Freisetzung von Acetylcholin in Schweißdrüsen: Mechanismen und Implikationen

Einführung

Schwitzen ist ein lebensnotwendiger Vorgang zur Regulierung der Körpertemperatur. Der Mensch verfügt über Millionen von Schweißdrüsen, die über die gesamte Haut verteilt sind, besonders zahlreich an Handflächen, Fußsohlen, Achselhöhlen und Stirn. Bei manchen Menschen kommt es jedoch zu übermäßigem Schwitzen, auch Hyperhidrose genannt, die über die normale Thermoregulation hinausgeht. Dieser Artikel beleuchtet die Mechanismen der Schweißdrüsenaktivierung, insbesondere die Rolle von Acetylcholin, und diskutiert die verschiedenen Aspekte der Hyperhidrose.

Arten von Schweißdrüsen

Es gibt zwei Haupttypen von Schweißdrüsen: ekkrine und apokrine. Sie unterscheiden sich in Struktur, Verteilung, Entwicklung, Funktion und Stimulierbarkeit.

Ekkrine Schweißdrüsen

Ekkrine Schweißdrüsen sind über den ganzen Körper verteilt und dienen hauptsächlich der Thermoregulation. Jede Drüse besteht aus einem Drüsenknäuel, einem langen Gang und einem Akrosyringium. An Handflächen und Fußsohlen finden sich bis zu 600 Drüsen pro cm², in der Glutealregion dagegen nur etwa 60. Unter extremen Bedingungen können bis zu 3 Liter Schweiß pro Stunde abgesondert werden, um den Körper vor Überhitzung zu schützen.

Ekkriner Schweiß ist klar und geruchlos und entsteht in zwei Schritten:

  1. Innerhalb des sekretorischen Drüsenknäuels entsteht ein nahezu isotonischer, pH-neutraler Primärschweiß.
  2. Dieser wird von den sekretorischen Klarzellen mithilfe eines ATPase-abhängigen Na+/K+/Cl2--Austauschs in das Drüsenlumen gebracht.

In den Ausführungsgängen werden Natrium und Chlorid reabsorbiert, wodurch der Schweiß an der Hautoberfläche hypoton wird und einen sauren pH-Wert zwischen 5 und 6 aufweist. Weitere Bestandteile sind Kalzium, Magnesium, Ammonium, Harnstoff, Laktat, Aminosäuren, biogene Amine und Peptide. Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel steigt auch der Glukosegehalt im Schweiß, was mikrobielle Infektionen begünstigen kann. Auch Alkohol und Medikamente wie Amphetamine, Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Griseofulvin und Ketoconazol können im Schweiß nachgewiesen werden.

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Apokrine Schweißdrüsen

Apokrine Schweißdrüsen finden sich postpartal nur noch in der Axilla, genitoanal und vereinzelt um Brustwarzen und Nabel. Sie erfahren erst während der Pubertät einen funktionellen Entwicklungsschub. Die Sekretabsonderung erfolgt apokrin, d.h. unter Abstoßung von distalen Drüsenzellelementen mit einem pulsatilen Sekretionsrhythmus. Das milchig-trübe Sekret wird an den Haarschaft abgegeben, wo es sich mit dem Talg des Haarfollikels mischt. Neben Lipiden und Glykoproteinen enthält der apokrine Schweiß geschlechtsabhängig unterschiedliche Androgenkonzentrationen. Bei vielen Säugetieren spielen apokrine Drüsen beim Paarungsverhalten sowie bei der Revierbegrenzung und Hierarchieabgrenzung eine wichtige Rolle. Die dabei freigesetzten chemischen Signale werden als Pheromone bezeichnet.

In der Axilla findet sich mit Beginn der Pubertät eine Mischform von apokrinen und ekkrinen Drüsen, die bei Erwachsenen etwa die Hälfte aller axillaren Schweißdrüsen darstellt.

Die Rolle von Acetylcholin

Thermische und emotionale Stimuli führen über hypothalamische Regelkreise zu einer Sympathikusaktivierung. Die Schweißdrüsen werden über cholinerge Fasern des sympathischen Nervensystems stimuliert. Acetylcholin (ACh) ist der Neurotransmitter, der an den Nervenendigungen freigesetzt wird und an die Rezeptoren der Schweißdrüsen bindet, um die Schweißproduktion anzuregen.

Cholinerge Neurotransmission

Die cholinerge Neurotransmission ist ein komplexer Prozess:

  1. Acetylcholin (ACh) wird in den synaptischen Spalt freigesetzt.
  2. Der Cholintransporter (CHT) nimmt Cholin in das präsynaptische Neuron auf.
  3. Der vesikuläre ACh-Transporter (VAChT) nimmt ACh in das Speichervesikel auf.
  4. ACh bindet an Muskarinrezeptoren auf den Schweißdrüsen, was zur Schweißsekretion führt.
  5. Acetylcholinesterase (AChE) baut ACh ab, um die Signalübertragung zu beenden.

Beeinflussung der Acetylcholin-Freisetzung

Die Freisetzung von Acetylcholin kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden:

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  • Botulinumtoxin: Hemmt die Freisetzung von Acetylcholin und wird zur Behandlung von Hyperhidrose eingesetzt.
  • Anticholinergika: Blockieren die Acetylcholin-Rezeptoren und reduzieren die Schweißproduktion.
  • Cholinergika: Erhöhen die Acetylcholin-Spiegel und können die Schweißproduktion steigern.

Hyperhidrose: Übermäßiges Schwitzen

Hyperhidrose ist definiert als übermäßiges Schwitzen, das über die Erfordernisse der Wärmeregulation hinausgeht. Es wird nicht anhand der Schweißmenge, sondern aufgrund der Fehlfunktion des Schwitzens definiert. Man unterscheidet fokale Formen (meist palmoplantar oder axillar) von generalisierten Formen. Zudem wird die Hyperhidrose entweder als primär (idiopathisch) oder als sekundär, als Folge anderer Grunderkrankungen, definiert.

Ursachen der Hyperhidrose

Die Ursachen des übermäßigen Schwitzens können vielfältig sein:

  • Primäre Hyperhidrose: Eine Fehlfunktion der Schweißdrüsen, bei der die Schweißproduktion 4-5-mal die normale Produktion überschreitet.
  • Sekundäre Hyperhidrose: Folge anderer Grunderkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, hormonelle und psychische Erkrankungen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung vermehrtes Schwitzen verursachen.
  • Wechseljahre: Hormonelle Veränderungen können zu generalisiertem Schwitzen führen.
  • Neuropathische Ursachen: Partielle Nervenschädigungen können zu reaktiver funktioneller Hyperhidrose führen.
  • Gustatorisches Schwitzen: Ausgelöst durch scharf gewürzte oder saure Speisen.

Diagnose der Hyperhidrose

Die Diagnose der primären fokalen Hyperhidrose wird anhand der Anamnese gestellt. Typisch sind:

  • Beginn vor dem 25. Lebensjahr
  • Symmetrisches Auftreten
  • Kein Schwitzen während des Schlafs
  • Schwitzanfälle >1-mal/Woche mit Beeinträchtigung bei den alltäglichen Aktivitäten

Abzugrenzen hiervon sind Hinweise auf eine zugrunde liegende körperliche Erkrankung wie Nachtschweiß, starke Gewichtsänderung sowie Hinweise auf Herz-Kreislauf- oder Hormonstörungen.

Therapie der Hyperhidrose

Die Behandlungsmöglichkeiten von starkem Schwitzen sind äußerst vielfältig:

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  • Topische Behandlung:
    • Aluminiumchloridhexahydrat: Wirkt durch Okklusion des Akrosyringiums.
    • Antiperspirantien: Enthalten Aluminiumchlorid in geringerer Konzentration.
    • Gerbstoffe: Verschließen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen.
    • Glycopyrrolat: Anticholinergikum zur topischen Anwendung.
  • Iontophorese: Hemmt sudomotorische Nervenendigungen durch schwachen Gleichstrom.
  • Botulinumtoxin A: Hemmt die Freisetzung von Acetylcholin und wird intradermal injiziert.
  • Systemische Medikamente:
    • Anticholinergika (Bornaprin, Methantheliniumbromid): Wirken anticholinerg und reduzieren die Schweißproduktion.
    • Salbeitee oder -extrakt: Traditionelles Mittel bei vermehrter Schweißsekretion.
  • Chirurgische Verfahren:
    • Schweißdrüsenexzision: Entfernung des betroffenen Areals.
    • Schweißdrüsenkürettage: Abkratzen der Schweißdrüsen.
    • Liposuktion: Absaugung des subkutanen Fettgewebes.
    • Endoskopische thorakale Sympathektomie: Blockiert den Sympathikusnerv.
  • Radiofrequenz-Thermotherapie (RFTT): Zerstört die Schweißdrüsen durch Zufuhr von bipolarer RF-Energie.

Weitere Maßnahmen

Zusätzlich zu den spezifischen Therapien können folgende Maßnahmen helfen:

  • Reduzierung der Behaarung in den Axillen
  • Tragen von lockerer Kleidung aus Baumwolle oder Leinen
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Vermeidung von scharfen Gewürzen, Zwiebeln und Knoblauch
  • Reduktion von Alkohol, Koffein und Nikotin
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Tai Chi, Qi Gong oder Autogenes Training
  • Regelmäßiger Ausdauersport und Saunabesuche

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