auftreten (10).

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Erschwerend kommen im fortgeschrittenen Stadium auch nichtmotorische Komplikationen wie Blasenentleerungsstörungen, orthostatische Dysregulation, psychotische Symptome und demenzielle Entwicklung dazu (Tabelle 1). Die richtige Behandlung dieser Komplikationen stellte die zuständigen Ärzte häufig vor große Herausforderungen.

Tabelle 1: Delphi-Panel-Konsensus für das fortgeschrittene Parkinson-Syndrom

Hinweis: Eine Tabelle mit den Delphi-Panel-Konsensus-Kriterien sollte hier eingefügt werden, um die Informationen vollständig darzustellen.

Diagnose

Die Diagnose von Morbus Parkinson wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und ein ausführliches Gespräch mit einem Neurologen gestellt. Der Arzt wird die Reflexe, die Empfindlichkeit gegenüber Schmerz oder Druck und die Beweglichkeit testen. Um die Diagnose zu sichern, kann ein L-Dopa-Test durchgeführt werden. Dabei wird das Medikament Levodopa verabreicht und geprüft, ob die Symptome abnehmen.

Da Parkinson insbesondere im Anfangsstadium nur schwer von anderen Erkrankungen unterschieden werden kann, ist es sinnvoll, die Beschwerden und deren Entwicklung genau zu beobachten.

Behandlungsmöglichkeiten im fortgeschrittenen Stadium

Obwohl es derzeit keine Heilung für Morbus Parkinson gibt, gibt es verschiedene Behandlungen, die die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können.

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Medikamentöse Therapie

Einige Medikamente erhöhen oder ersetzen beispielsweise Dopamin, um die Symptome im Zusammenhang mit dem Gehen, der Bewegung und dem Zittern zu lindern. Zu den wichtigsten Medikamenten gehören:

  • Levodopa: Wird im Körper in Dopamin umgewandelt und gleicht den Dopaminmangel aus.
  • Dopamin-Agonisten: Wirken ähnlich wie Dopamin im Gehirn und stimulieren die Dopaminrezeptoren.
  • MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von Levodopa, indem sie den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen.

Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung kommen nach Ausschöpfung der oralen/transdermalen medikamentösen Therapieoptionen insbesondere nichtorale, intensivierte Folgetherapien zum Einsatz. Zur Verfügung stehen hier neben der tiefen Hirnstimulation die Gabe von subkutanem Apomorphin sowie von intestinalem Levodopa, seit Kurzem auch in Kombination mit dem COMT-Hemmer Entacapon.

Tiefe Hirnstimulation

Von der tiefen Hirnstimulation profitieren insbesondere Patienten mit (L-Dopa-induzierten) Dyskinesien, Wirkfluktuationen oder einem ausgeprägten Ruhe-/Haltetremor. Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, um die Hirnaktivität zu regulieren und die Symptome zu reduzieren.

Apomorphin-Therapie

Eine subkutane Apomorphin-Therapie kann eingesetzt werden, um OFF-Dauer und Dyskinesien sowie insgesamt motorische Wirkfluktuationen im Tagesverlauf zu verbessern (11). Apomorphin ist ein stark wirksamer Dopamin-Agonist, der unter die Haut gespritzt wird.

Intestinale Levodopa-Infusion

Zur Applikation von intestinalem Levodopa über eine PEJ-Anlage direkt ins proximale Jejunum stehen seit März in Deutschland 2 Verfahren zur Verfügung: Bereits seit einigen Jahren kann eine Behandlung mittels intestinaler L-Dopa-Infusion (Levodopa-Carbidopa Intestinal Gel; LCIG) erfolgen, um OFF-Dauer und Dyskinesien bei Patienten mit schweren motorischen Komplikationen zu verbessern (12). Seit Kurzem besteht zudem die Möglichkeit einer ebenfalls jejunalen Infusionstherapie von Levodopa/Carbidopa in Kombination mit dem COMT-Hemmer Entacapon (Levodopa-Entacapone-Carbidopa Intestinal Gel; LECIG) mit derselben Indikation. (13). Hierbei wird Levodopa kontinuierlich über eine Sonde in den Dünndarm infundiert, um einen gleichmäßigeren Dopaminspiegel im Gehirn zu gewährleisten.

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Nicht-medikamentöse Therapie

Neben Medikamenten können auch einige Lebensstilfaktoren eine Rolle bei der Bewältigung der Symptome von Morbus Parkinson spielen, z. B:

  • Ernährung: Eine ausgewogene, nahrhafte Ernährung ist gut für Ihre allgemeine Gesundheit und kann auch dazu beitragen, einige der nicht bewegungsbezogenen Symptome von Parkinson zu lindern. Zum Beispiel kann eine ballaststoffreiche Ernährung und eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr dazu beitragen, Verstopfungen zu lindern und den entwässernden Wirkungen einiger Parkinson-Medikamente entgegenzuwirken. An Parkinson Erkrankte sollten möglichst auf Fertiggerichte, gesättigte Fettsäuren und übermäßigen Zuckerkonsum verzichten.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung verbessert die Muskelkraft, die Koordination, das Gleichgewicht und die Flexibilität - all dies kann dazu beitragen, das Sturzrisiko zu verringern. Ungefähr 45% bis 68% der Menschen mit Morbus Parkinson werden jedes Jahr fallen [5]. Forscher untersuchen noch immer, ob regelmäßiger Sport das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit auf lange Sicht verändern kann. In einer 2022 in Neurology veröffentlichte Studie [6], Die Forscher fanden heraus, dass Patienten mit Morbus Parkinson im Frühstadium, die sich jede Woche vier Stunden lang mäßig bis kräftig bewegten, eine langsamere Verschlechterung des Gleichgewichts und des Gehens aufwiesen als Patienten, die weniger häufig trainierten. Um den Zusammenhang zwischen Bewegung und der Bewältigung von Parkinson-Symptomen besser zu verstehen, sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich.
  • Physiotherapie: Mittels Physiotherapie werden die Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und die Stabilität des Körpers gefördert.
  • Ergotherapie: Bei der Ergotherapie üben an Parkinson Erkrankte Alltagsbewegungen und -tätigkeiten.
  • Sprechtherapie: Die Sprechtherapie dient der Verbesserung der Sprechstörung. Dabei werden die Muskeln für die Lautstärke der Stimme, die Atemtechnik und eine klare Aussprache trainiert.

Zusätzliche Therapieansätze

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um mit den körperlichen Beschwerden, Kommunikationsproblemen und Auswirkungen auf die Psyche besser klarzukommen. Die Betreuung der betroffenen Menschen ist immer auch eine Motivationsarbeit. Und jedes Gespräch dient auch der Motivation des Betroffenen, mehr Bewegung zu machen.

Definition des fortgeschrittenen Parkinson-Syndroms

Obwohl weltweit mehrere wissenschaftliche Expertengruppen an Kriterien zur Definition des fortgeschrittenen Parkinson-Syndroms („advanced Parkinson’s disease; aPD) arbeiten, konnte bisher keine einheitliche Akzeptanz der Bewertungskriterien erzielt werden (14, 15). Allerdings besteht ein relativer Konsens über bestimmte „robuste“ Bewertungskriterien wie zum Beispiel Grad der motorischen Fluktuation, Häufigkeit der Levodopa-Einnahmen am Tag oder dem Vorhandensein von speziellen nichtmotorischen Symptomen (16).

Bedingt durch das Fehlen klarer Kriterien und daraus resultierenden Unsicherheiten hinsichtlich des Zeitpunkts und der Auswahl des Therapieverfahrens für Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung kommt es häufig zu einer Prolongierung der oralen Therapiestrategien, teilweise mit mehreren frustranen Versuchen der Behandlungsoptimierung (14). Auf diese Weise werden nichtorale Folgetherapien (z.B. tiefe Hirnstimulation oder Pumpentherapien) oft erst verhältnismäßig spät als in Betracht gezogen, wodurch es zu vermeidbaren Beeinträchtigungen der Lebensqualität bei den Betroffenen kommen kann (15, 17).

Wenn trotz Anpassung der oralen/transdermalen Medikation keine ausreichende Kontrolle motorischer Komplikationen (Wirkfluktuationen, Dyskinesien) mehr möglich ist, wird allgemein von einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium ausgegangen. Im weiteren Verlauf kann der fortgeschrittene Morbus Parkinson in das Spätstadium, der Parkinson-Krankheit, übergehen. Hier treten die Levodopa-responsiven motorischen Komplikationen oft wieder in den Hintergrund der klinischen Beschwerden.

Im Spätstadium wird die Lebensqualität insbesondere durch nicht-Levodopa-responsive motorische Symptome, wie zum Beispiel posturale Instabilität, axiale Deformitäten oder rezidivierende Stürze sowie durch spezielle nichtmotorische Symptome, zum Beispiel Parkinson-Demenz, (visuelle) Halluzinationen oder auch urologische Komplikationen, beeinträchtigt (18, 19). Der Einsatz von nichtoralen Folgetherapien ist hier oft nicht mehr zielführend beziehungsweise Erfolg versprechend und sollte deshalb bereits vor Erreichen dieses Stadiums in Betracht gezogen werden.

Grafik 1

Hinweis: Eine Grafik zur Veranschaulichung der verschiedenen Definitionskonzepte sollte hier eingefügt werden.

Zur Verfügung stehende Definitionskonzepte:

Eine europäische Expertengruppe hat in einem Delphi-Verfahren klinische Indikatoren für das Vorliegen eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums ermittelt. Medical Affairs und Health Economics and Outcomes, der Parkinson’s Foundation und einem internationalen Gremium von Spezialisten für Bewegungsstörungen die Entwicklung des MANAGE-PD-Tools. Dies bewertet in 2 Abschnitten Auftreten, Schweregrad und Häufigkeit motorischer, nicht-motorischer und funktioneller Symptome (Grafik 2):

Grafik 2: Der Manage-PD-Algorithmus

Hinweis: Eine Grafik des Manage-PD-Algorithmus sollte hier eingefügt werden.

Abschnitt 1 beinhaltet anhand mehrerer Einzelfragen eine Überprüfung auf unzureichende Kontrolle der aktuellen oralen Behandlung. Abschnitt 2 beurteilt anschließend die Eignung für die Einleitung einer nichtoralen, intensivierten Folgetherapie zur besseren Symptomkontrolle. Entsprechend der Antworten ordnet ein Algorithmus die Patienten einer von drei Kategorien zu (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Das MANAGE-PD-Konzept

Hinweis: Eine Tabelle mit dem MANAGE-PD-Konzept sollte hier eingefügt werden.

Vorteile und Limitationen:

Ein Vorteil dieses Tools ist seine einfache Handhabung, wodurch es prinzipiell nicht nur von neurologischen Fachärzten, sondern insbesondere auch von Hausärzten und Geriatern genutzt werden kann, um Parkinson-Patienten im fortgeschrittenen Stadium früher zu identifizieren. Außerdem werden hier auch nichtmotorische Symptome als Entscheidungshilfe für die Klassifikation als fortgeschrittenes Krankheitsstadium berücksichtigt. Da die verwendeten Entscheidungskriterien allerdings von Neurologen mit besonderer Parkinson-Expertise ohnehin schon im klinischen Alltag angewandt werden dürften, ist für diese Gruppe der Zusatznutzen dieses Tools wahrscheinlich eher marginal.

Das MAF/D-Konzept

Das MAF/D-Konzept basiert auf einem pragmatischen Algorithmus für die Optimierung der oralen/transdermalen Medikation bei Fluktuationen und Dyskinesien (6). Von MAF (medikamentös ausbehandelten Wirkfluktuationen) spricht man, wenn trotz optimaler Anpassung der oralen oder transdermalen Medikation keine ausreichende Symptomkontrolle motorischer Komplikationen zu erzielen ist. Voraussetzung ist eine ausreichend lange Behandlung mit einer 4-fach-Kombination aus Levodopa, COMT-Hemmer, MAO-B-Hemmer und Dopaminagonist in optimaler Dosierung.

Bei persistierendem Vorhandensein von Dyskinesien sollte zudem ein additiver Behandlungsversuch mit Amantadin erfolgt sein. Wenn hierdurch keine Kontrolle der Dyskinesien erzielt werden kann, liegen MAF + Dyskinesien (MAF/D) vor. In dieser Situation besteht dann üblicherweise die Indikation zur Prüfung der Behandlung mittels Pumpentherapien oder tiefer Hirnstimulation als intensivierte Therapiestrategien (6).

Vorteile und Limitationen:

Ein Vorteil dieses Tools ist die Fokussierung auf medikamentöse Strategien. Durch Anwendung dieses Algorithmus können Behandler medikamentöse Therapien schnell optimieren und erhalten klare Hinweise darauf, welcher medikamentöse Wirkmechanismus ggf. noch genutzt werden könnte, um die motorischen Komplikationen der Patienten zu verbessern. Allerdings finden die ebenfalls sehr beeinträchtigenden nichtmotorischen Symptome hier keine Berücksichtigung. Die Bewertung der bislang erfolgten medikamentösen Behandlungsstrategien und die Empfehlung weiterer komplexer Wirkstoffkombinationen wird im klinischen Alltag nicht durch Hausärzte und Geriater erfolgen, sondern durch Neurologen mit besonderer Parkinson-Expertise. Für diese Gruppe bietet das Konzept eine schnelle Orientierungshilfe.

Das CDEPA-Konzept

Dieses Konzept wurde im Rahmen einer Delphi-Studie in Spanien entwickelt, um mittels einfacher Screening-Fragen ebenfalls Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung frühzeitig detektieren zu können (21). Dabei wurde zwischen definitiven, wahrscheinlichen und möglichen diagnostischen Kriterien unterschieden (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3: Das CDEPA-Konzept (modifiziert nach Martinez-Martin, et al., 2018)

Hinweis: Eine Tabelle mit dem CDEPA-Konzept sollte hier eingefügt werden.

Alle entsprechenden Fragen werden entweder mit „Ja“ (wenn Symptomatik vorhanden) oder „Nein“ (wenn Symptomatik nicht vorhanden) beantwortet.

Das Vorhandensein eines definitiven Symptoms führt automatisch zur Diagnosestellung eines fortgeschrittenen Parkinson-Syndroms.

Das Vorhandensein von 2 wahrscheinlichen Symptomen aus 2 verschiedenen Kategorien wird wie das Vorhandensein eines definitiven Symptoms gewertet.

Bei den möglichen Symptomen wird die Kombination aus einem motorischen oder nichtmotorischen Symptom sowie einem zusätzlichen neurokognitiven oder neuropsychiatrischen Symptom wie ein wahrscheinliches Symptom gewertet. In einer entsprechenden Validierungsstudie wurden unter Verwendung dieses Konzepts fast doppelt so viele Patienten einem fortgeschrittenen Parkinson-Stadium zugeordnet wie unter Verwendung herkömmlicher klinischer Standards (7).

Vorteile und Limitationen:

In diesem Diagnostik-Tool finden ebenfalls motorische und nichtmotorische Symptome sowie Einschränkungen der täglichen Aktivität Berücksichtigung bei der Entscheidung, welche Patienten dem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung zugeordnet werden sollten. Es handelt sich hier im Vergleich mit den beiden anderen um das komplexeste Klassifizierungssystem und operationalisiert das fortgeschrittene Stadium der Parkinson-Krankheit wie eine eigenständige Diagnose, die je nach dem Vorhandensein definitiver, wahrscheinlicher und möglicher Symptome mit ausreichender Sicherheit gestellt werden kann.

Besonders hervorzuheben ist, dass in dieses Klassifikationssystem auch die Dysphagie Eingang findet, ein Symptom, das von großer klinischer Relevanz ist (Aspirationspneumonien etc.), aber häufig unbeachtet bleibt. Die Zielgruppe besteht aus klinisch tätigen Neurologen, die ihren Tätigkeitsfokus im Bereich der Parkinson-Syndrome und Bewegungsstörungen haben. Für Hausärzte und Geriater dürfte dieses Tool eher weniger gut geeignet sein.

Einsatz im klinischen Alltag

Die vorgestellten Konzepte des fortgeschrittenen Morbus Parkinson können trotz bestehender Limitationen wichtige Hilfestellung bei der Einordnung von Parkinson-Patienten in ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung und der Identifizierung von möglichen Kandidaten für spezifische Therapieansätze liefern. Entsprechend dem jeweiligen klinischem Setting können sie daher in der Versorgung von Parkinson-Patienten genutzt werden, zum Beispiel auch im Rahmen von Netzwerkstrukturen.

Für die Zukunft ist jedoch zu erwarten, dass jenseits der vorgestellten Konzepte eine immer detailliertere und individuellere Bestimmung des Krankheitsstadiums (nicht „one fits for all“-Prinzip) und der jeweils vorrangig zu behandelnden Symptomen möglich wird, wie dies bereits in einzelnen Symptom-Cluster-Analysen gezeigt werden konnte (22, 23).

Leben mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist unvorhersehbar und sehr individuell. Die Krankheit verläuft nicht linear, nicht jeder leidet unter den gleichen Symptomen oder der gleichen Intensität der Symptome, und ein Behandlungsplan, der bei einer Person gut funktioniert, muss bei einer anderen nicht unbedingt zu den gleichen Ergebnissen führen. Das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit zu verfolgen und kontinuierlich das Maß an personalisierter Behandlung bereitzustellen, das für eine optimale Symptomkontrolle erforderlich ist, kann jedoch eine Herausforderung sein - vor allem, weil die Ärzte zwischen den Konsultationen nur einen begrenzten Einblick in die Patienten haben.

Es ist wichtig, dass Betroffene und ihre Angehörigen eng mit einem Team von Spezialisten zusammenarbeiten, um einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln, der auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Morbus Parkinson kann sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen eine große Belastung darstellen. Es gibt jedoch viele Ressourcen, die Unterstützung und Informationen bieten können:

  • Selbsthilfegruppen: Bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu lernen.
  • Beratungsstellen: Bieten professionelle Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
  • Online-Foren und -Communities: Bieten eine Plattform für den Austausch von Informationen und Erfahrungen.

Lebenserwartung

Laut Statistik hat ein optimal behandelter Mensch mit Parkinson-Syndrom heute fast die gleiche Lebenserwartung wie eine gleichaltrige gesunde Person. Wer heute mit 63 Jahren die Diagnose Parkinson bekommt, kann schätzungsweise mit weiteren 20 Lebensjahren rechnen. Die Parkinson-Krankheit selbst ist also in der Regel nicht tödlich.

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