Warum Frauen häufiger an Migräne leiden als Männer: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke, pochende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die oft von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Obwohl Migräne Männer und Frauen jeden Alters betreffen kann, sind Frauen deutlich häufiger betroffen. Dieser Artikel untersucht die Ursachen für diese geschlechtsspezifische Ungleichheit und beleuchtet die Rolle von Hormonen, genetischer Veranlagung und anderen Faktoren. Darüber hinaus werden Behandlungs- und Präventionsstrategien für Migräne bei Frauen erörtert.

Migräne: Eine geschlechtsspezifische Erkrankung

Frauen leiden etwa dreimal häufiger an Migräne als Männer. Laut einer Analyse des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) aus dem Jahr 2022 erhielten in Deutschland rund 55 von 1.000 Frauen eine Migränediagnose, verglichen mit nur 16 von 1.000 Männern. Diese Unterschiede treten typischerweise zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf.

Die Techniker Krankenkasse (TK) stellte fest, dass im Jahr 2018 fast fünfmal so viele Frauen wie Männer spezifische Medikamente gegen Migräne und Kopfschmerzen (Triptane) verordnet bekamen. Im Durchschnitt erhielten 25 von 1.000 weiblichen Versicherten Triptane, verglichen mit nur 5 von 1.000 männlichen Versicherten.

Hormonelle Einflüsse: Der Schlüssel zur geschlechtsspezifischen Migräne

Ein wesentlicher Faktor für die höhere Migräneprävalenz bei Frauen sind hormonelle Schwankungen. Diese Schwankungen können den Entzündungsbotenstoff CGRP im Gehirn freisetzen. Östrogene scheinen die Schmerzempfindlichkeit ansteigen zu lassen.

Menstruelle Migräne

Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus können Migräneattacken auslösen. Die menstruelle Migräne tritt häufiger im zeitlichen Zusammenhang mit der Menstruation auf. Der kritische Zeitraum beginnt zwei Tage vor der Menstruation und dauert fünf Tage an. Anfälle in diesem Zeitraum sind besonders schwerwiegend: Sie dauern länger, die Schmerzen sind stärker, und Frauen leiden häufiger unter Erbrechen.

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Bisherige Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Attacken um die Menstruation herum vermutlich durch den prämenstruellen Abfall des Östrogenspiegels ausgelöst werden. Nicht die absolute Höhe des Hormonspiegels, sondern dessen Veränderung ist hierbei entscheidend.

Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft erleben viele Migränepatientinnen eine Besserung ihrer Symptome. Dies gilt insbesondere für Migräne ohne Aura, bei der die Attacken im Zusammenhang mit der Menstruation auftreten. Ab dem vierten Monat, wenn stabile hochnormale Östrogenspiegel vorliegen, bessert sich die Migräne bei 50 bis 80 Prozent der schwangeren Frauen oder es treten gar keine Attacken auf. Nach der Geburt, wenn der Östrogenspiegel abfällt, treten häufig wieder Anfälle auf. Stillen kann den Östrogenspiegel aufrechterhalten und die Rückkehr der Migräne hinauszögern.

In der Schwangerschaft sollten alle Möglichkeiten zur Vorbeugung ohne Medikamente ausgeschöpft werden, da die Einnahme von Medikamenten die vorgeburtliche Entwicklung beeinträchtigen kann. Auch in der Stillzeit können Medikamente ein Risiko für das Kind darstellen. Bei Unsicherheiten bezüglich der Einnahme von Schmerzmitteln während der Schwangerschaft oder Stillzeit kann man sich beim Institut Embryotox informieren.

Wechseljahre

In der Übergangsphase in die Wechseljahre, in der Frauen ihre Periode unregelmäßiger bekommen, steigt zunächst das Risiko für häufige Migräneattacken. Im Durchschnitt leiden Frauen nach den Wechseljahren seltener an Migräne als während und davor. Oft verschwinden die Migräneattacken oder sie werden seltener, leichter oder klingen schneller ab. Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen mit Migräne nach den Wechseljahren ein höheres Risiko für Bluthochdruck haben als Frauen ohne Migräne.

Pille

Ob die Pille als Hormonpräparat als Migräneauslöser in Frage kommt, ist umstritten. Es gibt Hinweise in beide Richtungen: Dass die Pille, insbesondere bei einem östrogenhaltigen Präparat, Anfälle auslöst ebenso wie dass die Pille Anfälle reduziert oder abmildert. Klärung kann nur eine individuelle Beobachtung unter fachärztlicher Anleitung bringen. Beachtet werden sollte auch, dass die Einnahme der Pille bei einer Migräne mit Aura das Schlaganfallrisiko erhöhen kann. Dies gilt besonders für Frauen, die zusätzliche Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen und rauchen. Frauen sollten beim Arzt grundsätzlich ansprechen, dass sie unter Migräne leiden, bevor sie sich die Pille verschreiben lassen.

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Weitere Faktoren, die Migräne bei Frauen beeinflussen

Neben hormonellen Einflüssen gibt es weitere Faktoren, die zur höheren Migräneprävalenz bei Frauen beitragen können:

  • Genetische Veranlagung: Migräne kann familiär gehäuft auftreten, was auf eine genetische Komponente hindeutet.
  • Stress: Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräneattacken, und Frauen sind möglicherweise anfälliger für die Auswirkungen von Stress.
  • Psychosoziale Faktoren: Frauen unterliegen stärker den psychosozialen Folgen, die die Schwere der Erkrankung beeinflussen und dazu beitragen können, dass die Beschwerden chronisch werden. Migränepatientinnen leiden häufiger als Migränepatienten unter Beziehungsproblemen, Unverständnis des familiären Umfelds sowie vermehrter Angst in der anfallsfreien Zeit vor erneuten Attacken.
  • Lebensstilfaktoren: Unregelmäßiger Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten und bestimmte Nahrungsmittel können ebenfalls Migräneattacken auslösen.

Behandlung und Prävention von Migräne bei Frauen

Die Behandlung von Migräne bei Frauen umfasst sowohl Akuttherapien zur Linderung von Schmerzen während einer Attacke als auch präventive Maßnahmen zur Reduzierung der Häufigkeit und Intensität von Attacken.

Akuttherapie

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen oder Naproxen können bei leichten bis mittelschweren Attacken helfen.
  • Triptane: Triptane sind spezifische Migränemedikamente, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und Entzündungen reduzieren. Sie sind besonders wirksam bei mittelschweren bis schweren Attacken. Allerdings ist die Wirksamkeit bei der menstruellen Migräne vermindert. Die Kombination mit einem NSAR kann deshalb von Vorteil sein.
  • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können helfen, diese Begleitsymptome zu lindern.

Präventive Maßnahmen

  • Medikamentöse Prophylaxe: In bestimmten Fällen kann die vorbeugende Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein, um die Attacken abzuschwächen oder ihnen vorzubeugen. Hierzu gehören Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika und CGRP-Inhibitoren.
  • Hormonelle Therapie: Bei menstrueller Migräne kann eine hormonelle Therapie in Erwägung gezogen werden, um den Östrogenspiegel zu stabilisieren.
  • Lifestyle-Anpassungen: Regelmäßiger Schlaf, gesunde Ernährung, Stressmanagement und der Verzicht auf bekannte Auslöser können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstraining, progressive Muskelentspannung und Biofeedback können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Ausdauersport: Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Ausdauersport, kann ebenfalls zur Migräneprävention beitragen.

Kurzzeitprophylaxe

Die schwierige Akutbehandlung und der Umstand, dass die Attacken besonders schwer sind und lange dauern, machen eine Kurzzeitprophylaxe nötig. Dabei nehmen die Betroffenen zwei Tage vor Menstruationsbeginn fünf Tage lang ein- bis zweimal täglich Naproxen 500 mg ein. Auch Naratriptan, Frovatriptan und Sumatriptan sind in der Kurzzeitprophylaxe wirksam (Off-label-use).

Nichtmedikamentöse Behandlungen

  • Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Migräneprävention wirksam sein kann.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Riboflavin und Coenzym Q10 können bei einigen Menschen die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.

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